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 E & BJ Capper Nagold 2008/2009

 

14.5.2008

Krakau - Tschenstochauer

Krakow - Czestochowa

Jura

Adlerhorst-Burgen

Eagle’s Nest castles

Zwischen Czestochowa (Tschenstochau) und Krakau, unserem nächsten Ziel, breitet sich eine Landschaft aus, die höchst heimatliche Gefühle in uns weckt: das Krakau-Tschenstochauer Jura. Nur wenige Kilometer südwestlich von Czestochowa erheben sich aus einer Hochebene einzelne Berge, gekrönt mit bizarren weißen Felsen, die wiederum zahlreiche mittelalterliche Burgruinen tragen.
Es kommt uns vor, als habe man die Schwäbische Alb hierherverpflanzt, wenn auch etwas niedriger (der höchste Berg hier ist ca. 600m hoch, auf der Schwäbischen Alb etwa 1000m), doch die prächtigen Felsen und tief eingeschnittenen Täler müssen keinen Vergleich scheuen.

Between Czestochowa and Krakow, our next destination, is the the Krakow-Czestochowa Jura, an area of high land starting only a few kilometres to the south-west of Czestochowa and a landscape that reminds us of the Swabian Alb area near home.
It is rather as if the Swabian Alb had been transferred here from Southern Germany. Here the hills are rather lower in altitude (up to 600m instead of 1000m), but they also have magnificent craggy rocks and deep valleys.

 

 

 

In der Ferne sieht man noch die Großstadt Czestochowa, als uns der unerwartete Anblick dieser Burgruine beim Ort Olsztyn zu einer kleinen Entdeckungstour verleitet.
Wir befinden uns am Anfang einer berühmten Route, die sich zwischen Krakau und Czestochowa erstreckt. Auf den mit weißen Felsen gekrönten Insel- oder Restbergen, die aus der Jura-Hochebene emporragen, wurden ab dem 13.Jh. zahlreiche Burgen gebaut, die sich wie die aufgereihten Perlen einer etwas gefalteten Kette südöstlich bis nach Krakau ziehen. Jede Burg stand in Sichtweite zweier anderer, so dass mit Hilfe von Licht und Rauchzeichen eine schnelle Kommunikation zwischen Krakau und Tschenstochau sichergestellt war. Die Burgen sicherten die Grenze Kleinpolens nach Südwesten.

In the distance the city of Czestochowa is still in view when the unexpected sight of this castle ruin near the town of Olsztyn tempts us to make a tour of inspection.
We are at the start of a famous route stretching between Krakow and Czestochowa. On the low islands of mountains capped with white rocks standing up out of the high Jurassic plateau numerous castles were built in the 13th C which are strung out like a row of pearls leading to the south-east to Krakow. Each castle is within sight of the next so that with light and smoke signals rapid communication was ensured between the two important cities. The castles secured the border of Lesser Poland to the south-west.

 

 

 

Man kann die Reihe dieser Burgen, die wegen ihrer exponierten Lage auf felsigen Bergspitzen auch Adlerhorste genannt werden, entlangpilgern, zu Fuß, mit dem Rad oder zu Pferd. Diese wunderschöne Strecke nennt sich Adlerhorst-Route (Szlak Orlich Gniazd). Mit dem Auto muss man Umwege fahren, stößt aber immer wieder auf einzelne Burgen.
Unterhalb dieser Burg bei Olsztyn befindet sich ein Parkplatz, der auch Busse aufnimmt, so dass auch Reisegruppen mit Senioren den gut besteigbaren Burgberg erklimmen können (li).
Beeindruckend sind die Dimensionen der erhalten gebliebenen Mauern und Türme (siehe den Vergleich mit der links von der Mauer auf einem Pfad stehenden Person im Bild rechts). Die Burg bei Osztyn wurde 1306 zum ersten Mal erwähnt und 1656 von schwedischen Truppen zerstört.

