All pictures Copyright
 E & BJ Capper Nagold 2006/2007

 

25.5.2006

Suceava

Benachteiligtes Weltkulturerbe?

Underprivileged World Heritage?

Im Nordosten Rumäniens, im ehemaligen Fürstentum Moldau, verbirgt sich ein weiteres berühmtes UNESCO-Weltkulturerbe. Tatsächlich besteht dieses Kulturerbe aus 7 einzelnen Klöstern und Kirchen, die wiederum eine erlesene Auswahl aus einer Vielzahl weiterer Kirchenbauten darstellen.
Sechs davon liegen mehr oder weniger "auf dem Lande": schön verteilt zwischen den reizvollen Hügeln der Bukowina ("Buchenland"). In den folgenden Tagen haben wir drei dieser sechs Kirchen besucht, siehe Humor, Voronet und Moldovita. (Zusätzlich haben wir auch das Kloster Sucevita besichtigt. Es ist ein weiterer Welterbe-Kandidat, der gern zum erlauchten Kreis der nominierten Moldau-Klöster dazugehören möchte.)
Die siebte, eine Krönungskirche, steht in der ehemaligen Hauptstadt der Moldau, in Suceava. Um sie zu entdecken, nähern wir uns an diesem grauen Tag der auf den ersten Anblick wenig aufheiternden Stadtanlage.

In the former principality of Moldavia, in north-eastern Romania, there are famous buildings which comprise an item on the list of the UNESCO World cultural heritage. These are 7 churches at 7 locations, chosen as outstanding examples of the many churches of Moldavia.
Six of them are more or less ‘in the country’, spread out in the charmingly hilly Bucovina (‘beech land’) countryside. In the following days we visited 3 of these 6. See Humor, Voronet and Moldovita. (In addition we visited the monastery at Sucevita, which is a UNESCO candidate for addition to the 7.)
The seventh, a coronation church, stands in the former Moldavian capital, Suceava. This church is what we are looking for on this grey day as we approach this - on first impression - not particularly uplifting town. 

 

 

 

In Siebenbürgen mögen die evangelischen Kirchenburgen (z.B in Cristian) vor sich hinbröckeln -, hier in der Moldau erleben die orthodoxen Kirchen eine unglaubliche Renaissance. An vielen Stellen, wie hier bei Suceava, werden neue Klöster und Kirchen hochgezogen.

In Transylvania we Protestant fortified churches (e.g. at Cristian) which are struggling to avoid crumbling away. But here in Moldavia the Orthodox Church is experiencing a remarkable renaissance. In many places, as here near Suceava, new churches and monasteries are being erected.    

 

 

 

Nachdem 1675 die Hauptstadt der Moldau nach Iasi verlegt wurde, erlitt Suceava einen wirtschaftlichen und kulturellen Bedeutungsverlust. Heute ist Suceava eine moderne Industriestadt (120000 Einwohner), die über einen Mangel an Betonburgen nicht zu klagen hat (re), aber dennoch ein reiches kulturelles Erbe aus ihrer Blütezeit im Mittelalter in die Gegenwart hinüber retten konnte.
Zwischen grauen Mietskasernen entdecken wir plötzlich die 1535 von Petru Rares, dem Sohn von Stefan dem Großen, erbaute "Biserica Sf. Dumitru" (li). Der massive Glockenturm im Vordergrund wurde 1560 hinzugefügt.

In 1675 Iasi was made capital city of the principality of Moldavia instead of Suceava, which then suffered a severe loss of economic prosperity and cultural significance. Today Suceava is a modern industrial city with 120000 inhabitants, which suffers no lack of concrete housing blocks (r), but which has been able to save some of its rich cultural heritage from the flourishing mediaeval times through into the present day.
Between grey housing blocks we get a glance at the "Biserica Sf. Dumitru" (l), built in 1535 by Petru Rares, son of Stephen the Great. The massive bell-tower in the foreground was added in 1560.   

 

 

 

Die älteste Kirche Suceavas und gleichzeitig Unesco-Weltkulturerbe ist dieses Gebäude, das wir abgelegen in einer kleinen Nebengasse entdecken. Wir haben anfangs Zweifel, ob diese recht neu aussehende Kirche das aus dem 14.Jh. stammende Welterbe sein kann. Der Name scheint zu stimmen, ein Unesco-Symbol finden wir allerdings nicht.

The oldest church in Suceava and the one which is on the UNESCO list is this building, which we discover hidden away down a small side street. At first we are doubtful if this relatively new-looking church really is the 14th century World Heritage church. The name seems to match, but we don’t find a UNESCO sign.

