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 E & BJ Capper Nagold 2007/08

 

10.6.2007

Lofoten 2

Vestvågøy, Flakstadøya, Austvågøy,
Nusfjord & Utakleiv

 

Seit 2002 sind die Lofoten Inseln, insbesondere die Inseln von Vestvagoy in Richtung Westen, auf der Kandidatenliste der Unesco als Weltkultur- und -naturerbe.

Since 2002 the Lofoten Islands, especially the islands from Vestvagoy westwards, are included on  the Unesco candidate list as world cultural and natural heritage. 

Bereits vor 6000 Jahren kamen die ersten Menschen auf die Lofoten. Die Lebensbedingungen waren gut: Die Inseln waren von Wäldern überzogen, durch die Bären, Hirsche, Rentiere und Luchse streiften. Die Meere waren voller Fische, Seehunde und Wale. Wo das Land flach war, wie stellenweise auf der mittleren Insel Vestvagoy (Foto), baute man Getreide an. Später errichteten die Wikinger hier mehrere große Häuptlingssitze.

Human settlers came to Lofoten more than 6000 years ago. Living conditions were good. The islands were covered with forests through which bears, deer, reindeer and lynxes roamed. The sea was well populated with fish, seals and whales. In the more level areas, as for example on the central island Vestvagoy (see picture), grain crops were cultivated. Later on several Viking chieftains established their territories here.

 

 

 

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Die Südküste Vestvagoys, die wir heute entlangfahren, bietet wunderschöne Strände mit feinem weißen Sand, einem tiefblauen Meer und wild gezackten Bergen. Es waren die Eismassen der letzten Eiszeit, die vor 10000 Jahren endete, die durch ihr Gewicht und ihren zermalmenden zähen Fluss die bizarren Formen der Berge erschufen.

Today we drive along the southern coast of Vestvagoy, where there are beautiful beaches with fine light-coloured sand, deep blue sea and wildly jagged mountain peaks. It was the ice and glaciers of the last ice age, which ended 10000 years ago, that with their grinding pressure formed the bizarre mountain shapes.

 

 

 

Derselbe reizvolle Strand wie oben, aus einem anderen Blickwinkel geknipst.

From a different angle the same charming beach as in the previous photo.

 

 

 

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Hier blicken wir aus der Traumbucht im Süden Vestvagoys auf die lange Landzunge Austvagoys (rechts), an deren Spitze sich Henningsvaer befindet.

Here we look out from the same delightful bay in the south of Vestvagoy across to the long headland of Austvagoy (r) at the end of which the small town of Henningsvaer lies.

 

 

 

Das relativ milde Klima der Lofoten begünstigt auch das Wachstum des Sumpfstorchschnabels, eines in ganz Europa verbreiteten Wildkrauts.
Obwohl es hier im Sommer vereinzelt auch sehr warm, bis zu 30° Celsius, werden kann, und im Winter sehr kalt, fallen die Temperaturen selten weit unter Null Grad. Im Vergleich zu anderen Ländern, die sich auf demselben Breitengrad wie die Lofoten befinden, ist es hier im Durchschnitt 20 Grad wärmer im Winter.

The relatively mild climate of Lofoten allows the wild plant Cranesbill to grow here, as it does throughout the rest of Europe.
Although it can occasionally get very warm here in summer, up to 30°C, and in winter very cold, the temperature does not often drop far below 0°C. Compared to other regions of the world at the same geographical latitude Lofoten is on average about 20°C warmer in the winter.

 

 

 

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Ein Stück weiter entlang der südlichen Küstenstraße stoßen wir auf diese wunderschöne Bucht. Wilder als die letzte, zeigt sie viel von der rauen Schönheit dieser Felsstrände. Es herrscht Ebbe, der Tang liegt trocken, der dann gern von den Schafen gefressen wird und deshalb auch den Namen Schafstang trägt.

Further along the southern coastal road we pass this magnificent  bay. Wilder than the previous one, it shows more of the raw beauty of these rocky beaches. At low tide a wide fringe of seaweed is exposed.
In areas where grass and other animal fodder is sometimes in short supply sheep have become used to seaweed as part of their diet.

