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 E & BJ Capper Nagold 2006/2007

 

27. - 28.5.2006

Deseşti & Budeşti

Maramureş und Unesco-Holzkirchen 1

Maramureş and Unesco Wooden Churches 1

Heute verlassen wir die Bukowina und begeben uns zum wohl ursprünglichsten Gebiet Rumäniens, in die Maramures.
Es schüttet wie aus Eimern. Die den hiesigen Straßenverhältnissen ansonsten gut angepassten Pferdekarren offenbaren nun ihre Schwachstelle: Gegen Wasser von oben vermögen sich Fahrer und Beifahrer noch einigermaßen zu schützen, doch dem Spritzwasser der an Anzahl ständig zunehmenden LKWs sind sie hilflos ausgeliefert.

Today we leave Bucovina and set off for Maramures, probably the most natural area of Romania.
It is raining in buckets. The horse-carts that seem otherwise well-suited to local road conditions now reveal a weakness. Driver and passenger can protect themselves fairly well from water from above but are defenceless against the spray from the increasing number of lorries. 

 

 

 

Dass sich die Bewohner der Maramures im Lauf ihrer langen Geschichte fremden Einflüssen und Eroberungsversuchen so gut widersetzen konnten, verdanken sie nicht zuletzt der geografischen Lage ihrer Heimat. Wie eine natürliche Burg umfassen mehrere Gebirgszüge das Gebiet. Es ist nur über vier Pässe zu erreichen.
Da wir uns von Osten nähern, müssen wir den höchsten Pass, den Prislop-Pass (1406m), überwinden. Die Straße sei gut, wenn auch keine Autobahn, hatte uns der Ehemann der Pensionsbesitzerin in Gura Humorului, der Leiter einer Fahrschule, beschieden. Nun, das ist in unseren Augen eine gewaltige Übertreibung. Manche Teilstücke treiben uns fast in die Verzweiflung.

The people of the Maramures area have been able to resist many outside influences and invasion efforts during their long history and one reason for this is their geography. Chains of mountains surround the area like a natural fortress and it is reachable only over four passes.
As we approach from the east, we have to cross the highest of the passes, the Prislop Pass (1406m). ‘The road is good, although not a motorway’ the driving school manager and husband of the pension owner in Gura Humorului informed us. After driving it, we think that was a massive overstatement. The bad road-surface on large parts of it almost drove us to despair.   

 

 

 

Nach dem wir von der Nationalstraße 17 auf die 18 gewechselt sind, folgt die Straße fast bis zur Passhöhe dem Fluss Bistrita, dem wir schon einmal in Piatra Neamt begegnet sind.
In diesem Tal finden sich verspielte, farbenfrohe Häuschen, besonders im Ort Carlibaba (Bild).
1797 eröffnete der Österreicher Karl Manz Ritter hier ein Silber- und Bleibergwerk. Dazu rief er deutsche Bergleute aus der Zips (Slowakei) und Oberschlesien ins Land, die rechts und links der Bistrita die Orte Carlibaba Veche und Noua gründeten. Als 1870 die Schließung des Bergwerks erfolgte, lernten die Zipser um auf Flößer und Waldarbeiter. Auch heute sind noch etwa 9% der Bevölkerung Deutschstämmige, sie sind also etwas standhafter als die fast komplett ausgewanderten Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben.

After turning from the main road number 17 onto the 18, we follow the River Bistrita, which we also met in Piara Neamt, almost up to the top of the pass.
In the valley are playfully colourful houses, especially in the town of Carlibaba (picture).
In 1797 the Austrian Karl Manz Ritter opened a silver and lead mine here. He summoned German miners from Zips (Slovakia) and from Upper Silesia (now in Poland) as settlers, who founded the towns Carlibaba Veche and Noua on the banks of the River Bistrita. After the closure of the mine in 1870 the Zipser Germans moved into the forestry trades of raftsmen and timbermen. Even today about 9% of the Maramures population are of German descent. More of them have stayed than the Transylvanian Saxons and the Banat Swabians, who have almost all left Romania.

 

 

 

Kurz vor dem Pass begegnet uns diese völlig durchnässte Gruppe, die die Tatsache, dass wir bei diesem Wetter in der letzten Ecke Rumäniens mit einem Wohnwagen herumkurven (seit dem Donaudelta ist uns kein anderer Wohnwagen mehr begegnet), völlig ungerührt lässt.

