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 E & BJ Capper Nagold 2008/2009

 

6. - 7.5.2008

Jawor/Jauer & Świdnica/Schweidnitz

UNESCO- Friedenskirchen

UNESCO
Churches of Peace

An zwei Tagen Anfang Mai besuchen wir 3 Städte, mit deren Hilfe wir die wechselvolle Geschichte Schlesiens während der letzten 800 Jahre zu begreifen versuchen: Es handelt sich um Jawor/Jauer, Legnica/Liegnitz und Swidnica/Schweidnitz.
Schlesien hat keine natürlichen Grenzen; es entstand durch seine Geschichte. Es ist ein Durchgangsland in der Mitte Europas. Mit den historischen Geschehnissen veränderten sich auch ständig seine Grenzen, zum letzten Mal 1945, als es - bis auf einen kleinen Zipfel westlich der Neiße (siehe Muskauer Park) - von den Siegermächten Polen zugewiesen wurde.

Die bedeutendsten Herrschaftswechsel vollzogen sich überraschenderweise in Schritten von ca. 200 Jahren: Unter der Herrschaft der Piasten (1137-1335) wurde Schlesien durch die Besiedlungspolitik auf friedliche Art ein deutsches Land, allerdings zersplitterte es im Laufe der Zeit in viele kleinere, politisch machtlose Fürstentümer. Danach fiel es für ca. 200 Jahre an Böhmen. 1526 gelangte Böhmen mitsamt Schlesien im Erbgang an Österreich, an das Haus Habsburg. Nach weiteren gut 200 Jahren fiel Schlesien nach dem ersten Schlesischen Krieg an Preußen, wo es wiederum ziemlich genau 200 Jahre verblieb (bis 1945).

During two days in May we visit three towns, Jawor, Legnica and Swidnica, from which we try to get some impression of 800 years of the changeful history of Silesia. (The German town names are Jauer, Liegnitz and Schweidnitz.)
Silesia has no natural borders. It is a transit country in the middle of Europe, and its borders were often changed by historical events. Most recently in 1945 it was assigned by the victorious allies to Poland, apart from a small corner to the west of the Neisse (see Muskauer Park).

The most significant changes happened interestingly each time at approximately 200 year intervals: Under the rule of the Piast dynasty, (1137-1335), their settlement policy made Silesia into German territory peacefully, but later, in the course of time, it split up into many small and politically weak principalities. After that it fell to Bohemia for about 200 years. In 1526 Bohemia including Silesia passed by inheritance to the Austrian House of Habsburg. After the first Silesian War about 200 years later, Prussia took over Silesia and kept it for the 200 years up to 1945.

Wenn wir obiges Bild von einem gewaltigen Fachwerkgebäude im Ort Jawor betrachten, müssen wir uns in die habsburgische Zeit (1526-1742) hineindenken. Es handelt sich um eine der drei "Friedenskirchen", die am Ende des Dreißigjährigen Kriegs gebaut wurden.

This mighty half-timbered building in the town of Jawor dates back to the Habsburg period (1526-1742). It is one of the three ‘Churches of Peace’ which were built at the end of the Thirty Years’ War.

 

 

 

Schlesien wurde zu Beginn des 16. Jh. in erstaunlich kurzem Zeitraum evangelisch, doch dann begann der Dreißigjährige Krieg und mit ihm die katholische Gegenreformation. Schlesien schlug sich auf die Seite der protestantischen Schweden und unterlag den katholischen Habsburgern schließlich. Im Westfälischen Frieden 1648 musste der habsburgische Kaiser auf Druck der Schweden den schlesischen evangelischen Gläubigen drei eigene Kirchen zugestehen, von denen diejenigen in Jawor und Swidnica erhalten geblieben sind.
Es galten strenge Auflagen: Sie mussten einen Kanonenschuss von der Stadtmauer entfernt stehen, und als Baumaterial durften lediglich Holz, Lehm, Sand und Stroh dienen. Sie durften keinen Glockenturm besitzen (der hier sichtbare wurde später gebaut) und mussten innerhalb eines Jahres errichtet sein. In dieser atemberaubend kurzen Zeit entstanden die zwei größten Fachwerkkirchen Europas.

