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 E & BJ Capper Nagold 2006/2007

 

26.5.2006

Voroneţ

Sixtinische Kapelle des Ostens

Sistene Chapel of the East

Wenige Kilometer vom Ort Gura Humorului entfernt befindet sich hinter dem Dorf Voronet inmitten zauberhafter Landschaft das Kleinod unter den Moldauklöstern, das Kloster Voronet. Die Kirche steht auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes.

In delightful countryside a few kilometres from the town of Gura Humorului beyond the village of Voronet is the jewel of the Moldavian monasteries, the Voronet Monastery. The church is on the list of the UNESCO World Cultural Heritage sites.

Versteckt liegt sie innerhalb schlichter Mauern. Von den restlichen Klostergebäuden ist nichts erhalten geblieben. Wie die anderen Moldauklöster auch war sie als ein Bollwerk gedacht gegen die mächtigste Bedrohung jener Zeit, den vorrückenden Islam. Nach dem Fall Konstantinopels an die Türken, Mitte des 15. Jh., sah sich Rumänien als letzte christliche Bastion des Abendlandes.
Die Kirche wurde in weniger als 4 Monaten errichtet, in der Zeit vom 26. Mai bis zum 14. September 1488. Sie wurde ebenfalls im Dreikonchenstil gebaut, d.h. sie hat drei Apsiden. Das Bild zeigt die Ost- und Südapside. Die weit vorspringenden Dächer folgen in der Form den Deckengewölben der einzelnen Räume im Innern. Anders als das Kloster Humor besitzt Voronet einen Turm, in dem sich die berühmte moldauische Kuppel verbirgt (siehe auch weiter unten).

The monastery church is hidden away inside plain surrounding walls and nothing remains of the other monastery buildings. As with the other Moldavian monasteries it was seen as a bastion of defence against the mightiest threat of the time, the invasion of Islam. After the loss of Constantinople to the Turks in the mid 15th century, Romania saw itself as the last Christian outpost defending the West.
The church was built in less than 4 months, between 26th May and 14th September 1488. It was built in the trefoil style, i.e. with three apses. The picture shows the eastern and southern apses. The wide overhanging roof follows the form of the vaulted ceilings of the interior rooms. In contrast to the Monastery at Humor Voronet has a tower, which contains the famous Moldavian cupola (see also below).

 

 

 

Ansicht der südlichen Apsis. Die 1488 unter Stefan dem Großen fertig gestellte Kirche wurde erst ein halbes Jahrhundert später unter Stefans Sohn Petru Rares von außen bemalt. Doch an den Blendarkaden und Blendnischen der Wände kann man erkennen, dass eine gegliederte Bemalung von Anfang an vorgesehen war.
Wie bei den anderen Klöstern auch folgt die Bemalung einem gewissen Bildprogramm. Die Apsiden zusammen zeigen die "Heiligen Hierarchien" ("Cin" genannt). In anbetender Haltung streben Engel, Propheten, Apostel, Bischöfe, Kirchenväter und Märtyrer der Hauptachse in der Ostapsis zu, in deren Mitte Maria mit dem Jesuskind thront.

The southern apse. The church structure was completed in 1488 under Stephen the Great, but it was a half-century before the exterior was painted under Stephen’s son Petru Rares. The recessions and niches indicate that structured fresco painting was intended from the start.As at the other monasteries the fresco paintings follow a specific pattern.
The paintings on all the apses show the ‘Holy Hierarchy’ (called ‘Cin’). Angels, prophets, apostles, bishops, fathers of the church and martyrs, all in postures of worship, are directed towards the centre of the eastern apse, in which Mary is enthroned with the child Jesus.

 

 

 

 

 

Einen großen Teil der Südfassade nimmt die Abbildung des Stammbaums Jesse in Anspruch.
Die schmalen gotischen Fenster mit rechteckigen Rahmen, die aus überkreuzten Streben bestehen, lassen nur wenig Tageslicht ins Innere.

A large part of the south facade is taken up by the family tree of Jesse.
The narrow gothic windows with rectangular frames formed by supports at right-angles let very little light into the interior.

 

 

 

Berühmt wurde das Kloster durch seine Grundfarbe, einem aus gemahlenem Lapislazuli angemischten intensiven Blau. Das "Blau von Voronet" wird von Fachleuten als einzigartig in der Welt bezeichnet und ist ebenso bekannt wie das Rot bei Rubens oder das Grün bei Veronese.

The monastery became famous due to its primary colour, an intensive blue made of a mixture of ground lapis lazuli. The ‘Blue of Voronet’ is said by experts to be unique in the world and is just as well-known as Rubens’ red or Veronese’s green colours.

