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 E & BJ Capper Nagold 2007/08

 

 

 

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24.6.2007

Küstenstraße 17
Teil 2

Coastal route 17
Part 2

Forøy -

Stokkvågen

Weiter entlang der Küstenstraße 17 bleiben wir noch kurze Zeit dem schönen Holandsfjord treu.
Die dahinter liegenden Berge des Svartisen-Nationalparks spiegeln sich im stillen Fjord. Die flockige Bewölkung zeichnet sich im Wasser klarer ab als im Himmel selbst - zumindest beim Blick durch die Kamera.

The coastal route 17 leads us a relatively short while further along the beautiful Holandsfjord.
The mountains of the Svartisen National Park on the other side are reflected in the still waters of the fjord. The fluffy clouds show up in the reflection even more clearly than in the sky itself - or so it appears in the camera viewer.

 

 

 

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Bei Foroy müssen wir die Fähre benutzen. Die Strecke über den Fjordnach Agskardet ist nicht lang, die Wartezeit dafür um so länger. Hinter der Schranke bildet sich eine riesige Wohnmobilschlange.
Die wohlmeinende Kassiererin schätzt die Länge unseres Gespanns (11m) ein: "Zehn Meter?". "Mindestens", antwortet John, doch sie berechnet den wesentlich günstigeren 10m-Tarif (22Euro).

At Foroy we have to use the ferry. The distance across the Holandsfjord to Agskardet is not far, but there  is a long wait for the next ferry. A long queue of mobile homes builds up behind the barrier.
The well meaning lady cashier estimates the length of car and caravan (11m): “Ten metres?”. I answer ‘at least’, but she kindly only charges us the cheaper 10 metre tariff, (€22).

 

 

 

Wir haben Glück und kommen auf die Fähre, doch viele Fahrzeuge bleiben am Ufer zurück.
Wie das wohl in der Hochsaison aussieht? Wir wurden vorgewarnt, die RV 17 sei zeitaufwändig. Doch wer möchte diese Kulisse verpassen und dafür die E6 hinunterbrausen? Die meisten Touristen sehen das wohl genauso: Während der (über zweistündigen) Wartezeit wurden fröhliche Volkslieder angestimmt.

We are lucky and make it onto the ferry, but many vehicles are still on land.
What must it be like in the peak season? We were warned that travel on the the RV 17 can be time consuming. But who wants to miss this scenery and just to bomb down the E6? Most tourists seem to see it like that as well and relax. During the two-hour waiting time some sing cheerful folk songs together.

 

 

 

Wieder auf der Küstenstraße fahren wir am reizvollen Tjongsfjord entlang, der gesäumt wird von scharf gezackten Bergen, hier dem Blokktinden.

Back on the coastal road again we drive along charming Tjongsfjord which is bordered by jagged mountains, here Blokktinden.

 

 

 

Nochmals ein Blick über den Tjongsfjorden Richtung offenes Meer.

Another view along Tjongsfjord towards the open sea.

 

 

 

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Die Provinz Nordland wirbt damit, dass die Küstenstraße RV 17, der "Kystriksveien", die schönste Küstenstraße der Welt sei. Jedenfalls ist sie die beeindruckendste, die wir bisher kennen gelernt haben.
Auch dieses Bild zeigt - aus einem anderen Blickwinkel - den Tjongsfjord.

The province of Nordland advertises with the coastal route RV 17, the "Kystriksveien", as the most beautiful coastal road in the world. At any rate it is the most impressive that we have seen so far.
This picture shows the Tjongsfjord again, this time from another angle.

 

 

 

Die Vielfalt der unzähligen Inseln, die der Nordlandküste vorgelagert sind, ist enorm. Im Vaerangfjorden bei Jektvik weichen die schroffen Bergformen den von Gletschern gerundeten Schäreninseln.

There is enormous variety in the innumerable islands of the Nordland coast. In the Vaerangerfjord near Jektvik the jagged mountain scenery gives way to islands that have been worn smooth by glaciers.

 

 

 

Das Reisen öffnet die Augen auch für das Gewöhnliche: Habichtskraut und Glockenblume würde man zu Hause links liegen lassen, hinter dem Polarkreis kriecht man dafür in der Wiese herum.

