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 E & BJ Capper Nagold 2005/2006

 

1.11.2005

Kromĕříž / Kromeriz

muss schön sein!

must be lovely!

Allmählich packt uns der Ehrgeiz. Ca. 40 km südlich von Olomouc befindet sich die historische Stadt Kromeriz (deutsch Kremsier), die die 0lmützer Bischöfe bereits ab dem 13. Jh. zu ihrem Verwaltungssitz und wenig später zu ihrer Sommerresidenz ausbauen ließen. Ob wir es da nicht auch schaffen, beide miteinander zu verbinden? Wohl wissend, dass wir in diese Ecke des Landes so schnell nicht mehr kommen werden, wollen wir die Olmützer Welterbestätte mit der Kromerizer krönen. Doch das Bild, aus dem fahrenden Auto geschossen, weist dezent auf ein sich ständig verstärkendes Problem hin: Der Tag geht unerbittlich zu Ende.

We still want to visit all the UNESCO Cultural Heritage sites we can reach. About 40 km to the south is the historic city of Kromeriz, which the powerful Olomouc bishops chose as their administrative centre in the 13th century and soon afterwards further enlarged as their summer residence.
Knowing we probably won’t be in this part of the country again for several years, we set off from Olomouc, but soon it is evident - as this picture taken from the moving car shows - that we will hardly have any daylight left by the time we get there. November days are short!

 

 

 

Endlose Hopfenfelder verdeutlichen eine große Leidenschaft der Tschechen: die Bierbrauerei und -trinkerei. Laut eigenem oder fremden Bekunden soll das tschechische Bier das beste der Welt sein.

Endless hop fields witness to the passion and world-famous skill of the Czechs in brewing and consuming beer.

 

 

 

Wenig Tageslicht bleibt übrig als wir schließlich das Zentrum der Altstadt erreichen.
Um das Jahr 1260 gründete der Olmützer Bischof Bruno von Schauenburg die gotische Stadt Kremsier und - anscheinend auf der grünen Wiese - die hier abgebildete St. Moritz-Kirche mit dem Domkapitel. 
Die Kirche wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrmals stark beschädigt. Was wir heute sehen, ist das Ergebnis einer Rekonstruktion im neugotischen Stil während des 19. Jahrhunderts.

Daylight is fading fast as we finally reach the historic centre of Kromeriz.
In about 1260 the Olomouc Bishop Bruno von Schauenberg founded the gothic town of Kromeriz and the St. Moritz Church (in the picture) in what was previously open countryside.
The church suffered severe damage several times in the course of the centuries. What we now see is the result of 19th century neo-Gothic reconstruction.

 

 

 

Kromeriz erlangte im Mittelalter und der Neuzeit nicht so sehr wegen seiner Wirtschaftskraft große Bedeutung, sondern aufgrund der starken Förderung von Wissenschaft und Kunst durch die jeweiligen Feudalherren.
Das erzbischöfliche Schloss besitzt eine beeindruckende Gemäldesammlung, u. a. mit Bildern von Tizian und Lucas Cranach d. Ä. sowie eine umfangreiche Bibliothek und Münzsammlung. Auch heute finden noch alljährlich das Kromerizer Musikfestival und weitere Kulturereignisse statt. Kromeriz wird auch das Hanakische Athen genannt (Hana heißt die Region um Kromeriz).
Obiges Panorama zeigt die Gebäude um den Tagungsplatz (von rechts): eine Ecke des Schlosses, die baulich durch die sog. "Gardistenkaserne" mit dem letzten noch verbliebenen Stadttor, dem Mühltor verbunden ist, daneben das erzbischöfliche Gymnasium, an das sich das Vikariat und schließlich die St. Moritz-Kirche anschließen.

Kromeriz achieved significance in the Middle Ages, which lasted into the modern era, not so much based on economic strength as on the vigourous promotion of science and the arts by its various feudal rulers.
The archbishop’s castle owns an impressive collection of paintings including works of Titian and Lucas Cranach the Elder and also an extensive library and coin collection. Today there is still an annual music festival in Kromeriz and numerous cultural events take place. Kromeriz is called the Athens of the surrounding Hana region.
The panorama picture above shows the buildings around the Meeting Square: (starting from the right) a corner of the castle, which is connected to the Guards’ Barracks by the only remaining town gate, the Mill Gate, then the historic Archbishop’s Grammar School, the Vicarage and finally the St. Moritz Church.    

