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 E & BJ Capper Nagold 2008/2009

 

9. - 10.5.2008

Breslau

Wrocław

Reizvolle Stadt mit Weltkultur

Charming city with world cultural heritage

Heute nähern wir uns der Hauptstadt Niederschlesiens, Wroclaw, auf deutsch Breslau. Die Straße schlängelt sich durch eine liebliche, fruchtbare Hügellandschaft; ausgedehnte Rapsfelder setzen farbliche Akzente.

Today we approach Wroclaw, the capital of Lower Silesia. On the way the road curves through fertile and gently hilly countryside. Here extensive rapeseed fields add broad patches of colour. 

 

 

 

Die viel gerühmte Stadt Breslau, auch polnisches Venedig oder Stadt der hundert Brücken genannt (tatsächlich sollen es 127 sein), empfängt uns mit einem nervtötenden Verkehrsstau, der uns jedoch so manchen Blick auf markante Gebäude erlaubt, hier ein modernes Erlebnisbad, zu dem Badelustige mit zahlreichen Bussen gekarrt werden.

The highly praised city of Wroclaw, also called Polish Venice or town of the hundred bridges (in fact there are apparently 127), welcomes us with a long-lasting and tedious traffic-jam. That gives us time to look at some impressive buildings, here a modern indoor waterpark with the buses that have delivered up their loads of adventurous bathers.

 

 

 

Breslau besitzt ein Weltkulturerbe (seit 2006), das 1913 östlich der Altstadt fertiggestellt wurde und den 2. Weltkrieg entgegen der ansonsten horrenden Zerstörung der Stadt weitgehend unbeschadet überstanden hat. Es handelt sich um die vom deutschen Architekten Max Berg erbaute "Jahrhunderthalle" (polnisch Halla Ludowa, Volkshalle genannt). 1913 feierte man das hundertjährige Jubiläum der Befreiung von der Herrschaft Napoleons I  ("Völkerschlacht bei Leibzig"), an der Breslauer Bürger maßgeblich mitbeteiligt waren. Bis 1945 war Breslau mit Leipzig zusammen die fünftgrößte deutsche Stadt.

Die Bedeutung des Bauwerks können wir nur langsam erfassen, erinnert es beim ersten Anblick doch an eine etwas in die Tage gekommene Bahnhofshalle. Tatsächlich handelt es sich hier um den damals weltgrößten Kuppelbau aus Stahlbeton, zweimal so groß wie die Kuppel des Pantheons in Rom. Obwohl der Architekt eine sakrale Formsprache benützte, enthielt er sich doch jeglicher Verzierung. Die Schönheit sollte über die reine Konstruktion erreicht werden, wobei damalige ästhetische Vorstellungen eines repräsentativen Raumes auf den Kopf gestellt wurden. Max Berg schuf einen Meilenstein der modernen Architektur.

Since 2006 Wroclaw possesses a World Cultural Heritage building complex which was built in 1913 to the East of the city centre and which survived the 2nd WW devastation of the rest of the city almost undamaged. It is the Centenary Hall, (in Polish ‘Halla Ludowa’, ‘Peoples Hall’), built by the German architect Max Berg. (As a reminder: at that time Wroclaw was in Germany and was called Breslau.) In 1913 the centenary of the liberation from Napoleon I’s rule at the Battle of Leipzig was celebrated. It was a battle in which the citizens of Leipzig were significantly involved.

It took some time for us to realize the importance of the structure, as the initial impression is of a rather dated railway station building. In fact at the time of building it was the world’s largest domed structure made of reinforced concrete, twice as large as the dome of the Pantheon in Rome. Although the architect used the form of a sacred building he avoided any kind of decoration. The beauty was to be achieved solely by the purity of the construction. Contemporary aesthetic ideas of what a representative hall had to look like were completely overturned and Max Berg created a milestone in modern architecture.

 

 

 

Die stählerne "Nadel", an die hundert Meter hoch, die vor der Halle errichtet wurde, erzählt wiederum eine andere Geschichte. Sie wurde 1948 hier aufgestellt, nachdem die deutschen Bewohner vertrieben worden waren und die Stadt mit ebenfalls heimatvertriebenen Polen neu besiedelt worden war. Anlass war eine "Ausstellung der wiedergewonnenen Gebiete".

