All pictures Copyright
 E & BJ Capper Nagold 2008/2009

 

7. + 11.-12.5.2008

Stawy Milickie, Legnickie Pole & Trzebnica

Mittelalterliche Fischteiche und
die Hl. Hedwig

Mediaeval Fishponds and
St. Hedwig

Anklicken zum Vergrößern / Click for larger picture.

Nach den interessanten, aber auch ermüdenden Städtebesuchen der letzten Tage sehnen wir uns nach reiner Natur. In der nun schon mehrfach erwähnten, da äußerst hilfreichen Broschüre der Polnischen Tourismusorganisation ("Polen - Das muss man gesehen haben") finden wir eine Empfehlung für ein mittelalterliches Fischteich-Ensemble (Stawy Milickie), 55km nordöstlich von Breslau gelegen. Es sei ein Vogelparadies, steht dort geschrieben, Heimstätte zahlreicher Wasser- und Sumpfvögel.

Bereits bei der Anfahrt erstaunt uns die schiere Ausdehnung des Teichgebiets um das Städtchen Milicz (Militsch). Wenige schmale Straßen führen an die Teiche heran. Die Wege liegen auf Deichen, die von Bäumen und Schilf begrenzt werden. Rechts und links der Straße befinden sich weite Wasserflächen.

In der Nähe der Stelle, an der wir dieses Panoramabild knipsen, müssen wir das Auto stehen lassen, den wir sind im Reservat angekommen. Zahlreiche Schleusen und künstliche Zu- und Abflüsse lassen erkennen, dass die "reine" Natur nicht ganz so "rein", sondern von Menschen erschaffen ist.

After the interesting but nevertheless tiring visits to towns in the last few days we long for a dose of pure nature. In the Polish Tourist Organization brochure, (“Poland - what you must have seen”), that we have already mentioned several times, a mediaeval fishpond reserve is recommended (Stawy Milickie), 55km northeast of Wroclaw. It describes the area as a bird paradise, home of numerous water and marsh birds.

As we approach we are surprised at the extent of the pond area around the small town of Milicz. Just a few narrow roads lead towards the ponds. The roads lead along dikes which are bordered by trees and reeds. To right and left of the road are wide expanses of water.

We have to park the car near where we took this panorama picture. Now we have reached the reserve. Numerous locks and sluices, artificial inlets and outlets indicate that this “pure” nature isn’t really so pure and untouched, but has been created and modelled by human hands.

 

 

 

Der Ursprung der Teichlandschaft geht zurück auf das Jahr 1139, in dem sich hier ein Zisterzienserorden ansiedelte. Man erkannte rasch das Fischzucht-Potential der Gegend, denn der Fluss Barycz (Bartsch) fließt hier durch eine weite, sumpfige Niederung. Die Mönche gruben zahlreiche, bis 2,5m tiefe Teiche und nutzten sie vor allem für die Karpfenzucht. Da auch im späteren Mittelalter viele Fastenzeiten den Fleischverzehr verboten, lohnte sich die Zucht. Schließlich befanden sich auf einer Fläche von 77qkm über hundert Teiche.

The origins of the pond landscape go back to 1139, when a Cistercian order settled nearby. The potential of the area for breeding fish was soon recognized as the River Barycz (Bartsch) here flows through a wide and marshy low-lying area. The monks dug numerous ponds up to 2.5m deep and used them mostly for breeding carp. In the Middle Ages there were often times of fasting when eating meat was forbidden, so breeding fish was worth the effort. The result is that in an area of 77 km² over a hundred ponds were created.  

 

 

 

Mit dem Auto kommt man im Reservat nicht weit, wohl aber zu Fuß oder besser noch mit dem Fahrrad. Das Wegenetz ist riesig und soll weiter ausgebaut werden.
Ab und zu begegnen uns gutgelaunte Gruppen von Fahrradfahrern, die wir beneiden, da wir zu Fuß nur so langsam vorankommen. Doch insgesamt stoßen wir an diesem schönen Tag nur auf wenige Touristen.

You don’t get very far with a car in the reserve. It is better by foot and even better on a bicycle. The network of paths is huge and is planned to be extended further.
Occasionally we meet good-humoured groups of cyclists and are rather envious as we make only slow progress on foot. But in total we do not see many tourists at all on this fine day.

