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 E & BJ Capper Nagold 2008/2009

 

17.5.2008

Auschwitz & Birkenau

Konzentrations- und Vernichtungslager

Concentration and extermination camp

Auschwitz ist Weltkulkturerbe. Ein deutsches Kulturvermächtnis auf polnischem Boden. Ich bin schockiert, dass man diesen Ort in die eigentlich erlesene Sammlung von Welterbestätten einreiht. Was hat er zu schaffen mit Orten wie der Alhambra, dem Kölner Dom, mit Florenz? Mit den zahlreichen Stätten der Hochkultur, menschlichen Spitzenleistungen im geistigen und architektonischen Bereich? Ist er eine Spitzenleistung, die in die andere, die negative Richtung ausschlägt? Also gleichsam ein Weltunkulturerbe, ein Welterbe der Kulturlosigkeit? Zweifellos  zeigt Auschwitz in bisher unüberbotener Weise, wie weit menschliche Kultur, an ein fanatisches und verbrecherisches Regime gekettet, sich verirren, sich entmenschlichen kann

Ich will nicht nach Auschwitz. Ich habe so viel darüber gelesen, so viele Filme gesehen, dass ich mir vom Anblick der Mauern und Stacheldrähte keine tiefere Einsicht in die damaligen Geschehnisse erwarte. Vielleicht will ich auch nur die unangenehmen Gefühle von Scham, Schuld und tiefer Trauer meiden, die sich unweigerlich einstellen werden. John meint, man müsse sich dem stellen. Er hat gut reden, denke ich, er ist Brite, gehört zu den Befreiern, den Siegermächten. Pikant ist jedoch, dass er sich wenige Wochen zuvor - nach über 30-jährigem Aufenthalt in Deutschland - hat einbürgern lassen. Wenn er bereit dazu ist, diesem deutschen Erbe, das nun irgendwie auch seins geworden ist, ins hässliche Antlitz zu schauen, werde ich es auch tun.

Auschwitz is World Cultural Heritage. A German legacy on Polish territory. It is somehow shocking that a place like this is included in the exquisite collection of cultural heritage sites. What has it got to do with the Alhambra, Cologne Cathedral or with Florence, with the numerous sites of civilization and of the summits of human achievement in intellect and architecture? Is it a summit of human achievement in a negative direction, a World Uncultural Heritage site, a legacy of culturelessness? It is unparalleled in showing how and inhuman human culture can become when driven by a fanatic and dictatorial regime.

We are not enthusiastic about visiting Auschwitz. Can we really expect, when we actually see buildings and barbed-wire, to get deeper insights into what happened after seeing so many reports and documentaries? There is the acute unpleasantness and shame of it having been perpetrated by Germans. Elli is German and I have taken on German nationality only a short time  previously (in addition to British citizenship) after living for over 30 years in Germany. Have I taken on partial responsibility for this horrific German legacy? At any rate we decide to face the music and to make the visit.

Erklärungen (Englisch) / Legend

Im Eingangsbereich des Stammlagers Auschwitz I steht eine große Schautafel, die einen Überblick über das Konzentrationslager gibt, so wie es heute noch aussieht. Anders als im Lager II, Auschwitz-Birkenau, hatte die deutsche SS aufgrund des raschen Vorrückens der Roten Armee im Januar 1945 keine Zeit mehr, Spuren zu verwischen und Gebäude zu sprengen.
Als Besucher der heutigen Gedenkstätte begibt man sich zuerst ins Gebäude B, dem Informationszentrum, früher das Häftlingsaufnahmegebäude. Entlang der Wirtschaftsgebäude (5) folgen wir ungefähr dem empfohlenen Rundweg zum Eingangstor des eigentlichen Lagers (A). Hinter der Lagerküche (3) stoßen wir auf den Appellplatz mit dem Sammelgalgen (D), von wo aus wir uns zu den Gebäuden 10 und 11 begeben, die für medizinische Versuche und als Lagergefängnis dienten. Zwischen den beiden Häusern befindet sich die "Todeswand" (I). Danach durchqueren wir das gesamte Lager und gehen zum außerhalb des Lagers stehenden Krematorium mit der Gaskammer (G).

