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 E & BJ Capper Nagold 2008/2009

 

9. - 10.6.2008

Entlang der
Ostsee 2

Along the
 Baltic Sea 2

Klucken, Rogowo, Schwirsen,
Cammin

Kluki, Rogowo, Świerzno,
Kamień Pomorski

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Zum Slowinski Nationalpark (siehe auch letztes Kapitel) gehören die großen Seen Leba und Garder (J.Lebsko und J.Gardno) sowie die Nehrungen der beiden Seen mit den Wanderdünen und ein schmaler Landstrich dazwischen.
Auf diesem Land zwischen den Seen lebte seit vielen Jahrhunderten die ethnische Gruppe der Slowinzen. Sie betrachtete sich selbst als Teil der Kaschuben, nahm aber im Gegensatz zu diesen in der Reformationszeit den protestantischen Glauben an und galt als stärker germanisiert. Nach dem 2.Weltkrieg wurden die Slowinzen als Deutsche betrachtet und vertrieben.
Um die Erinnerung an die Kultur der Slowinzen in Pommern wach zu halten, wurde 1963 im Ort Kluki (Klucken) auf dem Hof einer Familie eine Ausstellung eröffnet, der nach und nach weitere Höfe hinzugefügt wurden. Heute umfasst das Freilichtmuseum ca. 20 Gebäude, die sehr gut in die sandige Küstenlandschaft integriert sind.

To the Slowinski National Park, (aka ‘Slovincian National Park’, see also previous chapter), belong the two lakes Lebsko and Gardno, the spit between them and the sea with the shifting sand-dunes on it, and a small stretch of land between the lakes.
On this land between the lakes lived the ethnic group of the Slovincians. They regarded themselves as part of the Kashubians, but in contrast to them they adopted the Protestant faith during the Reformation and were seen as more ‘Germanized’. After the 2nd WW the Slovincians were counted as Germans and were expelled from the country.
In memory of the culture of the Slovinicans in Pomerania an exhibition was opened in 1963 at a family farm in the village of Kluki. Other houses were added to it and nowadays there is an open-air museum consisting of about 20 buildings well-integrated in the sandy coastal landscape.

 

 

 

Alle Höfe sind mit Stroh gedeckt, und zwischen den dunklen Fachwerkhölzern strahlen schachbrettartig angelegte, weiß gekalkte Mauern (li). Diese Art des Fachwerkbaus ist typisch für ganz Pommern.
Ihr Auskommen fanden die Slowinzen hauptsächlich durch den Torfabbau (li) und den Fischfang in den beiden Seen (re).
Hübsche Dekorationen für Kinder schmücken die Fenster eines Wohnhauses (Mitte).

All the farm buildings are thatched with straw and the white plaster gleams between beams of the timber framing, which are built in a chessboard pattern (l). This style of half-timbered building is typical for the whole of Pomerania.
The Slovinicans made their livelihood mostly from digging peat (l) and from fishing in the two lakes (r).
Colourful children’s designs decorate the windows, maybe of a small kindergarten, in one of the farm buildings (m).

 

 

 

Am Ortsrand steht eine alte Fischerhütte (li). Ein Blick durch die Gitterstäbe verschafft uns einen Eindruck vom harten Leben der damaligen Fischerfamilien (re).

On the edge of the museum area stands an old fisherman’s hut (l). A glance through the wooden barred door gives an impression of the hard life of a fisherman’s family (r).

 

 

 

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Es bedeutete harte Arbeit, dem kargen Boden des Küstengebiets Getreide abzutrotzen.
Aus der Ferne wundern wir uns über den ungewohnten blauen Schimmer dieses Feldes,...

It is relatively hard work to make crops grow on the sandy coastal soil.
We are pleased at the beauty of the - for us - unusually blue shimmer on the fields ...

 

 

 

...bis wir feststellen, dass es ein einziges Meer voll blühender Kornblumen ist.

... which is a sea of blue cornflowers.

 

 

 

Polen besitzt mit der über 300km langen Ostseeküste einen wahren Schatz. Wo immer wir zum Meer kommen, entdecken wir hinter einem bewaldeten Dünenstreifen feinsandige, saubere Strände, die endlos zu sein scheinen.

