All pictures Copyright
 E & BJ Capper Nagold 2006/2007

 

 

29.4 - 4.5.2006

Daker- Festungen

Dacian Fortresses

& römische Stadtkultur

& Roman City Culture

Auf dem Kirchplatz in Orastie steht diese kraftvolle Skulptur. Sie soll Burebista, den König der Daker darstellen. Die Daker (ein Stamm der Thraker) besiedelten Transsilvanien viele Jahrhunderte lang, bis die Römer sie im Kampf (106 n. Chr.) besiegten und das Gebiet zu einer römischen Provinz erklärten.
In den Bergen südlich der Stadt, den Orastie-Bergen, lagen inmitten wunderschöner Landschaft das Zentrum des Dakerreiches, die Hauptstadt Sarmizegetusa sowie viele weitere Festungen. Diese sollten den Zugang zur Hauptstadt versperren.

Near the central Romanian Orthodox church in Orastie is this imposing statue. It represents Burebista, the King of the Dacians. The Dacians, a Thracian tribe, lived for many centuries in Transylvania until they were defeated in battle by the Romans in 106 AD, who then made the area into a Roman province.
In the Orasite Mountains to the south of the town, in beautiful countryside, lay the centre of the Dacian kingdom, the capital Sarmizegetusa, and also the many fortresses which guarded access to the capital.    

 

 

 

 

 

Die Römer zerstörten unter Kaiser Trajan (89-117), der diesen Feldzug persönlich leitete, die Hauptstadt der Daker und ihre Festungen und siedelten die Bewohner um. Doch eindrückliche Reste von Sarmizegetusa und einzelnen Festungen sind erhalten geblieben oder in den letzten Jahrzehnten wieder ausgegraben worden.
Diese Reste des untergegangenen Volkes wurden als derart bedeutsam eingestuft, dass die UNESCO sie 1999 zum Weltkulturerbe erklärte. Natürlich wollen wir sie erforschen.
Hinter diesem Tor beim kleinen Dorf Costesti soll sich das Reich der Daker für uns öffnen, wir fahren hindurch und biegen erstmals links ab, bis wir auf eine geöffnete Schranke stoßen, durch die hindurch ein Schotterweg zur alten Hauptstadt führen soll.

Under the personal military leadership of Emperor Trajan (89-117) the Romans destroyed the Dacian capital and their fortresses and deported the occupants. But imposing remains of Sarmizegetusa and individual fortresses have survived or have been rediscovered and excavated in the last few decades.
These relics of a perished people have been judged as so important, that the UNESCO declared them in 1999 to be part of the World Cultural Heritage. Of course we want to look at them.
Beyond this portal near the village of Costesti we expect the Dacian kingdom to open up for us. We drive through and at first follow the road to the left until we reach an open road barrier, beyond which an unmade road apparently leads to the ancient capital.

 

 

 

Die Markierungen der Dakerfestungen auf unserer Landkarte sind äußerst ungenau. Auch Anwohnern können wir uns nicht verständlich machen. Da der Waldweg aufgrund extremer Unebenheiten eigentlich nicht befahrbar ist, lassen wir nach kurzer Zeit das Auto stehen und gehen zu Fuß weiter. Ein paar Kilometer schaffen wir schon! Nach ca. 2 km stoßen wir auf diese kleine Burg und meinen schon, etwas "Dakisches" gefunden zu haben - und so gut erhalten! Bei näherer Betrachtung ist es uns sofort klar, dass das ein völlig neues Gebäude ist, das sich ein reicher Rumäne hat bauen lassen - wahrscheinlich, um naive Touristen zu narren.

Our map is rather unclear as far as the Dacian sites are concerned. We also find it difficult to make where we want to go clear to the few locals we meet on the way. After a short while the forest road gets very uneven and we decide to park the car and go on by foot. We manage a few kilometres. After about 2 km we pass this small fort and start to think we have found a reconstructed Dacian defence. On closer inspection it is soon obvious that it is a totally new construction. Maybe a rich Romanian fancies making a fool of naive tourists!