Travelling also opens the eyes for common things. At home we would not fuss much about Meadow Hawkweed (l) or Bellflower (r), but beyond the Arctic Circle Elli even crawls around on the ground to photograph them!

 

 

 

Nun befinden wir uns auf der zweiten Fähre, die die Orte Jektvik und Kilboghamn verbindet und weitere 40 Euro kostet. Die Fahrt über den Vaerangenfjord dauert mehr als eine Stunde.
Die ungewöhnlichen Bergformen haben zu ungewöhnlichen Namen geführt: Vor uns erhebt sich der "Reiter" (Hestmannen) aus dem Meer.

Now we are on the second ferry of the day connecting Jektvik with Kilboghamn and costing us another €40. The beautiful trip along the Vaerangerfjord takes over an hour.
Unusual mountain shapes have been given unusual names. Here the ‘Rider’ (Hestmannen) leans forward as he rides along the surface of the sea.

 

 

 

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Wir hängen alle an der Reling, als diese Bergkulisse an uns vorüberzieht. Motive wie extra erschaffen für Panoramabilder.

Everyone hangs over the railing to admire the slowly passing mountain scenery. A motive like this is ideal for a panorama picture.

 

 

 

Die schwungvolle Linie des Telnestinden.

The bold curve of Telnestinden.

 

 

 

Ein paar rote Farbtupfer zwischen wuchtigem Fels und türkisblauem Meer.

A few splashes of red between mighty cliffs and the turquoise-blue sea.

 

 

 

Jetzt passieren wir ihn zum zweiten Mal, diesmal von Nord nach Süd: den Polarkreis!
Wenig mehr als zwei Wochen sind vergangen, doch der Unterschied könnte kaum größer sein. 100km inland war alles karg, winterbraun, teilweise schneebedeckt (Link). Hier am Meer blüht und grünt es - dank der Segnungen des Golfstroms!

On the trip we pass the Arctic Circle for the second time, this time from north to south.
Hardly more than two weeks ago, but what a difference! 100 km further inland (link) everything was sparse and brown from winter, with far more snow lying on the ground. Here by the sea everything is much greener, thanks to the warming Gulf Stream.

 

 

 

Er begleitet uns seit langem und lässt sich zwischen Berglücken immer mal wieder blicken: der riesige Svartisen-Gletscher.

It has accompanied us for a long time and gives us occasional glimpses of itself - the huge Svartisen glacier.

 

 

 

Ein robustes, handgemachtes Schild weist uns kurz nach unserer Ankunft im Fährhafen Kilboghamn darauf hin, dass wir uns immer noch im Bereich der "Polarsirkelkysten", der Polarkreisküsten, befinden.
Reizvolle Ausblicke allerorten!

A solid handmade sign soon after arrival at the ferry port of Kilboghamn informs us that we are still in the "Polarsirkelkysten", the Arctic Circle coastal area.
Delightful views everywhere.  

 

 

 

Bei einem kurzen Halt entdecken wir im Wohnwagen diesen Bläuling, den wir wohl über den Polarkreis transportiert haben. Es ist ihm auch nicht gut bekommen: Nach einer kurzen Karriere als Fotomodell segnet er das Zeitliche.

During a short stop we discover this Common Blue butterfly in the caravan, which we have carried with us from beyond the Arctic Circle. Unfortunately it seems to have disagreed with it. After a short time as photo model it leaves us for a better world.  

 

 

 

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Und noch mehr spektakuläre Aussichten. An einem Aussichtspunkt bei Stokkvagen kann man weit übers Meer schauen. Links im Bild erkennt man im Dunst die Umrisse der Vogelinsel Lovund, in der Mitte Luroya und Onoya und rechts Aldra.

Yet more spectacular scenery. At a lookout point near Stokkvagen there is a magnificent view out over the sea and the islands. On the left in the distance is the bird island Lovund, in the middle Luroya and Onoya, and on the right Aldra.

 

 

 

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Auch der Blick über den Aldersundet Richtung Aldra-Insel und Küste hat einiges zu bieten.

