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 E & BJ Capper Nagold 2008/2009

 

8.5.2008

Paczków/Patschkau
& Kłodzko/Glatz

Türme, eine Festung und mehr

Towers, a fortress and more

Auf der CMT Stuttgart wurde uns vom polnischen Touristikverband eine Broschüre in die Hand gedrückt mit dem Titel: "Polen - das muss man gesehen haben". Das hübsch bebilderte und systematisch aufgebaute Heft begleitet uns bei unserer Rundreise. Ihm haben wir die Empfehlung eines Besuchs des "polnischen Carcassonne" zu verdanken, das sich in der schlesischen Woiwodschaft Opole (Oppeln) befindet. Wir sind gespannt: Das originäre Carcassonne (Link) haben wir gesehen, mal schaun, wie die Kleinstadt Paczkow (Patschkau) dem Vergleich standhält.

At the CMT (Caravan, Motor and Tourism exhibition) in Stuttgart we found a good Polish tourist authority brochure (‘Poland - what you must have seen’) which has given us good input for our trip. One of its recommended places is what it calls the ‘Polish Carcassonne’ in the Voivodeship (administrative area) of Opole. Having visited the original Carcassonne in France, we are interested to see how the little town of Paczkow matches up to the comparison.

So viel steht fest: Auch Paczkow umgibt ein fast kompletter Mauerring aus dem 14.Jh., der allerdings wesentlich zierlicher ausfällt als der französische. 19 Türme und drei Stadttore unterbrechen seinen Lauf, und wenn man durch eines der Tore eintritt, steht man bald auf dem beeindruckenden Marktplatz. Doch der Stil dieses Städtchens ist so vollkommen anders, dass wir bald aufhören mit dem Vergleichen. Paczkow ist keine Museumsstadt, sondern ein lebendiges Städtchen mit einer unruhigen Vergangenheit.
Den großzügigen Marktplatz (Rynek) begrenzen schöne, aber teilweise noch renovierungsbedürftige Bürgerhäuser. In Zentrum befindet sich das auffällige weiße Rathaus, dessen Renaissanceturm 1550 erbaut wurde (links im Bild). Ganz rechts entdeckt man das Wahrzeichen der Stadt, die wuchtige St.Johanneskirche.

Paczkow’s almost complete town wall dating back to the 14th C is not as mighty as the French one, but it also has numerous towers (19) and city portals (3). When you enter through one you soon reach the impressive market square. But the style of this small town is completely different and we soon stop comparing. Paczkow is not a museum town but is a bustling place with a turbulent past.
Around the generously proportioned market place (Rynek) are some fine mansions, some of which are still in need of renovation. In the middle is the striking white town hall with its Renaissance tower built in 1550 (left in picture). On the far right the town’s landmark, the bulky St. John’s Church, can be seen in the background.

 

 

 

Die ungewöhnliche Kirche zieht uns an, doch leider stehen wir vor verschlossenen Türen. 1388 geweiht, wurde das Gebäude 1529 mit Wehrgängen und den charakteristischen Dachzinnen ausgestattet. Der Hussitenkrieg und der Dreißigjährige Krieg hatten der Stadt zuvor schwer zugesetzt. Im Innern des Gotteshauses soll sich ein Brunnen befinden, der die belagerte Bevölkerung mehr als einmal gerettet hat.
Über dem Portal sind die Worte eingraviert, dass dieses Tor 1577 erweitert wurde (re).

We are drawn towards the unusual church but unfortunately the doors are shut. The building was consecrated in 1388 and in 1529 the battlements and characteristic turrets were added. Prior to that the town had suffered badly during the Hussite wars and the Thirty Years’ War. Inside the church there is a well which helped the population to survive during several sieges.
The engraved text above the portal (re) states that it was enlarged in 1577.

 

 

 

Der Durchmesser der Altstadt ist nicht groß; schnell befindet man sich wieder außerhalb der Mauern. Dort zieht sich ein breiter grüner Gürtel um die Stadt, der auch den alten, verwilderten Friedhof mit den Resten der Friedhofskapelle beherbergt (li).
Unter hohen Bäumen kann man dem Verlauf der Stadtmauer folgen und stößt dabei immer wieder auf alte Türme (re).

The diameter of the old town is not large and we are soon outside the walls again. There is a broad green belt around the town and in it we find an old, partially overgrown cemetery with the remains of a cemetery chapel (l).
A path under high trees leads around the town wall and frequently past the old towers (r).