 

 

 

 

 

Ein Stück weiter entdecken wir ein kleines handgemaltes Hinweisschild, auf dem "Sarmizegetusa Regia" geschrieben steht, und dahinter "16 km". Zu Fuß können wir diese Strecke, es ist früher Nachmittag, hin und zurück unmöglich schaffen. Also holen wir doch das Auto und quälen es mit zweifacher Laufgeschwindigkeit durch tiefe Löcher und Pfützen, setzen dabei mehrfach auf und müssen ca. 4 km vor dem Ziel hinter dem winzigen Ort Gradistea de Munte, wo uns eine Familie von ihrer Haustür aus aufmerksam beobachtet, doch aufgeben.
Wir wenden und werden bei unserer schleichenden Rückfahrt von eben dieser Familie angehalten. Nach einigen Verständigungsschwierigkeiten verstehen wir deren Anliegen: Die Mutter muss dringend telefonieren, erreicht in diesem engen Tal aber kein Netz und bittet darum, dass wir sie und die Tante bis zum Ort Costesti mitnehmen.  Wir stimmen zu und schaukeln zurück zum Ort, wobei wir uns mühsam - am besten geht's noch auf italienisch - unterhalten.
Für heute erklären wir unsere Annäherung an die Daker für gescheitert.

A bit further on we discover a small hand-drawn sign showing  "Sarmizegetusa Regia" and next to it “16 km”. We have no chance of covering that distance there and back by foot, as it is already early afternoon. So we get the car and bully it along at almost twice walking speed (!) through deep holes and puddles, touching ground worryingly often. Finally, maybe 12 very slow km further on, just beyond a tiny village called Gradistea de Munte and almost under the watchful eyes of a family sitting in front of their house, the road becomes so bad that we have to give up. And to go on by foot would mean driving the same road back in the dark, much too risky.
After we turn and start the slow journey back, the same family beckons to stops us. Eventually we understand what they want. Mother and Aunt need to make an urgent phone call but can’t get a network in this steep valley so ask us to drive them to Costesti. We gladly agree and crawl on back, trying to make conversation. Our best common language is Italian - of which we have only a smattering.
Today’s first effort to find the Dacians has not been crowned with success, but we have enjoyed the human contact, however limited.

 

 

 

Die geheimnisvolle Hauptstadt scheint für uns unerreichbar, man muss ihre Erforschung wohl mit einer zweitägigen Wanderung verbinden. Doch das Welterbe besteht ja noch aus weiteren Festungen und Ansiedlungen, die vielleicht leichter erreichbar sind. Die Besitzerin des Campingplatzes leiht uns eine kleine Broschüre über die dakischen Siedlungen. Wir studieren die abgebildete Luftaufnahme und biegen diesmal, um die Festung Costesti-Cetatuie zu erreichen, hinter dem anfangs gezeigten Tor der Daker nach rechts ab. Und siehe da: Nach wenigen 100 Metern finden wir zwei kleine handgemalte Schilder, die die Richtungen zu den Festungen Costesti-Blidaru und Costesti-Cetatuie weisen. Wir verfahren uns ein weiteres Mal, verlieren eine Stunde Zeit, lassen uns den Weg von einem Anwohner deuten und steigen dann bei sengender Hitze zu Fuß den bezeichneten Berg hinauf, um kurz vor dem Ziel auf einen Parkplatz zu stoßen. Für diese Strecke hätten wir also wirklich das Auto nehmen können. Die Mühe wird belohnt mit einem Blick auf eine wunderschöne ländliche Umgebung in frischen Frühlingsfarben.

We decide this mysterious capital is out of our reach as a two-day hike is too far for us, but the World Cultural Heritage includes other forts and settlements which may be more accessible. The manageress of the camping site lends us a brochure about the Dacian sites.
We study the aerial views and this time, after driving through the portal shown above, we turn to the right, and after less than 100m find two hand-drawn signs to the fortresses Costesti-Blidaru and Costesti-Cetatuie. Despite the signs we manage to take the wrong road trying to drive to Costesti-Cetatuie and lose an hour until we get directed back by a passer-by. Now we leave the car parked at the original signs, and following the directions of a friendly farmer, cross a field and climb the steep path up the hill in hot weather to the fort. Soon the path joins a road again and at the end is a  parking place - in this case we really would have managed it easily by car! The effort is rewarded by views into beautiful countryside in fresh, spring colours.