In the entrance area of the main camp Auschwitz I this large display board gives an overview of the camp as it is today. Here, in contrast to Auschwitz-Birkenau - camp II, the rapid advance of the Red Army in January 1945 prevented the German SS from covering their tracks and blowing up the buildings.
Visitors to the memorial site first enter the information centre in building B, earlier the reception area for prisoners. We take approximately the recommended route past the service building 5 to the entrance gate (A) of the camp itself. Behind the camp kitchens (3) we come to the parade area with the gallows (D), from which we go to the buildings 10 and 11. They were used for medical experiments and as camp prison. At the end between the two buildings is the execution wall (I). After that we walk though the whole camp and then to the crematorium and gas-chamber (G) just outside the camp.

 

 

 

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Wir stehen in etwa 100m vom Lagereingang (A) entfernt, als wir diese Aufnahme machen. Von ganz links bis rechts sieht man: Teile der Wirtschaftsgebäude (5 und 12) und die Baracke der SS-Wache mit dem Büro des Lagerführers (10), dem sich das Eingangstor (A) anschließt. In dem langgezogenen hellen Gebäude daneben befand sich die Lagerküche (3). Ganz rechts sieht man das Häftlingsaufnahmegebäude (B), das heutige Touristenzentrum.

For this panorama picture we are standing about 100m from the main camp entrance (A). From far left to far right: service buildings (5 and 12), the SS barracks and guardhouse with the camp administrator’s office (10) next to the entrance gate (A). In the long light-coloured building were the camp kitchens (3). On the right the prisoners’ reception building (B), today the tourist centre. 

 

 

 

Das Eingangstor zum Lager mit der an Zynismus nicht mehr zu überbietenden Aufschrift "Arbeit macht frei".
Durch dieses Tor zogen morgens die Sträflinge - unter Begleitmusik einer Häftlingskapelle - zu den Arbeitseinsätzen in den Fabriken und auf den Feldern. Abends kehrten sie zurück und schleppten die an diesem Tag vor Erschöpfung Gestorbenen oder von der SS Ermordeten mit sich. Die SS-Wachen in der Blockführerstube (li) zählten sie ab.

The main gate with the famous unbelievably cynical text over it ‘Arbeit macht frei’ (‘Work liberates’) which was also used at other concentration camps.
The prisoners marched through this gate every morning to the music of a prisoners’ band to their workplaces in factories and in the fields. In the evening they returned bringing with them those who had died of exhaustion during the day or been murdered by the SS. The SS guards in the camp administrator’s office (l) counted them in.

 

 

 

Vieles wirkt so, als sei alles erst gestern passiert, und zudem erschreckend deutsch. Dabei befinden wir uns tief im heutigen Polen.

Much of it looks as if it had just happened yesterday and looks shockingly and typically German, (‘Halt, show identity papers’), although today we are deep inside Polish territory.

 

 

 

Nach dem Überfall der Deutschen auf Polen 1939 suchen die Verantwortlichen den Platz für ein Konzentrationslager für polnische politische Häflinge. Bei Oswiecim (Auschwitz) entdeckt man ein ehemaliges polnisches Militärlager und erklärt es zum deutschen "Interessengebiet", insgesamt handelt es sich um 40 Quadratkilometer, aus denen die polnische Bevölkerung entfernt und deren Grenzen gesichert werden. Die meist einstöckigen Gebäude werden von Häftlingen aufgestockt (zu erkennen am Farbwechseln innerhalb der Backsteingebäude im oberen Bild), zusätzliche  Bauten werden errichtet und das Ganze wird mit einem doppelten elektrifizierten Stacheldrahtzaun umgeben.

After the German invasion of Poland in 1939 the authorities looked for a site for a concentration camp for Polish political prisoners. Near Oswiecim (Auschwitz) a former Polish military installation was found and declared to be a German ‘sphere of interest’. The Polish population was removed from the surrounding area of 40 km² and the perimeter of it was secured. The original mostly single-storied buildings were built up to two stories by prisoners. (In the picture above the colour difference can be seen on the right-hand building.) Additional buildings were constructed and the whole was surrounded by a double electrified barbed-wire fence.