 

 

 

Über uns kreischen unzählige Saatkrähen, die wir später vom Turm aus inmitten eines Gewirrs von Nestern  näher betrachten können (li).

Above our heads numerous rooks are nesting (r) and screeching loudly. Later from the top of a tower we get an eye-to-eye view of them (l).

 

 

 

Früher sollen so viele Dohlen auf dem Dach der St.Johanneskirche genistet haben, dass man nicht wusste, ob es mehr solcher Vögel oder mehr Menschen in der Stadt gab. Alle zusammen nannte man "Patschkauer Dohlen".

 "Patschkauer Dohle" nennt sich heute die Heimatzeitschrift des schlesischen Heimnatvereins mit Sitz im Emsland.

Hier sieht man eine Dohle in fortgeschrittenem Alter, was man an der zunehmend grauer gefärbten Halskrause erkennen kann.

In earlier times there were so many jackdaws nesting on the roof of St. John’s Church that they didn’t know if there were more of the birds or of people in the town. Both of them together were nicknamed the ‘Paczkow Jackdaws’.

That is used as the name ("Patschkauer Dohle") of the magazine of the German-speaking  Silesian expatriate association.

The greying neck of the jackdaw in the picture shows that it is a rather older bird. (Picture taken in  Klodzko - see below.

 

 

 

 

 

Ein Stückchen weiter die Mauer entlang stoßen wir auf eines der drei ehemaligen Stadttore, das "Breslauer Tor". Der Turm kann bestiegen werden, wenn man sich beim gegenüber liegenden Kiosk einen Schlüssel besorgt, was wir sofort tun.

Wir schauen vom Innern der Stadt durch das Tor aus der Altstadt heraus. Trotz Grüngürtels sind die neuen Stadtgebiete Paczkows (ca. 8300 Einwohner) dicht an die Mauern herangewachsen.

Rather further along the wall we reach one of the original three town gates, the Wroclawer Gate. You can climb up the tower if you ask for the key at the nearby kiosk across the street just outside the wall, so we do.

 This is the view of the tower from inside the walls. Despite the green belt newer building come up fairly close  to the wall and to the old town.

The town has a population af about 8300.

 

 

 

 

 

Vom Turm des Breslauer Tors aus blicken wir über die Dächer der Stadt. Im Hintergrund erheben sich die Reichensteiner Berge, ein beliebtes Wanderziel, davor sieht man links den mächtigen Turm der St. Johanneskirche und rechts die Turmspitze des Rathauses emporragen. Der niedrigere Torturm in der Mitte kennzeichnet bereits das gegenüberliegende Ende der Altstadt.

Auch innerhalb der Stadtmauern entdecken wir viele neue Häuser. Die Stadt wurde am Ende des zweiten Weltkriegs von der russischen Armee bombardiert, doch es ist anzunehmen, dass viel alte Bausubstanz erst nach der Vertreibung der fast ausschließlich deutschen Bevölkerung zugrunde ging. Die ihrerseits heimatvertriebenen Polen, die man anschließend hier ansiedelte, hatten keinen direkten Bezug zur historischen Altstadt und wenig Mittel, um die alten Gemäuer zu erhalten. 1974 begann man jedoch damit, die alte Bausubstanz zu restaurieren.

From the Wroclawer Gate tower we look out across the roofs of the old town. In the background are the Golden Mountains (Polish Góry Złlote) on the border between Poland and the Czech Republic, which is a popular hiking area. On the left is the mighty tower of St. John’s Church and to the right of centre the pointed tower of the town hall. The lower gate tower in the middle marks the far end of the old town.

Inside the town wall we see quite a few newer buildings as well. At the end of the 2nd WW the town was bombarded by the Russian army, but it is probable that much of the basic structure of the buildings fell into decay after the expulsion of the almost completely German population. The Poles who in turn had been expelled from their home areas and then resettled here had no direct connection to the historic old town and very little means for the upkeep of the old buildings. Nevertheless in 1974 the renovation of the old buildings was started.

 

 

 

Das Umland von Paczkow ist fruchtbar und dementsprechend ländlich geprägt. Rechts neben den modernen Wohnhäusern am linken Bildrand erkennt man als feine Linie die alte Stadtmauer. Außerhalb dieser Mauern wurde 1902 die evangelische Kirche erbaut, deren Turmspitze jenseits des grünen Gürtels in den Himmel ragt.
 

