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 E & BJ Capper Nagold 2005/2006

 

5.11.2005

Karlštejn / Karlstein

 Des Kaisers Schatzkammer

Imperial treasure chamber

In Prag im November einen offenen Campingplatz zu finden, stellt kein größeres Problem dar. Wir können sogar auswählen und entscheiden uns für diesen Platz auf einer Moldauinsel.

In Prague, in contrast to the rest of the country, it isn’t difficult to find an open camping site in November. We choose this one on an island in the River Vltava.

Obwohl sich das trübe Wetter festgesetzt zu haben scheint, ist es  - zumindest für eine Stunde - warm genug, um vor dem Wohnwagen zu sitzen und die zahlreichen Kanuten auf der Moldau zu beobachten. Wir entdecken sogar den Bus der tschechischen Kanu-Nationalmannschaft auf dem Campingplatz und versuchen zu enträtseln, welche der ausdauernd auf dem Fluss trainierenden Wassersportler zu ihr zu gehören scheinen.
Die Rezeptionistin erzählt auf unsere Nachfrage hin von der verheerenden Flut im Jahr 2002. Damals sah es ganz danach aus, dass die Insel komplett unter der Wasseroberfläche verschwinden würde. Als noch 20 cm zu ihrer völligen Überflutung fehlten, kam der Pegelanstieg zu einem Halt. Trotzdem waren die Schäden verheerend.
Heute sieht es nicht danach aus, als könne uns das Wasser (von unten) während unseres dreitägigen Aufenthalts nasse Füße bescheren.

Although dreary weather has set in it is warm enough - at least for an hour - to sit outside the caravan and watch numerous canoeists and oarsmen training on the river. We see that the bus of the Czech national canoeing team is parked at the campsite, so try to work out which ones they are.
We have heard about the severe flooding here in 2002 and ask the receptionist about it. The lower part of the camping-site with the sanitary buildings was under water and suffered damage then, but the water level stopped rising about 20 cm short of covering the island  completely.
Now with the river at a normal level a long way below us we feel quite safe!

 

 

 

Unser 14-tägiger tschechischer Weltkulturtrip entwickelt sich insofern ganz spannend, als dass wir das hochgepriesene Juwel Tschechiens, die "Goldene Stadt" Prag, erst ganz am Ende dieser Rundfahrt ausführlich besichtigen wollen.

Auch heute besuchen wir das Zentrum noch nicht, sondern machen uns auf zur 38 km südwestlich der Stadt liegenden Burg Karlsteijn.

On our 14 day trip to the Czech Republic we have decided to save the highly praised jewel, ‘The Golden City of Prague’, to the end.

So today again we don’t go in to the centre, but make our way out to visit the Karlstejn Castle, about 38 km to the south-west.

Kaiser Karl IV. ließ hier in einem kleinen Nebental von 1348-1355 auf einem 320m hohen Kalksteinfelsen eine mächtige Burg erbauen, die nie militärischen Zwecken diente. In ihr sollte, von starken Wehrmauern geschützt und gehütet von Priestern und Mönchen, der Mythos des Heiligen Römischen Reiches verkörpert werden. Geheiligt durch Christusreliquien, galten die Reichskleinodien, die Karl IV. hier lagern wollte, als Zeichen der göttlichen Berufung des Kaisers, als enge Verknüpfung von König- und Priestertum.

Im Tal, an einer Stelle, von der aus man die Burg nicht sehen kann, befindet sich ein großer Parkplatz. Auf großen Plakaten wird anhand von beeindruckenden Querschnittszeichnungen der angeblich anstrengende Aufstieg zur Burg dargestellt. Sogleich konkurrieren eifrige Droschkenbesitzer und Taxifahrer darum, uns diese Mühen abzunehmen. Wir lehnen trotzdem ab und genießen den gemächlichen zwanzigminütigen Aufstieg zu einer der berühmtesten Burgen Tschechiens.

Here Emperor Charles IV had a mighty castle built between 1348 and 1355 on a 320m high limestone promontory above the narrow valley of a small tributary of the River Vltava. The Castle never served a military purpose. Protected by strong defensive walls and with priests and monks as custodians, it was to embody the mythos of the Holy Roman Empire. Sanctified by Christian relics, the imperial treasures which Charles VI wanted to store here were considered evidence of the divine calling of the Emperor and of the close link between kingship and priesthood.

Down in the valley, in a place where the Castle is not yet visible, is a large parking place. Large signs with impressive cross-sectional diagrams show how arduous the climb up to the Castle is and taxis compete with horses and cabs to spare us this exertion. Ignoring the facial expressions meaning ’you will regret it’ we decline and enjoy the pleasant 20-minute walk up to the Czech Republic’s most famous Castle.

