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 E & BJ Capper Nagold 2008/2009

 

4.6.2008

Wolfsschanze

Hitlers Kriegshauptquartier

The Wolf’s Lair
Hitler’s War HQ

Eine Rundfahrt durch Polen ist auch eine Zeitreise durch die deutsche Geschichte, besonders durch ihr dunkelstes Kapitel, die Herrschaft der Nationalsozialisten.
Zwischen dichten Wäldern, blauen Seen und gelblichen Sumpfgebieten (re) ließ Hitler ab dem Herbst 1940 ein neues Führerhauptquartier bauen; der Angriff auf Russland war bereits geplant. Ziel Hitlers war es, dem neuen Kriegsschauplatz nahe zu sein, aber auch außer Reichweite der britischen Kampfflugzeuge.
Während wir uns der Wolfsschanze beim kleinen Ort Gierloz (Görlitz) nähern, erinnert uns die Straße plötzlich an alte Autobahnen in Baden-Württemberg, die noch im 3.Reich gebaut worden waren (aber heute sicher alle neu asphaltiert sind). Wie diese Straße waren sie mit Betonplatten belegt, die in regelmäßigen Abständen Nähte aufwiesen und deshalb beim Befahren ein rhythmisches Rüttelgeräusch erzeugten.

A round trip of Poland is also time travel through German history, especially through its darkest period, the National Socialist regime.
Towards the end of 1940 Hitler had his new Führer Headquarters built between thick forests, blue lakes and yellowish marshes (r). The attack on Russia was already planned and Hitler’s aim was to be near the new theatre of war, but out of range of British bombers.
As we approach the Wolfsschanze near the small locality of Gierloz, the road suddenly reminds us of the old autobahns in our state of Baden-Württemberg in Germany. They were originally built in the 3rd Reich and it was only a long time afterwards that they were resurfaced. This road here is made out of the same concrete slabs. The intersections at regular intervals produce the characteristic rhythmic bumping when you drive along.

 

 

 

Das Führerhauptquartier blieb der Öffentlichkeit nach dem 2.Weltkrieg jahrzehntelang verschlossen. Erst als tausende Minen weggeräumt waren, wurde das Gelände in den 60-er Jahren des letzten Jahrhunderts für Besucher freigegeben. Doch noch heute warnen Schilder hinter dem großen Parkplatz vor dem Verlassen der Wege.

The HQ was closed to the public for many years after the 2nd WW. Only after the thousands of land-mines had been cleared was the site opened up for visitors in the 1960’s. Even today there are signs next to the large parking area warning you not to leave the marked paths.

 

 

 

Zum Zwecke der Tarnung wurden die insgesamt 80 Gebäude und Bunker gut verstreut in einen dichten Wald hineingesetzt. Die Flachdächer wurden bepflanzt und die Wände mit einem speziellen Putzmörtel bestrichen. Zudem wurden riesige Tarnnetzte ausgespannt.
Von den drei Sperrkreisen, die durch Minen, Zäune, Panzer- und Flugabwehrstellungen gesichert wurden, besichtigen wir auf einer 1,8km langen Route den Sperrkreis I, in dem die Spitzen von Staat, Partei und Wehrmacht untergebracht waren, also Hitler, Göring, Keitel, Jodl, Bormann u.a.
Am Anfang unseres Rundgangs stoßen wir auf diesen Gebäuderest, der wie die anderen Bauten auch mit einer Identifikations-Nummer versehen wurde. Der Lageplan der Wolfsschanze, den wir am Eingang gekauft haben, klärt uns darüber auf, dass es sich hier um die Ruine des SS-Begleitkommandos handelt.

For reasons of camouflage the 80 different buildings and bunkers were built well-spread out in thick woodland. Things were planted on the flat roofs and walls were covered with special plaster. In addition huge camouflage nets were spread out.
Of the three security areas which were protected by mines, fences, and antitank and anti-air-attack defence positions, we make the 1,8 km trip around  Security Area 1, in which the heads of the state, party and army were housed, i.e. Hitler, Göhring, Keitel, Jodl, Bormann and their entourage.
At the start of our round trip we find this ruined building, which is marked with an identification number as are most of the other constructions. The informative map and brochure of the Wolfsschanze that we buy at the entrance tells us that it is the ruin of the SS Escort Command.