At the beginning of the 16th C Silesia had became Protestant in a remarkably short time, but then the Thirty Years’ War started and with it the Catholic Counter-Reformation. Silesia joined the side of Protestant Sweden and was defeated by the Catholic Habsburgs. In the Peace of Westphalia in  1648 the Habsburg Emperor was obliged under pressure from Sweden to allow the Protestant Silesians three churches of their own, of which the two at Jawor and Swidnica still survive.
Strict conditions were laid down for the building the churches: they were to be a cannon shot outside the town walls; the only building materials to be used were wood, clay, sand and straw; there was to be no bell tower (the one in the picture was added later) and each must be completed within a year. In this astonishingly brief time the two largest half-timbered buildings in Europe were built.

 

 

 

Während wir um das beeindruckende Gebäude in Jawor schlendern, das 1656 nach einem Jahr Bauzeit fertiggestellt  und dem Heiligen Geist gewidmet wurde, entdecken wir auf den aufgestellten Grabplatten Zeugnisse der deutschen Vergangenheit dieser Kirche.
Ungeschönt wird der im Mittelalter allgegenwärtige Tod dargestellt und im Text darüber der Wunsch, den die Menschen damit verbanden: "Mein Verlangen ist allein, bald bey meine Gott zu sein."

As we wander around outside the impressive building at Jawor, which was completed in 1656 within the allowed year and dedicated to the Holy Spirit, we see frequent evidence to the German past of the church on the grave stones.
Death was ever-present and a matter-of-fact, even apparently flirtatious topic in the Middle Ages. The rhyming German text above the two skulls reads: ‘My desire alone is soon to be with my God.’ The hour glass illustrates graphically time running out.

 

 

 

Als wir eintreten, verschlägt es uns erstmal den Atem. Wir meinten, schon so viele Variationen von Kirchenhallen gesehen zu haben, dass uns nichts mehr wirklich würde überraschen können. Doch weit gefehlt! Ein Prospekt ("via sacra") beschreibt das so: "Ein schlichtes Äußeres kontrastiert mit atemberaubender Pracht und enormer Größe im Innern. Der kühne Bau mit einem Raum von 1180qm bietet 6000 Menschen Platz. Die Brüstungen der vier Emporen zieren 200 Bildfelder mit zumeist biblischen Themen in volkstümlicher schlesischer Manier. Eine mit Ornamenten verzierte Kassettendecke bedeckt das Hauptschiff."

When we go in we are astonished. We have seen enough variations of church interiors in the past not to expect to be surprised. To quote a leaflet ‘via sacra’: “The plain exterior contrasts with the breathtaking magnificence and enormous size inside. The audacious building with an area of 1180 qm has room for 6000 people. The balustrades of the four galleries are decorated with 200 picture panels, mostly of biblical themes in Silesian folk style. A coffered ceiling decorated with ornaments covers the nave.”

 

 

 

Noch vor wenigen Jahren war die Kirche völlig verwahrlost. Wenn man unter oder in die sehr tiefen Galerien tritt, sieht man noch einiges an Restaurationsbedarf. Auch heute noch ist sie von Verfall bedroht; manche Bereiche sind abgesperrt. Doch Enormes wurde in den letzten Jahren in deutsch-polnischer Gemeinschaftsarbeit geleistet. Dies wurde 2001 mit der Aufnahme in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes belohnt.

Only a few years ago the church was completely run-down. If you go under or into the very deep galleries you still see where some restoration is needed and even today the church is subject to decay with some areas cordoned off. But enormous progress has been made in a German-Polish co-operative effort. This was rewarded in 2001 with the inclusion in the UNESCO World Cultural Heritage list.

 

 

 

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Es ist faszinierend zu sehen, wie gut es den Erbauern in kürzester Zeit gelungen ist, Platz für die vielen tausend unterdrückten  Protestanten zu schaffen, die bis zu einer Distanz von 70km anreisten. Doch genauso verblüffend für den heutigen Betrachter erscheint die ungewöhnliche Verbindung von barocker Pracht und lutherischem Glauben.

