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 E & BJ Capper Nagold 2005/2006

 

14.8.2005

Kutná Hora / Kutna Hora
& Sedlec/Sedletz

Eine Silberstadt und viele Knochen

A silver town and piles of bones

Da wir unseren kleinen Wohnwagen gut auf dem Prager Campingplatz auf einer Moldauinsel deponiert haben, machen wir mit dem Auto einen Tagesausflug zum 70 km östlich liegenden Städtchen Kutna Hora (ca. 20000 Einwohner). Der Tag ist grau, und ein breiter Gürtel um die historische Stadt, bestehend aus Supermärkten, Industrieansiedlungen und unansehnlichen Neubauvierteln, durch den wir uns erst einmal hindurchkämpfen müssen, dämpft unsere Vorfreude auf ein weiteres Welterbe doch ganz erheblich.
Es ist kein großes Problem, zentral einen Parkplatz zu finden. Was die Besucherströme angeht, so scheint die Stadt einen Mittelplatz einzunehmen zwischen dem überlaufenen Cesky Krumlov und dem abgelegenen Litomysl. Wenige Schritte vom geparkten Auto entfernt stoßen wir auch schon auf beachtliche alte Stadthäuser - hier das "Haus zum Marmor" mit einem  Renaissance-Säulenportal -, die von einer großen Vergangenheit zeugen.

We have found a good island camping site to use as base directly by the River Vltava in Prague, and we set off in the car for a trip to the town of Kutna Hora, (pop. ca. 20000) about 70 km to the east. The sky is grey and the broad belt of industry, supermarkets and not particularly attractive newish housing around the historical town which we first have to struggle through definitely dampens our appetite for another world heritage site.
We easily find a fairly central place to park. The number of tourists around seems to lie somewhere in the middle between Cesky Krumlov (overfilled) and  Litomysl (empty). A few paces away from the car we start seeing fine old townhouses - here the Marble House with a Renaissance pillared portal - which witness to a proud history.

 

 

 

Ein weiteres Kleinod ist dieser gotische Brunnen, der zwischen 1493-1495 erbaut wurde und noch heute Teil der städtischen Wasserleitung sein soll. Anscheinend blickt jeder Tourist durch ein kleines Türloch in ihn hinein - so auch wir - und erblickt nichts außer zugemauerten Wänden und einem betonierten Boden. Doch der Brunnen gibt einen ersten Hinweis auf die außergewöhnliche Stadtentwicklung, auf den fulminanten Aufstieg der Stadt im 13. Jh. und den desaströsen Abstieg ab dem 17. Jh.
Kutna Hora (deutsch; Kuttenberg) sitzt oder besser saß auf einem riesigen Silbervorkommen, das im 13. Jh. entdeckt und abgebaut wurde, zuerst an der Oberfläche, später bis zu einer Tiefe von 600m. Durch die tiefen Schächte inmitten des Stadtzentrums wurde das Grundwasser abgesenkt und musste schließlich aufwändig mittels Pumpwerken in die Stadt hinauf befördert werden.

A further historical highlight is this Gothic well built between 1493 and 1495, which still today is connected to the town’s water supply. Probably every tourist peeks through the small hole in the door and sees what we see - nothing but the insides of the walls and a concrete floor. But the well gives a further hint of the unusual history of the town’s development, from furious ascent in the 13th century to a disastrous decline from the 17th century onwards.
Kurna Hora is or better was perched on top of huge silver ore deposits which were discovered in the 13th century. Initially they were mined open-cast, later underground to a depth of 600m. The deep mine shafts under the middle of the town caused the ground water level to sink, so that water had to be laboriously pumped up to supply the town.  

 

 

 

Überall finden sich Details an den Hauswänden, die verdeutlichen, dass die Stadt einst mit Prag konkurrierte.
 Bereits im 13. Jh. wurde hier ein Drittel des gesamten europäischen Silbers gefördert. Die erste europaweit anerkannte Silbermünze, dem heutigen Euro vergleichbar, wurde hier zwischen 1469 und 1547 geprägt, der berühmte "Prager Groschen".
Die Stadt und mit ihr die hauptsächlich deutschstämmigen Patrizier wurden so reich, dass sie nicht nur in prächtige Steinhäuser investierten, sondern auch in den Bau der Prager Burg und die Burg Karlstejn.