 

 

 

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Da man aufgrund der beengenden Außenmauern (die übrigens rekonstruiert wurden und sich nachträglich als Problem herausstellten, da sie ein fassadenschädliches feuchtes Mikroklima um die Kirche erschaffen) die Kirche nicht von Weitem fotografieren kann, haben wir es mit einer Panoramaaufnahme, bestehend aus 7 Einzelbildern, versucht. Man sieht hier die gesamte Südfassade.
Von rechts nach links erblickt man einen Teil der Ostapsis mit einem stützenden Strebepfeiler, dem sich die Südapsis anschließt. Dieser folgt das große Fresko "Der Stammbaum Jesse". Das letzte Drittel der Kirche im linken Bildteil wurde später nach Veranlassung des Metropoliten Grigorie Roscu im Jahr 1547 als zusätzliche Vorhalle angebaut. Sie enthält den Eingang zur Kirche.

Because of the surrounding walls, which incidentally after their reconstruction were found to cause the problem of a damp micro-climate around the church causing damage to the frescoes, we couldn’t get a good view from a distance here, so have tried it as a panorama picture with 7 exposures. This shows the complete south facade, but the optical perspective gives the flat wall a curve.
From right to left we see part of the eastern apse with a supporting buttress, then the southern apse. After this comes the large fresco ‘Jesse’s Family Tree’. The last third of the church towards the left was added later as an additional porch. This was initiated by the Metropolitan Bishop Grigorie Roscu in 1547. This part contains the entrance to the church.

 

 

 

Links neben der Eingangstür findet man die Abbildungen des Metropoliten Grigorie Roscu, der den Herrscher Petru Rares zur Außenbemalung der Moldauklöster veranlasst hatte, sowie (mit Heiligenschein) des Einsiedlers Daniil Sihastru. Dieser war der Berater Stefans des Großen (Stefan cel Mare).
Der Legende nach suchte Stefan nach einer erfolglosen Schlacht Rat bei dem Einsiedler, der ihm empfahl, wieder aufs Schlachtfeld zurückzukehren. Als dann die Türken besiegt wurden, erbaute Stefan an der Stelle der Holzkirche des Einsiedlers das Kloster Voronet.
Der Metropolit und der Einsiedler sind in der Kirche beigesetzt worden.

On the left next to the entrance are the Metropolitan Bishop Grigorie Roscu, who persuaded the ruler Petru Rares to have the frescoes painted on the outside of the church together with the hermit Daniil Sihastru, who was counsellor to Stephen the Great (Stefan cel Mare).
According to legend Stephen asked the hermit for counsel after a defeat in battle. The hermit advised him to go into battle again. When the Turks were then defeated, Stephen built the Voronet Monastery on the site of the hermit’s wooden church.
Both the Metropolitan Bishop and the hermit are buried in the church.

 

 

 

Über dem Eingang findet sich das häufig anzutreffende Motiv der "Fürbitten-Gruppe" ("Deesis"). Der thronende Christus wird von Maria und Johannes dem Täufer umrahmt.

Above the entrance is the frequently seen ‘Deisis’ motive showing the ‘Intercessory Group’ of Christ in the centre with the Virgin Mary on the left and John the Baptist on the right.

 

 

 

Wir befinden uns im Gemeinderaum (Naos) vor der Ikonostase (Ikonenwand), rechts im Bild, und der sich anschließenden Nordapsis.
Auf einer kleinen Schautafel wird in der oberen linken Ecke ein Querschnitt durch die Kirche gezeigt sowie Beispiele von Fresken vor und nach ihrer Restaurierung.

Here we are in the room for the congregation (naos) with the iconostasis (icon screen) on the right and next to it to its left the northern apse.
In the display to the left cross-sections of the church are shown together with pictures with examples of the frescoes before and after restoration.

 

 

 

Vor der Ikonostase hängt diese vergoldete Ikone, die Christus auf dem Thron sitzend darstellt.

In front of the iconostasis is this golden icon of Christ sitting on his throne.

 

 

 

 

 

Ebenfalls im Gemeinderaum (Naos) befindet sich das Stifterbild. Auf einem mit Goldsternen übersäten Hintergrund (in der Moldau den Stiftern vorbehalten) empfängt der thronende Christus von Stefan dem Großen die Kirche als Opfergabe und erteilt ihm den Segen. Der heilige Georg hat als Patron der Kirche eine Mittlerrolle und stellt den Fürsten Christus vor. Stefan trägt eine Krone und den byzantinischen Kaisermantel. Ihm folgt seine Familie, darunter der spätere Thronfolger Bogdan.

In the room for the congregation (naos) is also the donor’s picture. Against a star-spangled background (reserved in Moldavia for the benefactors), the enthroned Christ receives the church as an offering from the hands of Stephen the Great and gives him his blessing. St. George (centre) as patron of the church has an intermediary role and presents the prince to Christ. Stephen wears a crown and the imperial cloak of Byzantium. His family are behind him, including his successor Bogdan.