 

 

 

Das alte Mühltor und die benachbarten Gebäude von etwas näher betrachtet. In alle an das Schloss anschließenden Bauten wurden lange Gänge ("Fürstengang") eingebaut, so dass die Bischöfe über diese Flure bis zur Kirche gelangen konnten.

A closer view of the old Mill Gate and the neighbouring buildings. Walkways (‘Princes Walks’) were built in all the buildings adjoining the castle so that the Bishops could use them to reach the church.

 

 

 

Wie geblendet stehen wir schließlich vor dem prächtig ausgeleuchteten Schloss, das es uns nicht übel anrechnet, dass wir dieses Welterbe erst bei hereinbrechender Dunkelheit erreicht haben.
Seine Renovierung kann erst vor kurzem abgeschlossen worden sein. Irgendwo habe ich gelesen, dass die Wiederherstellung der Stadt während der letzten 10 Jahre nur mit derjenigen zu vergleichen sei, die die Stadt im 17. Jh. erfuhr.
Damals hatten Hussitenkriege, die mehrfache Belagerung und Zerstörung durch das schwedische Heer sowie immer wieder aufflackernde schwere Pestepidemien Stadt und Bevölkerung von Kromeriz fast ausgelöscht.
Bischof Karl Lichtenstein von Kastelkorn soll 1665 auf der Turmterrasse geweint haben, als er die Überreste der Stadt erblickte. Er machte es sich zu seiner Lebensaufgabe, die Stadt schöner als je zuvor wiederaufzubauen.

Finally we stand in gathering darkness before the magnificent  and fortunately well-illuminated castle, which is - with its beautifully landscaped gardens - on the UNESCO World Cultural Heritage list.
Renovation must have been recently completed.
 Elli read somewhere that the rebuilding of the town in the last 10  years can only be compared to the extensive building activities in the 17th century.
At that time town and population of Kromeriz had been almost wiped out by the successive destructive waves of the Hussite Wars, several sieges and major damage by the Swedish army and the repeated, severe Plague epidemics.
Bishop Karl Lichtenstein von Kastelkorn is said to have wept as he looked down from a castle tower at the ruins of the town. He made it his life’s ambition to rebuild the town even more beautiful than before.

 

 

 

Dieses Mühltor, dessen Kern noch aus dem 13. Jh. stammt, verbindet das Schloss mit den berühmten Schlossgärten, die beide zusammen 1998 als Weltkulturerbe in die Unesco-Liste eingetragen wurden.

Natürlich sind wir hindurchgegangen, doch ein unbeleuchteter Park verzeiht ein Zuspätkommen nicht. Wir werden auch sogleich vom Parkwächter vertrieben.

The Mill Gate, whose core dates from the 13th century, connects the castle with the famous Castle Gardens. Castle and Gardens were added to the UNESCO list in 1998.

Of course we went through this gate and a few steps through the open gate into the garden beyond it on the right. But an unlit park is unforgiving and very, very dark. We were soon shooed out again by the watchman who was just closing up.

Seit der vor wenigen Tagen begonnenen Winterzeit wird der Park statt um 19 Uhr um 17 Uhr geschlossen, wie auch das Schloss im Winter nur mit einer zuvor angemeldeten Gruppe besichtigt werden kann (was allerdings sehr lohnenswert sein soll: die Innenräume sollen zu den schönsten und prächtigsten in ganz Europa gehören). Unser relativ ungestörtes Herumstöbern in den Kulturschätzen des Landes scheinen wir zu dieser Jahreszeit mit der früh einsetzenden Dunkelheit und verschlossenen Türen bezahlen zu müssen.


Since the official start of the winter period a few days before the gardens shut at 17:00 instead of 19:00. The castle also can only be visited in a group and with a  previous booking. That must be well worth it; it has one of the most beautiful and magnificent castle interiors in Europe.
At this late time of the year  we have been able to visit some of the cultural treasures of the country without being in a crowd of other tourists, but we have paid for it with early darkness and sometimes closed doors!

Die 64 Hektar großen Gärten werden in den höchsten Tönen gepriesen.
Karl Lichtenstein von Kastelkorn ließ sie von 1665-75 errichten. Eine Seite des Parks wird von einer 244m langen Säulenhalle begrenzt, und in der Mitte des riesigen Blumengartens befindet sich ein runder Säulenpavillon ("Rotunde") mit verschiedenen Grotten, dem die geometrisch angelegten Beete mit ihren verspielten barocken Blumenornamenten in spitzer Form zulaufen.