Not long before the top of the pass we meet these very wet travellers. The fact that we are touring this remote corner of Romania with a caravan, (we haven’t seen another caravan since we left the Danube Delta), doesn’t seem to interest them a lot.

 

 

 

Die Passhöhe stellt sich als enttäuschend heraus, denn das Rodnei-Gebirge (Muntii Rodnei), ein Biosphärenreservat der Unesco und Anwärter auf den Titel Weltnaturerbe, bleibt in dichte Wolken gehüllt.
Erst bei unserer Abfahrt in Richtung des Maramures Gebirges (Muntii Maramuresului), einem fast unberührten und straßenlosen Berggebiet an der Grenze zur Ukraine, lüften sich die Wolken ein wenig.

The top of the pass is disappointing as the Rodnei Mountains, (Muntii Rodnei), a candidate area for the Unesco World Natural Heritage, remain hidden in clouds.
It is only when we start to descend towards  the Maramures Mountains, (Muntii Maramuresului), an almost untouched and road-less mountain region on the border to Ukraine, that the clouds lift a bit.

 

 

 

Wenig später entdecken wir bei Borsa einen Vertreter der Gattung Holzkirche, die den Anlass zu unserem Maramures-Besuch gab. Acht der insgesamt 98 Holzkirchen in der Maramures wurden zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt (nicht diese hier).

Not long afterwards near Borsa we see our first representative of the wooden churches, which are one of our reasons for visiting Maramures. 8 of the 98 wooden churches in Maramures have been selected for the Unesco World Cultural Heritage. (This isn’t one of the 8.)  

 

 

 

 

 

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Wer genau hinschaut, entdeckt das Kirchlein auch auf diesem Bild (re). Es befindet sich mitten im Touristikkomplex von Borsa.
Die alte Bergwerksstadt Borsa, die sich wie das anschließende Viseu de Sus endlos das Viseutal entlangzieht, liegt genau zu Füßen des berühmten Rodnei-Gebirges, dessen höchster Gipfel wolkenverhangen leicht rechts im Bild zu sehen ist (Pietrosul, 2302m). Die Vielzahl an Neubauten lässt erkennen, welche große touristische Bedeutung das Rodnei-Gebirge besitzt.

If you look carefully, you’ll see the same little church in this picture as well (right). It’s in the middle of the tourist complex of Borsa.
The old mining town of Borsa, which - like the following Viseu de Sus - stretches endlessly along the Viseu Valley and lies at the foot of the famous Rodnei Mountains, whose cloud-covered highest peak (Pietrosul, 2302m) is just to the right of centre. The numerous new buildings indicate the importance of the Rodnei Mountains for tourism. 

 

 

 

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Ein Blick in die andere Richtung auf die wunderbar sanft gewellte Landschaft der Maramures.

A look in the opposite direction over the gently rolling hills of Maramures.

 

 

 

Die Architektur ändert sich wiederum völlig. Die waldreiche Maramures hat wahre Holzkünstler hervorgebracht (hier ein Haus bei Vadu Izei). Die massiven Eichenbalken werden mit filigranen Schnitzereien verziert. Vor fast jedem Haus steht ein Holztor. Je bedeutender der Besitzer, desto größer fällt dieses aus.

The architecture changes significantly. The heavily wooded Maramures are has produced true artists in wood - here a house near Vadu Izei. The massive wooden beams are decorated with fine carvings. In front of almost every house stands a carved wooden gate, which is a clear statement of pride of possession.

 

 

 

Und noch ein Kuriosum, dem man hier häufig begegnet: zur Schau gestellte bunte Töpfe und Eimer. Anscheinend sollten sie verkünden, dass sich in diesem Haus ein heiratsfähiges Mädchen befindet, dessen Mitgift komplett ist.

Another curiosity that we saw several times: colourful pans and buckets put on show outside a house. Apparently this shows that a marriageable young woman lives here and that her bottom drawer is now complete.

 

 

 

 

 

Wir suchen das Weltkulturerbe, das nicht leicht aufzufinden ist. Im Ort Desesti im idyllischen Maratal folgen wir einem kleinen Schild zur örtlichen Holzkirche, "Biserica din lemn" genannt, Kirche aus Holz.
Der Aufgang zur Kirche scheint neu renoviert.

We look for the World Cultural Heritage site, which doesn’t seem easy to find. In the village of Desesti in the idyllic Mara Valley we finally see a small sign to the "Biserica din lemn" - wooden church.
The attractive entrance has been recently renovated.