This castle route - the castles are called ‘eagle’s nests’ because of their exposed positions on rocky mountain peaks - can be hiked on foot or ridden on a bike or a horse. It is called the ‘Eagle’s Nest route’ (Szlak Orlich Gniazd). With the car the route is less direct but you can still pass plenty of castles.
Below this castle near Olsztyn is a car-park which also accommodates buses, so that parties also including older people can get near to make the easy climb up to the castle keep (l).
The size of the remains of walls and towers are impressive (see for comparison the person standing on the path to the left of the wall in the right-hand picture). The Osztyn Castle was mentioned for the first time in 1306 and was destroyed by Swedish troops in 1656.

 

 

 

Wenig später stoßen wir an einem gepflegten, erhöht liegenden Parkplatz mit prächtiger Sicht ins Umland auf die Reste einer alten Kirche. Sie trägt den Namen des Märtyrers Stanislaw und wurde 1782 an der Stelle einer hölzernen Vorgänger-Kapelle aus Kalkstein erbaut. Das Gebäude steht an dem früher wichtigen Handelsweg Krakau-Tschenstochau.

Not much further just past Zarki we pass a well-cared for parking and picnicking place with a fine view out over the surrounding countryside and with the remains of an old church. It bears the name of the martyr Stanislaw and was built of limestone in 1782 on the site of a previous wooden church. The building is on what was previously the important trade route between Krakow and Czestochowa.

 

 

 

Da die Kalksteinburgen dicht an dicht stehen, entdecken wir bald ein Schild, das zu einer Burg weist, die sich wenige Kilometer von der Hauptstrasse entfernt befindet. Wir folgen dem Hinweis nach "Mirow zamek"  und erblicken die Reste einer Burg, die sich über einen großen, stark verwitterten Felsen stülpt. Große Felsnadeln und -brocken befinden sich in der unmittelbaren Umgebung.

As the limestone castles are close together we soon see another sign to a castle a few kilometres off the main road. We follow the sign to "Mirow zamek" and see the remains of a castle which is built on top of a large and weathered rocky outcrop. Large stone columns and boulders are scattered around nearby.

 

 

 

Den Innenhof darf man wegen Einsturzgefahr nicht betreten, doch er sieht abenteuerlich aus (li).
Die Fauna und Flora ist im Jura äußerst vielfältig; in den zahlreichen Höhlen nisten allein 15 Fledermausarten; die Gesamtzahl der Tierarten wird auf 5500 geschätzt. Man findet hier über 100 Pflanzenarten, die hauptsächlich im Süden Europas vorkommen. Hauswurz-Kolonien (re) besiedeln erfolgreich ausgewaschene Kalksteine.

Because of the danger of collapse access to the inner court is not allowed. The way from the inner court up the tower looks challenging! (l, seen through a window).
The flora and fauna of the Jura area are very varied. For example just of bats there 15 types nesting in the numerous caves. The total animal population (including insects) is estimated at 5500 types, there are over 100 types of plant which mainly occur in South Europe. Colonies of houseleeks (sempervivum, r) are well-established in the hollows of the limestone rocks.

 

 

 

Einige Burgen und Schlösser der Jura-Kette ließ König Kasimir der Große (1310-1370) errichten, der die Grenzen Polens mit 50 neuen Burgen sicherte; andere Festungen gehörten bedeutenden Personen aus der polnischen weltlichen oder geistlichen Elite. Über die Geschichte Mirows können wir nichts Genaueres in Erfahrung bringen. Dem polnischen Text einer Schautafel entnehmen wir nur so viel, dass die Burg wohl um 1370 erbaut wurde und seit 1787 in Ruinen liegt.

Some of the castles and palaces in the Jura chain were built by Casimir III, who secured the border with 50 new castles. Other fortresses belonged to important people belonging to the secular or clerical elite of Poland. We couldn’t find out more about the history of Mirow. From the Polish text on an information board we only managed to decipher that the castle was built around 1370 and has been in ruins since 1787.