 

 

 

Einer der Deiche, auf denen man radeln oder wandern kann. Die Straße, die uns anfangs ins Gebiet führte, sieht übrigens ganz ähnlich aus.
Obwohl die Teiche künstlich angelegt sind, sind sie im Reichtum ihrer heutigen Struktur von natürlichen Gewässern nicht zu unterscheiden. Die Tiere sehen das ähnlich, denn es haben sich 13 Amphibienarten, 267 Vogelarten (von denen 170 hier brüten) und 44 Säugetierarten, darunter Fischotter und Biber, angesiedelt.

One of the dikes on which you can cycle or hike. Incidentally, the road we drove on coming into the area at the beginning was fairly similar.
Although the ponds were constructed artificially their structure today is indistinguishable from natural lakes. The animal kingdom has apparently a similar view of things, as 13 types of amphibian, 267 types of bird (of which 170 types breed here) and 44 types of mammal, including the European otter and the beaver, are now settled here.

 

 

 

Wir würden gern ein paar von ihnen sehen, aber außer wenigen gewöhnlichen Enten scheint sich die reiche Tierwelt verkrochen zu haben. Idyllisch ist die Landschaft auch ohne sie, doch sie ist auch gefährdet. Durch eine extensive Fischzucht und künstliche Fütterung werden die Teiche überdüngt; Schilf wuchert in sie hinein. Seit 2004, dem Jahr, in dem Polen der EU beitrat, werden aufgrund gehobener Nachfrage viele der als Brutgebiete dienenden Wiesen zu Äckern umgewandelt.

We would have liked to see some of them, but apart from a few fairly common ducks the rich animal world has gone into hiding. The scenery is idyllic even without them, but it is also endangered. From the extensive fish-breeding and artificial feeding the ponds get over-fertilized and the reeds crowd into the ponds. Since 2004, the year Poland joined the EU, because of increasing market demand, many of the meadows serving as breeding areas are being cultivated again. 

 

 

 

Wir ziehen etwas weiter und entdecken hinter einer Biegung die erhofften Vögel. Schlafende Schwäne, Reiher und verschiedene Gänse und Enten bilden auf für uns unerreichbaren Inseln ganze Kolonien. Der kleine Turm im Hintergrund des rechten Bildes dient wohl der Vogelbeobachtung.
Um die Teiche zu schützen, will man die Fischzucht vermindern und hofft auf Einnahmen durch einen zunehmenden Ökotourismus. Dazu sollen weitere Türme gebaut, geführte Vogelbeobachtungen und Kanufahrten angeboten und das Radwegenetz verbessert werden.

We walk on further and finally discover the hoped-for birds beyond a curve in one of the long ponds. Colonies of sleeping swans, herons and various geese and ducks are on banks and small islands not reachable by foot. A small observation tower can be seen in the background of the right-hand picture.
To protect the ponds the authorities plan to reduce the fish-breeding and they hope for income from increasing green tourism. More towers are to be built for observation, guided bird tours and canoe trips to be offered and the network of cycle paths improved.   

 

 

 

Für den Besuch der Teichlandschaft sollte man sich Zeit nehmen; es gibt viele interessante Details zu entdecken wie riesige Galläpfel an einer Eiche oder einen mit weit aufgerissenem Maul wie wild kreisenden Karpfen - vielleicht ein Paarungsritual?

For a visit to the pond landscape one should allow time. There are many interesting details to discover such as the huge oak apples (l) or a carp spinning around on its axis with a wide open mouth (r) - maybe part of a courtship ritual?

 

 

 

Anklicken zum Vergrößern / Click for larger picture.

Im Jahr 2000 wurden die Militscher Teiche vom Global Nature Fund in das "Living Lakes"-Projekt aufgenommen, dem weitere 29 Seen weltweit angehören, darunter der Bodensee, der Baikalsee oder das Tote Meer. Dieses Seennetzwerk hat sich zum Ziel gesetzt, Wege aufzuzeigen, um die ökologisch wertvollsten Seen unserer Welt wirkungsvoll zu schützen. Im Falle der Militscher Teiche ist man stolz darauf, dass man große Ackerflächen aufkaufen konnte, um sie den Vögeln zu erhalten.