 

 

 

Am Strand finden sich viele ausgehöhlte Seeigel, die offensichtlich einem Fressfeind zum Opfer gefallen sind. Die Seeigel wiederum sind die Feinde der Algen oder des Tangs, da sie sich von Pflanzen ernähren. Nehmen die Seeigelbestände aufgrund von Überfischung und Verschmutzung, die ihnen ebenfalls als Nahrung dient, zu, werden die weltweiten  Algenwälder, auch Kelpwälder genannt, akut bedroht.

On the beach there are many empty shells (called ‘tests’) of sea urchins which have presumably fallen prey to other marine creatures, at least posthumously. Sea urchins in turn feed on seaweed and on other algae. Where the sea urchin population increases too much because of overfishing or of forms of pollution which they can feed on, they become a major danger to the oceans’ forests of kelp and other algae. 

 

 

 

Ein Einzelbild aus der Panoramaaufnahme weiter oben. Die gezackte Küstenlinie rechts im Hintergrund gehört bereits zum norwegischen Festland.

A single picture from the centre of the scene in the panorama picture above. The distant jagged mountains on the far right are on the Norwegian mainland.

 

 

 

Sanfte Wellen spielen mit den feinen Ausläufern des braunen Seetangs wie mit einem Haarschopf.

The moving water plays gently with the fine hair-like tendrils of the brown seaweed.

 

 

 

Seetangarten wie der Knoten-, Blasen- und Spiraltang wurden auf den Lofoten früher in großen Mengen gesammelt, getrocknet und als Tierfutter verwendet.

Different varieties of kelp used to be gathered in large quantities on the Lofoten islands, dried and used as animal fodder.

 

 

 

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Wenn man noch ein paar Palmen ins Bild rücken würde, könnte man denken, man sei in der Karibik. Dabei liegt zwischen dem feinen weißen Sandstrand und der fernen Küstenlinie der Vestfjord. In ihm trifft das arktische Wasser vor Norwegens Küste auf den warmen Golfstrom, was das Wachstum von Plankton sehr begünstigt. Dieses liebt wiederum die Dorschbrut, die hier prächtig gedeiht. Die trächtigen Dorsche, die von der Barentsee kommen, biegen bei der den Lofoten vorgelagerten Insel Roest in den Vestfjord ab und sind darin gleichsam gefangen. Das Meer, so sagt man, "kocht" dann vor Dorschenleibern.

If only there were a few palm-trees, you might think you were in the Caribbean. But here between the fine white sand and the distant coast is the Vestfjord. There on the Norwegian coast the cold arctic water meets the warmer Gulf Stream, and provides an ideal environment for the growth of plankton. That in turn is the perfect nutritional basis for breeding cod. The pregnant cod swim down from the Barents Sea in the northeast turn sharp left at the island of Roest at the southwest tip of the Lofoten archipelago into the Vestfjord and are then in a trap. Apparently the sea then churns and boils with the huge masses of cod swimming in it.

 

 

 

Zwischen den Inseln Vestvagoy und Flakstadoy befindet sich eine Meerenge, der Nappstraumen. Um sie zu passieren, benützt man einen Tunnel. Der nördliche Teil Flaksadoys besitzt Berge von über 700m Höhe; im Süden am Nappstraumen werden nur Berghöhen von 485m erreicht. Von einem ausgeschilderten Aussichtspunkt aus blicken wir auf den nördlichen Inselteil.

Between the islands of Vestvagoy and Flakstadoy is the Nappstraumen channel. It is crossed using a road tunnel. The northern end of Flakstadoy has mountains over 700m high; in the south they rise only to 485m. From a sign-posted viewpoint we here look out over the northern part of the island.

 

 

 

Wenig später biegen wir auf eine kleine Straße Richtung Nusfjord ab und stoßen dabei auf diesen beeindruckenden Gletschertrog.

A little later we turn off the main road onto a side-road towards Nusfjord and see this impressive glacier-formed bowl ahead of us. The road shows where someone else braked sharply - probably for a photo!

 

 

 

Im Süden der Insel treffen wir auf den bei Touristen beliebten Fischerort Nusfjord. Nach einer extrem steilen Auffahrt stehen wir auf dem kleinen Parkplatz des Ortes, der in der Hochsaison heillos überfüllt sein dürfte. Von hier oben blicken wir auf den schönen Ort hinab, der in einem der weißen Gebäude links sogar ein modernes Touristenzentrum beherbergt. Nusfjord gehört zu den schützenwerten Kulturdenkmälern der Unesco; es ist nicht, wie man häufig liest, ein Weltkulturerbe.