 

 

 

Der Eingang der Kirche. Dem Status der Kirche wenig angemessen erscheint die Tatsache, dass Risse in den wertvollen Fresken mit Klebeband überdeckt wurden.
Die Kirche stammt im Kern aus dem 14.Jh. Der Woiwodenfürst Petru I. Musat verlegte die Hauptstadt der Moldau von Siret nach Suceava und ließ hier bis 1388 einen Bischofssitz erbauen, eben diese "Biserica Sf. Gheorghe Mirauti", die später auch als Krönungskirche für die nachfolgenden Moldaufürsten benutzt wurde.

The main church entrance. It is surprising considering the high status of the church, to find that cracks in the valuable frescoes have simply been taped over with sticky tape.
The church originates from the 14th century. The Voivode (provincial governor) Petru I. Musat moved the Moldavian capital here from Siret and by 1388 had built a bishop’s seat here, the "Biserica Sf. Gheorghe Mirauti", (Church of St. George Mirauti), which later was used as coronation church for succeeding Moldavian princes.

 

 

 

 

 

Wir treten ein und finden die Kirche scheinbar verlassen vor. In Ruhe betrachten wir die wunderschönen, in ocker, braun und Goldtönen gehaltenen Wandmalereien.
Während der Herrschaft von Stefan dem Großen (1433-1504) wurde die Kirche zerstört, doch dieser errichtete auf ihren Ruinen einen neuen Bau und wurde so ihr zweiter Gründer. Die Säulen stammen aus dem 17. Jh. und ersetzen die ursprüngliche Trennwand zwischen dem Vorraum und dem Gemeindesaal.

We go in, find the church apparently deserted and study in peace the lovely frescoes, predominantly in ochre, golden and brown tones.
During the rule of Stephen the Great (1433-1504) the church was destroyed, but he rebuilt it on the same site and thus became its second founder. The pillars date from the 17th century and replaced the original separating wall between the narthex (anteroom) and the naos (main church room).

 

 

 

 

 

Vom Gemeindesaal (Naos) aus blicken wir auf die Ikonostase, hinter der sich der Altarraum verbirgt. Typisch für Kirchen im byzantinischen Stil ist die Kuppel im Dach über dem Naos, die ihrerseits auf vier steinernen Rundbögen ruht. Sie soll dem Raum Höhe geben.

Wir erschrecken leicht, als sich unerwartet hinter der Ikonostase etwas rührt. Ein müder junger Mann tritt aus dem Altarraum, wohl die Aufsichtsperson dieses Welterbes, und entschuldigt sich. Er sei im Begriff, Priester zu werden und habe gestern in Bukarest seine theologische Prüfung gemacht, sei dann die Nacht durchgefahren und heute auf seinem Wachposten einfach eingeschlafen.

From the naos (main church room) we look towards the iconostasis, the icon-covered screen separating naos and sanctuary. Typical for the Byzantine style is the cupola above the naos which in turn is supported by 4 rounded arches.   This gives impressive height to the room.

We are rather surprised by a sudden movement behind the iconostasis. A tired-looking young man, the caretaker of this world cultural heritage site, comes out of the sanctuary and apologizes. He is studying for the priesthood and took his theological exams in Bucharest the previous day. After driving throughout the night he had dozed off at his caretaker post.  

 

 

 

 

 

Auf diesem Panoramabild (3 Aufnahmen) erkennt man ein weiteres typisch byzantinisches Merkmal, das wir später auch bei den anderen Moldauklöstern vorfinden: drei wie die Blätter eines Kleeblatts angeordnete Apsiden (Dreikonchentypus). Die Apsis hinter der Ikonostase weist nach Osten, die beiden anderen nach Norden und Süden.

In this panorama picture (3 exposures) a further typical feature of Byzantine church architecture can be seen, which we also find later in the other Moldavian churches: the three semicircular apses towards east, south and north forming together a trefoil (clover leaf shape).

 

 

 

Die Ikonostase bildet die Trennlinie zwischen himmlischer und irdischer Welt. Durch die Tür in der Mitte, die sog. "Königstür", die in Erinnerung an die Vorhänge im jüdischen Tempel häufig aus Stoff besteht, darf nur der Priester oder Diakon eintreten. Der Aufbau der Bilderwand folgt festen Regeln. Die christlichen Wahrheiten sollen durch sie der Gemeinde vergegenwärtigt werden. Über der Tür sieht man eine Abbildung des letzten Abendmahls sowie links und rechts davon biblische Szenen, die eine Art gemalten Katechismus darstellen. Darüber thront Jesus, der Pantokrator und rechts und links von ihm befinden sich Johannes der Täufer, die Muttergottes und weitere Erzengel, Apostel und Heilige. Dieser wichtigste Teil der Ikonostase wird auch Deesis (=Fürbittengruppe) genannt.