The agricultural area surrounding Paczkow is visibly fertile. On the right at the edge of the picture the town wall can just be seen as a fine line. The tower of the Protestant church built in 1902 outside the wall and beyond the green belt dominates its surroundings.

 

 

 

Der idyllische Mauerkranz ist eingefasst mit einer im 19.Jh. auf den ehemaligen Wallgräben angelegten Promenade. Die Umrundung der 1200m langen Stadtmauer stellt einen schönen Spaziergang unter schattenspendenden Bäumen dar.

The idyllic ring of the wall is surrounded by a promenade which was built  in the 19th C on the previous defensive ditch or moat. It is a pleasant walk of 1200m right around the town walls, here under pleasantly shady trees.

 

 

 

Am gegenüberliegenden Tor angekommen, wirbt ein Cafe namens Carcassonne mit dem berühmten Vergleich. Soldaten, die nach dem 2. Weltkrieg aus Frankreich zurückkamen, haben der Stadt diesen Namen verpasst. Man kennt Patschkau aber schon länger unter der Bezeichnung "Schlesisches Rothenburg".

In Deutschland übernimmt seit 1954 die Stadt Einbeck die Patenschaft für die vertriebenen Patschkauer. Seit der Wende besuchten ehemalige Patschkauer bereits mehrmals das heutige Paczkow. 2004 feierten Deutsche und Polen hier gemeinsam den 750. Jahrestag der Stadtgründung.

Now we have reached the tower on the side of the town opposite to the Wroclawer Gate tower. A cafe named ‘Carcassonne’ advertises using the comparison with the famous town. Soldiers returning from France to the town after the 2nd WW gave it this name, but it has also been known for a long time as ‘Silesian Rothenburg’, another rather flattering comparison to the beautiful historical city of Rothenburg ob der Tauber in South Germany. 

The town of Einbeck in Germany has taken on the sponsorship of the people displaced from Paczkow, many of whom have visited Paczkow since the fall of the Iron Curtain. In 2004 Germans and Poles celebrated the 750th anniversary of the founding of the town here together.

 

 

 

Bevor wir uns zur nächsten Stadt aufmachen, folgen ein paar Bilder der hiesigen Vogelwelt. In den hohen Laubbäumen rings um unseren Campingplatz (siehe letztes Kapitel) entdeckt John graue wuschelige Federknäuel, die ihrerseits auf John aufmerksam werden und nacheinander den tief vergrabenen Kopf aus den Federn herausziehen. Sicherlich können die Vögel ihn besser erkennen  als er oder die Kamera sie.
Wir meinen, dass es sich um zwei junge Waldohreulen handelt, die schon nach wenigen Wochen, noch  bevor sie fliegen können, das Nest verlassen und sich auf benachtbarten Ästen herumtreiben (sog. "Ästlinge"). Stürzen sie vom Baum, klettern sie geschickt mit Hilfe von Schnabel und Klauen am Baumstamm wieder hinauf.

Before describing the next town here are a couple of pictures of birds I spotted at our camping site (shown in the previous chapter). These two woolly balls were asleep near the top of a young beech tree but started to take notice of me when I approached. The one on the left was awake quicker.
We think they must be young Long Eared Owls. They leave their nests when only a few weeks old before they can fly and ‘hang out’ on nearby small branches. If they fall down they clamber agilely up the trunk again using beak and claws. 

 

 

 

Ich bin begeistert, als John von seiner morgendlichen Vogelpirsch ein paar schöne Bilder eines Pirols mitbringt. Der Vogel, in Deutschland nach seinem Ruf auch "Bülow-Vogel" genannt (was Victor von Bülow dazu veranlasste, als Künstlername den französischen Namen des Pirols, "Loriot", anzunehmen), lebt ebenfalls in den Kronen hoher Laubbäume, jedenfalls im Sommer. Wahrscheinlich steckt ihm noch der weite Flug von seinem Überwinterungsgebiet im östlichen Afrika in den leichten Knochen. Während John ihn knipst, schließt er mehrfach die müden Augen. Doch allzu viel Zeit hat er nicht zum Erholen, die Nistverpflichtungen warten, und Ende Juli beginnt bereits wieder der Wegzug.