The view across the Alder Sound (‘Aldersundet’) to Aldra Island (centre) with the mainland coast on the right.

 

 

 

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Wenige Meter weiter stoßen wir auf diese hübschen Ferienhäuschen. Das weiße Haus links mit seinen zahlreichen Terrassen hat es uns besonders angetan. Wir malen uns einen dreiwöchigen Urlaub an nur einer Stelle aus - nach tausenden gefahrenen Kilometern schon eine Versuchung!
Rechts befindet sich in etwa 10km Entfernung die 818m hohe Tomma-Insel. In der Bildmitte erkennt man in der Ferne die gezackte Linie der "Sieben Schwestern", eine dramatische Berglandschaft, die weiter südlich an der RV 17 liegt. Wir werden sie jedoch nicht passieren. Von nun an ersparen wir uns und unserer Urlaubskasse - schweren Herzens! - weitere Fährgebühren und fahren ins Inland Richtung E6.

A short distance further on we walk to the coast and see these pretty holiday homes. We admire especially the white house on the left with its several levels of wooden terraces . We imagine spending a three-week holiday at just one spot. After driving many thousands of kilometres it is a very enticing thought!
To the right about 10km away is the 818m high Tomma Island. In the centre in the distance the jagged outline of the ‘Seven Sisters’ can be seen. They form a dramatic mountain landscape further south on the coastal route RV17. We won’t drive pass them. From now on, rather sadly but to reduce the additional pressure on our holiday finances of yet more ferry costs, we turn inland towards the E6.

 

 

 

Neben den Urlaubshäuschen stolpern wir fast darüber: Feldgeschütze verstellen uns den Weg - was ist hier los?
Ein kleines Museum, hohe Zäune, durch die wir gegen eine geringe Gebühr passieren können, Bretterbuden im Hintergrund - Stokkvagen war eine der wichtigsten norwegischen Verteidigungslinien im 2. Weltkrieg.
Das neutrale Norwegen wurde von der deutschen Wehrmacht besetzt, um Eisenerzlieferungen vom schwedischen Kiruna nach Deutschland sicherzustellen. Mit dieser Küstenbatterie sollte die im Inland liegende bedeutende Industriestadt Mo i Rana abgesichert werden.
Die Hauptgeschütze waren 5 Stück 15,5cm Feldkanonen französischer Herkunft. Ihre Reichweite betrug 17km.

Not far from the holiday homes we almost stumble on this. Field artillery blocks our way. What is this?
There is a small museum, high fences and wooden huts can be seen in the background. We pay a modest fee to go in.
Stokkvagen was part one of the most important German defensive positions in the 2nd WW. Neutral Norway was occupied by the German army to secure the deliveries of iron ore from Kiruna in Sweden. Here the Germans wanted to defend the important industrial centre of Mo i Rana further inland.
The main armaments were 5 15.5cm French field guns with a range of 17 km.

 

 

 

Die Heeresküstenbatterie (HKB) Grönsviken wurde der Wehrmacht im Frühjahr 1942 zugeteilt und war Anfang Dezember feuerbereit. Die Personalstärke betrug 200 Mann, dazu kamen eine Infanteriebesatzung der Batterie und etwa 100 Kriegsgefangene.
Links sehen wir die restaurierte Schreibstube der Wehrmacht und im Hintergrund die gezackte Spitze der Aldra-Insel.

The Grönsvik Heeresküstenbatterie (‘Army Coastal Battery’) was assigned to the German army in spring 1942 and was ready for action by December. The battery was mainly manned by 200 people, plus a small infantry unit and an additional workforce of 100 prisoners of war.
On the left is the restored army office. In the background the jagged peaks of Aldra Island soar into the sky.

 

 

 

Vor dem ehemaligen Speisesaal der deutschen Soldaten befindet sich eine alte Seemine.

In front of the German soldiers’ canteen an old marine mine is on display.

