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 E & BJ Capper Nagold 2005

 

29.4 - 1.5.2005

Sierra Nevada, Andalucia

Das schneebedeckte Gebirge

The snowy mountain range

Die Sierra Nevada, das "Hausgebirge" Granadas, erstreckt sich über eine Länge von 80km entlang dem Küstenstreifen zwischen Granada und dem Mittelmeer. Als höchstes Gebirge der iberischen Halbinsel besitzt es 14 Gipfel mit über 3000 Höhenmetern.
Es lässt sich grob in zwei Gebiete unterteilen: in den südlichen, bei Almeria bis ins Meer ragenden Teil, der geprägt ist von mediterranem, feuchtem Klima, und dem nördlichen, hochalpinen Bereich, der, karg und berüchtigt für seine heftigen Winde, ein exzellentes Skigebiet darstellt.
Wir wollen uns diesem interessanten Naturpark an zwei Tagen nähern.

The Sierra Nevada, the ‘snowy mountain range’ on Granada’s doorstep, extends for a length of 80 km parallel to the coast and lies between Granada and the Mediterranean. It has the highest peak in continental Spain, the Mulhacen, 3482m and about 13 other peaks over 3000m.
The southern part reaches down to the sea near Almeria and has a moister Mediterranean climate. The northern mountainous part is dry, more barren and windy, and is also an excellent winter sport area.
We want to spend two days visiting this interesting national park area.

Zuerst wählen wir den südlichen Teil, die sog. Alpujarra. Von Granada aus fahren wir zuerst Richtung Mittelmeer, biegen dann aber nach Links in die südlichen Ausläufer der Sierra. Schon bald stoßen wir auf diese Höhle, die früher wohl bewohnt war. Im unteren Bild erkennt man, wie hoch wir schon gestiegen sind.

We decide to start with a visit to the southern part, setting out from Granada towards the Mediterranean, then turning left into the foothills of the Sierra. Soon we pass this cave, previously a spacious dwelling. In the lower picture you can see how far below the valley is already.

 

 

 

 

 

Der Gesteinskern der Sierra Nevada besteht aus extrem hartem Glimmerschiefer. Die Flüsse konnten keine schroffen Schluchten ins Gestein graben. Die Landschaft wirkt deshalb eher abgerundet, besonders die Bergzüge der südlichen Sierra.

The Sierra Nevada is composed of hard metamorphic rock pushed up by the African tectonic plate pressing against the European one.  

 

 

 

 

 

Die weißen Dörfer der Alpujarra (hier die malerischen Orte Bubion und Capileira) sind einmalig in der Welt, nur in Marokko gibt es noch ähnliche. Die Häuser erinnern an vielgestaltige weiße Schachteln, die so übereinandergestülpt sind, dass das Dach des unteren Hauses die Terrasse des darüber liegenden bildet.
Diese Bauweise stammt von den Mauren, die sich nach dem Fall Sevillas, aber auch nachdem Granada selbst 1492 als letzte maurische Stadt an die Christen gefallen war, verstärkt in die südliche Sierra Nevada zurückzogen und dort bis zum Ende des 16Jh. verblieben, bevor sie dann endgültig vertrieben wurden.
Einmal im Jahr werden die Häuser nach alter Tradition neu gekalkt, was gut für ihre Desinfizierung ist.

The white villages of the Alpujarra  area (here the picturesque villages Bubion and Capileira) are almost unique in the world - only in Morocco are there similar ones. The houses are like white boxes stacked up against the slope so that the roof of one forms the terrace of the one above.
This style of architecture comes from the Moors. After the taking of Seville by the Christians and even after the fall of the last Moorish town, Cordoba, in 1492, the Moors did not leave Spain completely, but withdrew into the southern Sierra Nevada until they were finally driven out in the late 16th century.
Following the old tradition the houses are whitewashed once a year.

 

 

 

 

 

An den Talhängen kann man auch heute noch die Spuren der maurischen Berber erkennen, die ein großes Wissen über die Fruchtbarmachung von Gebirgshängen besaßen. Sie legten zahlreiche Terrassen an, die mit Hilfe von offenen Wassergräben bewässert wurden. Sie importierten Kastanien-, Orangen-, Zitronen- und Maulbeerbäume. Letztere wurden als Nahrung für die Seidenraupen benötigt, die dem Gebiet bald zu einem relativen Wohlstand verhalfen.

On the slopes signs of the Moorish Berbers can still be seen. They were very knowledgeable about cultivating mountain slopes and made numerous terraces which they irrigated using open canals. They imported chestnut, orange, lemon and mulberry trees. The latter were used to feed silkworms and helped the area to become relatively prosperous.