The 96m high steel needle called ‘Iglica’ in front of the Centenary Hall tells another story. It was erected here in 1948 after the German population had been expelled and the city had been newly populated with Poles, who in their turn had been expelled from their homes. The occasion was an exhibition about the regained territories.

 

 

 

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Die Halle ist ein reiner Zweckbau. Im Laufe der Geschichte diente sie als Ausstellungsraum, Konzertsaal, Sporthalle, in den 1970-80er Jahren als Kino, zuvor aber auch als Bühne der Nazis. Sie hat 6000 Sitzplätze, kann aber mit Stehplätzen bis 20000 Menschen aufnehmen. 32 Gewölberippen bilden die 65 Meter weite Kuppel.
Die neue Konstruktionstechnik war 1913 für die Arbeiter so beängstigend, dass sie sich weigerten, die Verschalungen der Betonpfeiler zu entfernen - aus Angst, die Halle würde zusammenbrechen. Der Architekt musste einen Passanten von der Straße überreden, die erste Verschalung mit ihm zusammen zu entfernen.

In die Halle wurde die damals weltgrößte Orgel eingebaut (über  15000 Pfeifen und 200 Register). Zu ihrer Einweihungsfeier im Herbst 1913 hatte Max Reger eigens ein monumentales Orgelwerk komponiert. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Orgel auf drei neue Orgeln aufgeteilt, wobei auch die Breslauer Domorgel entstand, die bis heute größte Orgel Polens.

The hall is a purely functional building. In the course of its history it has served as exhibition hall, concert hall, sport arena, in the 1970s and ‘80s as a cinema, prior to that also as a stage for the Nazis. It has seating for 6000 and standing room for a further 14000 people. 32 ribbed arches form the 65m wide dome.
In 1913 the new construction technique was so terrifying for the building workers that they refused to removed the formwork used in making the concrete pillars as they feared the hall would collapse. The architect managed to persuade a man passing on the street to help him to remove the formwork!

The then world’s largest organ was built into the hall with over 15000 pipes and 200 registers. For the dedication celebrations in 1913 Max Reger composed a monumental organ composition. After the 2nd WW the organ was divided up to make three organs, of which the one in Wroclaw Cathedral is currently the largest organ in Poland.

 

 

 

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Die Jahrhunderthalle bildet das Zentrum des Breslauer Messegeländes, das zwischen 1911-13 entstand. Zu ihm gehört auch die monumentale Pergola, die in einem riesigen Bogen an die Halle anschließt und dabei einen künstlichen See umfasst.

The Centenary Hall is the focal point of the Wroclaw exhibition centre that was established between 1911 and 1913. The monumental pergola belongs to it as well, which starts and ends at the hall in a huge arc and surrounds an artificial lake.

 

 

 

Die Bänke am See sind für die Breslauer Studenten oder Jugendlichen ein beliebter Ort zum Lernen und Flirten.
 Mehr als 140000 Studenten beherbergt die Stadt. Entsprechend lebhaft soll auch das Nachtleben sein.

The benches around the lake are a popular place for the students and young people of Wroclaw to study or to flirt.
The city has more than 140000 students and the nightlife is apparently correspondingly lively.

 

 

 

1913 wurde als Teil der Jahrhundert-Ausstellung auch ein japanischer Garten gegründet. Ein Gartenarchitekt aus Tokio wachte darüber, dass die Anforderungen, die die Japanische Gartenkunst an einen Garten stellt, auch erfüllt wurden, so z.B. die Schaffung zweier Kaskaden, einer ruhigen, "weiblichen", und einer wilden, "männlichen". Beide münden in den großen südlichen Teich der Anlage (Foto).
Der Garten, der in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhundert sehr gelitten hatte, wurde 1993 restauriert. Die alte Brücke über den Teich wurde dabei durch eine neue Holzbrücke ersetzt.