It is fascinating to see how successful the builders were in creating space for the thousands of oppressed Protestants some of whom travelled distances of up to 70 km to get to church. But just as unusual for an observer today is the combination of Baroque magnificence and the Protestant Lutheran faith. 

 

 

 

Im Jahr 2005 erstrahlten zum 350-jährigen Jubiläum die barocke Kanzel und der 1672 gestiftete Hauptaltar (links) im neuen Glanz. Das schön geschnitzte Taufbecken (rechts) weist die Bibelworte auf: "...der wird selig werden. Wer aber nicht glaubet..."

For the 350th jubilee in 2005 the Baroque pulpit and the main altar (left, donated in 1672), shone in renewed splendour. The beautifully carved baptismal font (r) has the Bible words “... he shall be saved. But he who does not believe...”.

 

 

 

Nicht weit von Jawor entfernt befindet sich die Großstadt Legnica (deutsch: Liegnitz), der man ihre bedeutende Stellung, die sie über Jahrhunderte einnahm, schnell ansieht. Auch sie durchlief die für Schlesien typischen Herrschafts-Abfolgen, sah die Piasten, die böhmische Krone, die Habsburger und schließlich die Preußen als ihre Herren.
Viele repräsentative Gebäude entstanden während der letzten tausend Jahre. Das Foto zeigt den Liegnitzer Ring mit der 1328-40 errichteten Peter-und-Pauls-Kirche, deren historisches Aussehen durch eine Umgestaltung im damals modischen neugotischen Stil im 19. Jh. verloren ging. An den Kirchturm anzulehnen scheint sich der weiße Turm des barocken alten Rathauses (erbaut 1737-41), das heute als Theater genutzt wird. An dieses Gebäude schließen sich rechts die "Heringsbuden" an, acht Häuser, die aus dem 16.Jh. erhalten geblieben sind.

Not far away from Jawor is the city of Legnica which shows clear signs of its importance over the centuries.  Historically it went through the usual sequence of overlords, the Piast dynasty, the Bohemian Crown, the Habsburgers and then the Prussians.
Many representative buildings were built during the last thousand years. The photo shows the Legnica Ring with the Church of Peter and Paul, which was built between 1328 and 1340, but forfeited its historical appearance  in the 19th C when it was remodelled into the then fashionable Neo-Gothic style.
The white tower of the Baroque Old Town Hall (built 1737-41), which is used as a theatre today, seems to nestle up against the church tower. Next to that on the right are the eight ‘Heringsbuden’ houses which have survived from the 16th C. (‘Heringsbuden’ translates from German as ‘herring booths’, which sounds rather like a Silesian form of fish-and-chip shops.)

 

 

 

In einer Seitengasse, eng bedrängt von anderen Gebäuden, steht die Johanniskirche. Auf den Fundamenten eines gotischen Gotteshauses aus dem 14.Jh. errichteten die berühmten Architekten Christoph und Kilian Ignaz Dientzenhofer ab 1714 eine barocke Kirche (siehe auch Prag und Legnica Pole).
Wir werden hineingelockt, weil priesterliche liturgische Gesänge auf die Straße dringen. Im Eingangsbereich entdecken wir Lautsprecher, die die Kommunion zahlreicher polnischer Kinder nach draußen übertragen.

Squeezed into a side street is the St.John’s Church. Starting in 1714 the famous architects Christoph and Kilian Ignaz Dientzenhofer (see also Prag and Legnica Pole) built a Baroque church on the foundations of a 14th C Gothic church.
Priestly liturgical chanting can be heard from the road so we go in to have a look. In the entrance hall loudspeakers are transmitting the service to the outside.