 Während wir uns von dieser traumhaften Stelle verzaubern lassen, hebt ein gewaltiges, fast ohrenbetäubendes Froschkonzert aus dem nahen Schilfgürtel an.

In the year 2000 the Milicz Ponds were added by the Global Nature Fund to the “Living Lakes” project, to which a further 29 lakes around the world belong, including Lake Constance, Lake Baikal and the Dead Sea. This lake network has set itself the aim of showing effective ways to protect the most valuable lakes in our world. In the case of the Milicz Ponds they are proud to have been able to purchase large meadow areas to preserve them for the birds.

While we let ourselves be enchanted by this magical place an almost deafening frog concert starts up in the nearby reed beds.

 

 

 

Nach diesen schönen Naturbildern meinen wir uns (und unseren Lesern!) wieder etwas Kultur zumuten zu können. Diese gibt es in Schlesien im Übermaß, auch wenn viele Kostbarkeiten am Ende des 2.Weltkriegs zerstört wurden.
Anders verhält es sich mit den Kunstschätzen in Legnickie Pole (Wahlstatt) und Trzebnica (Trebnitz), über die wir eher stolpern als dass wir sie bewusst aufgesucht hätten.

After these beautiful natural scenes we think we can inflict more culture on ourselves (and on our readers!) again. There is plenty of it in Silesia, although many treasures were destroyed at the end of the 2nd WW.
That is fortunately not the case in Legnickie Pole and Trzebnica, which we discover more or less by chance. 

Diese alte Kirche, seit 1961 ein Museum, liegt nur wenige hundert Meter von unserem schönen Campingplatz in Wahlstatt entfernt. Da wir bei unseren Ausflügen mehrmals an ihr vorbeifahren, werden wir neugierig und statten ihr einen Besuch ab. Eine freundliche, gut deutsch sprechende Museumsangestellte nimmt sich viel Zeit, um uns in die Besonderheiten dieses Ortes einzuführen:
Die aus Bruchsteinen im 14.Jh. errichtete Dreifaltigkeitskirche steht auf einem berühmten Schlachtfeld, und zwar just an der Stelle, an der der von seinen Feinden geköpfte Heerführer, Heinrich II., von seiner Mutter, der bis heute hochverehrten Schutzpatronin Schlesiens, die Heilige Hedwig, und seiner Frau Anna aufgefunden wurde.
Es handelt sich um die Schlacht bei Liegnitz (1241), bei der die deutsch-polnischen Heere unter Heinrich II. dem Ansturm der Mongolen unterlagen. Diese Niederlage versuchte man in den folgenden Jahrhunderten mit einigem Erfolg zu einem "moralischen" Sieg über die Barbaren, zu einem Märtyrertum Heinrichs II. umzudeuten.
Die Kirche wurde zur Gedenkstätte der Mongolenschlacht und zu einem Pilgerzentrum. Selbst als die Kirche 1535 im Zuge der Reformation evangelisch wurde, hielt man hier am Jahrestag der Schlacht Gottesdienste ab.
Das moderne Museum beinhaltet mittelalterliche Texte und Darstellungen der Schlacht, alte Waffen und eine Nachbildung des Sarkophags Heinrich II.

This old church, a museum since 1961, is only a few hundred metres away from our attractive camping site in Legnickie Pole. We drive past it several times when going out on trips and we get curious to visit it. Inside a friendly member of the museum staff who speaks good German takes the time to introduce us to some items of special interest:
 
The Trinity Church, which was built  in the 14th C out of quarried stones, stands on a famous battlefield. It is on the spot where the headless body of the military commander Henry II the Pious was found after the battle by his mother St. Hedwig of Andechs, the revered patron saint of Silesia, and Henry’s wife Anna.
It was the Battle of Legnica in 1241 in which the German-Polish army under Henry II was defeated by the attacking Mongols. In following centuries there was some success in redefining this defeat into a ‘moral’ victory against the barbarians in which Henry II was martyred.
The church became a memorial to the Mongol battle and a place of pilgrimage. Even after the church became Protestant in 1535 in the course of the Reformation, services were held here each year on the anniversary of the battle.
The small modern museum contains mediaeval texts and depictions of the battle, old weapons and a replica of Henry II’s sarcophagus.