 

 

 

Das Kalkgestein der Jura-Kette besteht aus zwei unterschiedlichen Steinarten: dem weichen Schichtkalkstein und dem harten Blockkalkstein. Während der Blockkalkstein unempfindlich gegen Verwitterung ist, ist der Schichtkalkstein wasserlöslich. Wo größere Mengen Blockkalk in den Schichtkalk eingelagert waren, wurde unter dem Einfluss des Karstwassers der weiche Kalk allmählich gelöst und übrig blieb ein Rest- oder Inselberg aus Blockkalkstein, bei kleineren Einlagerungen auch bizarre Felsformen wie die 30m hohe Herkuleskeule oder die Nadel der Deotyma.
Das Bild zeigt einen der zahlreichen aus der Jura-Hochebene ragenden Inselberge mit der typischen Felsformation auf dem Gipfel.
Etwas weiter südlich im polnischen Jura, 16km nördlich von Krakau, haben sich zwei kleine Flüsse tief in das Kalkgestein eingefressen und dabei eine höchst reizvolle Landschaft mit tiefen Tälern, steilen Felswänden, interessanten Einzelfelsen und zahlreichen Höhlen geschaffen. Dieses Gebiet heißt Ojcowski-Nationalpark und ist der kleinste und einer der beliebtesten Nationalparks Polens.

The limestone of the Jura chain consists of two different types of stone; soft bedded limestone and hard block limestone. While the hard block limestone is not susceptible to weathering the bedded limestone is soluble in water. Where large quantities of block limestone were enclosed in the bedded limestone, under the slow influence of the karst water the soft limestone eroded and left islands of block limestone; in the case of small inclusions these are now bizarre rock formations like the 30m high Hercules club or the Needle of Deotyma.
The picture shows one of the island mountains sticking up from the Jurassic plateau with the typical rock formation at the top.
Further south in the Polish Jura, 16km to the north of Krakow, two small rivers have bitten deep into the limestone and created a charming landscape with deep valleys, steep rocky cliffs, interesting single rocks and numerous caves. This area has been made into the Ojcowski National Park which is the smallest and one of the most popular Polish national parks.    

 

 

 

Beim Städtchen Podzamcze stoßen wir auf den berühmtesten Adlerhorst, das Schloss Ogrodzieniec. Mächtige Magnatengeschlechter (so bezeichnet man in Polen weltliche und geistliche Würdenträger und den Hochadel) wandelten die kleine hölzerne Burg, die seit dem 13.Jh. hier stand, allmählich in ein prächtiges Renaissanceschloss um.
Diese Burg ist sicher auch die am besten touristisch erschlossene aller Jura-Burgen. In ihr finden regelmäßig Ritterspiele oder Theateraufführungen statt; in dem sich anschließenden Wäldchen befindet sich ein Erlebnispark.

In the small town of Podzamcze we find the most famous of the Eagle’s Nests, Ogrodzieniec Castle. In the possession of wealthy and noble families the small wooden fortress that stood here from the 13th C onwards was slowly changed into a magnificent Renaissance palace.
This castle is certainly the one of the Jura castles that is best developed for tourists. Mediaeval tournaments and theatre performances take place here regularly and in the small adjoining wood there is an adventure park. 

 

 

 

Die prächtige Felskulisse benutzt Toyota, um sein neuestes Land Cruiser Produkt anzupreisen. Wir wundern uns über die eigenartige Haltung, die das männliche Model einzunehmen gebeten wird, und fragen uns, welche Käuferschichten man damit ansprechen möchte. (Vielleicht diejenigen, die “dringend mal wohin müssen”?)

Toyota apparently plans to use the magnificent rocks as backdrop for its new Land Cruiser product. We are rather amused by the unusual posture the male model is instructed to assume and wonder what group of buyers they are aiming at, (those who ‘need to go’ somewhere quickly?).

