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 E & BJ Capper Nagold 2007/08

 

16. - 17.6.2007

Alta & Hammerfest

Rentiere & Unesco-Schätze

Reindeer & Unesco Treasures

Wir ziehen weiter gen Norden. Die Entfernungen zwischen den Städten sind riesig, etwa 420km liegen zwischen Tromso und Alta, unserem nächsten Ziel. Es wird kühler, die Vegetation karger. In endlos scheinenden Kurven windet sich die Straße von Fjord zu Fjord.

We continue our trip north, where there are large distances between the towns. From Tromso to Alta, our next destination, is about 420 km. It is getting cooler and the vegetation is getting sparser. The road winds in seemingly endless curves from fjord to fjord. 

 

 

 

Am Hafen des Ortes Skibotn am Lyngenfjord legen wir eine Mittagspause ein. Er erscheint wie ausgestorben, die Zeit der großen Winterfänge ist vorbei. In großen Plastiktüten räumt man den Müll zusammen.

We stop for a lunch break at Skibotn on Lyngenfjord. It is Sunday and the town seems almost deserted. It is well past the main fishing season in winter. Rubbish has been collected tidily together in large plastic sacks.

 

 

 

Bis auf unbrauchbare Reste sind die Trockenfischgestelle abgeräumt; vielleicht wurden sie auch nicht benutzt: Seit durch die Hochseefischerei ein Großteil des wandernden Kabeljaus abgefischt wird, bevor er die Laichgründe bei den Lofoten erreicht, gehört der Dorsch zu den bedrohten Fischarten.

The fish-drying racks are empty except for unusable leftovers. Perhaps they weren’t used at all, because a large proportion of the migrating cod get caught by deep-sea fishing boats before they even have a chance to reach their breeding grounds near the Lofoten islands. As a species they are seriously endangered.

 

 

 

Doch nicht überall ist es so menschenleer wie am Hafen. Vor einer großen Halle drängen sich hunderte Autos, nicht wenige aus dem nahen Finnland.
Neugierig geworden fahren wir nach Skibotn zurück und entdecken einen riesigen Flohmarkt, der mit einem vielfältigen Angebot das Interesse unterschiedlichster Käufer weckt. Da man für einen Besuch Eintritt zahlen muss, lassen wir uns den Spaß entgehen.

Not everywhere is as empty as the harbour area. Hundreds of cars are parked near a large building, quite a few of them visiting from nearby Finland.
Curious about this we unhitch the caravan and drive back to discover an enormous flea market, which seems to offer treasures for a variety of tastes. However we decide we are not interested enough to pay an entrance fee and move on.  

 

 

 

Als wir den zuvor abgehängten Wohnwagen im Hafengebiet abholen, entdecken wir direkt neben dem Parkplatz auf dem Boden diese schöne brütende Küstenseeschwalbe. Auch als wir wenige Meter an ihr vorbeifahen müssen, weigert sie sich, das Nest zu verlassen. Der Brutschutzinstinkt scheint den Fluchtinstinkt völlig außer Kraft zu setzten.

When we go back to the harbour area to recover the caravan we notice this beautiful arctic tern nesting on the ground on the border of the car park. We have to drive past at a distance of only a few metres. It studies us carefully and is on the alert, but protecting the brood wins over its instinct to flee.

 

 

 

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Die wenigen verbliebenen Wälder ändern ihr Gesicht. Sie bestehen fast nur noch aus krüppeligen Birken.

The few remaining woods have changed their character. They now consist mostly of fairly stunted birch trees.

 

 

 

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An einem Aussichtspunkt am Kvaenangenfjord öffnet sich die Landschaft zum Meer hin, und wir erhalten eine prächtige Weitsicht über die angrenzenden Küsten und Inseln hinweg. Auch eine Gruppe Motorradfahrer muss hier einen Halt einlegen.

At a viewpoint the country opens up to look out over the Kvaengerfjord and we get a magnificent view of the surrounding coast and islands. A group of motorcyclists pauses to admire the scenery as well.