 

 

 

Wir steigen die Treppen hinauf und finden das Kirchlein in einer wunderbar natürlichen Umgebung. Hauptakteure um die Kirche herum sind Hühner. Trotz Bemühungen können wir keine Anwohner auftreiben, alles scheint menschenverlassen an diesem regnerischen Sonntag Nachmittag.

We climb the steps and find the little church in a wonderfully natural setting. The only active role around the church is played by the hens. Despite our efforts we can’t find anyone living nearby who might be able to let us inside. On this rainy Sunday afternoon all seemed deserted.      

 

 

 

Die Wetterseite des Kirchleins, vom Regen dunkel gefärbt.
Die Holzkirchen werden grob zwei Epochen zugeteilt. Die erste entspricht der Zeit vor dem letzten verheerenden Tartareneinfall 1717. Damals waren die Kirchen etwas plumper, besaßen nur ein Dach und einen kürzeren Turmhelm.
Danach baute man unter gotischen Einflüssen mutiger. Das Turmdach wurde spitz nach oben gezogen, eine zweite Traufe wurde aufgesetzt, Verzierungen hinzugefügt. Die Kirche zur "Gottesfürchtigen Paraschiva" in Desesti wurde 1770 erbaut.
(Wir haben nicht definitiv herausgefunden, wie hoch die Kirche ist. Auf Basis eines etwas unklaren Planes hat John die Höhe als ca. 29m errechnet.)

The weather side of the church has been darkened by rain.
The wooden churches fall roughly into two periods. The first period is up to the catastrophic Tatar invasion in 1717. The churches then were not as slim, had just one roof and the top part of the tower was shorter.
Afterwards, in the second period, the buildings were influenced by the bolder Gothic style. The tower was constructed with a high pointed roof, a second eaves level was added to the main roof and decorations were added. The ‘Pious St. Parascheva’ church of  Desesti was built in 1770.
(We haven’t found documented how high it is. According to my calculation from a not very clear plan it is about 29m.)

 

 

 

 

 

Die Kirche scheint noch oder wieder ein Teil des Dorfes zu sein. Ein frisch aufgeschüttetes Grab, blühende Blumen in der kunstvollen Holzumrandung der Eingangstür. Irgendwo lese ich, die Kirche werde noch zu "besonderen Anlässen" genutzt, vielleicht zu Beerdigungen?

The church seems still (or again) to be part of the village. A freshly filled grave is a splash of colour in the rain and flowers surrounding the entrance with its decorative carvings.

 

 

 

Im Innern sind die Kirchen meist schön mit Tuch ausgeschlagen und bemalt (siehe Surdesti). Diese Kirche wird gerade renoviert, durch die kleinen Fensterscheiben erkennen wir nur Gerüststangen.
Die Aufteilung dieser Kirche ist typisch: einem Vorraum (Pronarthex) folgt der Gemeinderaum (Narthex oder Naos), der mit einer Ikonenwand (Ikotnostase) vom Altarraum (Auswölbung links) getrennt wird.

The church interiors are mostly beautifully decorated with cloths and painted (see Surdesti). This church was in process of restoration. Peeking through the small windows all we could see was scaffolding.
The church has an entrance hall (pronarthex) followed by the room for the congregation (narthex or naos ), which is separated from the sanctuary (in the picture the curved area on the left) by the iconostasis (iconscreen). 

 

 

 

Auf den ersten Blick scheinen die Holzkirchen alle gleich zu sein, auf den zweiten jedoch unterscheidet sich eine jede von der anderen. Desesti besticht mit ausgewogenen Proportionen auf einem relativ kleinen Grundriss. Stolz ragt der spitze Turm auf einem langen Hals in den Himmel. Man bewundert den Mut der Erbauer vor dem Einsatz eines Blitzableiters.
In einem Anschlag neben der Eingangstür befindet sich denn auch folgender Vermerk in deutscher Sprache:" Im Jahre 1924, die Kirche ist von Donnerschlag geschlagen worden. Der Turm hat gebrannt, wiederhergestellt und mit Blecholatte bedeckt".

At first sight all the wooden churches look alike, but after that differences become evident. Desesti captivates with its balanced proportions on a relatively small ground plan. The proud, pointed tower rises up high on its long-necked base. The builders must have been bold to build like this before lightening conductors!
An information sheet in (imperfect) German hangs near the door: ‘ ... In the year 1924 the church is struck by thunder (sic). The tower burnt, mended again and covered with metal plate....’   

