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 E & BJ Capper Nagold 2009/10

 

20. - 22.5.2009

Cévennes & Tarn

Mont Aigoual, ‘Chaos’ und Schluchten

Mont Aigoual, ‘Chaos’ and Gorges

Nachdem wir mehrere Tage im Gebiet der Camargue verbracht haben, zieht es uns weiter. Uns locken die Cevennen, die ein südlicher Ausläufer des Zentralmassivs sind. Das Gebiet ist nicht riesig, aber landschaftlich äußerst vielfältig. Es steht auf der Kandidatenliste der Unesco als Natur- und Kulturerbe.
Anfangs fahren wir lange durch dicht bewaldete Flusstäler, in denen wir ab und zu - die Cevennen sind nicht dicht besiedelt - auf schöne alte Dörfer stoßen.

After spending almost a week in the Camargue we decide to move on. We are interested in seeing the Cévennes, which are the southern foothills of the Massif Central. The area is not very large, but has very varied countryside and is on the Unesco candidate list to be recognized as Natural and Cultural World Heritage.
At first we drive along thickly wooded river valleys in which we occasionally - the Cévennes are only lightly populated - go through attractive old villages.

 

 

 

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Die Temperatur ist während der letzten Tage ständig gestiegen. In den Tallagen wird es fast schon unangenehm heiß.
Freunde von uns haben darauf hingewiesen, dass es auf dem zweithöchsten Berg der Cevennen, dem Mont Aigoual (1567m), einen schönen Stellplatz für Wohnmobile gibt. Wir genießen die lange Auffahrt zum Gipfel, aber noch mehr das prächtige Panorama von oben und den frischen, kühlen Wind, der uns hier um die Nase bläst.
Links im Bild sieht man die letzte französische Gebirgs-Wetterstation, die noch von Meteorologen bewohnt ist, und rechts die bewaldeten Berge der Cevennen, die im Abendlicht mit dem Blau des Himmels verschwimmen, wie ein Reiseführer schreibt.

In the last few days the temperature has risen steadily and in the valleys it is almost too warm.
We have been told by friends about a beautiful place to spend the night near the top of the second highest mountain of the Cévennes, Mount Aigoual (1567m). We enjoy the long drive up to the mountain, but even more the fine panorama view from the summit and the fresh, cool breeze after the warmth lower down.
On the left of the picture is the last French mountain weather station that is still lived in by meteorologists. To the right the wooded slopes of the Cévennes, which merge into the blue of the sky in the evening light just as described in one of the travel guides.

 

 

 

An so einem schönen Standort bekommt man Appetit auf kräftiges Essen, und wir entscheiden uns für Spaghetti Bolognese. Erst als wir die unentbehrliche Dose Tomaten öffnen wollen, stellen wir fest, dass wir unseren Dosenöffner zu Hause vergessen haben. Zum Glück haben wir eine kleine Säge für unvorhersehbare Notfälle dabei , die gute Dienste leistet.

At such a beautiful place we fancy something substantial to eat and decide on Spaghetti Bolognese. It is only when we get to the obligatory tin of tomatoes that we find out we have left the tin opener at home. Fortunately the small emergency saw, (for unforeseen eventualities such as this), does the job, although rather laboriously.

 

 

 

Im Frühling kleiden sich die Cevennen gelb, und zwar hauptsächlich mit Ginster und Löwenzahn. Neben den bewaldeten Bergrücken weisen die Cevennen auch noch trockene, windgepeitschte Hochebenen auf, die sog. "Causses", auf deren mageren, felsigen Böden nicht mehr viel wächst.

In spring the Cévennes are clothed in yellow, mostly flowering broom and dandelions. Besides the wooded mountain ridges the Cévennes also have dry and windy high plateaux called “Causses”, where only fairly thin vegetation grows on the meagre rocky ground.

 

 

 

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Das verhält sich hier, auf unserer Abfahrt vom Mount Aigoual, ganz anders. Die Hänge neben der Straße sind überzogen mit gelb- und rotblühenden, hyazinthähnlichen Blumen (li). Wahrscheinlich handelt es sich um eine Orchideenart, die wir allerdings in dieser gelben Variante noch nirgends gesehen haben. Daneben finden wir noch Veilchen (Mitte) und Graslilien (re).

But here on our way down from  Mount Aigoual it looks completely different. The slopes by the road are covered with yellow and red flowering flowers that look like hyacinths (l) - probably a type of orchid, but one which we haven’t seen in this yellow form elsewhere. Violets (m) and Anthericum (r) are to be seen as well. 

 

 

 

Eine weitere Attraktion der Cevennen sind die "Gorges", tiefeingeschnittene Flusstäler mit stark verwitterten Felswänden.
Hier stehen wir auf einem Aussichtspunkt der Jonte-Schlucht. Über uns kreisen zahlreiche Geier, allerdings so hoch, dass wir sie nicht befriedigend aufs Bild bekommen. Wie in der Verdon-Schlucht hat man auch in den Cevennen Geier wieder erfolgreich ansiedeln können.