 

 

 

Wir steigen noch ein wenig höher und stoßen auf die Überreste der berühmten dakischen Festung Costesti-Cetatuie. Inmitten schönster Natur ebneten die Daker Bergkämme und bauten darauf ihre massiven Burgen.
 Das dakische Volk, das aus mehreren Stämmen bestand, wurde unter König Burebista (111-44 vor Chr.) erstmals geeint. Es entstand ein dakisches Reich, dessen Reichtum auf der Goldgewinnung und dem Salzhandel beruhte und das sein Herrschaftsgebiet fast bis nach Italien ausdehnen konnte. Auf dem Panoramabild sieht man die untersten Befestigungsmauern der Anlage.

We climb a bit higher and reach the site of the famous Dacian fortress Costesti-Cetatuie. In beautiful surroundings the Dacians levelled off mountaintops and built their massive castles on them.
The Dacian people were made up of several tribes and were first united under King Burebista (111- 44 BC). A Dacian kingdom resulted whose wealth was based on gold-mining and salt-trading, and whose territory extended almost to Italy. In the panorama picture the lower fortification walls of the fortress are visible.    

 

 

 

Die meisten Dakerfestungen dienten rein militärischen Zwecken, doch Costesti-Cetatuie war von zivilen Ansiedlungen umgeben und besaß zudem zwei massiv gebaute Wohntürme. Wenige Schritte über den unteren Mauern stoßen wir auf die Überreste eines Wohnturms, zu dem eine mächtige Treppe emporführt. König Burebista ließ die erste Hauptstadt des neuen Reichs in der Nähe Costestis errichten, und man nimmt an, dass die steinernen Wohntürme die Wohnstätte des Königs waren, da ansonsten Wohnhäuser nur aus Holz gebaut wurden.

Most of the Dacian fortresses were of a purely military nature, but Costesti-Cetatuie was surrounded by civil settlements and included two massively built dwelling towers. A short distance above the lower walls we reach the remains of one of the dwelling towers, with a fine flight of steps leading up to it. King Burebista had the first capital of the new kingdom built near Costesti, and it is assumed that the stone-built dwelling towers were the king’s living quarters. Dwelling houses were otherwise normally built of wood.   

 

 

 

Von den Hängen des 561m hohen Hügels aus hat man eine wunderbare Rundumsicht auf die Orastie-Berge, das Zentrum des Dakerreiches. Während der Dauer von 150 Jahren, also vom 1. Jahrhundert vor Christus bis zum 1. Jh. nach Christus, entstanden über 90 Dakerfestungen, die meisten davon in diesen Bergen, um die neue Hauptstadt Sarmizegetusa Regia zu schützen. Burebista ließ sie auf dem heiligen Berg der Daker, dem Cogaionon, in 1000m Höhe errichten. Auf dem Panorama findet man ihn im Hintergrund etwa in der Mitte des Bildes.
Die Stadt war hauptsächlich eine Kultstätte. Auf drei Terrassen verteilen sich die sieben Heiligtümer des Kultbezirks. Sie wiesen eine viereckige, manchmal auch runde Form auf. Auf runden Steinbasen erhoben sich Holz- oder Steinsäulen, von einem Schindel- oder Ziegeldach gedeckt. Beeindruckende Reste sind auch heute noch zu sehen. Die gesamte antike Stadt erstreckte sich über eine Länge von fünf Kilometern auf 200 Terrassen.
Die Festung Blidaru, die weiter unten beschrieben wird, liegt etwas ein Drittel des Bildes von links auf einem Bergkamm. Auf dem eingeebneten, unbewaldeten Hügel rechts neben der Bildmitte, Ciocuta genannt, befinden sich die Reste eines Wachturms.

The 561m high hill offers a superb panoramic view of the Orastie Mountains, the centre of the Dacian kingdom. Over a period of about 150 years in the first centuries BC and AD the Dacians constructed over 90 fortresses, most of them in these mountains. They were to protect the new capital Sarmizegetusa Regia, which Burebista had built at a height of 1000m on the Cogaionon, the sacred mountain of the Dacians. In the panorama it is in the background about in the middle of the picture.
The capital had mainly a religious role. The seven shrines of the sacred area were spread out over three terraces. They are quadratic or in some cases circular in form. Wooden or stone pillars stood on a circular stone base and were roofed either with wooden shingles or with tiles. Impressive remains are still visible today - for those who manage to reach it! The whole antique town extends for a length of 5km and is on 200 terraces.
The fortress Blidaru (described below) is about a third of the width of the picture from the left on the crest of a mountain. On the flattened-out treeless slope to the right of the middle, called the Ciocuta, are the remains of a watchtower.

