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 E & BJ Capper Nagold 2008/2009

 

18.5.2008

Wieliczka

UNESCO
Salzbergwerk

UNESCO
Salt mine

"Das historische Salzbergwerk in Wieliczka ist weltweit das einzige Bergwerk, das seit dem Mittelalter bis heute ununterbrochen in Betrieb ist. Die originellen Fördertechniken (Korridore, Förderschächte, Kammern, Salzseen, Stollen, Schurfschächte) mit einer Gesamtlänge von ca 300km auf 9 Sohlen reichen in eine Tiefe von 327m und illustrieren sämtliche Entwicklungsetappen der bergmännischen Technik in den einzelnen historischen Epochen." (Auszug der Unesco-Begründung von 1978 für die Aufnahme des Bergwerks in die Liste der bedeutendsten 12 Welterbestätten.)

An diesem trüben Maitag, ideal für einen Aufenthalt untertage, besuchen wir vom nahen Krakau aus das Bergwerk Wieliczka im gleichnamigen Ort. Mehrere Fördertürme beeindrucken bereits übertage, doch was sich uns dann in bis zu 135m Tiefe darstellt, erklärt den jährlichen Besucheransturm von ca. 1 Million Personen. Die Führungen durch die schönsten Kammern und Strecken des Bergwerks sind bestens organisiert. Doch zuerst geht es 378 Stufen durch einen engen Treppenschacht nach unten zur Sohle I (ca. -64m).

“The historic salt mine in Wieliczka is the only mine in the world that has been in operation uninterruptedly since the Middle Ages. It reaches a maximum depth of 327 meters. Galleries have been opened up on nine levels, the lower levels being the most recent. The total length of the galleries, in which are found wells, corridors, labyrinths, excavations of all sorts, rooms and even chapels cut out of the salt, with their altars, their pulpits, and their statues, is nearly 300 km . The evolution of the mining processes throughout the centuries is perfectly illustrated there, due to the consolidation and conservation of the old galleries with the installations peculiar to each.” (Extract/paraphrase of the 1978 Unesco justification for inclusion in the World heritage List.)

On this rather dingy day in May, ideal for spending time underground, we make a trip from nearby Krakow to the Wieliczka mine. The mine’s impressive winding towers are visible on the surface but what can be visited at depths down to 135m explains the flood of over 1 million visitors every year. The guided tours through the finest chambers and galleries of the mine are well-organized and are available in English. First of all we descend the 378 steps down a narrow shaft to Level 1 (ca -64m).

 

 

 

Die Touristenroute ist 2km lang und dauert ca. 2 Stunden. Immer wieder führt die Strecke durch endlos scheinende Schächte, die die 22 Kammern verbinden, welche man für Besucher geöffnet hat. Dabei steigt man von Sohle I allmählich zur Sohle III hinab ("Sohle" nennt man die verschiedenen Ebenen eines Bergwerks).

The tourist route is 2km long and last 2 hours. It leads along seemingly endless corridors and galleries which connect the 22 chambers which are opened to visitors. In the course of it you progress downwards from Level 1 to Level 3 of the mine.

 

 

 

Dieser altertümliche Querschnitt ("Kreutzriss") zeigt die überirdischen Förderhäuser mit den vertikalen Förderschächten, in die hinein man früher die Bergleute, in schweren Seilen hängend, fallen ließ. Die horizontalen Linien kennzeichnen die verschiedenen Sohlen, die untereinander durch Gänge verbunden sind. In den oberen Bereichen befinden sich große Kammern, da sich das Salz hier in riesigen Blöcken sammelte. Tiefer unten lagerte sich das Salz in eher plattenartigen Flözen ab.

An old plan of the mine from the end of the 18th C shows the shaft-head buildings and the vertical shafts in which the miners used to be lowered down on heavy ropes. The horizontal lines show the various levels which are connected with each-other by corridors. In the upper part there are large chambers as there the salt has been deposited in huge blocks. At deeper levels the salt was found in much flatter seams.  