 

 

 

Auch an dieser Stelle stehen etliche Sami-Souvenirbuden. Die meisten sind noch geschlossen.
Doch dieser Same hat Glück: Nachdem wir der Versuchung, ein Rentierfell zu kaufen, so lange widerstehen konnten, werden wir hier schwach. Kritisch fragt mich John, ob ca. 60 Euro für ein Fell nicht zu teuer seien. Ich finde das in Ordnung, und so wandert das auserwählte Stück in einen Plastiksack. Zu Hause stellen wir fest, dass es ganz erheblich haart.

Here as well there are Sami souvenir shops, most of them still closed.
But this Sami was in luck. After resisting the temptation to buy a reindeer skin up to now we get weak here. I ask critically if Elli doesn’t think that €60 is rather expensive, but she finds that ok, so the selected item is stowed into a plastic bag. Back at home we find it loses hairs rather rapidly.

 

 

 

Wenig später stoßen wir auf eine mehr oder weniger authentische Samisiedlung. Ein Blick ins Innere der Torfhütte lässt uns auf "weniger" tippen. Andererseits kann man verstehen, dass die gesellschaftlich recht angepassten Samen die Zerstreuung eines Fernsehers benötigen, wenn sie einen Sommer lang "Ureinwohner" spielen müssen.

Not far on we find what looks like a more or less  authentic but unoccupied Sami settlement. After a glance into one of the huts we tip on “less”. On the other hand it is understandable that the Sami need the diversion of a TV if they have to play the role of “original inhabitants” right through the summer.

 

 

 

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Die schöne Lage der kleinen Siedlung regt die Fantasie an, und wir sehen im Geiste Samen Rentiere jagen. Noch haben wir kein Tier in freier Wildbahn gesehen - und haben doch schon sein Fell im Gepäck.

The beautiful view from the settlement inspires the imagination and we mentally envisage the Sami hunting or herding their reindeer. We still have only seen isolated reindeer in the wild at a distance, although we now have a pelt in our luggage.

 

 

 

So weit im Norden muss man auf eine Begegnung nicht lange warten. Bald nachdem die ersten Warnschilder aufgetaucht sind, trotten einige Rentiere gemütlich über die E6. Auch Seitenbarrieren stellen kein Hindernis für sie dar.

But so far north you don’t have to wait long for an encounter. Soon after the warning sign some reindeer trot placidly across the E6 and the roadside barrier is no big obstacle for them.

 

 

 

Der Rest der Herde grast neben der Straße.
Die Geweihe, die beide Geschlechter ausbilden, sind im Juni noch kurz. Erstaunt haben uns die vorgewölbten Augen, die auf einem runden schwarzen Wulst sitzen und den Tieren - sie mögen uns verzeihen - einen etwas dümmlichen Ausdruck verleihen.

The rest of the herd is grazing near the road.
In June the horns, which both sexes have, are still fairly short. What surprises us are their protruding eyes mounted on black bulges, which, with our apologies to the animals, give them a faintly stupid appearance.

 

 

 

Endlich haben wir Alta erreicht. Die Stadt, die in einer weiten Senke am Altafjord liegt, ist berühmt für den hier abgebauten "Alta-Schiefer". Wir strafen sie mit Missachtung, da wir uns auf das sich in der Nähe befindende Unesco Welkulturerbe (seit 1985) stürzen.
In direkter Nachbarschaft zur Stadt und ebenfalls am Ende des Altafjords entdeckte man 1973 zahlreiche Felsritzungen, die 6000 bis 2000 Jahre alt sind. Um die 6000 Stück wurden bislang entdeckt, die meisten um diese Bucht herum, sodass man diesen schönen Ort benutzte, um das Welterbe touristisch zu erschließen. Ein modernes Museum wurde gebaut sowie kilometerlange Stege, die die einzelnen Felsplatten verbinden.

Für uns war der Vergleich mit den auf dieser Reise in Schweden besuchten Felsritzungen sehr interessant. (Siehe Tanum)

Das obere Panorama zeigt die Bucht und einige Markierungsstäbe im niedrigen Buschwerk, die Stellen kennzeichnen, an denen man den ehemaligen Standort bronzezeitlicher Häuser vermutet.