 

 

 

Den ehemaligen Friedhof schmücken neuere Holzskulpturen, die an die Schlacht anknüpfen. Links sieht man den von den Mongolen abgeschlagenen Kopf Heinrichs II. (Ihn umgibt ein lateinischer Text: “Vicisti sed peristii”, was in etwas bedeutet: “Du hast gesiegt, bist aber ums Leben gekommen” - Korrekturen sind willkommen!)
Rechts erblickt man eine Miniatur aus dem "Lübener Kodeks", der ältesten und wichtigsten Darstellung der Liegnitzer Schlacht. Die Kopie befindet sich im hiesigen Museum, das Original im J.P.Getty-Museum in den USA. Der obere Teil zeigt den Ansturm der Mongolen auf die Stadt Liegnitz mit dem aufgespießten Haupt Heinrichs II. Unten sieht man die beiden wohltätigen Herzoginnen Hedwig und Anna, von Witwen und Waisen begleitet. Hedwig erhält im Traum den Auftrag, an der Fundstelle Heinrichs eine Probstei zu gründen.

Various modern wooden sculptures referring to the battle decorate the former cemetery. The one shown on the left portrays Henry II’s head, severed by the Mongols. (With a Latin text, ‘vicisti sed peristii’,  which is something like ‘You have conquered but perished’ - any corrections welcome!)
On the right is a miniature from the Lübener Codex, the oldest and most important depiction of the Battle of Legnica. A copy is on display in the museum, the original is in the J.P.Getty Museum in the USA. The upper part shows the Mongols attacking Legnica and holding up Henry II’s severed head. Below are the two charitable duchesses Hedwig and Anna, accompanied by widows and orphans. In a dream Hedwig receives the commission to build a provost’s church on the site where the body was found.    

 

 

 

Die Geschichte von Wahlstatt ist auch eine von Reformation und Gegenreformation. Mit der Reformation gingen die bedeutsamen Gebiete um Wahlstatt der Katholischen Kirche verloren. Als im 17 Jh. die Gegenreformation auch Schlesien erfasste, beschloss ein Benediktinerabt, mit Unterstützung der Habsburger die verloren gegangenen Gebiete von den damals verschuldeten protestantischen Besitzern zurückzukaufen. Die alte, von Hedwig gegründete Kirche mussten sie laut eines Vertrags bald an die Evangelischen zurückgeben, doch da reifte der Plan, mit dem Bau eines neuen Gotteshauses den Protestanten zu beweisen, dass nicht sie, sondern die Benediktiner die wahren Erben der Früchte des Märtyrertods Heinrichs II. seien.
Zwischen 1723-1726 erbaute man nur einen Steinwurf vom alten Kirchlein entfernt ein beeindruckendes Kloster. Wir blicken hier auf das Portal der Klosterkirche, die wie eingezwängt zwischen ausladenden seitlichen Gebäudeflügeln steht.
Man verpflichtete zu ihrem Bau den berühmten Architekten Kilian Ignaz Dientzenhofer (siehe auch Prag und Liegnitz), der gern mit konkaven und konvexen Ein- und Auswölbungen spielte. Um zu verdeutlichen, wem diese Klostergründung zu verdanken sei, stellte man unter das benediktinische Kreuz (Bildmitte oben) die Skulptur der Heiligen Hedwig.

The history of Legnickie Pole is also one of Reformation and Counterreformation. With the Reformation the important region around Legnickie Pole was lost to the Catholic Church. In the 17th C, when the Counterreformation reached Silesia a Benedictine abbot decided to buy back the lost areas from the impoverished Protestant owners with the support of the Hapsburgs. According to contract the old church founded by Hedwig had soon to be given back to the Protestants, but a plan was developed to build a new church and so to demonstrate to the Protestants that not they but the Benedictines were the true heirs of the fruits of Henry II’s death as a martyr.
Between 1723 and 1726 an impressive monastery was built just a stone-throw away from the old church. Here we look at the main portal of the monastery church, which is enclosed between the widely spreading wings of the monastery.
The famous architect Kilian Ignaz Dientzenhofer (see also Prague and Legnica), who liked to play with concave and convex surfaces was commissioned to build the monastery. To make clear who was to be thanked for the founding of the monastery a sculpture of St. Hedwig was placed under the Benedictine cross (centre of picture).  