 

 

 

In der Anfangszeit des Bergbaus wurden sämtliche Abbauarbeiten mit Spitzhacken in Handarbeit erbracht. Große Erleichterung bewirkte ab dem 17.Jh. der Einsatz von Grubenpferden. Auf der Bildtafel sieht man das Herablassen eines Grubenpferdes, das danach sicher kein Tageslicht mehr gesehen haben dürfte.
Die Arbeit im Bergwerk war sehr gefährlich. Besonders gefürchtet waren Wasseraustritte (der letzte große ereignete sich 1992 und führte zur gänzlichen Einstellung der Salzförderung und zu intensiven Instandsetzungsarbeiten) und der Austritt von Methan. Da das mittelalterliche Bergwerk schlecht belüftet war, sammelte sich das leichte Methan in den höheren Bereichen der Räume. Speziell geschulte Arbeiter, "Büßer" genannt, krochen in nassen Kleidern durch die Gänge und brannten mit ihren langen Fackeln das explosive Gasgemisch ab.

In the early period of the mining here all the excavation work was done by hand with picks. From the 17th C onwards this was substantially eased when pit horses came into use. In the picture (l) a pit horse is  being lowered into the mine. From then onwards it would never have seen daylight again.
Work in the mine was very dangerous. Flooding with water was especially feared - the last great flood took place in 1992 and led to the final stop of the salt mining and caused extensive maintenance work - but also the emission of methane. As the mediaeval mine was poorly ventilated, methane (lighter than air) collected in the upper parts of the rooms. Specially trained workers (named ‘penitents’) crawled around in wet clothes through the corridors and burnt off the explosive gas mixture with their torches (r).

 

 

 

Die beständige Gefährdung führte auch dazu, dass an mehreren Stellen Kapellen errichtet wurden, in denen die Bergleute vor Arbeitsbeginn um Schutz flehten.
Die prächtigste Kapelle befindet sich in 100 Metern Tiefe und ist der Hl. Kinga gewidmet. Sie wurde 1896 in einem Raum eingerichtet, der nach dem Abbau eines riesigen Blockes grünen Steinsalzes entstanden. Beleuchtet wird der prächtige, bis 12m hohe Raum mit Kronleuchtern aus Salzkristallen.

The continual danger led also to chapels being built in several places, where miners would pray for safety before starting their work.
The most magnificent of the chapels is this one at a depth of 100m. It is dedicated to St. Kinga, the patroness of Poland and of miners. In 1896 it was built into the chamber that resulted when a huge block of green rock salt was mined out. The sumptuous 12m high room is illuminated by candelabra made of crystal salt.

 

 

 

Wände, Säulen, Bodenplatten und der Altar, alles ist aus grünem Steinsalz, das eigentlich grau ist. In der Mitte des Hauptaltars steht die Skulptur der Hl. Kinga, der Patronin der Bergmänner, die 1999 heilig gesprochen wurde. Der Legende nach soll Kinga ihren Verlobungsring in eine Salzgrube der Maramures (in Rumänien) geworfen haben. Die Salzader mit Ring wanderte dann auf wundersame Weise nach Polen, denn als Kinga Frau des Herrschers Boleslaw des Schamhaften wurde, wurde an einer von ihr benannten Stelle nach Salz geschürft, und siehe da, man fand Salzgestein und ihren darin eingeschlossenen Verlobungsring. Seitdem gibt es in Polen Salz zur Genüge, das man früher nicht nur zum Würzen der Speisen benötigte, sondern in großen Mengen zur Haltbarmachung von Nahrungsmitteln und in der Gerberei.

Walls, pillars, paving stones in the floor and the altar - everything is made of green rock salt, (which is actually grey). In the middle of the High Altar is a statue of St. Kinga, who was canonized in 1999. According to legend Kinga threw her engagement ring into a salt pit in Maramures (in Romania). The seam of salt with the ring then moved in a miraculous way to Poland, as when Kinga became the wife of Boleslaw the Chaste she ordered the prospecting for salt at a place she specified and - lo and behold - rock salt was found and embedded in it her engagement ring. Since then Poland has had plenty of salt, which in former times was not only important for improving the taste of food, but was needed in large quantities for preserving food and for curing leather.   

 

 

 

In die Wände der Kapelle der Hl. Kinga wurden von Bergmänner-Bildhauern Reliefs eingemeißelt, die biblische Szenen darstellen, hier die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten. Insgesamt erstreckte sich die Ausschmückung des Raums über einen Zeitraum von 70 Jahren.

In the walls of the St.Kinga’s chapel miner sculptors have carved reliefs of biblical scenes, here the flight of the Holy Family into Egypt. The magnificent decoration of the room took place over a period of 70 years. 