Details on house walls attest to the fact that the town once competed with Prague.
In the 13th century one third of Europe’s silver was mined here. The first silver coin accepted throughout Europe - a predecessor of today’s Euro - was minted here, the famous Groschen of Prague.
The town and its patricians, who were mostly of German origin, became so rich that they not only invested in noble stone houses here, but also in the building of the Prague and Karlstejn Castles.

Heute ist die Stadt wirtschaftlich viel unbedeutender und setzt hauptsächlich auf den Tourismus.

Today the town is economically much less important and is dependant on tourism.

 

 

 

 

 

Die Verarmung der Stadt nach dem endgültigen Schließen der Silberminen 1727 ging einher mit dem Zerfall der prächtigen Bausubstanz.
In der Zeit nach der tschechischen nationalen Wiedererweckung (ab 1848) wuchs das Bewusstsein der Bevölkerung um die Kulturschätze in ihrer Stadt, doch nur die wichtigsten Gebäude konnten einigermaßen instand gehalten werden. Trotz ständiger Bemühungen um den Erhalt, auch in der kommunistischen CSSR, gelang der Durchbruch beim Denkmalschutz erst nach dem Fall des Regimes mit der Aufnahme der Stadt in die Weltkulturerbeliste der Unesco.
Seitdem wurde viel getan (links), aber es bleibt auch noch genug zu tun (Mitte).

The impoverishment of the town after the final closure of the silver mines in 1727 meant that maintenance of the buildings suffered.
In the period of reawakening of Czech national pride from 1848 on the population’s awareness of their cultural treasures grew, but only for the most important buildings was a certain level of maintenance possible. Despite continual preservation efforts, during the Communist CSSR era as well, the conservation breakthrough was only really achieved when the town was added to the UNESCO world cultural heritage list
Since then much has been done (left), but there is still plenty to be done (centre). (Detail from the same house on the right.)

 

 

 

Die Ursprünge der Stadt gehen auf das Jahr 1142 zurück, als eine Gruppe Zisterziensermönche aus dem pfälzischen Waldsassen ein Kloster in Sedletz gründete, welches heute zum Stadtgebiet zählt. Man mutmaßt, dass der damals arme Orden um die Silbervorräte wusste und sich deshalb hier ansiedelte.
Einer Legende nach soll ein Mönch in einem Weinberg auf Silbererz gestoßen sein und ließ, um die Stelle zu markieren, seine Kutte (Kutna) dort zurück. Davon soll sich der Name Kutna Hora (Berg der Kutte) herleiten.
 Das heutige Stadtgebiet gehörte damals dem Kloster, doch die aufstrebende Stadt bemühte sich zunehmend um Unabhängigkeit. Diesem Bemühen ist es zuzuschreiben, dass obige St. Barbara-Kathedrale (St. Barbara ist Schutzpatronin der Bergleute) am westlichen Rand des Ortes, direkt außerhalb des Klostergebiets, geplant und nach vielen Rückschlägen auch fertiggestellt wurde. Man wollte eine Kirche, die nicht dem Kloster gehörte.

The origins of the town go back to 1142, when a group of Cistercian monks from Waldsassen in the German Palatinate founded a monastery in Sedlec, which is now within the town boundaries. It is thought that the then poor order chose this location knowing of the silver deposits.
According to legend a monk discovered silver ore in a vineyard and left his cowl (Kutna) there to mark the spot. Hence the name Kutna Hora from Hill of the Cowl (monk’s garment).
The area of today’s town was then owned by the monastery, but the aspiring town tried to attain independence. One of their actions was to plan and, after many setbacks, complete the St. Barbara Cathedral on the western edge of the town, just outside the monastery boundaries. (St. Barbara is the patron saint of miners.) They wanted a church that did not belong to the monastery.

