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 E & BJ Capper Nagold 2007/08

 

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9.6.2007

Lofoten 1

Austvågøy, Gimsøy, Vestvågøy -
Kabelvåg & Henningsvær

Der nächste Tag beginnt so strahlend, wie der letzte geendet hat. Obwohl: Ein Ende hatte er eigentlich nicht. Als die Sonne noch weit über dem Horizont steht, beschließt sie mit einem nahtlosen Übergang, dass die Nacht jetzt vorbei und der Morgen angebrochen sei. Zwischen dem 28. Mai und dem 15. Juli blüht den Lofoten die Mitternachtssonne.

Die Bergkette der Lofoten, eines der ältesten Gebirge der Erde, ist lang (170km), aber schmal. Von drei Seiten wird sie vom Meer bedrängt, das sich an zahlreichen Stellen einen Weg durch die Berge brechen konnte und die Lofoten in ca. 80 Inseln zerstückelte. Das optisch reizvolle Ergebnis sieht man auf diesem Foto: Hinter fast jeder Straßenbiegung lauert eine weitere Traumbucht.

The next day starts with the same radiant weather as the evening before ended. Although, of course, it didn’t end. The sun just stayed up there and made the imperceptible transition from night to day and from one day to the next. Between May 28th and July 15th the Lofoten Islands have continuous daylight and midnight sun.

The Lofoten mountain chain, one of the oldest ranges of the earth, is long (170 km) but narrow. It is hemmed in by the sea which has broken through the mountains at numerous places and fragmented Lofoten into an archipelago of about 80 islands, often with mountain slopes falling steeply into the sea. The delightful result can be seen on this photo: at each curve of the road another beautiful bay comes into sight.   

 

 

 

Auf der Insel Austvagoy steht diese schöne Kirche, die größte Holzkirche Norwegens nördlich Trondheims. Ihr Vorgängerbau wurde Anfang des 12.Jh. von König Oystein als erste Kirche der Lofoten gegründet. Um sie herum ließ er die ersten Rorbuer, Fischerhütten, errichten. Der Ort hieß damals Vagan, heute trägt die Kommune noch diesen Namen. Nachdem Bergen den Trockenfischhandel an sich gerissen hatte und die Preise diktierte, kam es zum Niedergang der Ortschaft.

This fine church on the island of Austvagoy is the largest wooden church in Norway north of Trondheim. Its precursor was founded in the 12th C by King Oystein as the first church in Lofoten. Around it he had the first ‘Rorbuer’ built - seasonal fishing huts. The town was then called Vagan, which is now the name of the local authority area. After Bergen grasped control of the trade in dried fish and dictated the prices the town went into decline.

 

 

 

Reiche Kaufleute teilten im 19.Jh. den Ort Vagan unter sich auf und errichteten mehrere Handelsstützpunkte, den bedeutendsten in Kabelvag. Die schön restaurierten Holzhäuser des Ortes stammen aus dieser Zeit. Sehenswert sollen auch ein Fischereimuseum und das Lofot-Aquarium sein.

Wealthy merchants divided up the town of Vagan among themselves and set up several trading posts, the most important of which was Kabelvag. The nicely restored wooden houses in the town date form this period. Apparently both Fishery Museum and Lofot Aquarium are worth visiting.

 

 

 

Wie aufgereiht liegen die hübschen Häuser um die Einbuchtungen des Hafens. Dieser war bis zum Aufkommen der Dampfschifffahrt der bedeutendste Hafen der Lofoten.

The pretty buildings are lined up along and around the harbour’s inlets. Until the introduction of steamships this was the most important of the Lofoten ports.

 

 

 

Vorne am Pier öffnet sich der Hafen und gibt den Blick frei auf die vorgelagerten Inseln. Man muss sich vorstellen, dass im Mittelalter tausende Fischer mit ihren kleinen Booten das Hafenbecken bevölkerten. Es blühten Handel, Kneipen und Prostitution. Erst als die Boote größer wurden, verlor das flache Becken an Bedeutung.

At the end of the harbour front the view opens up to show the offshore islands. In the Middle Ages there would have been thousands of fishermen using the docks with their small boats. Trade, bars and prostitution flourished. With the increase in size of the boats the importance of the shallow docks diminished.