 

 

 

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Das Lager wirkt, wenn man es durchschreitet, so verwirrend "normal", als könne es sich auch um die "Patch Barracks" der Amerikaner bei Böblingen handeln. Wie könnte es auch anders sein, da die Hauptakteure, Täter und Opfer, seit über 60 Jahren den Schauplatz verlassen haben?
Viele der Gebäude dienen nationalen Ausstellungen und sind häufig bestimmten Volksgruppen zugeordnet, z.B. der Vernichtung der Sinti und Roma, der Polen, der Juden aus verschiedenen Ländern und dem Martyrium der Juden als Ganzes. In dem Gebäude, das letzteres Thema behandelt (Nr.27), lesen wir uns ein in die immer konkreter werdenden Vernichtungspläne der deutschen Oberbefehlshaber. Ein von Himmler gezeichnetes Dokument beschreibt die nun beschlossene Vernichtung der französischen Juden und nennt als ersten Transport einen Termin 14 Tagen später von Nizza aus. Wie einfach und ohne große Widerstände der ansässigen Bevölkerung organisierbar erscheint der Abtransport der Juden aus fast jedem von den Deutschen okkupierten Land - sicher ein Zeichen für latenten Antisemitismus in weiten Teilen Europas.

When you walk thought the camp it seems confusingly ‘normal’, rather like one of the modern American army installations in the Stuttgart area near where we used to live. Of course the main actors in the tragedy here, both perpetrators and victims, left the stage over 60 years ago.
Many of the buildings are dedicated to national exhibitions or exhibitions relevant to a particular group, for example the extermination of Roma and Sinti, the Poles, Jews from various countries and the martyrdom of the Jews as a whole. In Building 27, which deals with the last mentioned topic, we read up on the steadily more concrete extermination plans of the German leaders. A document signed by Himmler confirms the decision to exterminate the French Jews and names a date 14 days later for the first transport from Nice. It is astonishing how easily transport of the Jews in almost all of the countries occupied by Germany could take place and how little resistance there was from the local populations - certainly an indication of latent anti-Semitism in much of Europe.

 

 

 

Das Grauen, die Menschenverachtung geben sich eher in Details zu erkennen wie hier in der Bezeichnung "Schonungsblock". Skrupellos wurden schon mal 250 Kranke ausgeliefert, um das Giftgas Zyklon B an ihnen zu testen.

The gruesome contempt for human dignity is sometimes particularly evident in details such as the text above the door here, “Prisoners’ hospital, protection block”.
This is where once for example 250 sick people were delivered to be the subject of tests of the poison gas Zyklon B.

 

 

 

Zwischen Gebäude 10 (li) und 11 (re) befindet sich die Todesmauer, an der tausende Gefangene ihr Leben ließen. In Gebäude 11 fanden im Minutentakt Verurteilungen statt; die Hinrichtung erfolgte meist sofort. Die Fenster von Gebäude 10 wurden verbrettert, um keine Unruhe unter beobachtenden Häftlingen aufkommen zu lassen.
In Haus 10 wurden zu Testzwecken hunderte jüdischer Frauen durch Einspritzung von Chemikalien zwangssterilisiert.
Im Keller des Gebäudes Nr. 11 testete man im dortigen Lagergefängnis an 850 Menschen im September 1941 zum ersten Mal Zyklon B, indem man es durch die Entlüftungsschächte schüttete. Ziel war, die Massenhinrichtungen  "humaner" zu gestalten - für die Täter.

At the end between the buildings 10 (l) and 11 (r) is the execution wall where thousand of prisoners lost their lives. In building 11 convictions took place every few minutes and normally execution followed immediately. The windows of building 10 were boarded over to avoid the disquiet of prisoners witnessing events.
In building 10 hundreds of Jewish women were forcibly sterilized by having chemical injected into them for test purposes.
In the camp prison in the cellar of building 11 Zyklon B was tested for the first time on 850 prisoners in September 1941 by tipping it down the air shafts. The object was to make the mass executions more ‘humane’ - for the executioners.

 

 

 

Zweireihige Stacheldrahtzäune unter Starkstrom, dahinter Wachtürme mit Lautsprechern, in Sichtschutzmauern integriert; rechts außerhalb des Lagers das Magazin für Zyklon B und das geraubte Vermögen der Häftlinge.

A double row of barbed-wire fencing under high voltage, behind that a watchtower with loudspeakers integrated into the visual protection walls; on the right outside the wall is the storage building for the stocks of Zyklon B and for the possessions confiscated from prisoners.