 

 

 

Neben der Kathedrale befindet sich eine kleine Aussichtsplattform, von der aus man eine gute Sicht auf den Teil der Stadt hat, der sich über dem kleinen Flüsschen Vrchlicky erhebt.
Da die Stadt im 13. Jh. so rasant wuchs, breitete sich der Ort völlig planlos und unkoordiniert auf dem kleinen Berg aus.

Next to the Cathedral is a viewing platform with a fine view over the part of the town that slopes down to the small River Vrchlicky.
As the town grew rapidly in the 13th century, it spread out haphazardly over the small hill.

 Von links nach rechts sieht man den Turm des Jesuitenkollegs, daneben die alte Burg, die heute ein Bergbaumuseum beherbergt. Der aufmerksame Betrachter entdeckt vor dem beigen Gebäude, eben der alten Burg, Teile eines dunkelbraunen Kegels. Dies ist die Überdachung eines Göpels, unter dem die mittelalterliche Grube liegt. Solche Göpel gibt es mehrere in der Stadt.
Weiter rechts erhebt sich die um 1330 erbaute St. Jakob-Kirche, die älteste Kirche der Stadt. Die sich anschließenden hellen Gebäude gehören zum sog. italienischen oder "Welschen" Hof, in dem die Münzprägestätte ihren Platz hatte und die zugleich der nach Prag beliebteste Aufenthaltsort von Wenzel IV. war.
Hin und wieder kann man noch Reste der Stadtmauer sehen, die zwischen 1303-07 erbaut wurde, zuerst zum Schutz der Gruben, später gegen feindliche Angriffe, da der Reichtum der Stadt Begehrlichkeiten weckte.
Im Dunst weiter rechts liegt der Stadtteil Sedletz, von dem später noch mehr zu hören sein wird.

Starting from the left: the tower of the Jesuit Seminary, then the beige coloured old Castle, which today harbours a mining museum. Just in front of the old castle a brown conical structure is just visible. This is the roof under which there was a horse-capstan and the shaft down to the silver mine. There are several of these in the town.
Further right is the St. Jacob’s Church with its high tower, the oldest church in the town (ca. 1330). Then a light-coloured building, the so-called Italian or “Welschen”  Court, which housed the Mint and was also (or therefore?) the favourite residence of Wenzel IV after Prague.
Now and then there are remains of the Town Walls to be seen, which were built between 1303 and 1307 initially to protect the mines and later as defence against the covetous attacks which the increasing wealth of the town prompted.
In the haze to the right is the suburb of Sedlec. More about that below.

 

 

 

Details um und an der St. Barbara-Kathedrale. Sie wurde vom gleichen Architekten geplant (1388), der auch die St. Vitus-Kathedrale innerhalb der Prager Burg entwarf. Ihre Fertigstellung, die durch die Hussitenkriege unterbrochen wurde, dauerte 150 Jahre.

Details around and of the Cathedral of St. Barbara. It was planned (1388) by the same architect who designed the St. Vitus Cathedral inside the Prague Castle. The building of the Cathedral was interrupted by the Hussite Wars and lasted a total of 150 years.

 

 

 

Was die Kirche weltweit einmalig macht, ist die Tatsache, dass sie statt der üblichen drei Schiffe fünf besitzt. Wir blicken hier in das schmale und sehr hohe Mittelschiff, das ab 1512 mit einem Netzrippengewölbe versehen wurde.
Später wurde die gotische Kirche auch mit barockem Beiwerk ausgeschmückt (rechts).

What makes the church unique in the world is that instead of the usual three aisles there are five. The left-hand picture shows the relatively narrow but very lofty central aisle. Its ribbed vaulting was constructed in 1512.
Later Baroque decorations were added to the Gothic church (right).