One of Poland’s treasures is the over 300km Baltic Sea coast. Wherever we reach the sea we discover behind the wooded strip of sand-dunes fine and clean sandy beaches, which seem to stretch out endlessly.

 

 

 

Besonders beliebt sind bei Einheimischen und Touristen die breiten Strände im Westen der Kurstadt Kolobrzeg (Kolberg) - hier der Strand von Rogowo.
Während wir das Meeresufer an diesem Abend fast für uns allein haben, drängen sich die Urlauber um die zahlreichen Restaurants und Kramläden, die die lange Uferstraße säumen.

The wide beaches to the west of Kolobrzeg are particularly popular among both locals and tourists - here the beach at Rogowo.
While we have the seashore almost to ourselves the holidaymakers are presumably visiting the numerous restaurants and souvenir-shops along the long coastal road.

 

 

 

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Um die wertvollen Sandstrände zu schützen, wurden zahlreiche Wellenbrecher ins Meer hinaus gebaut. Die Holzstämme werfen im Schein der tiefstehenden Sonne lange Schatten auf den Sand.

To protect the sandy beaches there are breakwaters (or groynes) built out into the sea. The wooden posts throw long shadows on the sand in the low evening sun.

 

 

 

Kolobrzeg wurde im 2.Weltkrieg schwer verwüstet. Zuvor hatten die Nazis 1943 hier den Durchhalteschinken "Kolberg", gedreht, den bis dato teuersten Film der deutschen Filmgeschichte. 18000 Soldaten wurden von der Front abgezogen, um als Statisten zu dienen.
Trotz einiger Bausünden (Bild) ist Kolobrzeg ein quirliger, beliebter Badeort mit modernen Kureinrichtungen.

Kolobrzeg, (previously in German ‘Kolberg’), was badly damaged in the 2nd WW. Before that the Nazis had made a ‘keep going’ propaganda film ‘Kolberg’, which was the most expensive film in German history up to that date. 18000 soldiers were withdrawn from the front to be extras in the film.
Despite some less attractive buildings (photo), Kolobrzeg is a lively and popular resort with modern spa facilities. 

 

 

 

Doch im allgmeinen ist Hinterpommern gering besiedelt und ländlich geprägt. Im Ort Klodkowo entdecken wir diese hübsche Dorfkirche, eine Mischung aus Backstein- und Holzarchitektur.

But Eastern Pomerania in general is rural and thinly populated. In Klodkowo we pass this pretty village church which is a mixture of wooden and brick architecture.

 

 

 

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Unser Navi möchte uns wohl die verborgenen Schätze zeigen und führt uns auf kleine Nebenstraßen, die schließlich unbefahrbar werden. Doch an den entlegensten Stellen finden wir die schönsten Klatschmohnblüten.

Our navigation system seems to want to lead us to Poland’s hidden treasures on small side-roads which finally become impassable. So in the most remote places we find the most beautiful corn poppies.

 

 

 

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Die friedliche, fruchtbare Landschaft Hinterpommerns...

The peaceful, fruitful countryside of Eastern Pomerania ...

 

 

 

...die bei genauerer Betrachtung nicht ganz so idyllisch erscheint. In dem kleinen Dorf Otok wird gerade ein großer baufälliger Hof eingerissen. Die Kleinbauern Polens leiden hier wie im übrigen Land unter zu geringen Erträgen und der Landflucht der Jugend.

... is not always so idyllic on closer inspection. in the little village of Otok a large derelict farm is just being demolished. Poland’s small farmers here, as in other parts of the country, suffer under the low yields and under the migration of young people into the cities. 

 

 

 

Im Dorf Swierzno steht unter hohen Bäumen eine Kirche mit dem typisch pommerschen Schachbrettlook aus dem Jahr 1681. Da die Tür offen ist, gehen wir hinein.

In the village of Swierzno a pretty church in the typical Pomeranian ‘chessboard’-style stands among tall trees. It dates from 1681. The door is open, so we go in.

 

 

 

Trotz des Bänderschmucks ist die Kirche von innen schlicht (li). Ungewöhnlich ist der Altar, der im unteren Bereich die geschnitzte Darstellung des letzten Abendmahls zeigt (re).