At last we reach Alta. The town lies in a wide hollow near the Altafjord and is well known for the slate which is quarried here. However we ignore the town itself and visit instead the Unesco World Cultural Heritage site nearby, which has been listed since 1985.
in 1973 directly next to the town and on the shore of the Altafjord rock carvings were discovered which are from 6000 to 2000 years old. To date about 6000 individuals carvings have been found, mostly around this bay, so this beautiful place has been chosen as the touristic focus for the Unesco site. A modern museum has been built and kilometres of wooden walkway constructed which link the various carved rock slabs.

For us there is an interesting comparison between this site and the rock carvings we visited earlier on this trip on our way through Sweden. (See Tanum)

The panorama picture above shows the bay of the Altafjord. The white posts in the foreground mark sites where Bronze Age buildings are believed to have stood.

 

 

 

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Die Felsritzungen werden drei Epochen zugeordnet. Je weiter vom Meer entfernt die Fundstellen liegen, desto älter sind die Bilder. Da die Ritzungen immer an Felsen direkt am Meeresufer ausgeführt wurden, wanderten sie mit dem sich nach der letzten Eiszeit hebenden Land nach oben. Die jüngeren Ritzungen liegen bis etwa 20m tiefer.

Auf den Bildern sieht man Ritzungen aus der ersten Epoche; sie wurden vor 6200-5300 Jahren hergestellt. Über große Felsflächen verstreut wurden ganze Geschichten erzählt, die von der Jagd, dem Fischfang und religiösen Ritualen berichten. Links sieht man eine Rentierherde, zwischen ihr einen einzelnen Mann mit Speer und drumherum Muster, die sich als Zäune deuten lassen. Es ist das älteste bekannte Bild der Erde, auf dem Einzäunungen für die Treibjagd und die Sammlung der Rentiere dargestellt sind.
Rechts erkennt man ein Boot mit einem Bogenschützen und einer Person, die etwas über ihrem Kopf hält. Es könnte ein Fanggerät oder ein ritueller Gegenstand sein. Diese Ritzung wurde zum Logo des Alta-Museums ernannt.

The rock carvings are divided into three phases. The further the locations are from the sea, the older the pictures, as the carvings were done on rocks on the seashore and the land has been rising in altitude since the last Ice Age. The newer carvings lie up to 20m lower than the old ones.

In these pictures there are carvings from the first phase, performed about 6200 to 5300 years ago. Scattered over large rocky surfaces whole stories are told about hunting and fishing and portraying religious rituals. On the left is a reindeer herd with a single man armed with his spear among them; the pattern surrounding them is understandably interpreted as a fence and this is the world’s oldest representation of the use of a fence to catch animals in a hunting drive.
In the right picture an archer stands in a boat and there is also a person holding a mysterious something over their head. It could be a hunting or maybe a ritual implement. This carving is used as the logo of the Alta Museum.   

 

 

 

Die Vegetation in dieser geschützten Bucht wirkt saftig und doch urtümlich. (Die grünen Pflanzen im linken Bild sind Schachtelhalme.) Idyllisch ziehen die Holzstege durch kleine Wäldchen und am Ufer entlang.
Man nimmt an, dass dieses Gebiet nur dünn besiedelt war, dass sich jedoch mehrmals im Jahr Menschen anlässlich jahreszeitlich bedingter Wanderungen hier trafen, um rituelle Vorsorge für die Zukunft zu treffen oder sich bei den Geistern und Göttern zu bedanken.

The vegetation in this protected bay is verdant but somehow archaic. (The green plants in the left-hand picture are many-sectioned horse tail plants.) Wooden walkways thread through little woods and continue on gravel paths along the shore.
It is believed that the area was only thinly populated, but that people gathered here several times during the year to take ritual precautions for the future or to give thanks to spirits and gods.

 

 

 

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Manche der Felszeichnungen an diesem Teil der Bucht liegen tiefer und sind jüngeren Datums. Wenn man das Bild vergrößert, kann man die Zäune der Holzstege erkennen, die an bedeutenden Ritzungen entlangführen.

Some of the rock carvings in this part of the bay lie deeper and are younger in date. If you expand this picture you can see the fences along the wooden walkways. These lead past the rock slabs with the most significant carvings on them.

 

 

 

Einer der großen Felsen, die übersät sind mit Einritzungen. Man sieht darauf Boote, Menschen, Elche, Rentiere, Bären und Wasservögel.