 

 

 

Ebenfalls auf der Insel Austvagoy, jedoch an ihrer südlichsten Spitze, liegt Henningsvaer, ein Ort mit ca. 540 Einwohnern. Da die Fischgründe hier praktisch vor der Haustüre liegen, entwickelte sich die Ortschaft im 19.Jh. zu einem der wichtigsten Fischerdörfer der Lofoten. Dicht gedrängt stehen die Häuser um den tief eingeschnittenen Hafen.
Fasziniert beobachten wir, wie sich in dieser Szenerie von bestechender Klarheit eine Wolkenwand wir eine dicke Wattedecke über die Hausdächer zu schieben versucht.

On the southernmost point of the island of Augstvagoy is the small town of Henningsvaer, (pop. 540). As the fishing grounds are on their doorstep the locality developed in the 19th C to be one of the most important fishing villages of Lofoten. The tightly packed houses crowd around the long harbour.
We are fascinated to see how in this clear weather a bank of clouds tries to roll itself over the roofs like a wadded blanket.

 

 

 

Im Schutz der weißgestrichenen Hauswände reckt sich der arktische Mohn der Sonne entgegen. Die Blüte links kann sich nicht mehr recken: Eine schläfrige arktische Hummel zieht sie mit ihrem Gewicht nach unten.

In the protection of a white wall the arctic poppies stretch up hungrily towards the sunshine. The flower on the left can’t stretch up; it is weighted down by a drowsy arctic bumblebee.

 

 

 

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Henningsvaer gilt als "Venedig des Nordens", ein nicht sehr passender Vergleich, denn die einzige Gemeinsamkeit scheint das Wasser zu sein. Oder doch noch etwas anderes: Beide Orte sind bei Touristen überaus beliebt. Im Sommer ergießen sich Touristenströme in den kleinen Ort, und der Hafen, der während der Fangsaison (Januar-April) voller Fischerboote ist, beherbergt nun Yachten.

Henningsvaer is referred to as the ‘Venice of the north’, which doesn’t seem very appropriate as the only common factor seems to be the water. But there is something else, both places are very popular with tourists. In the summer visitors stream into the little town and the harbour, full of fishing boats during the fishing season (Jan. - Apr.), is populated by yachts.

 

 

 

Die norwegischen Häuser werden traditionell mit Ochsenblutfarbe gestrichen. Diese Farbe enthält heute weder Blut, noch wie früher üblich Fischtran, sondern Eisenoxid. Sie haftet besonders gut auf rohen, unbehandelten Brettern und lässt das Holz atmen. Ein Anstrich soll 7-10 Jahre halten.

The Norwegian houses are traditionally painted with oxblood paint. Nowadays the paint contains neither blood nor fish oil, as previously, but iron oxide. It adheres particularly well on rough, untreated boards and lets the wood breathe. A coat lasts for between 7 and 10 years.

 

 

 

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Vom Ortseingang Henningsværs aus blicken wir zurück auf die Küstenstrasse, die von großen Trockenfischgestellen gesäumt wird.  Wir haben Glück, dass diese noch voller Fische sind; wenig später wird man sie abräumen.

Here we look out from the edge of the town back along the coastal road, which is lined with large fish drying frames. We are fortunate to see these still full of fish as soon the fish will be removed.

 

 

 

Das Auskommen der Lofoten-Bewohner gründet sich seit Jahrtausenden auf die reichen Fischgründe. Mit dem Fischbestand stieg und fiel der Wohlstand der Einwohner.
 Der an der kalten Luft getrocknete Fisch behält sämtliche Nährstoffe; er verliert nur Wasser und damit vier Fünftel seines Gewichts.

For thousands of years the livelihood of the Lofoten islanders has been based on the rich fishing grounds. The prosperity of the inhabitants rises and falls with the fish population.
The fish which are dried for months in the cold air retain all their nutrients; they just lose water and thus about four fifths of their weight. 

 

 

 

Die Dorsche, eine Untergruppe des Kabeljaus, ziehen im Januar von der Barentsee zu ihren Laichgründen im Vestfjord vor den Lofoten. Je nach Wassertemperatur schwimmen sie in 100-300m Tiefe. In den Monaten Januar bis April kommt es zum großen Zusammentreffen von Dorsch und Fischer, das traditionell sehr zu Ungunsten der Fische endet. Die Fischgründe sind heute stark überfischt und werden mit strengen Fangquoten geschützt.
Die Dorsche werden meist geköpft, ausgenommen, am Schwanz zu Paaren zusammengebunden und über die Holzstangen gehängt.