 

 

 

Nun stehen wir im Innern des Wohnturms und stellen uns vor, wie die Dakerkönige von hier aus ihr Land überblickten. Das unterste Geschoss des zweistöckigen Wohnturms bestand aus massiven Mauern, das erste Stockwerk jedoch aus gebrannten Ziegeln.

Now we are standing inside one of the dwelling towers and imagining how the Dacian kings looked out over their land. The lower floor of the two-floored building was made of massive stones, the upper floor was fired bricks.

 

 

 

Der Blick von oben auf den Wohnturm. Die Mauern aus riesigen, exakt zugehauenen Kalksteinen sind äußerst ungewöhnlich. Die Daker hatten eine eigene, hochstehende Bautechnik entwickelt, die derjenigen der Römer und Griechen in nichts nachstand. Berühmt geworden ist die "Murus dacicus", die dakische Mauer, die einige Besonderheiten aufweist und bei allen Festungsresten zu finden ist. Eine einzelne Mauer besteht eigentlich aus zwei etwas voneinander entfernt liegenden Mauern, aus exakt behauenen Blöcken, die das Innere und Äußere einer Wand darstellen. Der Raum zwischen den Mauern wurde mit kleinen Steinen oder komprimierter Erde gefüllt. Da diese Füllung einen starken Druck auf die Außen- und Innenmauern ausübte, wurden die beiden Steinmauern mit Holzbalken verbunden, die sich über die Füllmasse spannten. Die Enden der Balken erhielten die Form eines Schwalbenschwanzes, d.h. sie wurden zum Ende hin breiter, um so einen Zug der Mauern nach innen zu erreichen.
Auf dem oberen Bild kann man diese Aushöhlungen an den Blöcken erkennen, die sich zum äußeren Rand hin weiten, sowie auch die Erdfüllung zwischen Innen- und Außenwand.

The view down to the dwelling tower from above. The walls of large, precisely hewn limestone blocks are very unusual. The Dacians had their own, highly developed building techniques, which were on a level with the Romans and the Greeks. Particularly famous is the "Murus dacicus", the Dacian wall, which is found in all of the fortresses. The single wall is actually made of an inner and an outer wall, both of exactly cut stones, with a space between which was filled with smaller stones or compressed earth. As this compressed filling material exerted considerable pressure on the inner and outer walls, the two walls were connected with wooden beams. The beams widened to a dovetail at each end, which fitted  into corresponding holes in the limestone blocks and thus spanned the wall to stop it bursting under the pressure from the middle.
In the picture above - and also in some of the following pictures - the holes in the stone blocks can be seen. They widen towards the outer edge of the block. The earth filling can also be seen.

 

 

 

Jetzt stehen wir auf fast auf der Spitze des Hügels und blicken nochmals zum ersten Wohnturm hinab. Die Lichtstimmung auf diesem Berg hat etwas Mystisches.
Die wachsende Macht der Daker wurde für die Römer, die jenseits der Donau standen, zu einer ernst zu nehmenden Bedrohung. Schon Cäsar plante, die Daker anzugreifen, doch er wurde wurde im selben Jahr wie König Burebista, 44 vor Christus, ermordet.  In den kommenden hundert Jahren fielen die vereinten Dakerstämme wieder auseinander, bis Dezebal im Jahre 87 nach Christus neuer König der Daker wurde.

Now we are almost at the top of the hill and enjoy looking back to the first dwelling tower and out to the almost mystical light effects on the surrounding mountains.
The growing power of the Dacians began to pose a serious threat to the Romans on the far side of the Danube to the south. Caesar had already planned to attack the Dacians when he was assassinated in 44 BC. the same year in which King Burebista was also assassinated. In the following century the Dacian tribes were disunited, until in 87 AD Decebalus became the new King of the Dacians.

 

 

 

Nachdem wir die sanfte Hügelkuppe überschritten haben, liegt direkt vor uns der zweite Wohnturm. Wir sind von der Schönheit der alten Mauen, von der Umgebung und dem Licht so fasziniert, dass wir unsere mitgebrachte Wasserflasche und einige Kekse zu einer Mahlzeit adeln und vor dieser atemberaubenden Kulisse picknicken.