One of the large rocks covered with carvings. Boats, people, elk, reindeer, bears and water birds can be admired.

 

 

 

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Links: Das Verständnis von Werden und Vergehen, von Trächtigkeit und Tod war bei unseren Vorfahren groß, auch wenn die Mittel, dies darzustellen, prähistorisch waren: mit Faustkeil und Steinmeisel wurden Sinnbilder, die auf uns manchmal wie Comicbilder wirken, in den harten Fels eingraviert.

Auf dem rechten Bild erscheinen zwischen tänzelnden Figuren Elche, Rentiere und Bären; wahrscheinlich wurde ein regelrechter Bärenkult betrieben.

Die Deutung vieler Details wird noch diskutiert; so erkennt man oben rechts vier Personen, die einen ovalen Gegenstand halten (leichter zu sehen, wenn man das Bild vergrößert). Handelt es sich dabei um die Sonne, den Mond oder ein Ei? Eine der Personen ist in Hockstellung, wie wenn sie gebären würde. Wollen die anderen ihr dabei helfen? Links daneben durchzieht ein langer Strich das gesamte Feld und mündet in einem Oval. Ein Komet, der über den Himmel fliegt?

Left: Our ancestors clearly had an understanding of  growth and decay, and of pregnancy and death, although their means of expressing them were prehistoric. With hand axes and stone chisels they carefully engraved meaningful pictures, which sometimes seem like cartoons to us, into the hard stone.

Many of the details are the subject of learned discussion. In the right-hand pictures dancing figures appear between elk, reindeer and bears. Apparently bears were part of a regular cult.
Above right (easier identified if the picture is expanded) four figures can be recognized holding an oval object. Is it the sun, the moon or an egg? One of the people crouches as if giving birth. Are the others helping her? Just to the left a long straight line crosses the whole area and ends in an oval. A comet that flies across the sky?

 

 

 

Einen Besuch dieses Freilichtmuseums können wir nur wärmstens empfehlen. Wie man sieht, sind die Wege bestens ausgelegt und führen durch eine archaische Felslandschaft, die mit Jahrtausende alten Bildern zu uns zu sprechen beginnt.
Lange vor den Samen lebte hier nachweislich das Komsa-Volk, das diese Hochkultur-Spuren hinterließ, aber ähnlich wie die Etrusker auf rätselhafte Weise verschwand.

We warmly recommend a visit to this open-air museum site. The walkways are well-made. They guide through an archaic rocky landscape which somehow starts to speak as it comes to life with pictures of life thousands of years ago.
It has been shown that long before the Sami the so-called Komsa people lived here, who left evidence of a rich culture, but then, like the Etruskans, mysteriously disappeared.

 

 

 

Doch auch das Museum hat es in sich. Nachbauten alter Samendörfer oder dieses alte Fischerboot (li) werden anschaulich präsentiert. Mit Filmbeiträgen und Ausstellungsstücken wird die wichtige Rolle demonstriert, die dieses Gebiet im 2.Weltkrieg spielte.
Beeindruckend auch die Darstellung einer alten Schamanentrommel aus dem 17.Jh. Die mit Erlenblut(saft) eingeritzten Symbole geben das damalige Verständnis von hierarchisch geordneten Götter-, Menschen- und Geisterwelten wieder - christliche Symbole wurden zu jener Zeit bereits miteinbezogen (z.B. eine Kirche unten rechts). Bei einer Wahrsagung legte der Schamane den Bronzering (li unten) auf die Trommelbespannung und schlug dann mit dem Schlegel aus Rentiergeweih so lange darauf, bis die einsetzende Trance und der tanzende Ring eine Deutung der Symbole ermöglichte.

The museum building is also worth a visit. Old Sami village scenes and (l) an old fishing boat are graphically presented. There are also exhibits showing the important role of the area in the 2nd WW.
The display (r) of an old 17th C shamanist drum with symbols marked on it with alder sap shows the world view of that time with hierarchical levels of gods, humans and spirits, including Christian symbols (a church lower right). When divining, the shaman placed the bronze ring (below on the left) onto the skin of the drum and then went on drumming with the hammer-like reindeer horn drumstick until in his resulting trance the dancing ring pointed to the relevant interpretation of the symbols.