 

 

 

Über dem Naos erhebt sich in schwungvollen Bögen die moldauische Kuppel mit Jesus Pantokrator (Allherrscher) im Mittelpunkt und (in festgelegten Hierarchien) den Engeln, Propheten, Aposteln und Evangelisten.

High above the naos on generously curved arches is the Moldavian cupola with Jesus Pantocrator (Ruler of All) at the midpoint and (in the prescribed hierarchy) angels, prophets, apostles and evangelists.

 

 

 

Allmählich umrunden wir die Kirche und betrachten sie nun von Südwesten. Der Anbau, den das Kirchenoberhaupt, der Metropolit Grigorie Roscu 1547 der bestehenden Kirche hinzufügte, bekam als abschließendes Element nach Westen eine riesige fensterlose Wand. Von Anfang an war geplant, ein monumentales Fresko auf diese Wand aufzutragen. Es ist diese bemalte Wand, die die Kirche Voronet weltberühmt machte und ihr die Bezeichnung "Sixtinische Kapelle des Ostens" eintrug.
In ausdrucksstarken, der Lebenswelt der damaligen Bevölkerung angepassten Bildern wurde eines der größten Themen der Christenheit aufgegriffen: das Jüngste Gericht. Das folgende Bild zeigt dieses Gemälde frontal. Es lässt sich zusätzlich für denjenigen, den die Details interessieren, horizontal und vertikal vergrößern.

Coming out we continue round the church and now see it from the south west. The extension that the Metropolitan Bishop Grigorie Roscu made to the church in 1547 is closed off at the western end by a huge windowless wall. From the beginning a monumental fresco was planned to be painted on this wall. It is this painted wall that has made the church at Voronet world-famous and has led to it being described as the ‘Sistine Chapel of the East’.
In expressive pictures, using imagery from the life and experience of the population of the time, one of the great themes in Christian thinking is portrayed - the Last Judgement. The following picture shows the painting face on. Those interested in more details should click on the picture to expand it.

 

 

 

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In fünf Spalten, von oben nach unten, entwickelt sich das Drama des Jüngsten Gerichts.
Ganz oben erscheint in der Mitte Gott selbst, gekrönt mit dem achteckigen Stern Rumäniens. Um ihn herum rollen Engel die Tierkreiszeichen ein, denn "der alte Himmel wird vergehen", so sagt es die Bibel voraus.
Darunter thront Christus, der Richter. Neben ihm sitzen als Mitrichter Engel und Apostel auf moldawischen Bänken. Zu Füßen Christi entspringt der Feuerstrom der Hölle und ergießt sich glutrot in die Tiefe.
In der dritten Reihe sieht man einen leeren Thron, auf dem als Symbol des Heiligen Geistes die Taube sitzt. Daneben knien Adam und Eva. Auf der linken Seite erscheinen die Gerechten, auf der rechten die Ungläubigen, denen man die feindlichen Gesichter von Juden, Türken, Tataren und Armeniern gegeben hat.
Darunter hängt das Menschlein an der Gerichtswaage, deren Schalen einerseits von Engeln mit guten, andererseits von Teufeln mit bösen Taten gefüllt werden. Neigen sich die Schalen zum Bösen hin, wird der Mensch von Engeln und Teufeln in den Höllenschlund geworfen. Überwiegen die guten Taten, zieht er mit den anderen Gerechten ins Paradies ein (ganz unten links), wo die Erzväter Abraham, Isaac und Jakob ihre Seelen im Schoß halten. Ganz rechts blasen die Engel statt auf Posaunen auf heimischen Holzinstrumenten zum Tag des Gerichts. Die Erde und das Meer, die Gräber und die Tiere geben die Toten zurück.

The drama of the Last Judgement unfolds in five rows from top to bottom.
At the top God himself appears in the centre, crowned with the 8-pointed star of Romania. On both sides of him angels roll up the heavens like a scroll (see also picture below) as described in the biblical Book of Revelation.
On the next row below that Christ sits as judge. Next to him as co-judges are angels and apostles sitting on Moldavian benches. Starting from Christ’s feet a fiery, red vortex leads down into the depths of hell.
In the third row is a throne on which the Holy Spirit sits in the form of a dove. On both sides of it kneel Adam and Eve. On the left side (at God’s right hand) are the righteous, on the left, the unbeliever’s, who have been given the faces of Jewish, Turkish, Tartar and Armenian enemies.
Below in the centre a person is being weighed on the scales of justice (see also picture below), whose two ends are being weighted by the angels with good and by the devils with evil. If the scales tip towards evil, the person will be dispatched by angels and devils into hell’s mouth. If the scales tip towards good he goes with the other justified people into paradise (bottom row, far left) where the patriarchs Abraham, Isaac and Jacob hold their souls on their laps. On the far right the angels are blowing local wooden instruments (instead of metal trumpets) to give the signal of Judgement Day. The earth, the sea and the graves give back their dead.