As part of the centenary exhibition in 1913 a Japanese garden was laid out. A garden architect from Tokyo ensured that the rules of Japanese garden architecture were kept to, e.g. that two waterfalls were created, one calm, “female”, and one wild “male”. (Maybe gender roles are less stereotyped today.) Both waterfalls lead into the large southern lake (photo) of the garden.
The garden suffered badly in the later decades of the last century but was restored in 1993 and the old bridge over the lake was then replaced by a new wooden one.

 

 

 

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Anfang Mai blühen im Park überall die Rhododendronbüsche, was uns zu einer ausschweifenden Blütenknipserei verführt. Hier unsere zwei besten Exemplare.

In early May rhododendrons are flowering everywhere in the park. That set us (mostly Elli) off on an excessively long flower photo session. Here two (of hers) we like best.

 

 

 

Traumhafte Kulissen ziehen verliebte Pärchen an. Die jugendliche Stadt Breslau bietet viele davon - Pärchen und Kulissen-, besonders in den romantischen Ecken des Japanischen Gartens.

Beautiful scenery attracts couples in love. Wroclaw offers plenty of both - scenery and couples - and the Japanese garden is full of romance. 

 

 

 

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Aber bei weitem nicht nur dort - siehe obige Panoramaaufnahme.
Wir verlassen den östlichen Stadtteil mit der Jahrhunderthalle und begeben uns zum alten Stadtkern, der im Wesentlichen aus der Altstadt und der Sand- und Dominsel besteht. Die Oder gliedert sich im Stadtgebiet Breslaus stark auf und bildet 12 Inseln, auf denen die heutige Stadt liegt.
Über den Hauptarm der Oder hinweg blicken wir hier auf die Sandinsel mit der Sandkirche (links), von der eine blaue gußeiserne Brücke zur Dominsel hinüberführt, der eigentlichen Keimzelle der Stadt. Auf der Dominsel erkennt man links die Kreuzkirche, daneben das Erzbischöfliche Palais und anschließend die Kathedrale.
Die bunten Luftballon-Bündel auf dem Fluß kennzeichnen die Ziellinie eines Ruder-Wettbewerbs. Am heutigen Tag findet der Odra-Cup 2008 statt (siehe Banderole unterhalb der Kathedrale).

But not only there - see the panorama picture above.
We leave the eastern part of the city with the Centenary Hall and move to the old centre of the city, which consists mainly of the Town Square area and the Sand and Cathedral Islands. The River Oder splits into arms and forms the 12 islands on which today’s city is built.
Here we look across the main arm of the Oder to the Sand Island with the Sand Church on the left, from which a blue cast iron bridge leads across to the Cathedral Island, the old nucleus of the city. On Cathedral Island the Church of the Holy Cross is on the left, next to it the Archbishop’s Palace and then the Cathedral with its twin towers.
The coloured bunches of balloons and buoys on the river mark the finishing line of a rowing regatta. Today the Oder Cup 2008 is taking place. (In the expanded picture you can just read the banner below the cathedral.)

 

 

 

Wir machen uns auf den Weg zu diesen zwei Oderinseln. Dabei stoßen wir auf der Sandinsel zuerst auf die gewaltige  Kirche Maria auf dem Sande, die zwischen 1334-1425 erbaut wurde. Sie gehört zu den großartigsten Zeugen der Backsteingotik Breslaus.
Im 18.Jh. wurde sie aufwändig barockisiert und erhielt eine der schönsten Orgeln Schlesiens. In den letzten Wochen des 2. Weltkriegs wurde die Kirche während des Festungskrieges schwer beschädigt, später jedoch - diesmal ohne die reiche Barockausstattung und ohne Orgel - wieder aufgebaut. Aufgrund der fehlenden Barockpracht kommt die beeindruckende Backsteinarchitektur im Innern der Kirche wieder mehr zur Geltung. An den Stützpfeilern hängen die schönen Altäre anderer aufgegebener Kirchen Schlesiens.