I was very pleased to get close enough for this picture of one of the beautiful Golden Orioles that were frequently flying around and giving their melodious call among the high deciduous trees near the camping site.
The Oriole rested here for quite a while, maybe to recover from arduous nesting and feeding duties. The time to bring up the young birds is not long, as by the end of July the migratory trip back to winter quarters in East Africa starts.

 

 

 

Doch wir wollen heute noch eine weitere interessante Stadt besuchen, die dem reizvollen Glatzer Kessel, einem von zahlreichen Höhenzügen eingerahmten Gebiet, den Namen gab: nämlich Klodzko oder auf deutsch Glatz. Die schöne Lage und die wertvollen Baudenkmäler machen die 1000-jährige Stadt zum viel besuchten Ziel in- und ausländischer Touristen.
Die Stadt, die sich einen Hügel hinaufzieht, der wiederum von einer mächtigen Festung gekrönt wird, wird von der Glatzer Neisse umflossen. Der Fluss bildet unterhalb der Stadt eine Insel, und auf dieser befindet sich das auf dem Bild zu sehende ehemalige Minoriten- und Franziskanerkloster aus dem 13. Jh., das später erneuert und im 17. und 18.Jh. barockisiert wurde.

Today we want to visit a second interesting town, Klodzko. The town gives it name to the surrounding charming Klodsko valley, which is surrounded by several higher chains of mountain. The town’s previous German name is Glatz. The attractive surroundings and the cultural wealth of the buildings make the 1000-year-old town a popular centre for both Polish and international tourists.
The town is built on the banks of the Nysa Klodzko River which has flooded the town frequently in history. It spreads up the slope of a hill crowned by a mighty fortress. The river forms an island on which this former Conventual Franciscan monastery stands, It was built in the 13th C and was changed in style to Baroque in the 17th and 18th Cs.

 

 

 

Direkt hinter der Minoritenkirche überspannt eine gotische Brücke, die sog. "Brücktorbrücke", den Mühlgraben vor der Altstadt. Sie wurde zwischen 1281 und 1390 nach dem Vorbild der berühmten Prager Karlsbrücke erbaut und wird auch "Kleine Karlsbrücke" genannt. In der Barockzeit wurde sie wie ihr bekanntes Vorbild mit steinernen Skulpturen geschmückt (re). Hinter der Brücke erheben sich die prächtigen Fassaden der Bürgerhäuser.

Directly behind the Conventual Franciscan church a Gothic bridge leads across the old mill stream ditch into the old town. It was built between 1281 and 1390 modelled on the famous Charles Bridge in Prag and is also referred to as the ‘miniature Charles Bridge’. In the Baroque period it was decorated with stone statues (r) like its famous archetype. Beyond the bridge are the impressive facades of town mansions in the old town. 

 

 

 

Der Blick zurück auf die schöne Brücke und die Minoritenkirche.

The view back across the fine bridge to the Conventual Franciscan church.

 

 

 

Wenige Meter weiter stehen wir auf dem weitläufigen, leicht ansteigenden Marktplatz, der von barocken und klassizistischen Bürgerhäusern gesäumt wird. In der Mitte befindet sich das neogotische Rathaus mit beeindruckendem Turm.
Wie in Paczkow ging auch in Glatz viel historische Bausubstanz erst nach dem 2.Weltkrieg durch Vernachlässigung zugrunde, so z.B. die gesamte nördliche Häuserzeile am Rynek, die schließlich durch moderne Häuser ersetzt wurde (linker Bildrand).

Not much farther on by foot is the spreading, sloped market place (Rynek), which is bordered by Baroque and Classicist mansions houses. In the centre is the neo-Gothic town-hall with an impressive tower.
As in Paczkow much of the basic fabric of the buildings suffered badly from neglect after the end of the 2nd WW, as for example the whole row of houses on the north side of the Rynek, which finally were replaced by modern buildings (on the left edge of the picture).

 

 

 

Während sich Glatz aufgrund seiner strategisch geschickten Lage und seiner Festung über die Jahrhunderte gegen Eindringlinge wie die Hussiten oder Napoleons Truppen gut verteidigen konnte, erlebte es während des Dreißigjährigen Kriegs enorme Verwüstungen. Zu den Zerstörungen kamen mehrere Pestepidemien hinzu, so dass sich die Bevölkerung gegen Ende des 17. Jh. dezimiert hatte. An diese schwere Zeit erinnert die 1682 errichtete Mariensäule neben dem Rathaus.