The iconostasis (the icon-covered screen) signifies the division between the heavenly and the earthly world. Through the central ‘beautiful door’ or ‘royal door’ in the middle, covered with a cloth curtain reminding of the Jewish temple curtain, only the priest or deacon may enter. The layout of the iconostasis follows firm rules, which demonstrate Christian truths to the congregation. Above the door is a representation of the Last Supper and to left and right biblical scenes making up a sort of catechism. Above that, Christ is enthroned as Pantokrator, Ruler of All. To his right and left are John the Baptist, his mother Mary, and Archangels, Apostles and Saints. This most important part of the iconostasis is known as the Deisis, the Group of Suppliants.  

 

 

 

Auch im Innern zerschneiden tiefe Risse im Putz die Fresken von der Erschaffung Adams und Evas. Ob von der Unesco keine Gelder kämen, um diese Schäden zu beseitigen, fragen wir den jungen Priester. Er antwortet etwas verbittert, dass die anderen, bekannteren Moldauklöster die Gelder abschöpften.
Im Falle dieser Mirauti-Kirche habe es nicht einmal für ein Schild gereicht, um auf das Weltkulturerbe hinweisen zu können.

Inside the church as well fissures in the plaster of the frescoes have been roughly taped, here through the creation pictures of Adam (l. of centre) and of Eve (r. of centre). We ask the young priest whether the UNESCO helps financially the maintenance of the church. He says rather bitterly that the other better-known churches get the funds.
In the case of this Mirauti church the funds don’t seem to have been enough even to put a sign up showing the UNESCO world heritage status!

 

 

 

Ansicht der Kirche mit der Ost-Apsis. Die heutige Form beruht auf Restaurationsarbeiten vom Ende des 19. Jh. und einer weiteren Konsolidierung zwischen 1996 und 2000. Von der alten Außenwand-Bemalung sind nur noch Bruchstücke sichtbar.

A view of the church showing the apse at the eastern end. The appearance of the church today comes from restoration work done in the 19th century and from further consolidation work between 1996 and 2000. Of the original external frescoes only fragments are visible.

 

 

 

 

 

Die Rumänen sind nicht nur bezüglich der Restauration von Kirchen tüchtig, sondern auch bei der Wiederherstellung von Reifen aller Art, ein Prozess, der "Vulkanizare" genannt wird und in praktisch jedem kleinen Ort in der kleinsten Hütte stattfindet.
Noch bevor wir beim Parken vor der Merauti-Kirche entsetzt feststellen, dass wir selbst am Auto einen Plattfuß haben, knipsen wir diese Werkstatt und wundern uns, wie man in ihr Reifen wechselt oder flickt.

The Romanians are not only competent in restoring churches, but also in repairing all sorts of tyres. These repairs are offered by numerous small "Vulkanizare" service-stations, housed often just in small huts at the side of the road.
We took this photo on the way to Suceava and wonder what repairs can be done in such a small place.
Not long after, when parking car and caravan near the church in Suceava we are alarmed to see that our own car has a flat tyre.

 

 

 

Wir sollen es bald erfahren. Nach unserem Kirchenbesuch machen wir uns auf die Suche nach einer Reifenwerkstatt, was, wie gesagt, in Rumänien aufgrund gehobener Nachfrage nicht schwierig ist. Wir räumen in Erwartung eines Radwechsels unser Reserverad aus dem Kofferraum, doch die äußerst freundlichen Arbeiter wissen damit nichts anzufangen. Sie schnappen sich den defekten Reifen, begießen ihn mit einer Flüssigkeit und stopfen die entdeckten drei Löcher mit einem Gummipfropfen. Das ganze dauert wenige Minuten und kostet ca. 2,50 Euro. Wir sind begeistert und misstrauisch zugleich, doch der Reifen bleibt während unserer restlichen Reise dicht.

So now we find out how they do it. After visiting the church we go to find somewhere to get the tyre repaired and soon find one. Thinking the spare tyre will be mounted and the repaired tyre (or maybe a non-matching replacement tyre, if we have to buy one) will go into the boot as reserve, I start to clear out the car boot, but the very friendly mechanics don’t understand. They call their English speaker to do the job.
In no time at all he has the tyre off and has found the three holes. He assures us everything will soon be ok, and we watch as he quickly makes holes with a sort of awl and then uses it to push sticky plugs into each of the holes. The tyre is soon pumped up and on the car and we are astonished that the whole repair has only cost about 2.5 Euros. Will it last? At any rate we have no further problem with it for the whole trip at all and start to wonder whether repair costs and standards in Germany are not exaggerated! 

 

 

 

Seite inklusive Navigationsleiste / Page including navigation menu