 

 

 

Im Innern der Klosterkirche, die unser Reiseführer (Baedecker) die "wohl schönste Barockkirche des Landes" nennt, erkennt man wiederum die Handschrift Dientzenhofers. Obwohl der Grundrisss der Kirche länglich ist, ergibt sich durch die miteinander verschränkten elliptischen Auswölbungen der Eindruck einer runden Form.
Die Museumsangestellte hat uns hierhin begleitet und erzählt, warum diese Kirche im Gegensatz zu fast allen anderen in diesem Gebiet das Ende des 2.Weltkriegs unbeschadet überstanden hat:
Eine noch heute lebende, über 90-jährige Dorfbewohnerin saß als junge Frau eines Morgens allein in der Kirche, um auf das zerstörerische Eindringen der russischen Armee zu warten. Ein russischer Offizier trat schließlich ein, doch statt zu zerstören, zeigte er sich begeistert von dem Gebäude, den Gemälden und der Präsenz der von ihm verehrten Heiligen Hedwig. Es stellte sich heraus, dass er Kirchen- oder Kunsthistoriker war. Die Kirche durfte nicht angetastet werden.
Es sei ein Jammer, meint die Museumsführerin, dass bislang so wenige Besucher kämen. Die Kirche sei ein unglaublicher Schatz.

 

Anklicken zum Vergrößern / Click for larger picture.

Inside the monastery church, which our (Baedecker) guide describes as ‘probably the most beautiful Baroque church in the country’, the handwriting of the architect Dientzenhofer is recognizable again. Although the church is longish, the elliptical curved walls joining into one-another convey the impression of a rounded form.
The lady from the museum has accompanied us here and explains why this church survived the 2nd WW without damage, in contrast to almost all other churches in the area:
A lady still living in the village and now aged over 90, sat as a young woman one morning in the church to wait for the destructive arrival of the Russian army. Finally a Russian officer walked in, but instead of starting to destroy he appeared to be delighted by the building, the paintings and the presence of Saint Hedwig, whom he revered. He turned out to be a church historian and he did not allow the church to be damaged.
The museum guide finds it a great pity that so far so few visitors come. The church is an unusual treasure.

 

 

 

 

 

Anklicken zum Vergrößern / Click for larger picture.

Zum Malen der Deckenfresken wurde der ebenfalls berühmte Cosmas Damian Asam verpflichtet. 1733 malte er im Gewölbe des Hauptschiffs eine Komposition, die im linken Teil des linken Bildes Johanniter in einem Schiff und kämpfende Kreuzritter zeigt, in der Mitte den auferstandenen Christus mit Engeln und rechts die Wiederfindung der Kreuzreliquien.  Aus diesem Bereich stammt der Ausschnitt im rechten Bild, auf dem weltliche und kirchliche Machthaber bei der Anbetung des Kreuzes zu sehen sind.

The famous painter Cosmas Damian Asam was commissioned to paint the frescoes on the ceiling. In 1733 he painted a composition in the vault of the main nave showing on the left of the left-hand picture knights of St. John of Jerusalem in a ship and crusaders fighting, in the centre the risen Christ with angels and on the right the rediscovery of the relics of the cross. Part of the latter is shown in more detail in the right-hand picture. Secular and clerical rulers are seen worshipping the cross.

 

 

 

Anklicken zum Vergrößern / Click for larger picture.

Den Zyklus der Gemäldereihe eröffnet jedoch dieses Bild über der Orgelempore, das zugleich den Grund für den Bau dieser Kirche bekannt gibt: Prinzessin Anna findet auf dem Schlachtfeld die Leiche ihres entkleideten und enthaupteten Mannes Heinrich, den sie an einer Anomalie, nämlich einer sechsten Zehe am linken Fuß, erkennt. (Bei der Öffnung des Sarkophags Heinrichs II. 1832 wurde das Fehlen des Kopfes und diese Fußanomalie bestätigt.) Links neben ihr steht ihre Schwiegermutter, die Heilige Hedwig von Andechs, die Benediktinern die Kreuzreliquie übergibt und mit ihrer linken Hand bereits auf den Bauplan dieser Kirche weist.