 

 

 

Die Batterie kam nie zum Einsatz, nur einige Flakgeschütze wurden bei Luftangriffen der Alliierten benutzt.
Die Anlage verfiel; ab 1988 wurde sie als Mahnmal wieder instandgesetzt.
Die Beschilderung vor einzelnen Gebäuderesten stimmt uns nachdenklich. Die norwegische Verwaltung scheint sich zu bemühen, die deutschen Besatzer nicht nur als Verbrecher darzustellen, sondern auch positive Auswirkungen wie die ärztliche Versorgung der Bevölkerung oder das harmlose Freizeitvergnügen der Soldaten zu beschreiben. Ein weiteres Schild erwähnt die aktive Kollaboration einiger Norweger mit den Deutschen.

The battery never fired in action, with the exception of a few flak guns which were used during an allied air attack.
The facility fell into decay until it was started to be restored as a historical memorial in 1988.
The signs by the various ruined or restored buildings make us thoughtful. The Norwegian authorities have taken great care not just to picture the German occupiers as criminals, but to point out also some positive effects, such as medical treatment for the civilian population and the soldiers’ harmless free time activities. Another sign mentions the active collaboration of some of the Norwegian population with the Germans.

 

 

 

Inmitten der Anlage befindet sich ein Bunker, der als Feldkrankenhaus dienen sollte. Er wurde bis Kriegsende nicht fertiggestellt.
Wir gehen durch beleuchtete Tunnelschächte, in der Mitte weitet sich der Raum, danach geht es eine steile Treppe hinauf.

In the middle of the facility is a bunker which was to be used as a field hospital. It was not finished by the end of the war.
We walk though the tunnel. There is not much to see. In the middle it gets wider, then we go up steep steps into the light.

 

 

 

Durch die Tür ganz rechts treten wir ins Freie und sind verblüfft. Die Kanone wurde an der sinnvollsten Stelle, da wo offenes Meer auf den Sjonafjord Richtung Mo i Rana stößt, platziert.
Die Ausrichtung der Geschosse erfolgte anhand des verrosteten Eisenringes in Bildmitte, auf dem noch immer Gradmarkierungen sichtbar sind. Die rostenden Reste der Kanone sieht man links des Ringes.
Die offene Tür rechts führt zum Deckungsbunker bzw. zur Alarmstellung. Ein Viertel der Besatzung war ständig in Alarmbereitschaft. Dies bedeutete, dass die Soldaten bis zu einer Woche in ihren Uniformen schlafen mussten, da sie die Kanonen innerhalb kürzester Zeit zu besetzen hatten.

We come out into the open through the door on the right behind the rocks and are surprised at the view again. The guns were placed strategically commanding the mouth of the Sjonafjord leading to Mo i Rana, (behind us and to the left), where it joins the open sea.
The aim of the artillery was calibrated using a now rusty iron ring around the platform (centre), on which degree markings are still visible. Rusting remains of a gun lie near the ring.
The open door on the right leads to a defensive bunker or duty room. A quarter of the force was continually on alert. This meant that the soldiers had to sleep in their uniforms for up to a week, as they had to be ready to man the guns with a minimum of delay.

 

 

 

Eine weitere Geschossstellung befindet sich wenige Meter südlich. Wir wollen sie ebenfalls besichtigen, werden jedoch von großen Schilder, auf denen "Privat" steht, davon abgehalten.
Erstaunt registrieren wir, dass eine Familie diesen Bunker als Ferienwohnung nutzt und die Kanonenstellung als Grillplatz - obwohl sich alles innerhalb des eingezäunten Kriegsmuseumsgebiets befindet.
Sämtliche kriegerischen Hinterlassenschaften lagen über Jahrzehnte brach, verfielen oder wurden privat genutzt. Erst seit Kurzem erhalten sie die Bedeutung, die ihnen historisch betrachtet zusteht. Traditionell private Nutzungen scheint man dabei zu respektieren.

A few metres to the south is the location of another battery. We want to look at that as well, but stop when we see large ‘Private’ signs.
We are surprised to realize that a family is using this bunker as vacation quarters and the round base where the gun stood as a barbecue area, although this is all still within the war museum area.
All the military remains were deserted for many decades and fell into decay or were used privately. It is only fairly recently that they have been restored to their due historical significance. The tradition of private use that has grown up in the interim seems still to be respected.

 

 

 

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