Despite its decoration with garlands the church inside is fairly plain (l). The altar is unusual and the lower part of it has a colourful carved representation of Christ’s Last Supper (r). 

 

 

 

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Swierzno (Shchwirsen) wirbt auf einer Ortstafel mit einem Fachwerkschloss, das allerdings in privater Hand sein soll und momentan renoviert wird.
Fast versunken zwischen üppiger Vegetation, die ursprünglich die einzige barocke Parkanlage französischen Stils in Westpommern war, entdecken wir aus der Ferne Teile von Gebäuden, deren Dächer gerade neu gedeckt werden. In absehbarer Zeit werden Schloss und Park wieder sehr sehenswert sein.

The village plan of the Swierzno area shows prominently a half-timbered stately home, but it is in private hands and is currently undergoing restoration.
Almost hidden among lush vegetation, which was originally the only Baroque park in French style in West Pomerania, we discover the estate buildings whose roofs are currently being retiled. It looks as if the stately home and the park will in due course be worth seeing again.

 

 

 

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Obwohl wir am Ende unserer Rundreise stehen und heute noch Berlin erreichen wollen, lassen wir es uns doch nicht nehmen, ein letztes interessantes Städtchen zu besuchen: Kamien Pomorski, auf deutsch Cammin genannt.
Der alte Ortskern überrascht uns durch eine fast komplette Bebauung mit modernen Wohnhäusern, aus denen unvermittelt einzelne schöne mittelalterliche Gebäude herausragen. Links sehen wir das Wolliner Tor mit dem Piastenturm, Teil der früheren Stadtmauer, und rechts das gotische Rathaus aus der Mitte des 14.Jh., das allerdings nach dem letzten Krieg rekonstruiert wurde.

Although we are now almost at the end of our round-trip and want to reach Berlin the same evening, we do not want to miss visiting a last interesting town, Kamien Pomorski.
The old town centre surprises us as it consists  almost completely of modern housing blocks in the middle of which stand occasional fine mediaeval buildings. On the left is the Wolin Gate with the Piast Tower, part of the former town wall, and on the right the Gothic Town Hall, dating originally from the mid-14th C but reconstructed after the last war.

 

 

 

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Das knapp 10000 Einwohner zählende Kamien ist einer der ältesten Orte Westpommerns. Es liegt direkt am Kamiener Haff, einer Ausbuchtung der 10km entfernten Ostsee. Seit 1882 ist Kamien ein beliebter Kurort.

Kamien Pomorski  with a population of almost 10000 is one of the oldest towns in West Pomerania. It lies directly on Kamien Bay, which is a large inlet joined with the Baltic Sea 10 km away. Kamien has been popular as a spa since 1882.

 

 

 

Berühmt ist Cammin wegen seiner Kathedrale, die auf Christianisierungsbemühungen des Bischofs Otto aus Bamberg im Jahre 1124 zurückgeht. Dieser stiftete damals in Pommern 14 Kirchen, darunter die zu Kamien. Sie wurde noch im 12.Jh. Bischofssitz. Der neugotische Turm wurde allerdings erst um 1847 errichtet (li).
Obwohl noch Einschüsse von der Eroberung der Stadt 1945 durch die Rote Armee an den Außenmauern zu erkennen sind (re), wurde die Kathedrale im Gegensatz zur restlichen Stadt nur wenig beschädigt.

Kamien is famous for its cathedral, which dates back to Bishop Otto of Bamberg’s Christian missionary activities in 1124. He endowed 14 churches in Pomerania, including this one in Kamien. In the 12th C it became a bishopric. The neo-Gothic tower was added in 1847 (l).
Although bullet holes from the capture of the town by the Red Army in 1945 can still be seen on the outer walls (r), in contrast to the rest of the town the cathedral was not severely damaged. 

 

 

 

Details aus der Südwand der Kathedrale.
Nachdem die Bauarbeiten beendet waren, fügte man Verzierungen hinzu. 1410 wurde die gotische  Attika gebaut.