Because of its strategically suitable position and its fortress Klodzko was able to defend itself well over the centuries against intruders such as the Hussites or Napoleon’s troops. However it suffered badly during the Thirty Years’ War. As well as waves of destruction there were several epidemics of plague with a result that by the end of the 17th C the population had been decimated.

The Mary Column was set up in the market place in 1682 in thanks for deliverance from the plague.

 

 

 

 

 

Der Säule zu Füßen spielen drei Mädchen den anscheinend unausrottbaren Gummitwist. Sie benützen eine mir unbekannte Variante, bei der der Gummi bis unter die Achseln der Spielerin hochgezogen wird. Da sie bemerken, dass sie beobachtet werden, geben sie ihr Bestes.

Near the base of the column some young girls are playing a hopping game something like French Skipping with a long elastic band. (Not a version of the game that Elli knew.) They concentrate hard to do their best as they have noticed that they are being photographed.

 

 

 

Hinter dem Marktplatz erhebt sich der Burgberg, dem Friedrich II. eine wahrhaft kolossale Festung überstülpte. Nachdem er die Stadt im Zuge des Ersten Schlesischen Krieges den Habsburgern abgeknöpft und Preußen einverleibt hatte, riss er die viele hundert Jahre alte Burg ab und ersetzte sie mit dieser Festung.

Behind the market place the ground rises up to the castle hill, on which Frederick the Great of Prussia built a colossal fortress. After he had taken the town from the Habsburgs and incorporated it into Prussia during the First Silesian War, he tore down the previous centuries old castle and replaced it with this fortification.

 

 

 

Während wir den befestigten Burgberg erklimmen, blicken wir allmählich auf die neu erbauten Häuser am oberen Rand des Marktplatzes und auf den Rathausturm hinab.

As we climb up to the fortified castle hill we are soon looking downwards to the newly built houses and to the town hall tower.

 

 

 

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Nach einem schweißtreibenden Aufstieg durch die komplett erhaltene Festung liegt uns die Stadt zu Füßen. Den Marktplatz kennzeichnet der aufstrebende Rathausturm links der Mitte, hinter dem man die zwei Türme der Minoritenkirche erkennen kann. Der alte gotische Kirchenbau rechts mit den zwei unterschiedlich hohen Türmen wurde 1344 errichtet. Ihn wollen wir noch besuchen. Gut zu erkennen ist die reizvolle Hügel- und Berglandschaft der Sudeten, die den Glatzer Kessel in der Ferne fast wie ein Ring umgibt.

After an energetic walk up through the well-preserved fortress the town lies spread out below us. The high tower of the town hall left of centre marks the Rynek, beyond that can be seen the double tower of the Conventual Franciscan church. The old Gothic church building on the right with two towers of different heights was built in 1344. That we plan to visit later. In the distance there is a fine view away to the hills and mountains of the Sudetes ringing the Klodzko valley.

 

 

 

Im Innern der Festung befindet sich ein Museum, das die Wandlungen der verschiedenen Burganlagen über die Jahrhunderte aufzeigt. Auf dieser Zeichnung erkennt man die gewaltigen Ausmaße der preußischen Festung. Nicht zu sehen sind die endlosen Tunnel unter ihr, die eine Verbindung bis zur Stadtmitte herstellen. Wenn man die Zeit dazu hat, kann man Klodzko auch unterirdisch erforschen.

In the museum inside the fortress there are (among other things) displays showing the transformation of the various fortifications over the centuries. This drawing shows the enormous extent of the Prussian fortress. Not on this drawing is the extensive tunnel system beneath it, which even connects it with the town centre. Given enough time one can also explore Klodzko underground.

 

 

 

Man mag sich in diesen Hallen die 3000 Mann Besatzung vorstellen, die zu Zeiten Friedrichs II. interniert waren. Oder die Scharen von politischen Häftlingen, die nach Aufhebung der Festung 1877 hier inhaftiert wurden, unter ihnen Karl Liebknecht. Heute dient das Bauwerk allein touristischen Zwecken.

In the corridors and cellar rooms one can imagine the 3000 soldier garrison stationed here in Frederick the Great’s  time. Or the hordes of political prisoners who were held here after the fortress retired from military service in 1877. Nowadays the building is dedicated to tourists.