 

 

 

Wenige Schritte außerhalb des Lagers befindet sich das Krematorium mit der Gaskammer (G). Nach den erfolgreichen Massentötungen im Keller des Todesblocks wurde die Leichenhalle des Krematoriums zu einer Gaskammer umgebaut, in der sowjetische Häftlinge und Juden aus den Ghettos vergast wurden. In den Krematoriumsöfen wurden in den Jahren 1941-43 täglich 350 Menschen verbrannt.

A few steps outside the camp are the crematorium and the gas-chamber (G). After successful mass killings in the cellar of the death block the morgue of the crematorium was rebuilt into a gas-chamber in which Soviet prisoners and Jews from the ghettos were gassed. Between 1941 and 1943 350 people were cremated daily in the ovens of the crematorium.  

 

 

 

Der Eingang zu der Gaskammer und dem Krematorium.  Die jugendlichen Besucher zeigen Bestürzung oder Nachdenklichkeit, nachdem sie die recht eng wirkende Gaskammer und die Verbrennungsöfen besichtigt haben.
Das Gebäude wurde nach 1943 nicht mehr als Gaskammer benutzt, da die Nazis inzwischen vier riesige Anlagen mit einem Fassungsvermögen von jeweils 2000 Personen im neuen Lager Auschwitz II - Birkenau erichtet hatte, einem reinen Vernichtungslager.

The entrance to the reconstructed gas-chamber and crematorium. The youthful visitors look consternated or thoughtful after visiting the narrow confines of the gas-chamber and seeing the cremation ovens.
After 1943 the building was no longer used as a gas-chamber as the Nazis by then had built four new huge chambers holding 2000 people each in the new camp Auschwitz II - Birkenau, a camp purely for extermination.  

 

 

 

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Der direkte, verstörende Blick von außen auf das Lager.
Ca. 70000 Menschen fanden hier den Tod, hauptsächlich polnische Intellektuelle und sowjetische Kriegsgefangene.

Wir haben die Gebäude in Auschwitz I nur von außen gezeigt, da im Innern Fotografierverbot bestand. Die grausamsten Details wie der erschütternde riesige Berg von Arm- oder Beinprothesen, Berge von Brillen, Zahnbürsten, Rasierpinseln, Koffern und Töpfen - die jüdischen Betroffenen gingen ja von einer Umsiedlung aus - haben wir nicht geknipst. Jedem, der Auschwitz besichtigt, werden sich diese Dinge auch ohne Fotografien im Gehirn festbrennen.

The direct, disturbing view of the camp from outside the barbed-wire. (We are at the corner next to house number 22 on the plan above.)
About 70000 people were killed here, mostly Polish intellectuals and Soviet prisoners of war.

We have shown the buildings of Auschwitz I only from the outside as photography inside is forbidden. We have no pictures of the gruesome details such as the huge mountain of artificial arms and legs, mountains of glasses, toothbrushes, suitcases and pots - brought with them by the Jews as they were told they were being relocated. Even without photos these pictures will be burnt into the memory of anyone who visits Auschwitz.

 

 

 

Da die Lagerkapazitäten des Stammlagers Auschwitz I bald nicht mehr ausreichten, wurde 1941 in 3km Entfernung ein weiteres Lager geplant, das KZ Auschwitz-Birkenau. Häftlingen des Stammlagers mussten es als als reines Arbeits- und Vernichtungslager errichten.
Die Zuggleise wurden schließlich bis ins Lager selbst gelegt, so dass die Viehwaggonzüge mit Juden aus ganz Europa bis ins KZ zur sog. "Rampe" fahren konnten (Bereich zwischen den Gleisen hinter dem Tor). Dort wurde selektiert.
Die größten Krematorien des Lagers befanden sich nur wenige hundert Meter weiter, direkt hinter dem als Sichtschutz gedachten Birkenwäldchen. Sie wurden von der SS gegen Kriegsende gesprengt.

In 1941 the capacity of the initial camp Auschwitz I was insufficient and a further camp was planned 3km away, the concentration camp Auschwitz-Birkenau. It was built by the prisoners of the initial camp as a camp dedicated to work and extermination.
Rail-tracks were laid right into the camp so that the cattle wagons with Jews out of the whole of Europe could be delivered directly to the ramp (unloading area) in the concentration camp, (the area next to the tracks beyond the gate). There the infamous selection took place.
The camps largest crematoriums were only a few hundred metres further on, directly behind a small wood of birches planted to hide them from view. The crematoriums were blown up by the SS near the end of the war.