 

 

 

Die Finnmark, durch deren weite, öde Hochflächen wir nun fahren, ist die flächenmäßig größte Provinz Norwegens - und die menschenleerste. Nur 1,5 Einwohner leben hier statistisch gesehen auf einem Quadratkilometer.
Wir befinden uns auf dem Weg nach Hammerfest.

We are now driving through the bleak and barren plateau of Finnmark, the largest and least populated of the Norwegian provinces. It has statistically only 1.5 - 2 inhabitants per square km.
The road leads us on our way towards Hammerfest.   

 

 

 

Ein trüber, regnerischer Abend, ein riesiger Eisbär und eine umstrittene Gasverflüssigungsanlage (linkes Bild hinten) empfangen uns in Hammerfest. Die neue Fabrik soll seit 2007 Gas aus der Barentssee zu Flüssiggas komprimieren - ein Projekt, das Teil der wirtschaftlichen Ausbeutung der Arktis ist und die nördlichen Länder von den OPEC-Ländern unabhängiger machen soll.
Es ist unter Wissenschaftlern wegen unvorhersehbarer Auswirkungen auf das Weltklima umstritten, und vor allem - es funktioniert nicht. Der aus Deutschland gelieferte Kühlmechanismus, der die Gastemperatur auf -161 Grad Celsius absenken soll, ist teilweise defekt. Und so müssen die angelieferten Gasmengen abgefackelt werden - zu manchen Zeiten mit einer bis zu 130m hohen Fackel, die auch aus dem Weltall zu sehen ist. Dabei werden Unmengen von Kohlendioxid freigesetzt. "Ein Alptraum", nennen dies norwegische Politiker.
Rechts sehen wir eine der Hauptstraßen Hammerfests. Die Stadt hat auf dem schmalen Küstenstreifen wenig Platz, um sich auszubreiten.

We are welcomed in Hammerfest by dreary, rainy weather, a huge plastic polar bear and by a controversial gas liquefying plant (l). From 2007 on the new factory was supposed to compress gas from the Barents Sea into liquid, part of the industrial exploitation of the Arctic to make the northern countries less dependant on the OPEC countries.
Scientists argue about its unpredictable effects on the world climate and - above all - the plant doesn’t work. The mechanism delivered from Germany to cool the gas to -161°C is partially defective, so the delivered gas has to be flared (burnt off), at times with a flame up to 130m high and visible from space. Massive quantities of carbon dioxide are produced, which Norwegian politicians describe understandably as a nightmare.
On the right is Hammerfest’s main street. On the narrow coastal road the town doesn’t have much room to spread out.

 

 

 

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Blick auf die Hafenanlage mit dem dreigiebeligen Einkaufszentrum in der Mitte. Die Stadt mit ihren 6000 Einwohnern ist Anlegestelle der Hurtigrute und bei Touristen zunehmend populär. Im Sommer werden die wenigen Straßen von Besuchern, die zum Nordkap wollen (wie wir), heillos verstopft.
Das Stadtbild ist geprägt von neueren Zweckbauten. Die Finnmark wurde im zweiten Weltkrieg wegen ihrer eisfreien Häfen und der Grenze zu Russland von 1941-44 von der deutschen Wehrmacht besetzt. Für die Kriegsführung des Dritten Reichs war es unbedingt notwendig, die Eisenerzlieferungen aus dem schwedischen Kiruna aufrecht zu erhalten. Hammerfest wurde zum wichtigsten Seestützpunkt der deutschen Marine in der Finnmark.

The harbour area with the triple roof of a shopping centre in the middle. The town with its 6000 inhabitants is a stop-off point for the Hurtigrute express coastal shipping service and is increasingly popular with tourists. In the summer its few streets are overcrowded with visitors stopping by on their way to the North Cape (like us).
The town is dominated by new functional buildings. The province of Finnmark was occupied in the 2nd WW by the German army from 1941-44 because of its ice-free ports and its border to the Soviet Union. For the war effort of the Third Reich it was imperative to maintain the supply of iron ore from Kiruna, Sweden, and Hammerfest became the most important German naval base in Finnmark.