 

 

 

 

 

Soweit wir die Kommunion verfolgen können, läuft sie recht nüchtern ab. Mit Hilfe eines Mikrofons versucht der Priester, die lebhaften Kinder zu organisieren.
Über der Szenerie (li) schwebt die sternenbekränzte "Europa-Madonna", wie sie John leicht spöttisch nennt, ohne in jenem Moment zu wissen, dass er den Fakten recht nahe kommt.
Doch warum sieht man Maria so häufig mit einem Sternenkranz? Ein Spruch aus der "Apokalypse" lautet so: "Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt"(Offenbarung 12,1). Die zwölf Sterne sollen auf die zwölf Stämme Israels hinweisen, der Kranz auf den Triumph und die Unbesiegbarkeit der Frau. In der katholischen Auslegung der Bibel wurde zeitweise die Meinung vertreten, mit der "Frau" sei Maria gemeint.

Aber wie kommt dieses Symbol auf die Europaflagge? Der Legende nach sah der jüdische Belgier Paul Levi während der Naziherrschaft in Leuven viele Eisenbahnzüge, die die belgischen Juden abtransportierten. Er gelobte, dass er, sollte er den Krieg lebend überstehen, zum katholischen Glauben übertreten werde. Er überlebt, konvertierte und wurde zum Leiter der Kulturabteilung des Europarats (gegründet 1949). 1955 suchte man nach einer gemeinsamen europäischen Flagge. Fahnen mit Kreuzsymbolen wurden als zu christlich abgelehnt, ein großes grünes E auf weißem Grund als "Churchills Unterhosen" verunglimpft. Da sah Levi bei einem Spaziergang eine Madonnenskulptur, deren goldener Sternenkranz sich gegen den blauen Himmel abhob. Die Idee zur Europaflagge war geboren und wurde begeistert aufgenommen. Und so haben die Europäer vielleicht eine "katholische" Flagge, die von einem Juden kreiert wurde und ursprünglich die zwölf Stämme Israels symbolisierte.
 Fröhlich flattert sie zusammen mit der polnischen Flagge vor dem Portal der evangelischen Marienkirche.

It may be a rehearsal for a first communion or some other children’s service. At any rate the priest is using a microphone and is trying to organize lively children at the front.
Floating above the scene (l) is a star-crowned ‘European Madonna’. (At the time I make the comparison without realizing that there may be an element of truth to it - see below.)
Firstly, why is the figure of Mary so often seen with a crown of stars? In the Bible (Revelation 12,1) we read: “A spectacular sign appeared in the sky: a woman dressed with the sun, who had the moon under her feet and a victor's crown of twelve stars on her head.” The twelve stars are seen to refer to the twelve tribes of Israel and in some, particularly Catholic interpretations of the Bible passage the woman is seen to refer (among other things/people) to Mary.

But how does this symbol get onto the flag of Europe? A nice story is that of the Jewish Belgian Paul Levi. He saw many of the trains transporting Jews away from Leuven during the Nazi rule and swore that if he survived the war he would convert to Catholicism. He did and did, and later became leader of the European Council Department of Culture. After various other suggestions had been rejected, (one with crosses was ‘too Christian’, one with a large green ‘E’ on its side was mocked as ‘Churchill’s underpants’,) while having a walk Levi saw a Madonna sculpture with her crown of golden stars against the background of the blue sky. The idea was enthusiastically welcomed, so Europe was given a ‘Catholic’ flag conceived by a Jew and which originally reflected the twelve tribes of Israel.
There are other more prosaic versions of the origin of the flag, which is here seen fluttering in the wind alongside the Polish flag, appropriately near the entrance of the (Protestant) St. Mary’s church in Legnica.

 

 

 

Auf dem früheren Friedrichsplatz befand sich bis zum Kriegsende 1945 ein großes Standbild Friedrich des Großen. Mit dem Vertreiben der fast ausschließlich deutschen Bevölkerung nach dem 2. Weltkrieg schmolz man auch das Standbild ein. Ein "Mahnmal der Dankbarkeit" wurde daraus gegossen, nämlich derjenigen Dankbarkeit, die die neuen polnischen Bürger Legnicas gegenüber der Sovietarmee empfanden (oder empfinden sollten) (re), sowie die Darstellung der Mütterlichkeit (li).
Auf dem Platz fanden in kommunistischen Zeiten viele politische Kundgebungen und Paraden statt, später auch antikommunistische Demonstrationen. Nach der Wende überlegte man die Abschaffung des obsolet gewordenen Mahnmals, beließ es dann aber doch dort als Zeugnis einer bestimmten Epoche. Eine Schautafel neben dem Standbild klärt uns über diese Zusammenhänge auf.