We set off towards these two islands in the Oder. On Sand Island first of all we come past the mighty Church of the Blessed Virgin Mary (Sand Church), which was built between 1334 and 1425 and is a most impressive example of Wroclaw’s Backstein Gothic, (‘Brick Gothic’ as stone as a building material was rare).
In the 18th C it was elaborately restyled to Baroque and one of the most beautiful organs in Silesia was installed. In the last weeks of the 2nd WW the church was badly damaged during the siege of the city. It was later restored, but without the rich Baroque decoration and without the organ. Because of the missing Baroque decoration the impressive brick architecture in the church interior shows itself to full advantage.  On the columns hang beautiful altar pieces from other abandoned Silesian churches.

 

 

 

Über die hübsche gußeiserne Dombrücke (Most Tumski) gehen wir zur Dominsel hinüber. Die Insel ist seit dem 9.Jh. bewohnt. Auf ihr befand sich der älteste Fürstenhof, der 1241 mit der restlichen Stadt auf das gegenüberliegende Oderufer verlegt wurde. Seitdem beherbergt sie nur Kirchen (hier: die Heiligkreuzkirche) und den Sitz des Erzbischofs und des Klerus. Auch ein Hinweisschild für ein Studio des kirchlich und politisch sehr einflussreichen konservativen Radiosenders "Radio Maryja" konnten wir hier entdecken.

We walk over the pretty cast iron Cathedral Bridge (Most Tumski) to Cathedral Island. The island has been inhabited since the 9th C. On it was the oldest prince’s court, which was moved with the rest of the town onto the opposite shore of the River Oder in 1241. Since then the island is occupied mostly by churches (here the Church of the Holy Cross) and the seat of the Archbishop and clergy. We also noticed a sign for the studio of the conservative church radio station “Radio Maryja”, which is politically very influential in Poland.  

 

 

 

An allen möglichen Ecken sieht man junge Frauen sitzen, die eines der zahlreich vorhandenen künstlerischen Motive auf Papier bannen  (links) - wahrscheinlich handelt es sich dabei um Studierende der hiesigen Kunstakademie.

Auf dem rechten Bild sieht man das Eingangsportal zum Dom Johannes der Täufer. (Man findet beide Bezeichnungen für diese Kirche, Dom oder Kathedrale. Eine Kathedrale muss immer ein Bischofssitz sein, ein Dom kann einer sein. Die polnische Bezeichnung lautet "Katedra sw. Jana Chrzciciela.)

On all sorts of corners young women were sitting committing one of the numerous scenic motives to paper (left) - very probably students of the art academy in the city.

In the right-hand picture is the portal of the Cathedral of St. John the Baptist. The Polish name of it is "Katedra sw. Jana Chrzciciela.)

 

 

 

Seit dem Jahr 1000 stand an dieser Stelle eine Kirche; der jetzige Bau ist der vierte. Der älteste Teil ist der gotische Chor im Hintergrund des Fotos. Er wurde 1245 dem romanischen Schiff angefügt und war das erste gotische Gebäude in Polen. Die heutigen Schiffe entstanden im 14.Jh., die beiden Türme im 15.Jh.
Der Dom wurde während der Belagerung Breslaus um Ostern 1945 schwer zerstört, später jedoch wieder aufgebaut. Am besten erhalten und besonders sehenswert sind die drei Kapellen an der Giebelwand, die wir leider nicht betrachtet haben.

Dafür fahren wir mit einem Aufzug auf einen der Türme. Für uns  ist es der erste Aufzug, in dem ein Kreuz hängt. Wir sind unsicher, ob uns das tröstet oder eher beunruhigt.

This is the interior of the cathedral. A church has been standing on this site for 1000 years, the current one is the fourth. The oldest part is the Gothic choir in the background of the left photo. It was added to the Romanesque nave in 1245 and was the first Gothic building in Poland. Today’s nave was built in the 14th C, the two towers in the 15th C.
The cathedral was badly damaged during the siege of Wroclaw around Easter 1945, but was later rebuilt. Best-preserved and especially worth looking at are the three chapels in the end wall, which we unfortunately did not see.

Instead we take the lift to go up one of the towers, which has a cross hanging in it (r). We are not sure if that should comforts us or worry us!