 

 

 

Einige Details nochmals etwas größer.
Oben links hängt der Mensch nackt an der Gerichtswaage und Engel und Teufel füllen ihre Schalen mit seinen guten und schlechten Taten.
Auf dem Bild daneben spielt König David weltvergessen die Cobza, ein rumänisches Saiteninstrument. Wie bei allen Ikonen kommt sein Blick von weit her wie aus der Ewigkeit. Er ist Zeuge, wie zu seiner Rechten ein Engel die Seele eines guten Menschen rettend in die Hand nimmt.
Unten links bläst der Engel zur Auferstehung, und den Gräbern entsteigen die weiß verhüllten Körper der Toten. Selbst die Tiere spucken menschliche Teile aus (ganz links). Unten rechts erkennt man Engel, die am Ende der Zeit den Himmel, d.h. die Tierkreiszeichen wie einen großen Teppich einrollen.

Some of the details again, now larger.
Top left: a naked man is suspended on the scales of justice. The angels and devils put the weights on each side.
Top right: King David, lost in reverie, plays the Cobza, a Romanian string instrument. As in the icons his expression seems to comes from the distance of eternity. He is witness as an angel to his right grasps a righteous soul to save it as it comes out of the person’s mouth.
Below left: the angel blows the signal for resurrection and the white-clothed bodies of the dead rise up out of their graves. Even the beasts spit out the human remains they have devoured (far left).
Below right the angels can be seen rolling up the heavens shown as a scroll or carpet with the Signs of the Zodiac on it.

 

 

 

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Die Nordseite hat aufgrund der Wettereinflüsse am meisten gelitten. Auf ihr ist links der Akathistos-Hymnos abgebildet, das 24-strophige Lied zur Ehre Marias (siehe Humor). Ganz oben erkennt man auf dem weißen Untergrund des unschuldigen Anfangs Adam und Eva im Paradies. Der Hintergrund wechselt zu einem trüben Alltagsgrau, nachdem sie vertrieben wurden und mit Mühsal ihr Leben zu bestreiten hatten (besser zu erkennen in der Vergrößerung).

The north side has suffered most from the weather. On it the Akathist Hymn is portrayed with its 24 verses in honour of the Virgin Mary (see Humor). At top left, the innocent beginnings of Adam and Eve in paradise are symbolized by the white background. The background changes to the grey of daily life after they are driven out of the Garden of Eden and start a life of daily toil. (More clearly visible if the picture is expanded.)

 

 

 

Die östliche Apsis mit den Aposteln, Märtyrern und Heiligen, die sich anbetend der Muttergottes mit dem Jesuskind zuwenden. Eine Besonderheit der "Heiligen Hierarchien" in Voronet ist, dass auch die Philosophen des Altertums vertreten sind: Aristoteles, Platon, die römische Sibylle, Pythagoras, Sokrates u.a.

The eastern apse with the apostles, martyrs and saints, who are grouped around the Mother of God and the Christ child. A particular feature of the ‘Holy Hierarchy’ at Voronet is that the ancient philosophers are represented as well, Aristotle, Plato, the Roman Sibyl, Pythagoras, Socrates and others.

 

 

 

 

 

Am Ende unseres Besuchs suchen wir in einem Tal hinter dem Kloster die alte Einsiedelei des Mönchs Daniil Sihastru. Sie befinde sich hier nicht, wird uns von einem Einheimischen beschieden, doch dafür entdecken wir eine liebliche Landschaft - und eine weitere (neue) Kirche.

An diese Stelle wieder Dank an zwei guten Quellen, durch die wir die Klöster in der Bukowina und ihre Bilder (und vieles mehr) besser verstehen lernten:
Schätze der Welt’ und der Reiseführer ‘Rumänien entdecken’ von Birgitta Gabriela Hannover (Trescher Verlag).

At the end of our visit we drive up the valley beyond the monastery hoping to locate the old hermitage of the monk Daniil Sihastru. A local explains to us that it is not here, (but we don’t understand where it is), but instead we enjoy the charming countryside, here with a newly built church.

At this point we want again to thank two good German sources which help us to better understand the Bucovina monasteries and their paintings (and lots of other things):-
Schätze der Welt’ (‘Treasures of the World’) and the travel guide ‘Rumänien entdecken’ (‘Discover Romania’) by Birgitta Gabriela Hannover (Trescher Verlag).

 

 

 

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