In January the codfish migrate from the Barents Sea to their mating grounds in the Vestfjord near the Lofoten Archipelago. Depending on water temperature they swim at between 100 and 300 metres deep. In the months January to April  the great confrontation between cod and fishermen takes place, which traditionally ends very disadvantageously for the fish. Today the fishing grounds are heavily overfished and are protected by strict fishing quotas.
The cod are usually beheaded, gutted and then hung over the wooden poles in pairs with their tails tied together.

 

 

 

Es ist der Golfstrom, die große Fernwärmeanlage der Lofoten, der diese Fischerei überhaupt ermöglicht, denn die Häfen bleiben im Winter eisfrei. Seit Jahrhunderten wird der Trockenfisch besonders in den südlichen, vorwiegend katholischen Ländern Europas geschätzt, da dort strenge Fastenzeiten galten. Auch heute noch kommen im Mai die Händler aus Mailand angereist, um die besten Stücke zu ergattern.
Henningsvaer liegt auf mehreren Schäreninseln verteilt vor der Südspitze Austvagoys. Die Brücke rechts im Bild verbindet den Ort hinter uns mit der Hauptinsel.

It is the Gulf Stream, the Lofoten’s enormous district heating system, which keeps the ports free of ice during the winter and thus makes this fishery at all possible. For centuries the dried cod have been particularly valued in the southern, predominantly Catholic countries of Europe, where there is a strong fasting tradition. Even today the dealers from Milan arrive in May to trade for the best of the crop.
Henningsvaer is spread out over several  of the small coastal islands off the southern coast of Austvagoy. The bridge on the right of the picture connects the town (behind us) with the main island.  

 

 

 

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Eine der zahlreichen malerischen Buchten Henningsvaers. Die Fischerhütten stehen an oder auf Stegen immer direkt am Wasser.

One of Henningvaer’s numerous scenic coves. The fishing huts are built on stakes near or directly over the water.

 

 

 

Die Silbermöwen scheinen hier keine Feinde zu haben und nisten recht zugänglich auf einem niederen Anbau mitten im Ort - eine Freude für jeden, der gern Vögel beobachtet. Das Küken kann die Fütterung des schön filetierten Fischs kaum erwarten.

The herring gulls seem to have few enemies here and nest in a very accessible place on a low roof in the middle of the locality - very convenient for those who enjoy bird-watching. The chick is much looking forward to its pre-filleted meal.

 

 

 

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Blick auf die Berge der nächsten größeren Insel, Vestvagoy, mit ihren Wattekappen; davor eine Anzahl kleiner Schäreninseln.

A view of the mountains on the next larger island, Vestvagoy, with their woolly cloud-caps; in between some of the numerous small coastal islands.

 

 

 

Die Wolkenbildung auf den Lofoten unterliegt einem besonderen Effekt: Wahrscheinlich bewirken die eisigen Temperaturen um die Gipfeln der noch schneebedeckten Berge, dass die Feuchtigkeit der Luft zu solch kompakten Wolkenbändern komprimiert. Scharf heben diese sich unter Bildung von Wirbeln und Wolken-Wasserfällen gegen den Himmel ab.

There seems to be a special process forming the Lofoten clouds and the moisture in the air appears to consolidate to especially dense clouds around the icy peaks of the snowy mountaintops. Building vortices and cloudy waterfalls they contrast sharply with the surrounding sky.

 

 

 

Die einzelnen Inseln der Lofoten werden mit diesen hochgewölbten Brücken verbunden (hier Brücke zwischen Austvagoy und Gimsoya), die das Erscheinungsbild der Inselkette heute fast so stark prägen wir die bizarren Bergformen und zahllosen Buchten. Es ist keine Nutzung einer Fähre mehr nötig, um die Lofoten zu durchfahren, eine große Erleichterung für den Tourismus, die nicht jedermann begrüßt. Seit dem 1.12.2007 ist zudem die "Lofast" eröffnet, eine durchgängige Strassenverbindung von Narvik über die E10 auf die Lofoten. Die so reizvolle (aber teure) Annäherung an die Inselkette (siehe voriges Kapitel") wird überflüssig.