 

 

 

Eine Frontalansicht dieser ungewöhnlichen Kathedrale. Man erkennt in ihrer Mitte die ursprünglichen 3 hohen Schiffe, neben die zwei weitere mit Strebepfeilern gesetzt wurden, sowie das dreizipflige Zeltdach.
 Kutna Hora wurde nicht nur für sein modernes, bereits 1300 von Wenzel II. erlassenes Bergbaugesetzt bekannt, sondern auch durch den "Kuttenberger Religionsfrieden".
Die ursprünglich katholische deutsche Bevölkerung lieferte sich mit den Hussiten erbarmungslose Schlachten, 2000 Hussiten wurden in die Bergwerksgruben geworfen, die Stadt wurde später von den Hussiten geschleift. Es kam zur Abwanderung der reichen deutschen Bevölkerung, die Stadt verarmte. Im Jahr 1485 wurde jedoch der Religionsfrieden zwischen den hussitischen Utraquisten und den Katholiken Böhmens geschlossen.
Es kam zu einem neuen Aufschwung. An der St.Barbara-Kathedrale konnte weitergebaut werden.

A frontal view of this unusual Cathedral. To the original three aisles in the middle were added the two outer ones which are surmounted by dramatic flying buttresses. The roof looks rather like an enormous circus tent supported by three masts. (See also the first picture of the Cathedral  above.)
Kutna Hora (in German Kuttenberg) became known not only for its progressive Mining Laws proclaimed by Wenzel II in about 1300, but also for the Kuttenberg Treaty of 1485.
There was merciless fighting between the original Catholic German population and the Hussites. 2000 Hussites were thrown into the mines. The Hussites later razed the town. The rich German population migrated away and the town became impoverished. The treaty in 1485 ended this religious conflict.
The town then started to prosper again and the building of St. Barbara could continue.

 

 

 

Direkt neben der Kathedrale liegt das Jesuitenkolleg.
Der Frieden währte nicht lange, während des 30-jährigen Kriegs kam es erneut zu Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten. Noch während der Krieg andauerte, wurde von den Habsburgern die Rekatholisierung Kutna Horas beschlossen und eine Jesuiten-Abordnung zur Stadt geschickt. Die Jesuiten beschlossen, ein Kolleg in der Stadt zu bauen, was das Ende der restlichen Religionsfreiheit bedeutete.

Directly next to the Cathedral is the Jesuit Seminary.
The peace did not last long. During the 30-Years War there were again struggles between Catholics and Protestants. While the war was still going on, the Habsburgs determined to recatholicize Kutna Hora and sent a Jesuit delegation to the town. They decided to build this Seminary. That led to the end of any remaining religious freedom in the town.

 

 

 

 

 

Mit den Jesuiten kam es nochmals zu einem kurzen Aufschwung der Stadt. Prächtige Barockbauten entstanden. Oberes Bild zeigt die mächtige Front des Kollegs, vor dem man Erde aufschütten ließ, um nach dem Vorbild der Karlsbrücke in Prag eine Heiligengalerie erstellen zu können. Die Straße heißt denn auch "die Brücke".
Trotzdem verwandelte sich Kutna Hora langsam in ein provinzielles Städtchen. Es wurden zwar noch viele Versuche unternommen, den Bergbau zu reaktivieren, doch die Ausbeute war zu gering und die neue Konkurrenz aus Deutschland und Amerika groß.

With the Jesuits the town experienced a brief economic revival. Splendid Baroque buildings were built. The picture above shows the impressive facade of the Seminary. The area in front was filled up with earth, so that a gallery of sculptures of saints - a tourist is leaning back to study one of them - could be created. This was modelled on the famous Charles Bridge in Prague. In consequence the road is named ‘The Bridge’.
Kutna Hora nevertheless slowly fell back into the role of a small provincial town. Many attempts were made to revive the silver mining, but the yield was too low and the new competition from Germany and America too strong.