 

 

 

Erklärungen (Englisch) / Legend

 

Eine Schautafel hinter dem Eingangstor zeigt die verschiedenen Sektionen des Lagers. Der Buchstabe A kennzeichnet das Tor, C die Rampe, E die vier größten Krematorien mit Gaskammern, H den Teich, in den Menschenasche geschüttet wurde, B die verschiedenen Lager. Das Erweiterungsgebiet BIII ("Mexiko") befand sich am Ende des Krieges noch im Bau.
Durch Anklicken der "Erklärungen" sieht man weitere Details (leider nur auf Englisch).

This information board near the entrance shows the various sections of the camp. The letter A shows the gate, C the ramp, E the four largest crematoriums with gas-chambers, H the pond into which human ashes were tipped, B the various camps. The extension BIII (“Mexico”) was still being built at the end of the war.
Click on the text ‘Legend’ to see more details. 

 

 

 

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Wir befinden uns nun innerhalb des Lagers und blicken auf das Eingangsgebäude. Das 175 ha große Gelände war mit über 300 Baracken bebaut, von denen 45 gemauerte und 22 hölzerne die Zeit überdauert haben. Bis zu 100000 Menschen gleichzeitig wurden hier gefangengehalten. Bei den gemauerten Baracken rechts im Hintergrund handelt es sich um die Reste des Frauenlagers (BIa und BIb).

Now we are inside the camp itself looking back to the reception building (A). The 175 ha (430 acres) camp area contained over 300 barrack buildings, of which 45 brick-built ones and 22 wooden ones have survived. Up to 100000 people were kept prisoner here at once. The brick-built barracks in the background on the right are remains of the women’s camp (BIa and BIb).

 

 

 

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Von den hölzernen Baracken steht fast nur noch die erste Reihe, das sog. Quarantänelager (BIIa). Die Holzbaracken waren geringfügig veränderte Pferdeställe, die auf meist unbefestigtem Boden aufgestellt wurden.

Almost only the first row of the wooden barracks is still there, the so-called quarantine camp (BIIa). The wooden barracks were only lightly modified horse stables which were mostly erected without foundations. 

 

 

 

Das Innere einer Baracke (BIIa). Statt der 52 Pferde, für die sie konzipiert war, wurden bis zu tausend Menschen hineingepfercht. Die hygienischen Verhältnisse waren katastrophal, es fehlte Wasser, und es gab eine Riesenmenge Ratten.

Inside one of the barracks (BIIa). Instead of the 52 horses it was intended for up to 1000 people were squeezed into it. The hygienic conditions were catastrophic, water was lacking and there were huge numbers of rats. 

 

 

 

Ich begreife anfangs nicht, was ich hier sehe, denke zuerst an Kochstellen, bis John sagt, dass seien die Toiletten (BIIa). Wenn etwas für mich den menschenverachtenden und zutiefst herabwürdigenden Umgang der Nazis mit ihren Opfern symbolisiert hat, dann dieser Latrinenkomplex.

The first impression here is of rows of cooking places, until you realize that they are toilets placed in close proximity to each-other. (BIIa) This demonstrates again the Nazis offensively undignified and unworthy treatment of their ‘human material’.

 

 

 

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Jenseits des Elektrozauns, der auch die einzelnen Lagerbereiche voneinander trennt, ragen die toten Schornsteine der ehemaligen Baracken wie kariöse Zähne in die Höhe (BIIb und BIIc). Anscheinend wurden die Bretter der Holzwände nach dem Krieg entfernt, um mit ihnen das völlig zerstörte Warschau wiederaufzubauen.

Beyond the electric fence which separated the camp areas from each-other the dead chimneys of the former barrack buildings stand up like bad teeth. (BIIb and BIIc).The boards of the barracks were removed after the war to be used as building material in totally destroyed Warsaw.