 

 

 

Es ist eine unterirdische Wunderwelt, die sich vor uns auftut. In leergeräumten Kammern sammelt sich Sole, d.h. mit Salz gesättigtes Wasser (320g auf einen Liter), und bildet unergründliche Seen; der abgebildete ist 9m tief. Jede Kammer hat einen eigenen Namen, was früher bei der Orientierung der Bergmänner half. Diese hier nennt sich "Kammer Erazm Baracz".
Wassereinbrüche sind grundsätzlich in Salzbergwerken gefürchtet, aber nicht so sehr die mit Salzwasser, sonder diejenigen mit Süßwasser, da dieses das Salz aus der Umgebung herauslöst und das Bergwerk in gefährlicher Weise destabilisiert.

We seem to be in a magic world. Salty brine,i.e. water fully saturated with salt (320g in a litre), collects in the chambers emptied by the excavations and forms unfathomable lakes. (Actually the one in the picture is 9m deep.) Each chamber has its own name which formerly helped the miners’ orientation. This one is the “Erazm Baracz chamber”.
The ingress of water is basically feared in a salt mine, but the entrance of fresh water much more so than salt water, as it can dissolve salt in the area and dangerously destabilize the mine. 

 

 

 

Von Anfang an legten die Fürsten und Könige ihre Hände auf das Salzbergwerk, d.h. sie sahen zu, dass die Einnahmen in die Staatskasse flossen. Zwischen dem 14-16.Jh. deckten diese ein Drittel der Staatsausgaben ab. Kasimir der Große baute damit das Wawelschloss in Krakau, finanzierte die dortige Jagiellonen-Universität und bezahlte den Heeressold.
Heute findet kein Abbau von Steinsalz mehr statt, zu groß ist die Gefahr von Wassereinbrüchen. Man pumpt allerdings das salzhaltige Wasser, die Sole, ab  und gewinnt aus ihr durch Sieden Kochsalz (das seinen Namen ja von diesem Prozess erhalten hat). Und  man hat neue Einnahmequellen entdeckt, z.B. das Geschäft mit Salzkristall-Souvenirs - gesehen in einer Tiefe von ca. 130m. Neben seiner Funktion als Schaubergwerk dient Wieliczka heute auch als Sanatorium für Atemwegserkrankungen und als Anbieter von Festsälen.

Right from the beginning the princes and kings held their protecting hand over the salt mine, i.e. made sure that the income flowed into the state finances. Between the 14th and 16th C the income covered one third of the state’s expenditure. Casimir III (the Great) used it to build Wawel Castle in Krakow, to finance the Jagiellonian University and to pay the soldiers of his army.
Nowadays no more salt is mined as there is too much danger of water entering. However salty water is pumped out and boiled to give cooking salt. Other sources of income have been discovered also, especially the tourists who pay to tour the mine and to buy the inventive souvenirs made of rock salt, here on display at the depth of about 130m. Besides its function today as a tourist attraction and mining museum Wieliczka serves as a sanatorium for respiratory diseases and hires out facilities for festivities.

 

 

 

Auf der dritten Sohle befindet sich auch das Bergwerksmuseum, eine äußerst sehenswerte Einrichtung, auch wenn von den ca. 40 Personen unserer Gruppe nach zweistündiger Führung nur noch 4 Personen willens sind, dieses zu besuchen (darunter wir). Die kompetente Führerin unserer Gruppe ist erstaunt über unserer Zähigkeit (und wohl nicht so glücklich über den zusätzlichen zeitlichen Aufwand), doch sie führt uns schließlich engagiert durch das weiträumige Museum. Hier erklärt sie uns anhand historischer Zeichnungen die Funktionsweise des mittelalterlichen Bergwerks (li). In Schaukästen befinden sich zahlreiche Exponate, die bemerkenswerte Salzkristallisationen zeigen (re).

At the third level is the actual museum which is well worth seeing and is included in the price. However, of the ca. 40 people in our group after the ‘normal’ two-hour tour only 4 people (including us) wanted to continue on to see it. The competent lady guide is surprised at our resilience (and maybe not so happy at the extra work), but nevertheless takes us dedicatedly through the extensive museum. Here she explains the function of the mediaeval mine using a historic drawing (l). In the display cases are numerous exhibits, e.g. of remarkable crystallization (r).