 

 

 

Wenige Schritte hinter dem Kolleg stehen wir vor diesem Bergwerk-Göpel. Hinter der Tür hängen wohl die Kleider, die die Bergleute trugen. In der Mitte des Göpels befand sich ein Rad, das damit verspannte Pferde antrieben. Auf diese Weise wurden die Körbe mit dem Silbererz und überschüssiges Wasser nach oben gezogen.
Das Bergwerk kann besichtigt werden, allerdings scheint es meistens ausgebucht zu sein.

A few steps beyond the Seminary we see this conical roof which was built over a mine shaft. Unfortunately closed for visitors at the moment.
In the middle of it was the capstan which was driven by about two horsepower to haul basket-loads of silver ore or excess water from the mine or to lower the mineworkers down to the face.
Apparently the mine can be visited but is often booked out.

 

 

 

 

 

Entlang der vielen malerischen Gässchen kommen wir nochmals zum Stadtrand über dem Fluss und schauen auf Teile der Stadtmauer, die Kathedrale und das Jesuitenkolleg.

Walking down one of the picturesque alleyways we find ourselves at the edge of the town, where we see remains of the Town Wall and look back at Cathedral and Jesuit Seminary.

 

 

 

 

 

Auch das darf nicht fehlen: eine beachtliche Pestsäule, die übrigens vor dem eingangs gezeigten "Haus zum Marmor"(links) steht. Eine der Figuren soll von Pfeilen durchsiebt sein, was uns allerdings zu diesem Zeitpunkt nicht auffällt.

Another obligatory component of a historic Czech town is a Plague Column, This is a very fine one, built incidentally very near the Marble House we mentioned above.

 

 

 

 

 

Die Stadt besitzt auch einen hübschen, leicht geneigten Marktplatz.

The town has a pleasant sloping marketplace, where we decide to sit for a while and eat a takeaway lunch.

 

 

 

Anscheinend gibt es keine Kutna Hora-Touristen, die die kleine Grabkirche im heutigen Vorort Sedletz nicht besuchen.
Auch wir tun nichts, um diese Behauptung zu widerlegen, und fahren, die bedeutende frühgotische Mariä Himmelfahrt-Kirche, Teil des Weltkulturerbes, links liegen lassend, zu diesem Beinhaus, das mit einem enormen Gruselfaktor aufwarten soll.
Die Kirche wurde ums Jahr 1400 erbaut, jedoch Anfang des 18.Jh. von Giovanni Santini (siehe Zelena Hora) umgestaltet. Da sich die Kirche langsam nach vorne neigte, ließ Santini ein Eingangshäuschen davorsetzten, das die Kirche abstützen soll.
In den zwei Türmen wurden Lichter für die Verstorbenen entzündet.

A must on the list of every true Kutna Hora tourist is this small church in the suburb named Sedlec.
Having heard of this, we drive unknowingly past the significant early Gothic Ascension Church  of the Virgin Mary, part of the UNESCO world cultural heritage, and on to this church, which is blessed with an unusually high shock-potential.
The small church (centre and right) was built in about 1400, but was remodelled in the 18th century by Giovanni Santini (see Zelena Hora). As the building was slowly tipping forwards, Santini built an entrance hall in front of it as a support for the main structure.
In the twin towers candles were lit for the dead.
Inside it is a small but normal-looking Christian church (right).

 

 

 

Der Grund für das riesige Publikumsinteresse befindet sich im Untergeschoss.
Im Jahr 1278 sandte König Ottokar von Böhmen den Abt des Zisterzienserklosters auf eine diplomatisch Mission ins Heilige Land. Vom Hügel Golgatha brachte der Abt eine Handvoll Erde mit, die er über den Friedhof des Klosters verstreute. Infolgedessen wurde der Friedhof nicht nur in Böhmen, sondern in ganz Europa berühmt, und viele wohlhabenden Leute wollten hier beerdigt werden.
Während der Pestepidemie wurde der Friedhof vergrößert (1318 wurden 30000 Menschen hier beerdigt), ebenso während der Hussitenkriege, doch schließlich mussten die Knochen aus den Gräbern entlang der Außenmauern und im Innern aufgehäuft werden. Ein halbblinder Mönch soll ab 1511 begonnen haben, die Knochen zu Pyramiden aufzustapeln, von denen schließlich sechs entstanden.