 

 

 

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Jedenfalls bringt uns der Aufzug sicher zur Aussichtsplattform.
Man mag sich drehen und wenden wie man will: Überall liegt Breslau! Hier blicken wir auf die Innenstadt und die Vororte nordwestlich der Oder. Das rote Backsteingebäude im Vordergrung beherbergt das Theologische Seminar. Auch Breslau wurde in sozialistischen Zeiten mit Plattenbauten eingedeckt, doch diese wurden renoviert und sind von üppigen Grünanlagen umgeben.
Breslau ist diejenige Stadt Polens mit den meisten Parks. 25qm Grünfläche sollen durchschnittlich jedem Einwohner (632000 an der Zahl) zur Verfügung stehen.
Rechts im Bild erkennt man das breite Band der Oder. Der Fluss wird im Hintergrund von der berühmten Kaiserbrücke (Most Grunwaldzki) überspannt, einer Hängebrücke aus Stahl von 1910, die von zwei mächtigen Granitpfeilern gestützt wird.

At any rate the lift makes a safe trip to the viewing platform at the top.
Not surprisingly - in every direction is Wroclaw. Here we look towards the city centre and towards the suburbs north-west of the River Oder. In the red brick building in the foreground is a theological seminary. In socialist times Wroclaw (as other towns) received its share of prefabricated concrete slab buildings, but these have been renovated and surrounded by flourishing green areas.
Wroclaw is the city in Poland with the most parks. Per inhabitant (632000 of them) there are supposed to be about 25m².
On the right the broad band of the Oder can be seen. In the background the river is crossed by the famous Emperor’s Bridge (Most Grunwaldzki), which is supported by two mighty granite piers.   

 

 

 

Nun blicken wir in die entgegengesetzte Richtung, nach Westen. Rechts ragt die Heiligkreuzkirche empor, links davor führt die blaue Dombrücke zur Sandinsel mit der Sandkirche (siehe oben) und links im Hintergrund befinden sich die Universitätsgebäude und die Altstadt.

In the picture we are now looking in the opposite direction towards the West. On the right the Church of the Holy Cross towers up; to the left of it the blue Cathedral Bridge leads away from us over to Sand Island with the dark Sand Church on it (centre) and in the background on the left university buildings and the old city centre.

 

 

 

Mit dem Tele haben wir uns an Teile der Universitätsgebäude (vorne Bildmitte) mit der integrierten St. Vinzenz-Kirche herangezoomt. Dahinter ragt der gewaltige Turm der Elisabethkirche in den Himmel.
Die Kirche markiert den nordwestlichen Rand des phänomenalen Marktplatzes (Rynek), der sich folglich linkerhand an die Kirche anschließt.
Vorne links erkennt man den Turm der im Jugendstil erbauten riesigen Markthalle, die wir vier Bilder weiter unten von innen betrachten.

With the telephoto we zoom onto part of the university (front, centre) with St. Vincent’s Church integrated into it. Behind the mighty tower of St. Elizabeth’s Church soars up into the sky.
The church marks the north-western edge of the phenomenal market place (Rynek), which adjoins the church on the left.
Front left is the tower of the huge Market Hall, built in Art Nouveau style, which we visit later (four pictures down). 

 

 

 

Die Türme des Doms (auf einem von ihnen stehen wir ja) wurden wie der Rest der Kirche im 2.Weltkrieg schwer beschädigt. Erst 1991 erhielten sie wieder ihre spitzen Turmhelme. Aus dieser Zeit stammt sicher auch der fantasievolle Wasserspeier (links).

Die Turmspitzen der Maria-Magdalenen-Kirche (rechts) - auch sie befindet sich am Rand des Marktplatzes - wirken noch verstümmelt. In ihr hielt 1523 Johannes Hess, der Reformator von Breslau, seine erste Predigt. Wie ganz Schlesien wurde auch Breslau rasch evangelisch. Nach dem 2.Weltkrieg und dem Fall des Eiseren Vorhangs trat der Katholizismus - wie in ganz Polen - wieder stark in den Vordergrund.