Up to the end of WW2 a large statue of Frederick the Great (Friedrich der Grosse) stood in the square of the (then) Freidrichsplatz. After the war and after almost totally German population of the town had been expelled, the statue was melted down and made into a new ‘Monument of Thankfulness’, to celebrate the gratefulness which the new Polish citizens of Legnica felt (or should feel) to the Soviet army (r), together with a representation of ‘Motherhood’ (l).
During Communist times many political rallies and parades took place here, later many ant-communist demonstrations. After the political turnaround in Eastern Europe destruction of the monument was considered, but it was decided to leave it as a historical witness to that particular era. A nearby information board explained all this to us.

 

 

 

Heute dient die freie Fläche als Tummelplatz für sportlich ambitionierte Jugendliche.

While we were there the open space was serving as a sports arena for energetic young people.

 

 

 

Doch uns fehlt zu unserer Sammlung noch die zweite der verbliebenen Friedenskirchen, nämlich die zu Schweidnitz/Swidnica. Sie ist etwas südöstlicher als Jawor gelegen, und wir irren wie bei Jawor längere Zeit in und um Swidnica herum, ohne die Kirche zu sichten.
Auch sie musste einen Kanonenschuss von der Stadtmauer entfernt errichtet werden, aber unser Navigerät führt das nicht als Distanzangabe. Irgendwann entdecken wir sie  halb versteckt zwischen mächtigen Bäumen.

The second of the two remaining Churches of Peace, the one in Swidnica, is still missing from our ‘Unesco collection’. Swidnica is some distance south-west of Jawor, and as in Jawor, we hunt around for a while without finding the church.
It had to be built a cannon shot away from the town walls, but our navigation system doesn’t offer that as a unit of measurement. Eventually we find it half-hidden among high trees.

 

 

 

Diese Fachwerkkirche ist noch größer als diejenige zu Jawor, tatsächlich ist sie die größte Fachwerkkirche Europas. Man hatte vom Bau der Kirche in Jawor gelernt und wusste um den zu erwarteten Andrang an Gläubigen, so dass man dieses Gebäude nicht wir in Jawor als dreischiffige Hallenbasilika baute, sondern als dreischiffige Kreuzbasilika. Aus der Mitte des Hauptschiffs wächst das ebenso breite Querschiff, was der Kirche ein architektonisch verwirrendes Aussehen verleiht.

This half-timbered church is even larger than the one in Jawor, in fact it is the largest half-timbered building in Europe. The architects had learnt from building the church in Jawor and knew about the large number of church attendees they should expect, so as well as the nave and two aisles, as in Jawor, this also has two transepts, making the church into the form of a cross. The transepts, which have about the same width as the main nave, cross the nave at its midpoint, giving the church from outside an architecturally rather confusing form.

 

 

 

Um die Kirche herum bereitet sich unter hohen Bäumen der alte, naturbelassene Friedhof aus. Fast alle Inschriften sind in deutscher Sprache. Eingezäunte Sippengräber zeugen vom Leben und Sterben großer Familien.

The old, now rather overgrown cemetery forms a peaceful island of nature under the large trees. Almost all the inscriptions are in German. Fenced in groups of graves witness to the life and death of large families.

 

 

 

Verwirrend wirken auch die zahllosen kleinen Anbauten, die häufig Kuppeln tragen und dem Gebäude einen etwas orthodoxen Anstrich verleihen. Man versteht auch ihren Sinn nicht, bis man die ausladende Galeriekonstruktion im Innern gesehen hat. Die vielen separaten Eingänge führen die Gläubigen direkt zu ihren Sitzen auf den jeweiligen Emporen.

The numerous annexes attached to the main building, some with their own cupolas, give the church a rather orthodox appearance. Their purpose only becomes clear when you see the interior with its many levels of galleries. The many separate entrances allowed the people to reach the seats on the various galleries directly.