The reason for the enormous public interest becomes evident in the cellar, where the famous Ossuary is located.
In 1278 King Ottokar of Bohemia sent the abbot of the Cistercian monastery on a diplomatic mission to the Holy Land. The abbot brought a hand-full of holy earth back from the hill of Golgotha in Jerusalem which he scattered on the monastery cemetery. As a result, the cemetery became famous not only in Bohemia, but in the whole of Europe, and many affluent people wanted to be buried here.
The cemetery was enlarged during a plague epidemic, (e.g. in 1318 30000 people were buried here), and again during the Hussite Wars, but ultimately the bones from the graves had to be stacked up along the outside walls and also inside the church building. From about 1511 a half-blind monk is said to have started stacking the bones in a pyramid. Six of these pyramids were built.

 

 

 

Im Jahr 1784 wurde das Kloster von Joseph II. aufgehoben. Die Besitztümer des Klosters kaufte die Adelsfamilie Schwarzenberg. Sie beauftragte den Holzschnitzer Frantisek Rint mit dem heute bestehenden Arrangement der Knochen. Diese wurden desinfiziert und gebleicht. Zwei der sechs Knochenpyramiden wurden von ihm benutzt. Es entstanden Kunstwerke der besonderen Art: Dieser Kandelaber soll jeden Knochen beinhalten, den es im menschlichen Körper gibt.

In 1784 the monastery was abolished by Emperor Joseph II. The aristocratic Schwarzenberg family bought the monastery possessions and subsequently charged the woodcarver Frantisek Rint with the arrangement of the bones as they now are. They were disinfected and bleached. He used two of the six pyramids of bones to make arrangements which are unusual works of art, to say the least of it: this candelabra is supposed to contain every type of bone in the human body.

 

 

 

Dieses Panoramabild (zwei Bilder) zeigt rechts eine der vier Knochenpyramiden und links den Kandelaber und extra zur Schau gestellte Schädel, die Hussitenkriegern gehören sollen. Es gibt aber auch eine Monstranz aus Knochen oder riesige Knochenkelche.
Die Atmosphäre ist bedrückend und unwirklich.

This panorama picture (2 pictures) shows one of the four remaining bone pyramids on the right. To the left are the candelabra and an arrangement of skulls which belonged to Hussite soldiers. There is also a bone monstrance and large bone chalices.
The atmosphere down here is somehow alien and unreal.

 

 

 

Auch darum hatten die Schwarzenbergs wohl gebeten: Dieses Knochenarrangement stellt das Wappen der Familie dar.
Das Skelett eines Raben, der ins Auge des Schädels (unten rechts) pickt, soll an den Sieg der Schwarzenbergs über die Türken im Jahr 1591 erinnern.

Presumably a special request of the commissioning Schwarzenberg family: their Coat-of-Arms (Pun not intended as all sorts of human bones were used.)
The skeleton of a raven picking at the eye of the skull (lower right) is a reminder of the Schwarzenberg victory over the Turks in 1591.

 

 

 

 

 

Die Knochen von über 40000 Menschen sollen hier unten lagern. Vielleicht ist es die brutale, manchmal fast ins Lächerliche gezogene Konfrontation mit dem Unfassbaren, der eigenen Sterblichkeit, die die Menschen - und uns - hierher treibt. Man verlässt den Ort sicher nicht ohne eine gesteigerte Nachdenklichkeit und einer Ahnung vom völlig anderen, direkteren Umgang der Menschen mit dem Tod während der vergangenen Jahrhunderte.

The bones of over 40000 people are stored down here. For them it was part of their hope for the afterlife to be buried in this sanctified place, but the bone arrangements bring such an unusually direct confrontation with often unmentionable mortality that they introduce a slightly absurd touch.
Nevertheless, this uninhibited facing of the fact of death - obviously less of a problem in past centuries - is healthily thought-provoking.

 

 

 

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