Und noch ein Häppchen Geschichte: Dezebal schaffte es, die verschiedenen dakischen Stämme erneut zu vereinen und eine Armee aufzustellen. Bereits 85 n. Chr. begann er damit, die stark befestigte römische Provinz Moesia südlich der Donau zu überfallen. Kaiser Domitian schickte 87 n.Chr. mehrere Legionen nach Dakien, um die Daker zu bestrafen und Dakien zu erobern. Doch Dezebal gelang es, die Römer in einen Hinterhalt zu locken und zwei Legionen zu besiegen. Seinen ursprünglichen Namen "Diurpaneus" änderte er von nun an zu "Decebalus" ("so stark wie zehn Männer").

Crossing over the gentle crest of the hill we soon reach the second dwelling tower. We are so fascinated by the old walls, the surrounding countryside and the dramatic light that we decide it is time to enjoy our princely  picnic of water and biscuits looking at the breathtaking view.

Another nibble of history: Decebalus managed to reunite the various Dacian tribes and to build up an army. In 85 AD he began to attack the strongly defended Roman province, Moesia, south of the Danube. In 87 AD Emperor Domitian sent 4 or 5 legions to punish the Dacians and to conquer Dacia. But Decebalus managed to trap and defeat two of the legions. His orignal name Diurpaneus he then changed to Decebalus, ‘strong as ten men’.      

 

 

 

Die Daker benutzten für ihre Gebäude und Wege hauptsächlich zwei Arten von Gestein, einmal den hellen Kalkstein für die Mauern und zum anderen Andesit, ein graues, feinkörniges Lavagestein.

The Dacians used mainly two types of stone; the lighter limestone for the walls and grey, fine grained volcanic stone, Andesit, for the paths.

 

 

 

Ein Blick in den Wohnturm hinein und ein anderer aus ihm heraus. Deutlich zu sehen sind die Schwalbenschwanz"-Einkerbungen der Gesteinsblöcke sowie die zwischen den Mauern aufgeschüttete Erde. Sehr geräumig kann es im Turm nicht zugegangen sein, zumal noch die Treppe zum ersten Stockwerk Platz beanspruchte.

The view into (l) and out of (r) the dwelling tower. The precisely cut indentations in the blocks and the filling material between the inner and outer wall surfaces are clearly visible (see description of the building method above). It doesn’t look as if there was very much space inside the tower.

 

 

 

Eine prächtige Smaragdeidechse wärmt sich auf den antiken Treppenstufen auf und lässt sich von uns kaum irritieren.

A magnificent European Green Lizard suns itself on the ancient steps and doesn’t seem particularly worried by us. 

 

 

 

Etwas tiefer am Berghang befinden sich die Überreste von vier Sanktuarien, hier ein Foto vom größten. Man weiß wenig über die religiösen Bräuche der Daker, doch die Religion nahm sichtbar einen sehr hohen Stellenwert im Leben der Daker ein. Bereits Burebista hatte einen Oberpriester neben sich, "fast so mächtig wie ein König". Es scheint, als sei es schon unter König Burebista gelungen, die verschiedenen Religionen der einzelnen Dakerstämme zu einer zusammenzuführen, ein wichtiger Schritt hin zur Bildung einer einheitlichen Gesellschaft.
Die runden Steinplatten waren Fundamente, die Säulen aus Holz oder Andesit trugen.

Further down the slope of the hill are the remains of 4 sanctuaries - here the largest. Not much is known of Dacian religious customs and beliefs, but religion played a visibly important role for them. At the time of Burebista the High Priest was ‘almost as powerful as a king’. It seems that already under King Burebista the religions of the various Dacian tribes were merged - an important step in welding them into one people.
The picture shows what would have been an impressively colonnaded temple.

 

 

 

In der Nähe des Heiligtums befinden sich die Überreste eines Wachturms.
König Dezebal nutzte den mit Rom ausgehandelten Frieden, um da Burgensystem auszubauen, das Heer zu stärken und sein Reich auszudehnen. Doch Kaiser Trajan erkannte das Gefahrenpotential, das von diesem erstarkten Nachbar ausging. Zudem weckte das große Goldvorkommen in den Westkarpaten die Begehrlichkeiten des zunehmend mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten kämpfenden römischen Reichs. In einem ersten großen Anlauf wurden die Daker zwar besiegt, aber nicht völlig unterworfen (erster dakischer Krieg von 101-102). Nach dem Bau einer Donaubrücke bei Turnu Severin konnte das Land im zweiten dakischen Krieg systematisch erobert und die Hauptstadt Sarmizegetusa Regia eingenommen werden.