 

 

 

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Im höchsten von uns erreichbaren Teil umschließen flache Gebäude einen riesigen Innenhof. Alles wirkt wie seit langem verlassen, bröckelt vor sich hin. Die Gravur "Bäckerei" über einer der Türen erinnert an die deutschen Erbauer.

At the highest point that we were able to reach low buildings surround a large inner court. It looks as if it has been deserted and crumbling for a long time. The sign ‘Bäckerei’ (bakery) above one of the doors witnesses to its German predecessors.

 

 

 

Beim Abstieg werfen wir einen Blick zurück auf dieses unbezwungene Bauwerk, das wie ein vieleckiger, übergestülpter Klotz das mittelalterliche Stadtbild beherrscht. Wohlmeinender könnte man sagen, Stadt und Festung bilden einen interessanten Kontrast oder führen einen spannenden Dialog.

While descending we look back at the fortress which was never conquered. Its massive polygons intrusively dominate the mediaeval townscape. More well-meaningly one could say that town and fortress make an interesting contrast or carry on a suspenseful dialogue.

 

 

 

Wir steigen in die Altstadt hinab, diesmal Richtung Basilika. Enge, mit hohen Häusern bebaute Gassen führen uns zur gotischen Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt.

We walk downwards into the old town, this time in the direction of the basilica. Narrow streets bordered by high houses lead us to the Gothic Parish Church of the Assumption of St. Mary.

 

 

 

 

 

Wie erstaunt sind wir, als wir eintreten! Die 1344 errichtete Kirche wurde 1430 vom berühmten Prager Baumeister Peter Parler (siehe Wenzelsdom in Prag oder St. Barbara in Kutna Hora) umgestaltet und im 17. Jh. von italienischen Künstlern aufwändig barockisiert.
Die Reformation, die im 16. Jh. das ganze Glatzer Land erfasst hatte, wurde gegen Ende des Jahrhunderts von den Jesuiten zurückgedrängt, zum Teil wurde die Bevölkerung gewaltsam rekatholisiert. Das Aufkommen des Barock unterstützte dieses Ansinnen, da mit einer Überwältigung der Augen und Sinne der rechte Glaube gestärkt werden sollte. Diesen Gedanken nahmen die Glatzer Einwohner erst nach langem Zögern auf.

We are astounded when we enter. The church was built in 1344 and remodelled in 1430 by the architect Peter Parla of Prague (see also St.Veits in Prague or St.Barbara in Kutna Hora) and in the 17th C it was sumptuously changed into the Baroque style.
The reformation which had been taken over by the whole of the area around Klodzko in the 16th C was rolled back by the Jesuits at the end of the century. Some of the population were forcibly reconverted to Catholicism. The rise of Baroque supported this aim, as the overwhelming effect on eyes and senses was intended to strengthen the true faith. Apparently the population of Klodzko took a lot of time to accept this way of thinking.

 

 

 

Das Glatzer Land wurde zum "Marienland".
Im prächtigen Hochaltar, der vom Innsbrucker Künstler Christoph Tausch geschaffen wurde, steht die gotische "Glatzer Gnadenmadonna" aus Zedernholz von 1350 (Bildmitte oben). An anderer Stelle in der Basilika befindet sich die ebenfalls berühmte "Madonna mit dem Spatz", von der wir zur Zeit unseres Besuchs noch nichts wussten.

The area around Klodzko became ‘Mary territory’.
 In the magnificent high altar, built by the artist Christoph Tausch of Innsbruck, is the cedar wood Miraculous Madonna of Klodzko, dated 1350 (top centre of l.h. picture). Somewhere else in the church is a famous ‘Madonna with sparrow’ which we unfortunately didn’t know about when we visited.

 

 

 

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Um die gewaltige Wirkung dieser Kirche besser zu erfassen, versucht sich John an einem "Altar-Decke-Empore-Panorama".

To give a better idea of the impressiveness of this church here is an overhead altar-roof-gallery panorama picture.

The priest of the church waited patiently while I took pictures. Afterwards I realized he wanted to lock up the church.

 

 

 

Wie seit Jahrtausenden, ungerührt vom unruhigen Zeitenlauf in dieser beachtenswerten Stadt, zieht im milden Abendlicht eine Schar Wildgänse oder -enten ihre Bahn.

As for thousands of years and unmoved by the unsettled history of this remarkable town a flock of wild geese or ducks flies past in the mild evening light.

 

 

 

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