The towers of the church - we are still at the top of one of them - were badly damaged in the 2nd WW, so was the rest of the church. In 1991 they their pointed tower roofs were added again. The amusing and fantastic gargoyle (l) must date from that time.

The towers of the Mary Magdalene Church (right), which also adjoins the Market Square, look rather truncated. This is where Johannes Hess - the Wroclaw Reformer - preached his first sermon in 1523. Like the rest of Silesia Wroclaw rapidly became Protestant. After the 2nd WW and the fall of the Iron Curtain Catholicism came strongly into the foreground here, as it did in the whole of Poland.

 

 

 

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Zum Abschluss dieser Bildreihe, die wir von Turm des Doms aus schießen, ein Blick nach Nordwesten mit der Kreuzkirche links, neueren Stadtteilen in der Mitte und rechts dem Botanischen Garten.

To finish off this series of pictures taken from the top of the Cathedral tower, here is the view to the north-west with the Church of the Holy Cross on the left, newer suburbs in the centre and on the right the Botanical Garden.

 

 

 

Die Markthalle von innen. Das üppige Angebot verführt uns zum Kauf, so dass wir anschließend schwere Plastiktüten durch die Stadt schleppen müssen.
Breslau, das reich gesegnet ist mit Bauwerken der unterschiedlichsten Stilrichtungen, hat sich Anfang des 20.Jh. eine beachtliche Jugendstil-Markthalle geleistet. Das Innere weckt mit seinen elliptischen Stahlbetonpfeilern Erinnerungen an die zeitgleich errichtete Jahrhunderthalle (siehe oben).

The Market Hall from inside. The ample choice or produce tempted us to buy too much and afterwards we had to carry heavy plastic bags a long way back through the town to where we had parked.
Wroclaw is richly endowed with buildings of various periods and allowed itself this impressive Art Nouveau (‘Jugendstil’) Market Hall at the start of the 20th C. The interior with its elliptic reinforced concrete supports is a reminder of its contemporary, the Centenary Hall (see above).

 

 

 

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Erst am Nachmittag des zweiten Tages unseres Breslau-Aufenthalts gelingt es uns, zum eigentlichen Kern und faszinierenden Mittelpunkt der Stadt vorzudringen: zum Marktplatz oder Ring, auf polnisch Rynek genannt.
Nach dem verheerenden Mongolensturm 1241 wurde Breslau planmäßig und rasterförmig wiederaufgebaut. Ins Zentrum legte man den 175x212 Meter großen Marktplatz, in dessen Mitte im Laufe der Jahre weitere Häuserzeilen und das prächtige gotische Rathaus errichtet wurden (Bild Mitte).
Die wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung, die Breslau im Verlauf der kommenden Jahrhunderte erlangte, spiegelt sich wieder in den Fassaden der prächtigen Bürgerhäuser.
Wir sind von Südwesten, vom rechten Rand des Panoramas, auf den Platz getreten. An diese Ecke schließt sich sofort der Salzmarkt an, ein ebenfalls mit prachtvollen Häusern umgebener Platz.

In the afternoon of our second day in Wroclaw we manage to get to the real centre and fascinating midpoint of the city: the Market Square, in Polish ‘Rynek’

After the devastating storm of the Mongols in 1241, the rebuilding of Wroclaw was carefully planned using a grid pattern. In the centre was the big Market Square (175 x 212 metres) and in the middle of it over the years further rows of buildings and the magnificent Gothic Town Hall (centre) were added.
The cultural and economic importance that Wroclaw achieved in the course of the following centuries is reflected in the facades of the resplendent town houses.
We came from the south-west into the Market Square, (from the right-hand edge of this panorama picture). The Salt Market - another square with fine houses around it - adjoins the Market Square in this corner.