On the south coast of the island we arrive at the tourist attraction fishing village of Nusfjord. A very steep and narrow access road leads up to the public car-park, which must be very overfilled in the holiday season. From here we look down at the pretty village, which even prides a modern tourist centre in one of the white buildings on the left. Nusfjord is in the municipality of Flakstad, which is mentioned in ‘The Lofoten Islands’ on the UNESCO tentative list. (Although often stated differently in tourist advertising in the web, it is not currently (Jan. 2008) on the UNESCO World Heritage List.)

 

 

 

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Die Hütten ziehen sich um mehrere Einbuchtungen herum. Klassisch stehen die mit roter Farbe gestrichenen Rorbuer auf Stelzen direkt am Wasser. Zwischen den Weltkriegen gab es für die Fischer mehr als 30000 Schlafgelegenheiten auf den Lofoten. Als der Dorschertrag einbrach, verfielen zahllose Hütten. Ca. 400 davon konnte man retten. Da die Rorbuer seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts auch an Touristen vermietet werden, pflegt man sie und stattet sie mit Wasser und Heizung aus. Es werden - wie auf diesem Bild zu sehen - sogar neue gebaut, die nur als Touristenunterkünfte dienen.

The fishermen’s huts line the edge of several inlets. The classic ‘Rorbuer’ stands on posts directly by the water. Before the 2nd WW there were sleeping quarters for 30000 fishermen on Lofoten. When the cod-fishing yield collapsed thousands of the huts fell into decay. About 400 of them were saved. Since the 1970’s, when the Rorbuer started being rented out to tourists, they are looked after and are equipped with water and heating. New ones are now built, as seen in the picture, expressly to be rented out to tourists.

 

 

 

Nusfjord wirkt ein wenig wie ein Museumsdorf - reizvoll anzuschauen ist es trotzdem. In dem Bootshaus links (um 1880 erbaut) mussten die Fischer zur Fangsaison auch übernachten, da alle anderen Hütten ausgebucht waren.
Zu noch früheren Zeiten nächtigten die Fischer in den offenen Ruderbooten oder unter deren umgestürzten Kiel. In den häufig auftretenden Stürmen kamen während einer Fangsaison häufig hunderte Fischer zu Tode - oftmals die gesamten Männer einer Familie, da sie gemeinsam in einem Boot unterwegs waren. Das Leben der Lofot-Fischer war unbeschreiblich hart.
In einer weiteren Hütte sind verschiedene Netze und Seile, die eingesetzt wurden, ausgelegt.

Nusfjord has an air of an open-air museum but is charming to look around. The boathouse on the left (built about 1800) served also as sleeping quarters for the fishermen in season, as then all the other huts were occupied.
In even earlier times the fishermen had to spend the night in open rowing boats, maybe turned over on land to give some meagre protection. In frequent storms during the fishing season sometimes hundreds of fishermen drowned - often all the menfolk of a family as they would fish together in one boat. The life of the Lofoten fishermen and their families was indescribably hard.
In a further hut various nets, ropes and tools used are on display.

 

 

 

Traditionell werden die Rorbuer rot, die Lagerhäuser gelb gestrichen.
Auch Nusfjord kann heute von der Dorschfischerei nicht mehr leben. Die Fischer bieten deshalb auch Angelfahrten für Touristen an, da man fürs Angeln im offenen Meer keine Lizenz benötigt.

Traditionally the Rorbuer are painted red and the storehouses yellow.
Nowadays Nusfjord cannot surbvive from cod-fishing alone. Fishermen offer angling trips for tourists as no license is needed for angling in the open sea.

 

 

 

Auf einem Tisch am Hafen wurde der heutige Fang ausgelegt - nicht unbedingt appetitanregend.
Die großen hölzernen, trichterförmigen Bottiche befanden sich ursprünglich in der Fischfabrik. Aus den eingefüllten Dorschlebern presste man Lebertran heraus, der durch den unteren Hahn entleert wurde. Der widerlich schmeckende, aber vitamin- und jodreiche Lebertran war einer der Hauptexportschlager Norwegens. Nach den Weltkriegen wurde er an unterernährte Kinder zu deren Wohl zwangsverfüttert. John erinnert sich noch daran, wie er als Kind vergeblich gegen den Geschmack protestiert hat.