 

 

 

 

 

Hier sind noch einzelne Terrassen zu erkennen, auch wenn diese nach der Vertreibung der Mauren allmählich verfielen. Die christlichen Rückeroberer versuchten, das Land mit Leuten von Galizien, Murcia und anderen Landesteilen neu zu besiedeln, doch ihre Anzahl reichte nicht aus, um die Dörfer zu füllen. Auch besaßen die neuen Einwanderer kaum Wissen über die Fruchtbarmachung, so dass gegen Ende des 16Jh. das Zitat bekannt wurde, dass ein christlicher Bewohner auf einem Stück Land verhungere, auf dem 10 Mauren reich geworden wären.
Heute werden vor allem Getreide, Oliven, Kartoffeln und Mais angebaut, was keine künstliche Bewässerung benötigt.

Some of the terraces can still be seen here, although they slowly fell into disrepair after the Moors were driven out. The Christian reconquerors tried to resettle the land with people from Galicia, Murcia and elsewhere. However, they were not numerous enough to fill the villages again and didn’t have the skilled  knowledge about cultivating the slopes, so that it became a common saying at the end of the 16th century that one Christian would starve on a piece of land on which 10 Moors had become rich.
Today mostly grain, olives, potatoes and maize are cultivated, for which artificial irrigation is unnecessary.

 

 

 

 

 

Wir befinden uns jetzt in Trevelez, dem höchstgelegenen Ort Spaniens (1476m), der vor allem für seinen an der kalten Luft getrockneten Schinken und für Flickenteppiche bekannt ist. Wahrscheinlich sind Letztere das restliche Erbe der ehemaligen Seidenproduktion. Für 30 Euro erstehen wir ein großes, buntes Exemplar, das unser Gästezimmer schmücken soll.
Von Trevelez aus bieten sich viele Wanderungen in die Alpujarra an.

Now we are in Trevelez, at 1476m the highest village in Spain and well-known for its air-dried bacon and its rag carpets. The latter are probably the last remnant of the inheitance of silk production. We buy a large carpet for 30 Euros to brighten up our visitors’ room.
Trevelez is a centre for hiking in the Alpujarra area. 

 

 

 

 

 

Ein maurisch anmutendes Gebäude mit einem prächtig blühenden Blauregen

The wisteria on this Moorish-style cafe was a magnificent splash of colour.

 

 

 

 

 

 

Anklicken zum Vergrößern / Click for larger picture. Samen/Seeds 4.2005

 

Makro-Aufnahme eines flauschigen Samenstandes am Straßenrand.

A macro picture of a seed head at the roadside.

 

 

 

 

 

 

 

Von der Ortschaft Bubion aus kann man entlang steiniger, erdiger Wege weiter die alte Passstraße auf über 2000m emporfahren, bis eine Schranke und ein Parkplatz bei einem Touristenzentrum zum Halten auffordern. Von hier aus geht's zu Fuß weiter. Über der Baumgrenze stoßen wir auf den hier typischen alpinen Bewuchs in Form von Stinkwacholder, Kiefern und Ginster, die sich den rauen Verhältnissen insofern angepasst haben, als sich die Blätter zu Nadeln hin veränderten und die Form häufig die einer Kugel annahm, was dem Gebiet auch den Namen "Igelzone" einbrachte.

Starting from Bubion we drive up on the old pass road, which soon becomes a dusty dirt track, until the barrier stops us at a height of over 2000m. There is a parking place at the end and we go on from there on foot, past the tourist centre (closed), and on the path up through the woods. Above the tree line there is alpine vegetation with junipers, pine trees and broom bushes.

 

 

 

 

 

Der Härte des Glimmerschiefers ist es auch zuzuschreiben, dass große Teile der Sierra Nevada wie Geröllfelder aussehen. Die Felsbrocken werden aufgrund der extremen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht aufgesprengt. John steht inmitten eines solchen Geröllfeldes und blickt zu den höchsten Gipfeln der Sierra hinüber. Es soll hier Steinadler geben, aber trotz wieder vorhandenen Fernglases ist keiner zu entdecken.

The hardness of the stone leads to the large areas of scree in the Sierra Nevada. The rocks are apparently split open by the extreme temperature differences between day and night.
I’m looking towards some of the highest peaks and also hoping for a glimpse of one of the golden eagles. (Think I saw one earlier, but couldn’t be sure!) Fortunately we now have the binoculars again.