But it is this picture above the organ gallery which is really the start of the cycle of frescoes and which also announces the reason for the building of the church: Princess Anna finds her husband Henry on the battlefield naked and headless, but identifies him by the fact that he had a sixth toe on his left foot. (When the sarcophagus of Henry II was opened in 1832 it was confirmed that the head was missing and that the extra toe was present.) On her left stands her mother-in-law, St. Hedwig of Andechs, who gives the relics of the cross to the Benedictines and with her left hand points to the plans of the church.

 

 

 

Die Benediktiner konnten die St.Hedwigskirche und das weitläufige Kloster etwa 80 Jahre lang nutzen. 1810 wurde die Säkularisation der kirchlichen Güter in ganz Preußen durchgeführt. Auch das Kloster in Wahlstatt wurde verstaatlicht. Friedrich Wilhelm III. wandelte es 1838 in eine Kadettenanstalt um. Die Pläne für die notwendigen Umbauten schuf der berühmte Architekt Karl Friedrich Schinkel (Anbauten rechts im Bild). Die bekanntesten Kadetten von Wahlstatt sind Paul von Hindenburg und Manfred von Richthofen.
Im 2.Weltkrieg diente das Kloster als Gefangenenlager für französische Offiziere. Fragwürdige Experimente sollen hier stattgefunden haben. 1963 wurde der Komplex in eine psychiatrische Anstalt für Frauen umgewandelt. Heute leben in ihr 525 psychisch Erkrankte.
Wer das Kloster besucht, wird einige der Bewohnerinnen kennen lernen, da sie sich gern vor der Kirche aufhalten.

The Benedictine order was able to use St.Hedwig’s church and the extensive monastery for about 80 years. In 1810 all church possessions in the whole of Prussia were secularized including the monastery in Legnickie Pole. In 1838 Friedrich Wilhelm III converted it into a cadet academy. The famous architect Karl Friedrich Schinkel designed the necessary building modifications, (the buildings on the right in the picture). The best-known cadets from the school are Paul von Hindenburg and Manfred von Richthofen.
In the 2nd WW the monastery served as a prison-of-war camp for French officers. Doubtful experiments were apparently carried out here. In 1963 the complex was made into a psychiatric institution for women. Today 525 psychically ill people live here.
If you visit the monastery you may meet some of the residents as they like to stand around in front of the church.

 

 

 

Die aus Andechs in Bayern stammende und in einem Benediktinerinnenkloster erzogene Hedwig (1174-1243) stiftete nicht nur die Probstei in Wahlstatt, sondern wesentlich früher das gut erhaltene Kloster in Trzebnica (Trebnitz), das mit zwei schönen spätromanischen Portalen aufwarten kann (rechts). Den Berichten nach bat sie 1202 ihren Mann, Herzog Heinrich I., um die Errichtung des ersten Frauenklosters in Schlesien.

Hedwig (1174-1243), who came from Andechs in Bavaria, Germany, and was educated in a Benedictine nunnery, donated not only the provost’s church in Legnickie Pole but also - much earlier - the still well-preserved convent in Trzebnica. The picture on the right shows one of its two beautiful late Romanesque portals. According to reports, in 1202 she asked her husband, Duke Henry I, to build the first convent for women in Silesia.   

 

 

 

600 Jahre lang herrscht in Trebnitz ein reges Klosterleben. Ab 1697 wird das Kircheninnere barockisiert und der Bau des heutigen Klosters im Stil des Barock beginnt. Doch 1810 wird auch dieses Kloster säkularisiert. In ihm wird eine Textilfabrik eingerichtet, die schönen Gebäude verfallen.

For 600 years there was active convent life in Trzebnica. From 1697 the church interior was restyled to Baroque and the building of today’s convent in the Baroque style was started. But in 1810 this convent was secularized as well, a textile factory was set up in it and the beautiful buildings start to fall into decay.

 

 

 

In einer Seitenkapelle steht unter einem von Marmorsäulen getragenen Baldachin der Sarkophag der bereits 1267 heilig gesprochenen Hedwig. Nach 22-jähriger Ehe und der Geburt von 7 Kindern gelobten sie und ihr Mann Enthaltsamkeit. Als Heinrich I. 1238 starb, zog Hedwig die Tracht des Ordens an, legte aber kein Gelübde ab. Sie wollte ihre Einkünfte nicht verlieren, mit denen sie Bedürftige unterstützte.
Das Grab ist auch heute noch das Ziel vieler Pilger.