 

 

 

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Weiter ziehen wir durch eine triefende, stille, sich wellende Landschaft - auf der Suche nach dem nächsten Weltkulturerbe.

We drive on through the moist, quiet and rolling countryside looking for the next World Cultural Heritage site.

 

 

 

Hier ist es. Wir finden es im Ort Budesti, in dem sich zwar viele Menschen in Trachten auf den Straßen tummeln, aber niemand in der Nähe der Kirche. Der Grundriss der Kirche ist größer, auch sie sollen schöne Malereinen schmücken, doch wir finden niemand, der und Einlass gewährt.
Ich bemühe mich redlich, das zu entdecken, was zu entdecken ist.

Here it is. We find it in the small town of Budesti, in which plenty of people are out on the Sunday streets in their traditional clothes, but no-one is near the church. The ground plan of the church is larger. Here also the interior is apparently decorated by fine paintings, but we fail to find anyone who could let us in.
Elli tries hard to see as much of the interior as possible! 

 

 

 

Die Gesamtansicht der Nikolauskirche zu Budesti-Josani, erbaut in 1643. Sie hat ebenfalls zwei Dächer, obwohl sie ausder ersten Periode stammt, aber einen recht kurzhalsigen Turm und einen schlichten, rechteckigen Grundriss. Was sie von anderen Kirchen in dieser Gegend unterscheidet, sind die vier Türmchen am Fuß des Turmhelms, eine Anzeige der Gerichtsbarkeit des Ortes.

(Wir haben nicht definitiv herausgefunden, wie hoch die Kirche ist. Auf Basis eines etwas unklaren Planes hat John die Höhe als ca. 28m errechnet.)

A view of the whole Church of St. Nicholas in Budesti-Josani, which was built in 1643. The church has two roofs as well, although it dates from the first period, but a rather short-necked tower and a simple, rectangular ground plan. What distinguishes it from other churches of the area are also the four small towers around the base of the main tower, indicating which judicial courts  the town had the right to hold.

(We haven’t found documented how high the church is. According to my calculation from a not very clear plan it is about 28m.)

 

 

 

 

 

Links die (verschlossene) Eingangstür mit schönen Holz-Verzierungen drumherum. Immer wieder markant: die geschnitzten Holzseile. Was ich im oberen Bild durch das Loch in der Tür erblickte, kann man rechts erkennen. Irgendwie erinnert mich die Innenausstattung an Bilder von maramurischen Wohnstuben.

On the left is the (locked) main door decorated with beautiful woodcarving. A favourite motive is the carved wooden rope. What Elli saw when peering through the hole in the door above can be seen in the right-hand picture. The decorations remind us of pictures we have seen of Maramures living rooms. 

 

 

 

Das Äußere zeigt viel vom praktischen Sinn der Kirchgänger. Lange Leitern liegen bereit, um notfalls das ausladende Dach zu flicken, während große Bänke der Kommunikation nach dem Kirchgang dienlich sein dürften.

The exterior shows the practical side of the churchgoers. Long ladders lie ready for maintenance work on the large roof and lengthy benches are there for festivals and maybe for relaxation and a chat after church.

 

 

 

Der Weg von Desesti nach Budesti führt über einen fruchtbaren Bergrücken, und von diesem blicken wir nun Richtung Norden. Bei der Bergkette im Hintergrund dürfte es sich bereits um die ukrainischen Karpaten handeln.

The road from Desesti to Budesti runs over a fertile mountain ridge and from there we look out towards the north. The range of mountains in the distance must be the Ukrainian Carpathians.  

 

 

 

Die locker angelegten Gehöfte bestehen fast alle aus schweren Holzbalken. Die traditionelle Dacheindeckung mit Schindeln ist teuer und muss gepflegt werden. So erstaunt es nicht, dass immer mehr Häuser mit Wellblech bedeckt werden. Tatsächlich erkennt man das aufgrund der ähnlichen Farbe oft erst auf den zweiten Blick.

The loosely scattered farms are usually built of heavy wooden beams. The traditional wooden shingle roof-covering is expensive and needs maintenance, so it is not surprising that more and more houses have a corrugated prefabricated roof. Because of the similar colour you don’t always notice the difference.

 

 

 

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