Near the sanctuary are the remains of a watchtower.
 King Decebalus used the peace negotiated with Rome to enlarge the system of fortresses, to strengthen the army and to extend his kingdom. But Emperor Trajan recognized the danger that this strengthened neighbour represented. In addition the substantial gold deposits in the West Carpathians awoke the greed of the Roman Empire that was having increasing economic problems. In a first large campaign from AD 101-102 the Dacians were defeated, but not completely subjugated. After building a bridge over the Danube at Turnu Severin, the Romans were able in the second Dacian War to systematically conquer the land and to take the capital city Sarmizegetusa Regia. 

 

 

 

Kleine Steincollage von den Festungen Cetatuie und Blidaru. Der einzelne Block oben links ist Teil von vier im Quadrat ausgelegten Steinen, die sich zwischen den beiden Wohntürmen, auf der Spitze des Hügels von Cetatuie, befinden. Sie trugen die vier hölzernen Eckpfosten eines Wachturms. Die anderen Mauerbilder stammen von Blidaru. Frühe Teile der Festung wurden im "murus dacicus"-Stil erbaut (unten links), während bei späteren Bauten Mauern aus einzelnen Kalkblöcken errichtet wurden, deren Zwischenräume mit Glimmerschiefer gefüllt wurden (rechts unten und oben).

A small ‘stone collage’ of pictures from the fortresses Cetatuie and Blidaru. The single block (above left) is understood to be one of the four corner supports of a wooden watchtower which stood at the highest point of the hill between the two dwelling towers. The others show details of the walls at Blidaru. Earlier parts were built in the  "murus dacicus" style (lower left, see description above), whereas later walls were built of large blocks with the spaces between filled with metamorphic schist stones (upper and lower right).

 

 

 

Als wir von der Festung hinab wandern, begegnet uns auf einem Feld neben dem Weg dieser wunderschön hässliche Truthahn in Balzstimmung.

On our way down from the fortress we admire a beautifully ugly but proud turkey in a farmer’s field. 

 

 

 

 

 

Am nächsten Tag steigt John alleine durch herrliche Wälder zur zweiten, auf einer Höhe von 705m gelegenen Festung Blidaru hinauf.

On the next day, parking the car at the same place as yesterday, I follow the signs and climb up alone through beautiful woods to visit Blidaru, the second fortress, at a height of 705m.

 

 

 

Anklicken zum Vergrößern / Click for larger picture. Costesti Bildaru 5.2006

Die Festung Blidaru, die rein militärischen Zwecken diente, hatte imposante Ausmaße. Um sie errichten zu können, mussten die Daker den Bergkamm abtragen und einebnen. Der Eingang befindet sich auf dem Bild etwas rechts von der Bildmitte.

The fortress at Blidaru, which served purely military purposes, is an impressive size. To build it the Dacians must have levelled off the mountaintop. The entrance is up the steps just to the right of centre in the picture.

 

 

 

Die Festung wurde in zwei Phasen erbaut. Kurz nach Burebistas Tod entstand der erste Teil mit fünf Wachtürmen, während zu Dezebals Zeit die Anlage vergrößert wurde und zwei weitere Türme erhielt. Erstmals wurden auch innere Mauern mit Glimmerschiefer-Füllungen errichtet.

The fortress was built in two phases. Shortly after Burebista’s death in 44 BC the first part was built with five watchtowers and during Decebalus’ reign the fortress was extended and gained two further watchtowers. For the first time inner walls were built with a filling of metamorphic schist stones.  

 

 

 

Nochmals ein Bild von den schönen dakischen Mauern in Blidaru.
Die Römer zerstörten nach ihrem Sieg über Dezebal sämtliche Festungen. Sie wurden niemals wieder aufgebaut, und ihre Ruinen geben deshalb ein unverfälschtes Zeugnis ab vom steilen Aufstieg und raschen Niedergang einer großen Zivilisation.
Dezebal beging, um nicht in die Hände der Römer zu gelangen, nach seiner Niederlage Selbstmord. Sein Kopf wurde in Rom ausgestellt. Sein Goldschatz mit einem Gewicht von 165 Tonnen fiel an die Römer.

Another picture of the strongly built Dacian walls at Blidaru.
After their defeat of Decebalus, the Romans destroyed all the fortresses. They were never rebuilt, so their ruins bear undistorted witness to the rapid rise and fall of this great civilization.
After his defeat Decebalus committed suicide to avoid falling into Roman hands. His head was displayed in Rome and his hoard of gold - 165 tons - was taken by the Romans.