 

 

 

Die Auflagen, denen der Bau dieser Kirche unterlag, sind dieselben wie in Jawor: Verwendung nur von Holz, Lehm und Stroh, kein Einsatz von Nägeln, Bauzeit ein Jahr, keine Glocken oder Glockentürme. Am 23. August 1656 wurde der Grundstein gelegt, und am 24. Juni 1657 in der Kirche der erste Gottesdienst gefeiert.
Nach der großen Überraschung, die uns der Eintritt in die Kirchenhalle von Jawor bereitete, sind wir gespannt darauf, wie es im Innern dieses schon von außen noch komplizierter wirkenden Baus aussieht.

This church had to be built under the same conditions as in Jawor: only wood, clay and straw and no use of nails as building materials; to be built within a year, no bells or belfry. The foundation stone was laid on 23rd August 1656 and the first service was held in the church on 24th June 1657.
After being surprised on entering the Jawor church we are very curious to see what the interior of this externally rather complicated building is like.   

 

 

 

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Dies ist der Anblick, der sich einem bietet, wenn man den Vorraum durchquert hat und eintritt: eine barocke, für eine evangelische Kirche außergewöhnliche Pracht, alles aus Holz erschaffen, und eine für das Auge erstmals nicht zu ordnende Konstruktion. Die Seitenschiffe des Längs- und Querbaus sind sämtlich mit tiefen mehrstöckigen Galerien bebaut, in die hinein, wohl um die Zahl der Sitzplätze zu erhöhen, noch weitere, kürzere Emporen ragen.
Die Kanzel von 1728 ersetzte eine noch früher gebaute. Auf der Spitze der Kanzel bläst ein Posaune spielender Engel zum Jüngsten Gericht. Rechts neben dem Pult befindet sich eine Sanduhr, die früher vom Kirchendiener vor der Predigt umgestellt wurde (zu erkennen nach Vergrößerung). Heute ist sie nicht mehr in Gebrauch.

This is what you see when you go through the entrance hall and walk forward to the crossing: Baroque magnificence, unusual in a Protestant church and an all wood interior with a visually complicated structure. The aisles of nave and of transepts all have tiers of galleries rising up above them, into which yet more galleries protrude to further increase the seating capacity.
The pulpit of 1728 replaced an earlier one. On the pulpit roof an angel trumpets to signal the Final Judgement. On the right next to the lectern is an hour-glass which the verger turned over before the start of the sermon (enlarge the picture to see it). It is no longer in use today.

 

 

 

Wir befinden uns nun in der Nähe des Altars und blicken zurück auf den Haupteingang (im linken Bilddrittel) und die große Orgel (rechts). Über dem Eingang ragt die gerundete Form der Loge der Familie Hochberg heraus, die zwei Drittel des gesamten Bauholzes spendete. Die Brüstungen der Galerien wurden mit biblischen Sprüchen und Bildern bemalt, die Decke mit Themen aus der Apokalypse. Eine Ausnahme bildet das größte mittlere Bild, das die Dreifaltigkeit darstellt. Nach ihr wurde die Kirche benannt.

Here we are near the altar looking back towards the large organ (r).
Above the main entrance (l) is the rounded Hochberg family box. The aristocratic family donated two thirds of the wood used for the church.
The balustrades of the galleries are decorated with biblical texts and pictures, the ceiling with themes from the apocalypse. An exception is the large central picture representing the Trinity, after which  the Church is named.

 

 

 

Der Blick nach vorne zum Altar. Auf diesem Bild kann man gut erkennen, dass die Galerien sämtliche Seitenschiffe belegen, dass die Mitte der Vierung jedoch frei bleibt und sich zu einer 15m hohen Halle weitet. Auf 1090qm Bodenfläche fanden 7500 Menschen Platz, 3000 davon auf Sitzplätzen. Insgesamt ähnelt die Kirche eher einem alten Theater denn einer Kirche.
Da man in dem Gotteshaus keinen Blitz einsetzen darf, erstellten wir die Panoramaaufnahmen, indem wir den Fotoapparat auf eine Bankbrüstung auflegten, die einzelnen Bilder sehr lange belichteten und die Kamera langsam rotierten.