 

 

 

Die Bedeutung eines Touristenortes lässt sich leicht an Art und Anzahl der Souvenirläden erkennen. Der Weg zur Burg wird rechts und links von zahllosen Restaurants, Geschäften und Buden gesäumt. Dabei finden sich neben edlem tschechischen Kristallglas auch Andenken, die alles andere als tschechische Kultur repräsentieren.
Entdeckt man afrikanische Trommeln und australische Didgeridoos, kann man sicher sein, dass der Ort Weltruhm besitzt. Den absoluten Höhepunkt irrelevanter Mitbringsel stellen für uns fossile Haifischzähne dar. Das setzen wir auch andernorts als Test ein. (Und hier haben wir welche gesehen!). Die Anziehungskraft der Burg muss so gewaltig sein, dass sich in der Masse der Besucher immer jemand findet, der sich an das Land im tiefsten Innern des Kontinents mit Hilfe eines Haifischzahns erinnern möchte.
Die letzten 200m zur Burg sind tatsächlich etwas steiler und rechtfertigen ein kleines bisschen den Einsatz eines Pferdewagens. Aber dann würde man  ja all die Touristenläden verpassen! 

The importance of a tourist attraction can be measured by the number and type of the souvenir shops. The road up to the Castle is lined with numerous restaurants, shops and stalls. Next to businesses selling the world-famous fine Czech crystal glass are ones with souvenirs of quite different cultures.
Where  you find African drums and Australian didgeridoos, you can be sure that a place is really on the world map. The zenith of irrelevant souvenirhood for us is occupied by fossilized sharks’ teeth - a test we have learned to apply elsewhere - and of course we see some here. The magnetism of the Castle must be so enormous that in the mass of visitors that are drawn to it there are always a few who want to be reminded of their visit by a shark’s tooth.
The last 200m up to the Castle are indeed rather steeper and could justify a horse-cab ride for people who are not so good on their feet. But then they would drive past all the tourist shops!

 

 

 

Tritt man durch den untersten Befestigungsring, so erblickt man bald das Herzstück der Anlage, den 60m hohen Burgturm.
In einer mit Gold und 2451 Edelsteinen bestückten Kapelle, umgeben von Reliquien, bewahrte Karl IV. die Reichskleinodien auf.
Der Turm schützte das ihm Anvertraute jahrhundertelang gut, auch wenn es heute so aussieht, als stünde ein Überfall kurz bevor.
Die Schätze wurden allerdings 1619 mit dem Archiv nach Prag gebracht.

When you walk through the tower gate into the lowest defensive ring you soon see the heart of the Castle above you, the 60m high Keep.
There, in a chapel decorated with gold and 2451 precious stones and surrounded by relics, Charles IV kept the Royal Treasures.
The tower successfully protected what was entrusted to it for centuries, although today it looks as if someone is preparing a break-in.
Too late, in 1619 the treasures and the archives were transferred to Prague!

 

 

 

 

 

Die abtransportierten Kleinodien ändern jedoch nichts an der romantischen Ausstrahlungskraft der Burg, und so darf heute ein modernes tschechisches Paar mit seinem Kind Hochzeit feiern. Die hübsche Braut muss bei unter 10 Grad Außentemperatur nicht nur frieren, sondern wird auch nass, doch alle Beteiligten machen frohe Mine zum feuchten Spiel.

That the treasures have been removed hasn’t changed the romantic charisma of the Castle and today a modern Czech couple with child are celebrating their wedding here. The pretty bride must be getting cold with the temperature below 10°C and everyone is starting to get wet in the rain, but it doesn’t seem to be spoiling the happy occasion.

 

 

 

Die gesamte Burganlage stülpt sich, dem Landschaftsbild wunderschön angepasst, über einen Felsen. Sie gliedert sich dabei in drei Einheiten, die, je nach ihrer Bedeutung, tiefer oder höher liegen. Am tiefsten liegt das Haus des Burggrafen, auf das wir herabblicken. In ihm kann man die Karten für die (mehrsprachig angebotenen) Führungen kaufen, ohne die man in die weitere Burg nicht hineinkommt.

The Castle buildings fit snugly onto the rocky outcrop. They are divided into three parts and are at three different levels in accordance with their importance. At the lowest level is the dwelling house of the Lord of the Castle which we look down at here. There you can buy tickets for the Castle. The (compulsorily) guided tours are offered in several languages. Ours was in good English.

 

 

 

Dieses Bild zeigt auch schon das Ende der Besichtigung, denn man darf in der Burg nicht fotografieren.
Von der ursprünglichen Einrichtung der Burg blieb nicht viel übrig, doch man bemühte sich, die häufig mit schönen, zum Teil alten Holzvertäfelungen verzierten Räume mit stilechtem Interieur zu beleben, weshalb der Gesamteindruck ein recht wohnlicher ist.
 Das eigentliche Highlight der Burg, die Heilig Kreuz-Kapelle mit den (weggeschafften) Krönungsschätzen und der (verbliebenen) Goldverkleidung der Wände und Deckengewölbe im Zentrum des großen Turms bekommen wir nicht zu Gesicht.