 

 

 

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Wenige Meter weiter stehen wir vor einer großen Schautafel (li), die das Attentat Claus Schenk Graf von Stauffenbergs auf Hitler im Juli 1944 beschreibt. (Wer die Texte lesen möchte, kann das Foto ordentlich vergrößern.)
Die Tafel steht vor den Überresten der Baracke, in der das missglückte Attentat stattfand. Mehrere Schilder erinnern an das Geschehen und den deutschen Widerstand. Die Metallplatte auf einem Mäuerchen markiert die Stelle, an der die Aktentasche mit der Bombe platziert wurde (re).

A few metres further on we find a large information board (l), which describes the assassination attempt on Hitler in July 1944 by Claus Schenk, Graf von Stauffenberg. (To read the text you can expand the picture.)
The board stands near the ruins of the barracks in which the failed assassination attempt took place. There are several signs in memory of the attempt and of German resistance to the Nazis. The metal plate marks the spot where the briefcase with the bomb was placed (r).

 

 

 

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Eine Besucherin vor den Resten der Attentats-Baracke.

 Eine Mahntafel in Form eines aufgeschlagenen Buchs mit zerbrochenem Buchrücken kennzeichnet den Standort und erinnert an die Tatsache, dass viele Widerständler, unter ihnen Stauffenberg, dieses Attentat mit dem Leben bezahlten.

A visitor looks at the remains of the barracks where the attempt took place.
A memorial in the form of an opened book with a broken spine (r) reminds us that many members of the resistance group, including Stauffenberg, paid with their lives for the assassination attempt.

 

 

 

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Im ehemaligen Gebäude des Reichssicherheitsdienstes befindet sich ein schlichtes Modell der Wolfsschanze, von dem wir ein noch schlichteres, da teilweise unscharfes Panoramabild machen. Wir wollen es trotzdem zeigen, um einen groben Überblick über die Gesamtanlage zu geben.
Der Sperrkreis I, durch den wir gehen, befindet sich in der oberen Hälfte der Modells und ist von einem grünen Zaun umgeben. Nach der Vergrößerung des Bildes kann man (mit Mühe) die Ziffern auf einigen Gebäuden erkennen: Die Nr.21 kennzeichnet den Nachrichtenbunker, Nr.11 (rotes Schild) den Bunker Bormanns, die Nr.13 (ganz hinten) den Führerbunker, Nr.19 den Bunker des Feldmarschalls Keitel und Nr.16 den Göring-Bunker (ganz rechts). Den unteren Bereich mit den allgemeinen Luftschutzbunkern (Nr.26) haben wir nicht besucht, da er außerhalb des Sperrkreises I liegt.

In the former Reich Security Service building is a simple model of the Wolfsschanze of which we make an unfortunately partly blurred panorama picture. We show it nevertheless as it gives a broad overview of the whole area.
Security Area 1, which we are going through, is in the upper part of the model surrounded by a green fence. If the picture is expanded the numbers on some of the buildings can be identified: #21 marks the communications bunker, #11 (red sign) Bormann’s bunker, #13 (at the back) Hitler’s bunker, #19 the bunker of Field Marshall Keitel and #16 Göring’s bunker (far right).
The lower part with the general air-raid shelters (#26) is outside the area we visited, Security Area 1.

 

 

 

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Das Haus des SS-Begleitkommandos. Nicht alle Gebäude konnten von der Wehrmacht vor dem Anrücken der Roten Armee noch gesprengt werden.

The SS Escort Command house. The army did not manage to detonate all the buildings before the Red Army arrived.

 

 

 

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Vom Gebäude des Reichssicherheitsdienstes steht nicht mehr viel. Der Wald wächst in die Ruinen hinein. Viele Anblicke erinnern an im Urwald versunkene Aztekenstädte.

Not much is left of the Reich Security Service building, which is slowly being taken over by the surrounding woods. Some of the scenes remind us of the ruins of Aztec cities in South American forests. 

 

 

 

Außen- und Innenansicht des Stenografenamts. Zur Zeit der Nutzung der Wolfsschanze wurden einige Funktionshäuser hinzugefügt, deren Wände nur aus Ziegelsteinen und das Dach aus Beton bestanden.