In a side chapel under a baldachin supported by marble pillars stands the sarcophagus of Hedwig, who was canonized as early as 1267. After 22 years of marriage and the birth of 7 children she and her husband swore abstinence. When Henry I died in 1238 Hedwig clothed herself in the robes of the order but did not take the vows. She did not want to lose the income which she used to support needy people.
The grave is still today the destination of many pilgrimages.  

 

 

 

Schlesien war durch das Wirken von Heinrich I. und seiner Frau Hedwig ein anderes geworden. Mit Leidenschaft hatten beide den christlichen Glauben gestärkt und viele Kirchen und Klöster gestiftet. Besonders Hedwig hatte sich ganz dem Postulat der Barmherzigkeit und Askese hingegeben. Auch im Winter soll sie barfuß gelaufen sein. Der Legende nach befahl ihr ihr Beichtvater, Schuhe zu tragen, die sie dann in den Händen herumtrug.

Nach dem 2. Weltkrieg nahmen die vertriebenen Schlesier den Hedwigkult mit nach Bayern. Heute ist die Heilige Hedwig nicht nur die Schutzpatronin Schlesiens, sondern aller Heimatvertriebenen.

Die Bildreihe zeigt drei Darstellungen der Hl. Hedwig (polnisch “Swieta Jadwiga”): links und in der Mitte aus der Krypta der Kirche, rechts vom Sarkophag.

Silesia underwent a change thanks to the life and works of Henry I and his wife Hedwig. They had both passionately defended the Christian faith and founded many churches and monasteries. Especially Hedwig had dedicated herself to asceticism and works of mercy; apparently even in winter she went around barefoot. According to legend when her confessor commanded her to wear shoes, she used to carry them around in her hands. (In German ‘wear’ is the same word as ‘carry’.)

After the 2nd WW Silesians who were expelled from Poland brought the Hedwig cult with them to Bavaria. Nowadays Hedwig is not only seen as the patron saint of Silesia but of all those expelled from their homelands.

The pictures show three representations of St. Hedwig (in Polish ‘Jadwiga’): left and middle in the church crypt, right on the sarcophagus.

 

 

 

Das einst größte Kloster Polens wurde in den letzten Jahre renoviert und dient heute wie das ehemalige Kloster in Legnickie Pole (Wahlstatt) als Pflegeheim. Wir stoßen hier auf zwei freundliche Priester, einer Deutscher, der andere Pole, die von der Wiederbelebung des Klosters und dem erstarkenden deutsch/polnischen Austausch berichten.

What was once the largest convent in Poland has been renovated in recent years and, like the previous monastery in Legnickie Pole, serves as a nursing home. We meet two friendly priests here, one German and one Polish, who are pleased to tell us about the revival of the convent and of the increased German/Polish interexchange.

 

 

 

Die beiden Kloster sind Teil eines Pilgerwegs, des Großen Hedwigswegs, der bedeutsame Orte aus dem Leben der Hl. Hedwig verbindet. Die Tafel klärt uns auch darüber auf, dass die Schwestern des Hl. Karl Borromäus 1861 die Gebäude übernahmen und die "Werke der Nächstenliebe fortführten".

Both monasteries are part of a pilgrims’ way, the Great Path of St. Jadwiga, which connects important places in the life of St. Hedwig. The information board explains to us that the sisters of the Counterreformer Charles Borromeo took over the building in 1861 and carried on the ‘Works of Charity’.

 

 

 

Auch um diesen Klosterkomplex halten sich im wärmenden Sonnenschein zahlreiche Menschen mit Behinderungen und ihre Pflegepersonen auf. Eine Aufgabe, die vor 800 Jahren von einer Hedwig aus Andechs angestoßen wurde, wird auch heute noch am selben Ort fortgeführt.

Several handicapped people and their nurses sit and warm themselves enjoying the sunshine near the convent complex. The works of mercy which were initiated over 800 years ago by St. Hedwig still continue at the same place.

 

 

 

Seite inklusive Navigationsleiste / Page including navigation menu