 

 

 

Der Tourismus in Wieliczka hat eine lange Tradition. Schon im 15. Jahrhundert besuchten auserwählte Gäste das Bergwerk, in das sie, in Seilen hängend, herabgelassen wurden. Ab dem 17.Jh. nahm die Zahl der Touristen derart zu, dass man ein Gästebuch auslegte. Darin findet man so berühmte Namen wie Johann Wolfgang von Goethe, Frederic Chopin, Zar Alexander I. und Kaiser Franz I.
In der zweiten Hälfte des 19.Jh. kam eine besondere Attraktion hinzu: die 2,5km lange Fahrt in geschmückten Pferdewägelchen (Bild). In manchen Kammern wurden zur Illumination Feuerwerke gezündet; es gab eine "Brücke über dem Abgrund" und eine Floßfahrt über einen Salzsee.

Tourism has a long tradition at Wieliczka. In the 15th C selected guests visited the mine into which they were let down by ropes. From the 17th C the number of tourists increased so dramatically that a visitors’ book was set up. In it are such famous names as Johann Wolfgang von Goethe, Frederic Chopin, Tsar Alexander I. and Emperor Francis I.
In the second half of the 19th C a further attraction was added: a 2.5 km ride in a decorated horse-drawn wagon (picture). In some of the chambers fireworks were lit for illumination; there was a ‘bridge over the abyss’ and a raft-ride across a salt lake.   

 

 

 

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Auch im Museumsbereich öffnen sich riesige Kammern, in denen ein einzelner Mensch verloren erscheint.
Durch holzverschalte Gänge gelangt unsere kleine Gruppe von einer Attraktion zur anderen.

In the museum area there are also some enormous chambers in which a single person seems almost to be lost.
Our little group marches on along wood-lined corridors from one exhibit or attraction to the next.

 

 

 

In dieser Halle sind mehrere zum Teil riesige Göpel aufgestellt, das sind historische Förderanlagen, die ursprünglich von umlaufenden Pferden gedreht wurden. Mit ihrer Hilfe konnte man das geschlagene Salz von einer Sohle zur nächst höheren befördern. Die Tragkraft eines Göpel betrug 2 Tonnen. Man konnte damit gewaltige Salzwalzen (sog. "Götzen"), die man zuvor zu den Göpel-Plätzen gerollt hatte, transportieren (eine Walze befindet sich im Vordergrund des Bildes).

In this hall several huge capstans are on display. They are historic conveyor systems which were originally driven by horses walking in a circle. With their help the hewn salt could be lifted from one level to the next. One capstan could raise a weight of 2 tons. With it heavy salt cylinders, (so-called “juggernauts”, one is at the front in the picture), which had been rolled to the location of the capstan could be transported onwards.

 

 

 

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Als Pferde den Bergmännern bei der Arbeit zu helfen begannen, wurde auch der Einsatz von Schlitten und Wagen ermöglicht. Diese rollten auf hölzernen Schienen und wurden von Pferden gezogen.

When horses began to help the miners with their work, the use of sledges and carts became possible. They rolled on wooden rails and were drawn by horses. 

 

 

 

Um aus der Tiefe des Bergwerkes wieder hoch zu kommen, konnten wir, glücklicherweise ohne Schlange zu stehen, diesen winzigen Aufzug benutzen. Wir gehen davon aus, dass es irgendwo eine Alternative geben muss (außer Hunderte von Treppen steigen zu müssen), aber wir haben keinen weiteren Aufzug entdeckt und hinter uns haben viele Leute gewartet.

For the upward trip from the depths of the mine we fortunately did not have to queue to use the tiny lift. We assume there must be an alternative somewhere apart from walking up the hundreds of stairs, but we didn’t see another lift and after us a lot of people were waiting.

 

 

 

 

 

Vor der blassgelben Wand der oberirdischen Förderanlage blühen im Mai die Rhododendren.
Wir konnten hier nur wenige Eindrücke vom Bergwerk Wieliczka wiedergeben, denn die Fülle der Gänge, Kammern und Säle ist erschlagend. Einen Besuch können wir nur wärmstens empfehlen!

Now we are back at the surface again and enjoy the rhododendrons flowering in front of the pale yellow wall of one of the mine buildings in the thin May sunshine.
We could only record a few impressions here of the Wieliczka Mine, as the number of corridors, chambers and halls is immense, but it is well worth a visit.

 

 

 

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