 

 

 

Das Rathaus aus der Nähe.
Im 14. und 15.Jh. erbaut, ist es eines der wertvollsten Baudenkmäler Polens. Die spätgotische Südfassade weist mit ihren aufwändig gestalteten Südfenstern schon auf die Renaissance hin. Unter dem mittleren Fenster befindet sich der Eingang zum berühmten "Schweidnitzer Keller", einer seit 700 Jahren bestehenden Gaststätte. Viele Gäste sitzen an diesem schönen Tag vor dem Restaurant unter bunten Markisen. Das Gebäude selbst ist heute ein Museum mit prächtigen Sälen und Büsten berühmter Breslauer Persönlichkeiten (Gerhard Hauptmann, Ferdinand Lasalle, Edith Stein, die Hl. Hedwig u.a.).

The Town Hall from closer up.
Built in the 14th and 15th Cs, it is one of the most valuable historical buildings in Poland. The late Gothic south facade with its elaborately styled  windows witnesses to the Renaissance. Below the central window is the entrance to the famous “Swidnica Cellar”, a restaurant with a 700-year history. On this fine day many guests are sitting under colourful marquees in front of the restaurant. The building itself now houses a museum with impressive pillars and with busts of notable personalities of Wroclaw (Gerhard Hauptmann, Ferdinand Lasalle, Edith Stein, St. Hedwig and others).

 

 

 

Es ist höchst vergnüglich und unterhaltsam, um den großen Platz zu schlendern. Live-Bands laden in eine der vielen Bars ein, drei martialisch gekleidete Frauen werben wohl für eine Disco, und unter zahllosen Sonnenschirmen schlemmen Touristen.

It is most entertaining to wander around the Market Square. A live band entertains people in front of one of the many bars (l). The three martially styled girls (r) are probably promoting a disco and everywhere the tourists are regaling themselves under numerous sunshades.

 

 

 

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In der nordwestlichen Ecke findet sich sogar genug Platz für ein Fußballtournier mit angrenzender Tribüne. Der gesamte Platz scheint vor Lebendigkeit und Lebenslust zu vibrieren. Irgendwie hatten wir das von einer polnischen Großstadt nicht erwartet. Ganz ähnlich sieht es jedoch auch in Krakau, Warschau und Danzig aus. Doch davon später mehr.

In the north-west corner there is even enough room for a football competition including grandstand. The whole square seems to vibrate with liveliness and lust for life. We somehow hadn’t expected that in a large Polish city, but it was similar also in Krakow, Warsaw and Gdansk. More of that later.

 

 

 

Der gleiche Schauplatz wie oben aus einem etwas anderen, lichtgünstigeren Winkel.
Breslau wurde in den letzten Wochen des 2.Weltkriegs zu 70% zerstört. In dem von Hitler verordneten Festungskrieg wurde laut einer zeitgenössischen Zeitung bitter nicht nur um jedes Haus, sondern um jedes Fenster gekämpft. Eine Woche nach Hitlers Selbstmord musste sich auch Breslau ergeben. Tausende deutsche und sowjetische Soldaten und hunderttausende Zivilisten fanden den Tod. Die restlichen Deutschen wurden vertrieben und die Stadt mit ebenfalls vertriebenen Ostpolen (viele aus dem nun ukrainischen Lemberg) neu besiedelt.
Breslau, nun Wroclaw genannt, erhielt vom verarmten polnischen Staat kaum Aufbauhilfen, jahrelang lag die Stadt in Trümmern. Doch dann wurde jahrzehntelang fachkundig und liebevoll nach alten Bildern rekonstruiert.
Der Wiederaufbau der Innenstadt gehört zu den Ruhmestaten polnischer Rekonstrukteure und Handwerker. Ein wunderbares Ensemble historisch aufeinander bezogener Bauten wurde der Menschheit zurückgegeben. Dieser Sinn für die Bewahrung des Historischen, in diesem Fall der Hinterlassenschaften des grausamen und erbittert bekämpften Feindes, hat uns hier und anderswo außerordentlich erstaunt.

More or less the same scene as before, but now not photographing directly into the light.
in the last few weeks of the 2nd WW 70% of Wroclaw was destroyed. Hitler had ordered a last-ditch stand in the besieged city and according to a newspaper of the town there was fighting not just for each house but even for each window. A week after Hitler’s suicide Wroclaw had to capitulate. Thousands of German and Russian soldiers and hundreds of thousands of civilians lost their lives. The remainder of the German population was expelled and the city was repopulated with Poles from the East, who had also been expelled from their homes, many of them from Lwiw, now in the Ukraine.