A further attraction of the Cévennes are the gorges, deeply eroded river valleys with heavily weathered rocky cliffs.
Here we are standing on a viewing point in the Jonte Gorge. Vultures circle above us but are so high up that we can’t take good pictures of them. As in the Verdon Gorge it has been possible to successfully resettle vultures in the Cévennes.

 

 

 

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Auf dem Hochplateau des Causse Noir liegt eine bizarre Felsformation, die durch Verwitterung entstanden ist. Sie wird "Chaos de Montpellier-le-Vieux" genannt  und zieht zahlreiche Touristen an, so dass sich sogar der Einsatz einer kleinen Bahn lohnt. Wir gehen per pedes und wählen unter mehreren gut erschlossenen Routen eine längere aus, die uns dann doch stärker als erwartet herausfordert.

On the high plateau of the Causse Noir is a bizarre rock formation which has been created by erosion. It is called the "Chaos de Montpellier-le-Vieux" and is the aim of thousands of tourists, so that it is even worth them offering tourist trips in a small trackless railway. We choose to go by foot and select one of the longer tours from the list of well-marked paths. It proves to be further than expected.

 

 

 

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Doch der Anfang beginnt ganz harmlos und wir (ich) lassen uns viel Zeit mit der Dokumentation der hiesigen Flora. Lauter unbekannte Schönheiten, doch bei unseren Recherchen konnten wir die Bezeichnung der weiß blühenden Blume ausmachen: Es handelt sich um eine Orchideenart mit dem schönen Namen "Waldvögelein" (re).

The start is harmless and Elli takes plenty of time to document the complete plant life of the region. Many of the beauties are unknown, but researches unearth the name at least of the delicate white flower on the right. It is a variety of orchid called Cephalanthera (or Ceph).

 

 

 

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Die Felsskulpturen wirken wie eine versunkene Ruinenstadt, und dafür wurden sie auch lange gehalten. Erst 1870 bahnte man sich einen Weg zu den Felsen. Seitdem hat man sie alle hübsch kartographiert und mit Namen versehen.

The rocky sculptures remind one of a sunken ruined city and for a long time it was thought to have been that. It was only in 1870 that a path was created through the rocks. Since then they have been thoroughly mapped and given names.

 

 

 

Die Witterung, die auf das Kalkgestein der Hochplateaus einwirkte, hinterließ nicht nur phantastische Felsgebilde, sondern auch Höhlen (li) mit zum Teil riesigen Ausmaßen. Im dünnen Mutterboden auf dem Weg treten die Wurzeln wie Adern zutage (re). Es empfiehlt sich, die Augen beim Wandern nach unten zu richten.

The forces of erosion on the limestone of the high plateau have produced not only rocks pillars but also caves (l), some of considerable size.
In places tree roots on the path cover the thin humus like a maze of blood-vessels (r) so that care needs to be taken where you tread.

 

 

 

Diese Formation heißt - nein, nicht "der Elefant" (mit Wärter) -, sondern etwas gebildeter "Porte de Mycene", Tor von Mykene.

Unexpectedly this formation is not called “The Elephant” (with keeper), but - showing a certain cultural style - "Porte de Mycene", the Gate of Mycene.

 

 

 

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Unser geplanter kleiner Spaziergang entwickelt sich gegen Abend zu einer ordentlichen Felskletterei über steile Pfade und Stiege, die uns aber fantastische Ausblicke über die Felsenstadt bis hinein in die Jonte-Schlucht (Bildmitte) bieten.

Towards evening our planned short walk becomes more energetic than expected with climbs up steep paths and stairways, but it offers fine views out over the rocky scenery as far as into the Jonte Gorge (centre of picture).

 

 

 

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Am nächsten Morgen fahren wir vom Hochplateau wieder in die Schluchten hinab. Gestern kamen wir aus der Jonte-Schlucht (oberes Bild, rechts), heute wollen wir in die Tarn-Schlucht (oben, Mitte). Über eine leichte Erhebung im Tal stülpt sich das Dorf Peyreleau (unten).

Die Cevennen wurden im 17. und 18.Jh. Schauplatz der blutigen Hugenottenverfolgungen. Der absolutistische Herrscher Ludwig XIV. wollte die französischen Protestanten, hier Kamisarden genannt, zum Katholizismus (zurück)bekehren oder ausrotten. Zahllose Gefangene landeten im "Tour de Constance" in Aigues Mortes. Doch trotz mehrerer brutaler Bürgerkriege konnten sich einige Abweichler in diesem unwegsamen Gebiet verstecken und ihren Glauben weitergeben, bis schließlich die französische Revolution Glaubensfreiheit brachte. Die Cevennen gingen aus dieser blutigen Zeit verwüstet und verarmt hervor.