 

 

 

Die Felsformationen sind fantastisch. Das Gebilde links hielten wir fälschlicherweise für die berühmte Herkuleskeule.
Sicherlich hat es auch einen Namen. Wenn nicht, sollte man ihm einen verleihen. John assoziiert einen Drachen (Kopf links) oder einen auf dem Rücken liegenden Hasen (Kopf rechts, Beine in der Luft).

There are fantastic rock formations. We incorrectly thought the rock on the left was the famous ‘Hercules’ Club’.
As a whole the formation reminds me of a dragon, (but then it could also be a rabbit lying on its back with its feet slightly curled). Any better ideas? 

 

 

 

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Das Innere des Schlosses überrascht durch seine Größe. Mehrere Souvenirläden verleiten die Touristen -  häufig ganze Schulklassen, die mit Bussen herangekarrt werden - zum Kauf einer Armbrust, eines Schwertes oder eines Zinnritters. Leider sind unsere Söhne zu alt für derlei Mitbringsel.

Inside the castle is surprisingly large. Several souvenir stalls and shops are there to tempt the tourists, often busloads or whole school classes, to buy a useful crossbow, a sword or a tin model knight. Unfortunately our sons are too old for souvenirs like this.

 

 

 

Wir werden Zeugen eines mit viel Pathos dargestellten Ritterspiels. Das dritte Mädchen von rechts weiß noch nichts von dem Schock, den sie gleich erleiden wird, wenn der Ritter mit der grünen Jacke (er hat sie schon im Auge) auf sie zustürzen und ihr das Schwert an den Hals legen wird.

We witness a dramatically portrayed mediaeval drama. The third girl from the right doesn’t yet know of the shock she is about to get. A few seconds later the knight with the green jacket, (she has already caught his eye), rushes at her and holds his sword to her throat.  

 

 

 

Von einem der Türme blicken wir auf den hinteren Bereich der weiträumigen Anlage. Nachdem schwedische Soldaten 1655 auch dieses Schloss beschädigt hatten, ließen es nachfolgende Magnaten mit Wehrmauern befestigen.

From one of the towers we look down at the rear part of the large enclosed area. After Swedish soldiers had damaged the castle in 1655 the subsequent magnates improved the defensive fortifications. 

 

 

 

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Aus diesem Blickwinkel kann man die Größe des Schlosses und die Einbeziehung der Kalksteinfelsen in das Gebäude gut erkennen. Einstmals soll es so schön wie das Wawelschloss in Krakau gewesen sein.
1702 wurde es von schwedischen Truppen in Brand gesetzt, was zu seinem allmählichen Untergang führte. 1810 soll der letzte Besitzer das Schloss verlassen haben. Heute hat es den Ruf, die schönste Ruine Polens zu sein.

From this side the size of the castle and how the limestone bedrock has been incorporated into it can be seen very clearly. Once the castle was apparently as beautiful as the Wawel Castle in Krakow.
In 1702 it was set on fire by Swedish troops, which led to its ultimate decay. In 1810 the last owner abandoned the castle. Nowadays it has the reputation of being Poland’s most beautiful ruin.

 

 

 

Während dieser Fahrt nach Krakau begegnet uns zum ersten Mal ein Pferdekarren. Wir hatten wesentlich mehr erwartet: Ist Polen nicht ein Pferde(karren)land? Auf der ganzen Rundreise sahen wir vielleicht 4 davon. Wenn etwas den rapiden gesellschaftlichen Wandel Polens symbolisiert, dann ist es vielleicht das Aussterben der Pferdekarren.

Later on the drive to Krakow we see for the first time a horse and cart on the road. We had expected far more. Isn’t Poland a horse-and-cart land? During our whole five week trip we saw only about four of them. If anything clearly demonstrates the rapidity of social change in Poland it is perhaps the demise of the horse-drawn cart.   

 

 

 

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