 

 

 

Der Eisbär ist in der Stadt allgegenwärtig, entweder auf dem Wappen (Eisbär auf rotem Grund) oder als Skulptur.
 Rechts sieht man zwei Exemplare vor dem Rathaus. Dort kann man gegen eine Gebühr Mitglied im Eisbärenclub ("The Royal and Ancient Polar Bear Society") werden, der das Ziel hat, die Geschichte Hammerfests als Fang- und Handelszentrum für das Eismeer zu vermitteln. Einzige Voraussetzung: persönliches Erscheinen.

Polar bears are everywhere in the town, either on the town’s coat-of-arms (polar bear on red background) or as sculptures.
On the right are two specimens in front of the town hall. There one can pay to join the ‘Royal and Ancient Polar Bear Society’, which has the aim of portraying Hammerfest’s history as hunting and trading centre for the Arctic Ocean. The only prerequisite - apart from the fee - is apparently to appear there in person.

 

 

 

Am Ortseingang der Stadt stehen sich zwei Kirchen gegenüber: links die architektonisch interessante evangelische Kirche von 1961 und rechts die Friedhofskapelle, die wie große Teile der restlichen Stadt von Lawinenbrechern geschützt wird. Diese Kapelle ist das einzige Gebäude Hammerfests, das den 2.Weltkrieg überstand. Als die deutsche Wehrmacht 1944-45 die Finnmark räumen musste, erhielt sie den "Befehl der verbrannten Erde". Keine Fabrikanlage, kein Haus und kein Boot sollten in die Hände der Feinde fallen. Die deutschen Truppen zwangsevakuierten sämtliche Bewohner der Finnmark und brannten alles nieder.

Es ist ein bedrückendes Gefühl, wenn einem als deutsche Touristin die Ausmaße der deutschen Verbrechen an einem neutralen Land auf so greifbare Weise bewusst werden. An unserem Campingplatz fragen wir die Besitzerin nach den Empfindungen der Norweger den Deutschen gegenüber - in Anbetracht dieser geschichtlichen Lasten. "Es wurde alles sehr gründlich aufgearbeitet", antwortet sie.

Entering the town you pass two churches opposite each other. On the left on the side towards the sea is the architecturally interesting Protestant church from 1961 and on the right the cemetery chapel inland, protected by the avalanche barriers behind it on the hill. This chapel is absolutely the only building in Hammerfest to survive the 2nd WW. When the German army withdrew from Finnmark in 1944-45 it was given the order to carry out a scorched earth policy. No factory, house or boat should fall into the hands of the enemy. The Germans forcibly evacuated all the inhabitants of Finnmark and destroyed everything.

It is a burdensome feeling, even for me as a British person living happily in Germany, to see the extent of the devastation caused in a neutral country by the criminal German aggression. At one of the camping sites we asked the Norwegian owner about feelings today towards Germans in view of this historical burden. “Both countries have thoroughly faced and come to terms with what happened”, was what she said. 

 

 

 

Auf einem schön gefärbten Felsen steht eine Bank mit Blick zum Eismeer; dahinter sammelt sich in einer kleinen Bucht der anscheinend unvermeidliche Plastikmüll.

On a beautifully coloured rocky point stands a bench with a view out towards the Arctic Ocean. In the little inlet behind it the inevitable plastic rubbish from the sea accumulates.

 

 

 

Das linke Foto gibt unsere Eindrücke von Hammerfest am besten wieder: “Wegen schlechten Wetters geschlossen.” Kaum ein Mensch verirrt sich auf die Straße. Es benötigt viel Fantasie, sich den Platz vor der lustigen Wildschwein-Bude belebt vorzustellen.

The picture on the left best sums up the impression we got of Hammerfest: “Closed due to bad weather”. Hardly anyone is out in the streets and a good imagination is needed to envisage a lively crowd buying sausages and chips (or whatever) at the kiosk colourfully decorated with its wild boar.

 

 

 

Und damit niemand denkt, diese Bilder seien Schwarz/Weiß-Fotos, muss der bunte Wohnwagen bei diesem Hafenpanorama nochmals aufs Bild.

The colourful caravan has to appear in this picture as well to prevent anyone mistaking the rather drab harbour panorama for a black and white photo.