This picture was taken just after we come out after the tour, as photography inside the Castle is strictly forbidden.
There is not much left of the original furniture of the Castle, but they have enlivened the rooms with furniture appropriate to the often fine wood panelling,  and the total effect is quite homelike.
We are unable to visit the the real highlight of the Castle, the Chapel of the Holy Cross, now without the Crown Jewels, but still with the walls and vaulted ceiling decorated with gold in the middle of the great Keep.

Nur ganz wenigen Auserwählten wird dieses Vorrecht gewährt, nachdem vor Jahren ein Tourist die Wandverkleidung beschädigt hat.
Dafür dürfen wir die verkleinerte Nachbildung des eröffneten Turms betrachten, die die ungeheure Pracht des Originals erahnen lässt. Die Edelsteine, der Goldstuck und die Sterne aus venezianischem Glasfluss sollten nach dem Willen Karls IV. den Eindruck des "Himmlischen Jerusalem" vermitteln.
Unter den Deckengewölben sind 127 Tafelbilder von Meister Theoderich angebracht, der mit seiner ausdrucksstarken, fast robusten Darstellung von Heiligen, Märtyrern, Päpsten und Jungfrauen die Malerei des Mittelalters bedeutend weiterentwickelte.

The is reserved for a selected few who have booked far enough in advance, ever since a tourist damaged the valuable wall decorations some years ago.
As a substitute, we are shown a scale model of the tower, which gives a good impression of the magnificence of the original. The precious stones and gilt, and the stars made of Venetian glass paste were commissioned by Charles VI to give an impression of the Heavenly (or New) Jerusalem.
Under the vaulted ceiling are 127 panels painted by Master Theoderich, who made a significant contribution to the development of mediaeval painting with his expressive and almost robust representations of saints, martyrs, popes and virgins.

Nur der Kaiser, der Erzbischof und wenige Privilegierte durften den Altarbereich der Kapelle betreten, der Adel und die höhere Geistlichkeit blieben während der Messe vor einem Gitter.

Only the Emperor, the Archbishop and a few privileged people were allowed to enter the sanctuary of the chapel. Nobles and senior clergy remained behind a chancel screen during the celebration of the Mass.

 

 

 

 

 

Die "Sakralburg" liegt inmitten einer reizvollen, bewaldeten Hügellandschaft. Der runde Turm in der linken Bildhälfte ist ein ungewöhnlicher Brunnenturm, der ebenfalls (diesmal ohne Führung) besichtigt werden kann. Der Brunnenschacht in seiner Mitte ist 80m tief.

The ‘Sacred’ Castle is surrounded by beautifully coloured wooded hills. The round tower left of centre is an unusual well tower, which can also be visited (this time without a guide). The well-shaft inside is 80m deep.

 

 

 

Von diesem Brunnenturm aus kann man die Burganlage auf den verschiedenen Ebenen schön überblicken.
Rechts sieht man das Burggrafengebäude mit dem dahinter versteckten Kaiserpalast. Das Gebäude in der Mitte beherbergte früher die Geistlichkeit, heute nur noch die Marienkapelle, in die sich der Kaiser oft zum tagelangen Meditieren zurückzog. Von der Kapelle aus führt ein geschlossener Gang zum dominanten großen Turm, dessen Wandstärke 4m beträgt, nach Norden sogar 6m. Er erhielt einen eigenständigen Befestigungsring.

From the well tower there is a good view of the Castle area and its various levels.
On the right is the Lord of the Castle’s accommodation with the Emperor’s Palace hidden behind it. The middle building previously housed the clergy. Today it contains only the Lady Chapel into which the Emperor often withdrew for day-long meditation. Leading directly from the Chapel is a closed walkway to the great dominating Keep. Its walls are 4m thick, on the north side 6m. The Keep had its own separate defensive ring.

 

 

 

Die Burg wurde nie durch einen Kampf zerstört. 1620 wurde sie, nach dem Abtransport der Krönungsschätze nach Prag, kampflos an Ferdinand II. übergeben.
1648 wurde sie von den Schweden erobert. Danach verfiel die Burg langsam.
Es gab mehrere Renovierungsbemühungen. Ihr heutiges Aussehen erhielt sie mit den Umbauten von 1887-1899.
Burg Karlstejn steht auf der Bewerberliste als Unesco-Weltkulturerbe.

The Castle was never destroyed in battle. In 1620, after the Treasures had been removed to Prague, it was handed over without a fight to Emperor Ferdinand II.
 In 1648 it was taken by the Swedish army and after that the Castle fell slowly into decay.
There were various efforts undertaken to restore it. Today’s appearance dates from rebuilding between 1887 and 1899.
Karlstejn Castle is on the candidates list for UNESCO World Heritage.

 

 

 

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