The 640,000 sqm. gardens (ca. 160 acres) must be magnificent and we are very sorry not to have seen them.

They were laid out by Karl Lichtenstein von Kastelkorn between 1665 and 1675. One side of the park is bordered by a 244m long columned arcade and in the middle of the extensive flower garden is a round pillared pavilion with various grottoes at the apexes of the geometrical Baroque flower beds.

 

 

 

 

 

An eine Ecke des quadratisch angelegten Schlosses schließt sich der Große Ring (Ring = Platz) an, auch er steht, wie die gesamte Altstadt, unter Denkmalschutz. Kromeriz ist offensichtlich stolz darauf, 1997 zur schönsten historischen Stadt Tschechiens ernannt worden zu sein. Der Platz hat eine leichte Hanglage und neigt sich dem 84m hohen Schlossturm entgegen. Rechts ist die obligatorische Pestsäule von 1725 zu erkennen.
Dass auf praktisch allen tschechischen Plätzen Pestsäulen wie Spargel durch den Boden zu stoßen scheinen, ist der unendlich großen Erleichterung über das Ende dieser furchtbaren, über Jahrhunderte immer wieder aufflackernden Menschheitsgeisel zu verdanken. Heutzutage werden unterschiedliche Gründe für das Ende der Pestepidemien genannt: Die infektiöse Hausratte wurde allmählich von der menschenscheueren Wanderratte verdrängt, doch es mag auch sein, dass sich der Erreger genetisch veränderte oder die Ratten gegen ihn immun wurden.

At the corner of the rectangular castle is the Large Square - which - like the rest of the old town - is a listed historic area.
The square slopes upwards a little towards the 84m high castle tower. On the right is the obligatory Plague Column of 1725.
The presence of Plague Columns in almost all Czech public squares witnesses to the infinite relief and thankfulness at the end of these frightful epidemics, which repeatedly tormented the populations over the centuries. Today various reasons for the end of the epidemics are given: that the infectious house rat was slowly displaced by the brown rat, which tends to avoid humans, but it is possible that the bacteria changed genetically or that the rats became immune to them.       

 

 

 

Für einen kurzen Moment rückte Kromeriz ins Zentrum des Weltgeschehens. Wegen Unruhen in Wien wurde 1848 der konstituierende Reichstag der Österreichischen Monarchie nach Kromeriz verlegt, von Kaiser Franz Joseph I. und dem Fürst von Schwarzenberg aber nach wenigen Monaten wieder aufgelöst. Der Verfassungsvorschlag mit ausgeprägten demokratischen Elementen ging jedoch in die Geschichte des tschechischen Staates und der Anfänge der Demokratie in Mitteleuropa ein.

For a short period Kromeriz became the centre of world events. Because of political disturbances in Vienna the constitutive parliament of the Austrian monarchy fled in 1848 to Kromeriz and worked there on a new constitution, but was dissolved only a few months later by Emperor Franz Josef I and his Prime Minister Prince Felix von Schwarzenberg. However the proposed constitution, which had substantially democratic implications, influenced both Czech history and the beginnings of democracy in Europe.

 

 

 

Anklicken zum Vergrößern / Click for larger picture. Kromeriz Panorama 11.2005

1870 wurden die Laubengänge um den Platz vermauert und zeigen sich heute als den Ring komplett umfassende Arkaden. Sie befinden sich unter prächtigen Renaissance- und Barockhäusern, von denen jedes einzelne eine interessante Geschichte aufzuweisen hat.

Wir zollen jetzt endlich dem fortgeschrittenen Einbruch der Nacht Respekt und machen uns auf den Heimweg zum Campingplatz bei Brno.
Aus dem, was wir noch haben sehen können, lässt sich mit Sicherheit schließen, dass Kromeriz mit seinen Gärten bei Tageslicht wunderschön sein müssen!

In 1870 the covered arcades around the square were rebuilt as part of the substance of the buildings and now surround the square completely. They are under magnificent Renaissance and Baroque houses, of which each certainly has its own story to tell.

At last we give in to the undeniable darkness and make our way back home to the camping site near Brno.
From what we have nevertheless been able to glimpse, Kromeriz with its gardens must be wonderful by daylight!

 

 

 

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