 

 

 

Ab 1942 wurde die Vernichtung der Juden von den Nazis systematisch betrieben, ein Vorgang, der später die Bezeichnung Holocaust erhielt. Aus bis zu 2400 km Entfernung wurden Juden aus ganz Europa, aus Frankreich, Polen, der Slowakei und dem deutschen Reich hierher verschleppt. Mindestens 1,1 Millionen Juden wurden in Auschwitz getötet; die meisten wurden direkt nach der Ankunft an diesen Gleisen unter verharmlosenden Lügen zu den Gaskammern gebracht und dort getötet, über 8000 Personen konnten in den Gaskammern gleichzeitig vergast werden.
Die Arbeitsfähigen wurden noch an der Rampe ausselektiert. Um ihre Arbeitskraft noch besser ausnutzen zu können, wurde neben einer eigens errichteten Fabrik der IG-Farben ein weiteres KZ errichtet, das Lager Auschwitz III Monowitz. Die Ausbeutung und Vernichtung eines ganzen Volkes wurde hier perfektioniert.

From 1942 extermination of the Jews by the Nazis was carried out systematically. From distances of up to 2400km Jews out of the whole of Europe were transported here, from France, Poland, Slovakia and from the German Reich. At least 1.1 million Jews were killed in Auschwitz; on arrival most of them were calmed by lies and were taken directly from these railway tracks to the gas-chambers and killed there. Over 8000 people could be killed at one time in the six gas-chambers.
Those capable of work were selected out on the ramp. To exploit their work potential better, a further concentration camp, Auschwitz III Monowitz, was built directly next to the purpose-built IG-Farben (chemical industry) factory. The exploitation and extermination of a whole people was perfected here.

 

 

 

Als wir aus dem Lager treten, steht ein Regenbogen über dem Hinweisschild zum jüdischen Museum und der Synagoge, die sich im KZ Auschwitz I befinden.
Polen und die polnischen Juden haben unter Nazi-Deutschland unendlich gelitten. Von den ursprünglich 3 Millionen polnischen Juden - bei weitem die größte jüdische Bevölkerung in allen europäischen Ländern - lebten nach dem Krieg noch 300000, von denen viele auswanderten (zum Vergleich: Aus dem deutschen Reichsgebiet wurden 160000 Juden ermordet). In Polen gab es nach 1945 immer noch Antisemitismus. Weitere 3 Millionen Polen fanden im 2.Weltkrieg den Tod.

 

Nach unserem Auschwitz-Besuch frage ich John nach seinen Empfindungen, besonders da er erst vor kurzem die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hat. Er meint, einige Eindrücke seien nicht neu gewesen, da er zuvor bereits Dachau und Buchenwald besucht hat. Was ihn jedoch erschüttert habe, sei die Tatsache, dass die Nazis die Häftlinge (Juden, Polen und andere) nur als Rohmaterial betrachteten, aus dem sie skrupellos und mit der sprichwörtlichen deutschen Gründlichkeit den größtmöglichen Nutzen für sich selbst herauspressten.

Seiner Meinung nach stellte und stelle sich das heutige Deutschland mit bemerkenswerter Beständigkeit und gesunder Selbstkritik seiner jüngsten Geschichte. (Was manchmal in Kontrast zur halbherzigen Aufarbeitung anderer europäischer Länder bezüglich ihrer Verstrickungen stehe - die allerdings einen weniger schuldigen Hintergrund aufweisen). Diese Selbstkritik mache es für ihn viel annehmbarer, in Deutschland zu leben, trotz des Horrors und der Schuld aus seiner Vergangenheit.

When we come out of the camp there is a somehow symbolic rainbow directly over the sign to the Jewish Museum and Synagog at the Auschwitz I camp.
Poland and the Polish Jews suffered immeasurably under Nazi Germany. Out of the initially 3 million Polish Jews - this was by far the largest Jewish population in all of the European countries - only 300000 survived the war. Many of them emigrated - in Poland anti-Semetism was still rife after 1945. A further 3 million Poles died during the 2nd WW. For comparison: in the area of the German Reich the number of Jews murdered was 160000.

 

How does one feel after such a visit, especially as one who has recently taken German nationality? I had already visited concentration camps at Dachau and Buchenwald, so some impressions were not new. However, I was struck here by how the Nazis saw prisoners (Jews, Poles and others) just as raw-material from which optimum benefit for themselves was to be extracted without regard for the humanness of the material and how they pursued this aim with proverbial German thoroughness.

I believe that Germany today has faced and still faces up to its recent history with admirable consistency and healthy self-criticism. (Sometimes in contrast with half-heartedness in this respect in some other European countries - admittedly with a less guilty background.) That makes it much more acceptable for me to live in Germany despite the horror and guilt of its past.

 

 

 

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