 

 

 

Ein weiterer Blick auf die Wälder und Mauern von Blidaru.

Die Römer zerstörten auch die heilige Hauptstadt Sarmizegetusa Regia. Die Bewohner wurden umgesiedelt. Die Erleichterung über den Sieg war auf Seiten der Römer riesig. In Rom wurde gefeiert und eine mächtige Siegessäule aufgestellt, die Trajansäule, die auch heute noch zu sehen ist. Auf ihr wurden die wichtigsten Kämpfe gegen die Daker bildlich eingemeißelt. Viele Daker mussten am Triumphzug Trajans teilnehmen, wurden danach ermordet oder mussten im Amphitheater kämpfen.

Another view of woods and walls at Blidaru.

The Romans destroyed the sacred capital of Sarmizegetusa Regia and resettled the inhabitants. The Romans were very relieved at the victory. In Rome there were enormous celebrations and a might victory pillar - Trajan’s column - was erected and can still be viewed today. It portrays the most important battles against the Dacians. Many Dacian prisoners were shown to the crowds in Trajan’s triumphal procession and afterwards either killed directly or made to fight in the arena.

 

 

 

Wie es auf diesem Bild von einem Ameisenhaufen, aufgenommen im Wald um Blidaru, vor fleißigen Arbeitern nur so wimmelt, so wurde auch das einstmals stolze Dakien in kürzester Zeit von zahllosen Römern übernommen und völlig umgekrempelt. Ein neuer Außenposten des römischen Reichs war entstanden, die Provinz Ulpia Traiana. Viele neue Siedlungen wurden angelegt, und das Land wurde mit einem modernen Straßennetz überzogen. Die dakischen Gottheiten wurden in den Götterhimmel der Römer aufgenommen.
Vor allem aber musste eine neue Hauptstadt gebaut werden, die, ca. 50 km von der alten Hauptstadt entfernt,  Ulpia Traiana Dacia Sarmizegetusa genannt wurde. Da sie in viel zugänglicherem Gelände gebaut wurde, bereitet es uns diesmal keine Schwierigkeiten, Sarmizegetusa die Zweite aufzufinden.

Just like the teeming and busy wood ants on this anthill at Blidaru, numerous Romans took over and reorganized the territory of once proud Dacia. A new border province of the Roman Empire had now been established, the Province Ulpia Traiana. Many new settlements were founded and the land was given a modern road system (which has got a little dilapidated in the meantime!). The Dacian gods were assimilated into the Roman pantheon.
Above all, a new capital had to be built, which, about 50km from the old one, was given the name Ulpia Traiana Dacia Sarmizegetusa. This capital was built in much less mountainous territory and we had no trouble finding it.

 

 

 

Hier sieht man die Überreste der neuen römischen Provinzhauptstadt Sarmizegetusa. Sie wurde 108-109 n.Chr. gegründet. Trajan wählte den Ort unter strategischen und ökonomischen Gesichtspunkten aus. Die im Süden und Norden liegenden Retezat- bzw Ruscai-Berge bildeten eine natürliche Barriere gegen Angriffe. Die reichen Goldvorkommen in diesem Gebiet gaben ökonomische Sicherheit. Auf einer Fläche von 32 ha lebten schließlich 25000-30000 Menschen. Trajan siedelte hier Veteranen der römischen Legionen an. Insgesamt überzog er das ganze ehemalige Dakien mit unzähligen Siedlungen und Festungsanlagen.

Here we see the remains of the new Roman provincial capital Sarmizegetusa, which was founded in 108-109 AD. Trajan chose this site for economic and strategic reasons. The Retezat Mountains to the south and the Ruscai Mountains to the north form natural barriers against attack and the rich gold deposits in the area give economic security. Between 25000 and 30000 inhabitants lived in an area of about 1/3 square km. Trajan settled veterans of the Roman legions here and filled the whole area previously occupied by the Dacians with innumerable settlements and fortifications.