Next morning we drive down from the high plateau back to the gorges. Yesterday we came out of the Jonte Gorge (right in the upper picture), today we want to visit the Tarn Gorge (just left of centre in the upper picture). The village of Peyreleau (in both pictures) is perched on a small elevation in the valley.

The Cévennes were the scene of the bloody persecution of the Huguenots in the 17th and 18th C’s. The absolutist ruler Louis XIV wanted to either convert the French Protestants, here called Camisards, back to Catholicism, or to wipe them out. Numerous prisoners landed in the Tour de Constance in Aigues Mortes. Despite brutal civil war some of the dissidents were able to hide in this inaccessible area and to pass on their faith until finally the French Revolution brought religious freedom. This bloody period left the Cévennes devastated and impoverished.

 

 

 

Erste Eindrücke von der Tarnschlucht. Sie ist eine der beliebtesten touristischen Attraktionen Frankreichs.

First impressions of the Tarn Gorge, one of the France’s most popular tourists attractions.

 

 

 

Um ein besseres Bild vom kristallklaren, türkisenen Wasser zu bekommen, zoomen wir uns an die Brückenruine heran.

Zooming in onto the ruined bridge in the previous picture we get a better view of the delightfully crystal-clear turquoise water.

 

 

 

Hoch oben, in den ausgewaschenen Wänden der 400-500m tiefen Schlucht, erblicken wir zahlreiche verlassene Höhlenwohnungen, die wie verlorene Schreie in den Felswänden hängen.

High up on the eroded cliff walls of the 400 - 500m deep gorge we spy abandoned cliff dwellings. This one seems to scream out from the cliff like a lost soul.

 

 

 

Unten kämpft man derweil mit Felsüberhängen. Wir - mit einem Campingbus von 2,70m Höhe - begegnen einigen Wohnmobilen, die mindestens 3,50m  aufs Metermaß bringen. Folglich fahren wir relaxed und vertrauensvoll unten durch.

Down below there are rocky overhangs to be negotiated. Our camping bus is 2.7m high, but after seeing mobile homes with a height of at least 3.5m coming past we relax and drive on trustingly.

 

 

 

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Die Tarnschlucht gilt kanutechnisch als harmlos, trotzdem spürt man etwas von der Begeisterung, als die beiden Kanuten diese gefährliche Stromschnelle glamourös meistern (li).
An einem der schönsten Ausblicke trudeln Heerscharen von Booten ins Blickfeld, die hintere, gelbe Gruppe in völlig chaotischem Zustand (re).
Sie erinnert uns an Erzählungen unseres Sohnes, der sich während eines Konfirmations-Camps plötzlich mit den Herausforderungen einer Kajakfahrt in der Tarnschlucht konfrontiert sah.

For canoeists the Tarn Gorge is not a technical challenge, but nevertheless the enthusiasm of the two in the left picture can be felt as they glamourously master the rapids.
At one of the most beautiful view points - we are up at the road - an armada of little boats approaches. The orange group at the rear is relatively chaotic (r).
It reminds us of what our son told us about when he was suddenly given the challenge of canoeing in the Tarn Gorge during a Confirmation Camp.

 

 

 

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Die gelbe Gruppe schwimmt uns in wirrer Formation entgegen - die Personen in den Kanus wirken so klein, dass sie  Kinder sein müssen - vielleicht zwangsbeglückte deutsche Konfirmanden. Der Leiter im grünen Kanu winkt uns zu, um den Kindern klar zu machen, dass sie fotografiert werden (li).
Man muss als Kanute nicht die ganze, 35km lange Schlucht befahren. Man kann auch in der Mitte der Schlucht einsteigen (re).

The orange group floats in a disorderly group towards us - the people in the kayaks look so small that they must be children - perhaps German confirmees. The leader in the green canoe waves up to us, probably also to make clear to the children that they are on camera (l).
You don’t have to canoe the whole 35 km length of the gorge. There are places in the middle to start or stop (r).

 

 

 

Um das Wasser des Tarn am eigenen Leib gespürt zu haben, begeben wir uns zum Ufer und hängen unsere Füße in den Fluss.
Wir sind fasziniert von den zahllosen Bläulingen im Sand neben uns, die wahrscheinlich gerade geschlüpft sind und ihr erstes Sonnenbad nehmen.

To actually feel the water of the Tarn we scramble down to the shore and hang our feet into the river.
We are fascinated by the numerous little Lycaenidae butterflies, which are probably still enjoying their hatching party and first sunbathe.

 

 

 

Bei Saint Enimie findet die Tarnschlucht ihr Ende und unsere Straße führt uns in Serpentinen wieder auf ein Hochplateau.
Die Cevennen: eine äußerst vielfältige und besuchenswerte Landschaft!

The Tarn Gorge ends at Saint Enimie and we follow the serpentine road back up onto the high plateau.
The Cévennes do indeed offer plenty of variety and are worth visiting.

 

 

 

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