 

 

 

Anklicken zum Vergrößern / Click for larger picture. Sierra Nevada Panorama 4.2005

Nochmals der gleiche Höhenzug. Die runde Kuppe rechts gehört zum höchsten Berg der Sierra Nevada, dem Pico Mulhacen (3482m). Er wurde benannt nach dem maurischen König Muley Hassen, dessen Sohn Boabdil 1492 die Stadt Granada an die erfolgreichen katholischen Belagerer König Ferdinand und Königin Isabella übergeben musste. Muley Hassen soll sich in die Sklavin seiner Frau verliebt haben, die ihn, wenig entzückt, vom Hof vertrieb. Er verstarb kurz darauf in der Nähe des Berges. Seine Anhänger und seine Geliebte sollen ihn auf den Gipfel des Muhacin geschleppt und dort begraben haben. Seitdem gilt er als der Herrscher, der für seine Liebe sein Königreich opferte.
 Im linken Drittel des Bildes sieht man die zackige Spitze des Pico Veleta, des zweithöchsten Gipfels der Sierra (3398m). Diesen Gipfeln wollen wir uns morgen von der schroffen Nordseite der Sierra Nevada aus nähern.

The same range of mountains again; this time the picture can be enlarged. The rounded peak on the right is the highest in the Sierra Nevada, the Pico Mulhacen (3482m).
The peak is named after the Moorish king Muley Hassen, whose son Buobdil had to hand over the town of Granada to the successful Christian besiegers, King Ferdinand and Queen Isabella, in 1492. Muley Hassen had fallen in love with a slave girl belonging to his wife, who succeeded in driving him from the royal court. Soon after, he died near the mountain. His supporters and his beloved are said to have carried him up it and buried him at the peak. Since then he is known as the ruler who gave up his kingdom for love.
In the left-hand third of the picture is the jagged peak of Pico Veleta, at 3398m the second highest peak. We want to approach this peak from the other side tomorrow.

 

 

 

 

 

Heute ist es soweit. Auf der höchsten Bergstraße Europas, die von Granada aus auf einer Länge von 35km von 640 Höhenmetern bis auf 3392m fast unaufhörlich ansteigt, wollen wir die wilde Nordseite der Sierra Nevada kennenlernen. Die Straße ist gut ausgebaut und hat zahlreiche Parkplätze, von denen man einen Blick zurück Richtung Granada werfen kann.

Now we set off from Granada for our second day’s exploration of the northern side of the Sierra Nevada on Europe’s highest mountain road which in the course of 35 km rises from 640m to 3392m. The road is good and there are parking places from which we can look back down towards Granada.

 

 

 

 

 

Neben der Straße befindet sich auch ein Freilichtmuseum, das die Lebensweise früherer Bergbauern dokumentiert.

By the road is an open-air museum showing how mountain farmers lived in earlier times.

 

 

 

Anklicken zum Vergrößern / Click for larger picture. Sierra Nevada Panorama 5.2005

Jetzt sind wir schon wirklich hoch, als sich das Skidorf Pradollano (2100m) in unser Blickfeld schiebt. Dieses Retortendorf liegt im berühmten Skigebiet Solynieve ("Sonne und Schnee"), das sich auf einer Höhe zwischen 2000-2600m erstreckt. Es wurde  1995 errichtet, da  in diesem Jahr die Winterolympiade hier stattfinden sollte. Leider gab es ausgerechnet in diesem Jahr kaum Schnee, so dass die Olympiade um ein Jahr verschoben werden musst.

Now we are high up and the custom-built ski resort Pradollano (2100m) comes into view and above it to the right Pica Veleta. The winter sport area Solynieve (‘Sun and Snow’) is between 2000 and 2600m and was set up in 1995 for the Winter Olympics. Unfortunately there was so little snow that year that the Olympics had to be postponed to 1996.

 

 

 

Man kann den Ort - wie wir es tun - links liegen lassen und die alte Passstraße weiter bergauf verfolgen. Auf einer Höhe von 2550m stoßen wir auf das höchstgelegene Hotel Spaniens, den ehemaligen Parador (links im Bild) und kurz dahinter auf die Residencia Universitaria (rechts). Was vor einigen Jahren noch möglich war, die Straße auf eine weitere Länge von 7km bis auf 3392m Höhe, also fast bis auf den Gipfel des Veleta, zu befahren, ist heute, sicherlich aus guten Gründen, verboten. Wir lassen unser Auto auf dem Parkplatz stehen und gehen zu Fuß weiter.