 

 

 

Anklicken zum Vergrößern / Click for larger picture. Sarmizegetusa Amphitheatre 4.2006

Außerhalb der Stadtmauern wurden einige Tempel errichtet, aber auch das größte Gebäude der Stadt, dieses ca. 5000 Personen fassende Amphitheater. Der Teil der dakischen Bevölkerung, der nicht verschleppt worden war, verschmolz mit dem römischen Bevölkerungsteil. Bald waren die Bewohner stolz darauf, sagen zu können: "Ich bin römischer Bürger!" Latein wurde als Sprache übernommen, was der Grund dafür ist, dass das heutige Rumänisch keine slawische, sondern eine romanische Sprache ist.
Mit ein wenig Fremdsprachenkenntnis kann man rumänische Texte (z.B. im Gegensatz zu tschechischen) recht gut verstehen.

Outside the town walls several temples were erected and also this Amphitheatre, the largest structure of the town holding 5000 spectators. The Dacians who were not deported merged with time into the Roman population. Soon the inhabitants were proud of their Roman citizenship. Latin became the language of the area, which is why the Romanian language today a Romance rather than a Slavic language is.
With our limited knowledge of other languages, we found we could often make sense of Romanian texts, which we found impossible e.g. in the Czech Republic.

 

 

 

In den Wäldern um Sarmizegetusa haben wir dieses Farn-Makro aufgenommen, eines der letzten Bilder mit unserer guten Minolta-Kamera (DiMAGE 7i). Obwohl wir die Bildkarte, die in Tschechien (in Valtice) kaputt ging, teuer haben reparieren lassen, zeigte sich ein ähnlicher Defekt am zweiten Tag unserer Rumänienrundreise. Man kann sich vorstellen, wie betrübt wir darüber waren. Wir waren auch bereit, Geld für eine gute neue Kamera auszugeben, doch es ist uns trotz erheblicher Bemühungen (z.B. Umweg über Bukarest) nicht gelungen, an eine unsere Erwartungen erfüllende Kamera heranzukommen. So haben wir uns schließlich damit abfinden müssen, alle weiteren Bilder mit der in Tschechien gekauften Panasonic-Kompaktkamera (Lumix DMC-LZ2, siehe auch Brno) zu knipsen.

We took this macro picture of a fern in the woods near Sarmizegetusa, one of the last pictures with our good Minolta (DiMAGE 7i). Although we had had the digital sensor chip repaired at considerable cost after the defect which occurred on our trip to the Czech republic (at Valtice), a similar defect occurred on our second day in Romania. You can imagine how despondent we were! We were even prepared to spend more money on a good new camera in Romania, but despite our efforts, (e.g. a diversion via Bucharest), were not able to find the camera we wanted. So finally we got used to the idea of continuing for the rest of the trip with the Panasonic compact camera that we had bought in the Czech Republic ((Lumix DMC-LZ2, see Brno).

 

 

 

Überall in diesem Gebiet finden sich römische Hinterlassenschaften, wie hier ein römisches Bad im Ort Georgiu Bai. Die Römer leiteten ein Flüsschen in dieses natürliche Becken eines eingestürztes Höhlensystem.
Doch alle errungenen Annehmlichkeiten konnten nicht verhindern, dass der Bestand der römischen Provinz nur von kurzer Dauer war. Immer wieder fielen fremde Stämme ins Land ein, besonders die Goten, so dass das bereits schwächelnde römische Reich 271 beschloss, die Provinz Ulpia Traiana Dacia ganz aufzugeben. Sarmizegetusa die Zweite verfiel. Diejenigen dako-römischen Bewohner, die sich nicht hinter die Donau zurückziehen konnten, mussten in den kommenden 700 Jahren viele weitere Angriffe und Völkerwanderungen der umliegenden Volksstämme über sich ergehen lassen.
Auch heute streiten Historiker noch darüber, welche Völker oder Volksvermischungen die eigentliche rumänische Identität begründen.

In this area there are signs of Roman occupation everywhere. Here are two views of the Roman Baths in Georgiu Bai. The Romans guided a stream into the natural pool inside this cave with its collapsed ceiling.
But despite all such benefits of Roman civilization the Roman province did not last very long. Foreign tribes, particularly the Goths, kept on invading the country, so that in 271 the weakening Roman Empire decided to give up the province Ulpia Traiana Dacia altogether. The second Sarmizegetusa  fell into decay. Those of the Dacian-Roman inhabitants who could not withdraw beyond the Danube had to face many further attacks and invasions of the surrounding tribes in the following 700 years.
Even today historians argue about which mixture of tribes and peoples are really the foundation of the Romanian identity.

 

 

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