Wroclaw, is it is now known, (previously the German city of Breslau), received hardly any help in rebuilding from the impoverished Polish state and lay in ruins for years. But then it was restored carefully and skilfully from old pictures over decades.
The restoration of the inner city is a masterpieces of Polish restorers and craftsmen. A wonderful collection of historical and related buildings was given back to mankind. This feeling of the importance of recovering history, in this case the history of a nation that was once a bitter and cruel enemy, impressed us very deeply both in Wroclaw and elsewhere.   

 

 

 

In der Ecke hinter uns steht die wegen ihres bunten Dachs und des größten Kirchturms der Stadt (86m) auffällige Kirche der Hl. Elisabeth, die heute eine Garnisonskirche ist.
Interessant sind die beiden schmalen Häuser vor ihr, die mit einem barocken Bogen verbunden sind. Der Volksmund nannte sie "Hänsel und Gretel".

In the corner behind us is the Church of St. Elizabeth which stands out because of its colourful roof and the highest church tower (86m) of the city. Nowadays it functions as a garrison church.
The two high but slim buildings in front of it - connected together by a Baroque arch - are also of interest. They are commonly known as “Hansel und Gretel”.

 

 

 

Den altertümlichen Elementen wie Fassaden und Gaslaternen wurden auch beeindruckende neue hinzugefügt wie der an Eisberge und Wasserfälle erinnernde Brunnen, ein Anziehungspunkt für die jüngsten Breslauer Bewohner.

Impressive modern elements have been added to the ancient facades. Here there are gas lanterns and a fine fountain combining glass and water effects, which is an attraction especially for Wroclaws youngest citizens.

 

 

 

 

Das dunkelste Kapitel der Breslauer Geschichte wurde hinter diesem Portal aufgeschlagen: Von diesem Platz wurden die Breslauer Juden von den Nazis in die Vernichtungslager deportiert. Die jüdische Gemeinde, die sich als sehr "deutsch" empfunden hatte, deren Söhne im 1.Weltkrieg auf Seiten der Deutschen gekämpft hatten und deren Grabinschriften auf deutsch verfasst worden waren, wurde praktisch ausgelöscht.

The darkest chapter in Wroclaws history opened up behind this portal (l), which leads into a large courtyard.

The German text of the plaque on the courtyard wall:

“Out of the depths I cry to you, O Lord. Ps. 130

From this place in the years 1941-1944 the Jews of Wroclaw were deported by the National Sozialists to the extermination camps.

We never want to forget it”

The Jewish community previously had felt itself integrated into Germany: their sons had fought for the country in the 1st WW and their gravestones had German texts on them. The community was practically wiped out.

 

 

 

Eine Seite dieses kleinen Platzes wird von der einzigen Synagoge Breslaus begrenzt, die das Naziregime überlebt hat: die Storchen-Synagoge, die in der Reichspogromnacht von der SA nur deshalb verschont wurde, weil sie zu nah an anderen Wohngebäuden stand.
Nach dem 2.Weltkrieg versammelten sich einige wenige zurückgekehrte Juden in ihr. Doch nach dem Sechstagekrieg 1968 wanderten die meisten Breslauer Juden wegen der antisemitischen Politik von Parteichef Gomulka nach Israel aus.
Heute ist das Interesse an dieser Synagoge neu erwacht. Die Vorderfront wurde bereits renoviert.

On one side of the courtyard is the only synagogue in Wroclaw that survived the Nazi regime, the ‘Stork’ synagogue. It was only spared in the Kristallnacht (‘the Night of Broken Glass’) as the the Nazis didn’t ignite it because of fire danger to surrounding buildings.
After the 2nd WW the few Jews who returned gathered here, but after the Six Day War in 1968 most of Wroclaw’s Jews emigrated to Israel because of the the anti-Semitic politics of the Communist Party leader Gomulka.
Today there is again increased interest in the synagogue and the front side has already been restored.

 

 

 

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