 

 

 

Doch die Highlights der Stadt erschöpfen sich nicht in Kirchen, Eisbärenclubs und defekten Fabriken. Weit gefehlt! Hammerfest besitzt seit ein Unesco-Weltkulturerbe, was einer der Gründe ist, warum wir hier sind. Auf den ersten Blick nichts Spektakuläres, es ist sogar so wenig spektakulär, dass wir es trotz Herumsucherei nicht finden.
 Es ist ein Messpunkt, der nördlichste Messpunkt von 265 Punkten, die sich wie eine Kette durch zehn Länder bis zum Schwarzen Meer ziehen. Das "Aha-Erlebnis" stellt sich also nicht durch äußeren Augenschein, sondern durch innere Erkenntnis ein, wenn überhaupt.

Wir suchen eine bronzene Erdkugel auf einer Granitsäule, den Beginn des berühmten Struve-Bogens. Gleichnamiger Astronom errichtete von 1816-52 ein Netz geödätischer Vermessungspunkte, das seither zur genauen Bestimmung von Größe und Form der Erde dient. Obwohl wir im betreffenden Vorort Fuglenes herumfahren, finden wir weder Säule noch Hinweisschild.

Erst zu Hause entdecken wir, dass wir die Säule doch geknipst haben. Sie befindet sich auf diesem Panoramabild. Viel Spaß beim Suchen!

But with churches, Polar Bear club and defective factory plants the highlights of the town are definitely not yet exhausted. Hammerfest is proud co-owner of Unesco honours as a World Cultural Heritage site, which is another reason why we are here. At first sight it is nothing spectacular, in fact it is so unspectacular that we don’t find it despite driving around looking.
In Hammerfest is the northernmost point on a series of 265 survey points that form a chain traversing 10 countries and reaching all the way down to the Black Sea. That means that the mental light bulb doesn’t go on here because of something exciting to see, but (if at all) by understanding its significance.

We are looking for a bronze globe on a granite pillar marking the start of the famous Struve Arc. The astronomer Friedrich Struve set up a network of geodetic survey points giving the first accurate measurement of a long segment of a meridian. This was important in understanding the true shape and size of the earth. Although we drive around in the suburb Fuglenes we find neither the pillar nor a signpost pointing to it.

Back at home after the trip Elli discovers that we have actually photographed the pillar. It is on the above panorama picture. Have fun looking!

 

 

 

Leuten mit wenig Zeit oder fehlangepasster Brillenstärke kommen wir natürlich entgegen.
Dieser Ausschnitt aus obigem Bild zeigt links neben der blau-weißen Eissporthalle die berühmte Weltkultur-Säule, wobei natürlich nicht die Säule, sondern der Messpunkt das höchst immaterielle Welterbe darstellt.
Das Foto entspricht in der Qualität ungefähr der zweier anderer Welterbe-Fotos, die wir unterwegs vom Geirangerfjord und von der hölzernen Stabkirche in Urnes geschossen haben. Aber: Wir waren da und hätten es fast mit eigenen Augen gesehen!

For those with less patience or with a visit to the optician overdue we gladly offer some assistance.
 This detail from the right-hand end of the picture above shows a blue and white ice rink and in front of it the famous World Culture pillar, although of course it is the intangible concept that is famous rather than the pillar itself.
The poor quality of this photo just about matches that of our pictures of two other Unesco sites on the way, the Geirangerfjord and the wooden Stave Church at Urnes. But - we were here and we did almost see it!

 

 

 

Und es gibt noch etwas, das Hammerfest in ganz besonderer Weise auszeichnet: Heerscharen von Rentieren durchstreifen die Innenstadt, traben durch Hauptstraßen, springen durch Wohnviertel oder hüpfen einfach vor die Kühlerhaube. Rentiere spielen hier eine ähnliche Rolle wie Schafe in walisischen oder schottischen Dörfern. Wem es so hoch im Norden noch nicht gelungen ist, ein Rentier zu sichten, dem empfehlen wir Hammerfest!   

Hammerfest has something else as well. Flocks of reindeer wander around the buildings and through the streets of the town, they even jump cheerfully in front of the car. Reindeer play the same role as sheep, e.g. in the villages of Wales or Scotland. If you have got this far north in Norway and not yet seen a reindeer in the ‘wild’ then we recommend Hammerfest!

 

 

 

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