The view from under the organ towards the altar.
The picture shows more of the galleries above the aisles, but also that a large section of the nave and the crossing rises free without galleries to form a hall 15m high. The 1090 sqm church has room for 7500 people,  3000 of them seated. Altogether the interior more resembles a theatre than a church.
As no flash is allowed in the dark church we use the back of the pews to support the camera and then rotate the camera for the individual, long-exposure pictures which make up the panorama pictures.

 

 

 

Anlässlich des 100-jährigen Kirchenjubiläums wurde 1752 der prachtvolle Altar erstellt (li). Die Skulpturengruppe in der Mitte stellt Mose und Aaron, Jesus und Johannes den Täufer sowie die Apostel Petrus und Paulus dar. Auf sechs korinthischen Säulen ruht ein Fries mit der Aufschrift: "Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe."
Rechts sieht man eines der zahlreichen an der Brüstung angebrachten Portraits, die Bürger oder Adlige zeigen.

The magnificent altar (l) was added in 1752 for the churches’ one-hundredth anniversary. The sculpture in its centre shows Moses and Aaron, with Jesus and John the Baptist and with the apostles Peter and Paul. A frieze supported by six Corinthian pillars bears the text (in German): ‘This is my beloved son, with whom I am well pleased’.
On the right is one of the numerous portraits of a wealthy citizen or aristocrat.

 

 

 

Die Orgel der Friedenskirche gehört zu den schönsten in ganz Schlesien. Ursprünglich 1666-69 erbaut, erfuhr sie im Laufe der Jahrhunderte viele Veränderungen und Reparaturen. Da einer ihrer Organisten, Christoph Gottlob Wecker (1700-1774), ein Schüler Johann Sebastian Bachs war, findet seit 2000 alljährlich im Sommer ein Bachfestival statt (Festiwal Bachowski).

Wie die Kirche in Jawor war die in Swidnica in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts akut von Verfall bedroht und konnte nur mit Hilfe mehrerer großer deutscher und polnischer Stiftungen gerettet werden.

The Church of Peace organ is one of the most beautiful in Silesia. Built originally between 1666 and 1669 it was subject to many changes and repairs over the centuries. As one of the organists, Christoph Gottlob Wecker (1700-1774), was a pupil of Johann Sebastian Bachs, a Bach festival (Festiwal Bachowski) has been held here every summer since 2000.

As in Jawor the church in Swidnica fell into acute decay in the later decades of the previous century and could only be saved thanks to the combined support of several German and Polish trusts.

 

 

 

Neben einer Straße entdecken wir ein Hinweisschild zum Campingplatz "Bartniki", wo wir zwei Nächte verweilen. Er gehört nicht gerade zur Luxusklasse, hat aber alles, was man braucht, wenn sonst keine Camper anwesend sind.
 Einige Schwierigkeiten bereitet uns der kläffende Hund, dessen Fell ein paar Nummern zu groß geraten ist und der sogar versucht, John in den Arm zu beißen. Er habe gerade geworfen, versucht uns die Besitzerin zu beruhigen.
Hat man es geschafft, an ihm vorbeizukommen, kann man den friedlichen See genießen, bis bei Anbruch der Nacht Geräusche zu uns herüberdringen, die uns an einen Schlachtbetrieb denken lassen.

Near the road we discover a sign to the "Bartniki" camping site where we spend two nights. Not exactly luxurious, but it has all one needs (if hardly any other campers are there). The middle picture shows the single well-built toilet (green) and the washing/washing-up facilities.
Less pleasant was the barking dog at the entrance (l) with skin several sizes too large for it - in my opinion one of the ugliest dogs I have ever seen. Actually a nursing bitch protecting her pups, as the lady owner explains while kindly preventing the dog making a meal of my arm.
Once we get in we find a lovely spot next to a peaceful pond, only disturbed by penetrating noises in the late evening coming from what sounds like a slaughterhouse some distance away.

 

 

 

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