The old pass road continues up by-passing the ski village and at a height of 2550m we reach the highest hotel in Spain, the previous Parador, (left in the picture), with the nearby Residencia Universitaria (right). A few years ago it was possible to drive a further 7 km on up the road to 3392m, i.e. practically to the summit of Pica Veleta (3398m), but that is now not allowed - probably for very good reasons - so we park and continue by foot.

 

 

 

Anklicken zum Vergrößern / Click for larger picture. Sierra Nevada Panorama 5.2005

So schön diese Landschaft im Winter sein mag, jetzt im Spätfrühling ist sie eine Felswüste, der man die Nutzung als Skigebiet nur allzu gut ansieht. Trotzdem verströmt sie den Reiz des Fremdartigen.

Covered in winter snow the landscape must be very beautiful, but now in late spring it is a barren-looking wilderness, which shows all too clearly the scars of winter sports.

 

 

 

 

 

So tot alles aussieht, bei genauerer Betrachtung hüpft und kriecht so manches über die Steinbrocken. Der skurril aussehende Grashüpfer (oder besser Felshüpfer, Mitte unten) hat sich wohl den extremen Bedingungen der Sierra Nevada angepasst, so wie sich viele Pflanzen derart veränderten, dass sie nur hier vorkommen, also endemisch geworden sind. Das Gleiche trifft sicher auf die Ski fahrende Kuh zu.

Everything looks very barren, but  there are creatures that jump and crawl over the stones. The unusual looking grasshopper (“stonehopper”?) may be one of the many  adaptations (especially plants) to the extreme conditions in the Sierra Nevada. The same probably applies to the skiing cow!

 

 

 

 

 

Anklicken zum Vergrößern / Click for larger picture. Sierra Nevada Panorama 5.2005

In einer Höhe von 2920m an der Flanke des Pico Veleta betreibt das deutsch/französisch/spanische Institut für Radioastronomie im Millimeterbereich ein 30m Radioteleskop. Bei Vergrößerung des Bildes sieht man einen Teilort von Pradollano (links), mittig eine höher gelegene Skistation und Skilifte, die an verschiedenen Stellen die Berge hinaufziehen.

At 2920m on the slopes of the Pico Veleta the French/German/Spanish Institute for Radio Astronomy in the Millimetre Range runs a 30m radio telescope. Expand the picture for a better view of part of the village of Pradollano (left), and the ski station and lifts (middle). 

 

 

 

Das 30m-Teleskop von hinten. Man sieht förmlich die Radiowellen, die das Teleskop in sich aufsaugt.

You can almost see the waves being sucked into into the radio telescope!

 

 

 

 

 

Anklicken zum Vergrößern / Click for larger picture. Sierra Nevada Panorama 5.2005

Hier nochmals ein Panorama mit Teleskop und einer Wetterstation (rechts). In der Mitte befindet sich der Pico Veleta.

A wide (expandable) panorama with radio telescope, Pico Veleta in the centre and a meteorological station on the right.

 

 

 

 

 

Von oben ein Blick auf die sich empor schlängelnde Passstraße, die "Camino de los Neveros" (Straße der "Schneemänner") heißt. Sie wurde als kürzeste Verbindung nach Granada genutzt, um im Sommer Eis von den Bergen zur heißen Stadt zu transportieren.

The pass road snakes its way up the mountain. The road is called the "Camino de los Neveros" (“The Road of the Snowmen”) from the time it was the shortest way to transport ice down from the mountains into the hot town of Granada.  

 

 

 

 

 

Anklicken zum Vergrößern / Click for larger picture. Sierra Nevada Stausee/Reservoir 5.2005

Auf unserer Rückfahrt erblicken wir diese Bergkette, die sich wie ein faltiger Überwurf zum türkisenen Stausee hin auffächert. Die Anzahl der Stauseen in Spanien scheint enorm, doch es kündigt sich aufgrund der trockenen Wetterlage jetzt schon an, dass das Wasser auch in diesem Sommer sehr knapp werden könnte.

On the way down we see these mountain slopes draped in folds behind a reservoir. There appear to be many reservoirs in Spain, but there has been a dramatic lack of rain over a long period and there is the serious threat of a severe drought in coming months.

 

 

 

Waghalsig könnte man die Führung der Straße nennen, die sich am Stausee entlang schlängelt.

 

Ein genauer Beobachter bemerkt eventuell die gleichen Autos zweimal im Bild. Da es mit Autos oberhalb der Klippe besser aussieht, hat John aus einem anderen Bild zwei zusätzliche geklaut.

From this angle you see how necessary it is for drivers to stay on the road!

 

A careful observer may notice the same cars on the road twice. I thought it looked better with cars above the cliff and    ‘borrowed’ them from another similar picture!

 

 

 

 

 

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