Details from the south wall of the cathedral.
After the building was finished decorations were added, the Gothic parapet in 1410.

 

 

 

 

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Einmalig in Pommern sind der gut erhaltene Kreuzgang und der Garten der Kathedrale, die Ende des 13.Jh. und Anfang des 14.Jh, erbaut wurden. Durch eine kleine romanische Seitentür der Kirche tritt man in den gotischen Gang, der von Kriegsbeschädigungen verschont blieb.

The well-preserved cloister and cloister garden of the cathedral, built around the turn of the 13th/14th centuries, are unique in Pomerania. Through a small romantic door in the cathedral you enter the Gothic corridor, which escaped damage in the war.

 

 

 

Der wunderschöne Klostergarten (Viridarium) strahlt eine tiefe Ruhe aus. Es war in diesem Gebiet völlig unüblich, einen Klostergarten an eine Kathedrale anzubauen, die selbst kein Kloster besaß. Diese Konzeption ging auf den Bischof Herman von Gleichen zurück. In einem Viridarium konnten Verbannte und Flüchtige ihre Sünden bekennen und danach wieder gleichberechtigt am öffentlichen Leben teilnehmen.
Der romanische Taufstein (re) erinnert an die Taufe der Bewohner von Kamien im Jahre 1124.

The beautiful cloister garden, (Viridarium, l), radiates deep serenity. In this area it was very unusual to build a cloister garden next to a cathedral which was not itself part of a monastery. This concept goes back to one of the bishops,  Herman Count of Gleichen. In a Viridarium banished or exiled people could confess their sins and afterwards take part in communal life again on an equal footing.
The Romanesque baptistry (r) in the middle of the garden is a reminder of the baptism of the people of Kamien in 1124.

 

 

 

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Berühmt ist die Kathedrale auch wegen ihrer barocken Orgel, die 1669-1672 erbaut wurde. Im Sommer findet ein  vielbesuchtes Orgelmusik-Festival statt.

The cathedral is also famous for its Baroque organ which was built between 1669 and 1672. In the summer a popular festival of organ music takes place here.

 

 

 

Mit dem Übertritt Pommerns zum Protestantismus 1524 wurde die Kathedrale zu einem evangelischen Bischofssitz. Dabei wurde das Innere der Kirche stark verändert. Von 21 Altären blieb nur der Hauptaltar in der romanischen Apsis erhalten.
Nach 1945 wurde die Kirche wieder katholisch.

With the conversion of Pomerania to Protestantism in 1524 the cathedral was changed into a Protestant bishopric and the interior of the church was greatly modified. Of the 21 altars only the main altar in the apse remained.
After 1945 the church became Catholic again.

 

 

 

 

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Polen macht uns den Abschied nicht leicht. Am Ende unserer fünfwöchigen Rundreise spüren wir eine große Verbundenheit mit unserem östlichen Nachbarn, mit dem wir einerseits lange, fruchtbare Abschnitte der Vergangenheit teilen und der andererseits immer wieder grausam unter uns Deutschen zu leiden hatte.

Polen zeigt sich heute als attraktives, an Kultur- und Naturschätzen reiches Land mit aufstrebenden Großstädten und einer freundlichen, zupackenden Bevölkerung. Trotz der dunklen Schatten, die die Vergangenheit auf die deutsch-polnischen Beziehungen wirft, sehen wir auf beiden Seiten viele positive Ansätze, um die Zukunft partnerschaftlich zu gestalten.

Mit unseren Köpfen voller Eindrücke fahren wir durch die schöne offene Landschaft zur deutschen Grenze.

Poland doesn’t make it easy to say good-bye. At the end of our five-week round-trip we feel increased solidarity with our eastern neighbour, with whom we* in the past on the one hand have shared long and fruitful periods, but who on the other hand has often suffered barbarously under the German yoke.

Poland appears today as an attractive country rich in cultural and natural treasures, with upcoming large cities and with a friendly and energetic population. Despite the dark clouds cast by the past on the German-Polish national relationship, we see on both sides positive signs that the future can be faced as partners.

With our heads full of impressions we drive back through open countryside (photo) to the German border.

* ‘We’ as I now have dual nationality British/German.

 

 

 

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