On a table in the harbour some of the day’s catch is spread out - not particularly appetizing.
The large wooden tapering barrels on the right were originally in the fish factory. Cod-liver oil or fish oil was pressed out of the fish in the barrels and flowed out through a tap at the bottom. The often unpleasantly smelling vitamin-rich liquid was one of Norway’s major exports. After the World Wars it was practically force-fed to undernourished or endangered children. I still remember protesting defencelessly at the taste as a child!

 

 

 

Der vordere Hafenbereich, auf den wir anfangs vom Parkplatz aus hinabgeblickt haben. Das gelbe Gebäude in der Mitte beherbergte die Fischfabrik.

The the part of the harbour nearest to the sea which we looked down at from the car-park earlier. The yellow building in the centre housed the fish factory.

 

 

 

Vor der Fischfabrik liegen auf dem Boden die weißen Lebertranbottiche. Hinter dem Haus steht auf einem begehbaren Felsen ein Kran, mit dem man den Fang löschte, und mehrere Trockenfischgestelle. Darunter befinden sich die Nistplätze der ortsansässigen Möwen.

In front of the fish factory on the pier are white fish-oil barrels. On the little hill just behind the building is a crane which was used to unload the catch from the boats and also fish-drying frames. On the small cliff below it is the nesting place of the village gull population .

 

 

 

Von der anderen Hafenseite aus lassen sich die Dreizehenmöwen gut beobachten. Außer einer kleinen Vögelei zwischendurch tut sich jedoch nicht viel.

From the pier on the opposite side of the harbour there is a good view of the Kittiwake colony. Not much action apart from occasional breeding activities.

 

 

 

Gemeinsam baden unter der Mitternachtssonne oder dem Polarlicht! Eine beheizbare Außenbadewanne scheint in Norwegen der Renner zu sein. Man sucht sich dafür gern besonders markante Sandorte aus.

On the little hill near the old fish factory is this magnificent Scandinavian bath-with-a-view. What a place for a communal bath under midnight sun or northern lights!

 

 

 

Schöne Farbeffekte in einer trocken gefallenen Bucht entdecken wir auf unserer Rückfahrt kurz vor Kilan on Flakstadoya.

On our way back not far before Kilan on Flakstadoya, we admire the beautiful colour effects of the bay at low-tide.

 

 

 

Wir lesen von weiteren Traumbuchten an der Nordküste Vestvagoys mit beeindruckenden Bergen, feinstem weißen Sand, einem türkisenen Meer und mit etwas Glück einer sichtbaren Mitternachtssonne. Letztere sehen wir wegen einer aufziehenden Wolkenwand nicht, dafür aber alle anderen Komponenten. Strand bei Utakleiv.

Beach near Utakleiv.
We have read about further dream beaches on the north coast of Vestvagoy with impressive mountains, fine white sand, turquoise sea and - with luck - a view of the midnight sun. We didn’t have luck with the weather as there was a heavy bank of clouds, but the rest was potentially all there.

 

 

 

Auf dem Scheitelpunkt einer Brücke lassen Fischer ihre Angeln zu Wasser. Ein eigentümlich türkisener Saum ziert den unteren Rand der Wolkendecke.

Two anglers are in position on the brow of a humpback bridge. The low evening sun gives a curious colouring to the lower fringe of the cloud-bank.

 

 

 

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Spät in der Nacht kommen wir wieder an der gelben Kirche bei Kabelvag vorbei (siehe Foto im vorherigen Kapitel). Diesmal haben die Gezeitenströme die Bucht geflutet. Wir wünschten, dass wir mehr Zeit zur Verfügung hätten: Es gibt auf den Lofoten noch so viel zu entdecken. Doch der noch höhere Norden ruft.

Late in the night we return past the yellow church near Kabelvag (see photo in previous chapter). This time the tide has filled the bay.
We wish we have more time as there is so much to discover on the Lofoten islands, but we hear the clear call of the - even further - north!

 

 

 

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