The individual Lofoten islands are joined by high arched bridges like this one between Austvagoy and Gimsoya, and they influence the appearance of the chain of islands as much as the bizarre mountain shapes and the innumerable bays. Ferries are no longer necessary to drive around the main Lofoten islands, which is a great relief for tourism, but not welcome to all. Since 1.12.2007, (after our trip), the ‘Lofast’ has been opened, completing an unbroken road connection from Narvik via the E10 to Lofoten. The charming but expensive approach to the islands via ferry (see previous chapter) is no longer necessary.

 

 

 

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Eine Panoramaaufnahme von der Gimsoya-Brücke und der langgestreckten Westküste Austvagoys. Am äußersten Zipfel rechts liegt Henningsvaer.

A panorama view of the Gimsoya bridge and the elongated west coast of Austvagoy. Henningsvaer is at the far right-hand end.

 

 

 

Am Abend fahren wir zu einem der berühmten Nordstrände (Eggum), um uns ein "Nicht-Erlebnis" zu gönnen, nämlich das der nicht untergehenden Mitternachtssonne. Leider bezieht sich der Himmel zunehmend, doch wo die Sonne es noch durch die Wolken schafft, entstehen traumhafte Ansichten.

In the evening we drive to Eggum, one of the famous north-facing beaches, to treat ourselves to a ‘non-event’, i.e. to witness the sun not going down. Unfortunately the sky gets increasingly overcast, but where the sun does get a few rays through the cloud cover the views are beautiful.

 

 

 

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Die gleiche Stelle wie auf der vorherigen Aufnahme, diesmal mit einem breiteren Objektiv als Panoramabild aufgenommen.

A panorama picture taken from the same place as the previous picture, this time with a wider lens.

 

 

 

An den Küsten bei Eggum leben und nisten zahlreiche Möwen- und Entenarten. Besonders wohl fühlen sich die Eiderenten, die sich, von Möwenschreien alarmiert, aus dem Staub machen, als ich mich ihnen mit der Kamera nähere.

On the coast near Eggum many types of duck and gull nest. The eider ducks seemed to prosper here, until disturbed by the cries of the gulls warning them of Elli approach.

 

 

 

An anderer Stelle tritt John fast auf diese brütende Eiderente, die sich einen Nistplatz ausgerechnet auf einem aufgeschütteten Kai gesucht hatte. Sie verharrt in absoluter, tranceähnlicher Bewegungslosigkeit.
Die Beziehung Mensch/Eiderente hat eine jahrhundertealte Geschichte in Nordnorwegen. Um das familiäre Einkommen zu sichern, richteten Frauen seit ca. 1500 Jahren Nistplätze für Eiderenten (Eiderhäuser) aus und sorgten für deren Sicherheit während der Brutzeit. Am intensivsten geschah die auf dem knapp südlich des Polarkreises liegenden Vega-Archipel (seit 2004 Weltkulturerbe). Waren die Jungen geschlüpft und hatten die Enten die Inseln verlassen, sammelten die Frauen die Daunen ein, die die Enten zum Auspolstern der Nester benützt hatten. Daraus wurden hochwertige Bettdecken gemacht, die seit dem 9.Jh. nach ganz Europa verkauft wurden (Quelle: Wikipedia).

At another spot I almost tread on this brooding female eider duck, which has chosen to nest in the middle of a boat-slip leading down to the sea. She lies there immobile as if in a trance.
The relationship between man and eider duck has a long history in northern Norway. For about 1500 years women have secured income for the family by setting up nesting places for eider ducks and by ensuring their safety during the breeding season. This was done most intensively on the Vega Archipelago (World Cultural heritage since 2004). After the young are hatched and the ducks have left the island the women collect the fine down that the ducks have used to line their nests. High quality bed covers - hence the word ‘Eiderdown’ - were/are made from the down and have been sold in the whole of Europe since the 9th C. (Source: Wikipedia article in German).

 

 

 

Ein weiterer vergeblicher Versuch, von einem Nordstrand aus die Mitternachtssonne zu betrachten, endet spät in der Nacht mit dieser friedlichen Ansicht eines Nordhafens auf Austvagoy.

A further failed attempt to find a north-facing beach with a sky clear enough to observe the midnight sun ended late in the night with this peaceful picture of one of Austvagoy’s northern harbours.

 

 

 

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