Views of the stenography office from outside and inside. While the Wolfschanze was in use several functional buildings with brick walls and concrete roofs were added.

 

 

 

Nun stoßen wir auf einen der sieben monströsen Bunker, es ist derjenige von M. Bormann.
Hitler hatte ihn zum Chef der Parteikanzlei mit den Befugnissen eines Reichsministers ernannt. Er war inoffiziell der mächtigste Mann nach Hitler.
Der Bunker sieht von vorne recht komplett aus...

Then we reach one of the monstrously massive bunkers, in this case Martin Bormann’s.
Hitler had made him chief of the Nazi party headquarters with the authority of a Reichsminister. Unofficially he was the most powerful man after Hitler.
From the front the bunker still looks fairly complete ...

 

 

 

...doch wenn man um den Bunker herumläuft, sieht man die Wirkung, die 6-8 Tonnen Explosionsstoff pro Bunker entfaltet haben. Als am 20.November 1944 die Rote Armee in Ostpreußen stand, verließ die gesamte Führungselite des 3.Reiches das Führerhauptquartier Richtung Berlin. Am 22. November gab Feldmarschall Keitel den Befehl, die Wolfsschanze zu sprengen, damit sie nicht unzerstört dem Feind in die Hände fiel. Von außen wurde der Komplex nie angegriffen.
Die stützenden Stöcke haben polnische Schüler den Mauern untergeschoben.

... but walking around the bunker the effect of the 6 - 8 tons of explosives per bunker can be seen.
On the 20th November 1944 the Red Army had reached East Prussia and the complete management team of the Third Reich left the Führer Headquarters for Berlin. On 22nd November Field Marshall Keitel gave the order to blow up the Wolfsschanze, to avoid it falling undamaged into the hands of the enemy. The complex had never been attacked from outside.
The ‘supporting’ sticks (r) are probably the work of visiting Polish school children.

 

 

 

Der Hitler-Bunker. Nach nur 8-monatiger Bauzeit bezogen Hitler und Konsorten im Juni 41 die Wolfsschanze, der Hitler selbst nach seinem Tarnnamen "Herr Wolf" ihren Namen gegeben hat.
Die Bunker hatten Klimaanlagen, Kanalisation, Badezimmer und Beleuchtung. Ca. 250 Tage soll sich Hitler hier aufgehalten haben.

At last, Hitler’s bunker. After the short 8-month construction period Hitler and Co. moved into the Wolfsschanze, (“The Wolf’s lair”). Hitler had named it that after the pseudonym “Herr Wolf”, that he had assumed.
The bunker had air-conditioning, a drainage system, bathrooms and lighting. Apparently Hitler spent a total of about 250 days here. 

 

 

 

Auch der Hitlerbunker wirkt von zwei Seiten relativ komplett, doch von hinten ergibt sich ein anderes Bild (Mitte und re). Neben dem Führerbunker befinden sich die Reste eines Kasinos und Teehauses (li).

The Hitler bunker looks relatively complete from two sides, but from the back it looks different (m and r). Next to the Führer’s bunker are the remains of a casino and teahouse (l).

 

 

 

Nicht weit vom Führerbunker entfernt stehen die Reste des Bunkers von Wilhelm Keitel, dem Chef des Oberkommandos der Wehrmacht. Dicht gepackt liegen die Stahlträger, die ein enormes Gewicht tragen müssen, in den Mauern.
Keitel blieb Hitler bis zum Ende treu ergeben und war nach Hitlers Selbstmord einer der Unterzeichner der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8.Mai 1945. In den Nürnberger Prozessen wurde er zum Tod durch den Strang verurteilt.

Not far from the Führer’s bunker are the ruins of Wilhelm Keitel’s bunker. Keitel was head of the High Command of the German Armed Forces.
The closely packed steel girders had an enormous weight to carry.
Keitel stayed loyal to Hitler right to the end and after Hitler’s suicide he was one of the signatories of the unconditional surrender of the German armed forces on 8th May 1945. In the Nuremberg Trials he was condemned to death by hanging.

 

 

 

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In der äußersten Ecke des Sperrkreises I befinden sich die Überreste von Reichsmarschall Görings Bunker. Die Dicke der Betonwände der Bunker betrug 4-6m, die der Decke 6-8m. Abgeknickte Bäume scheinen die Last des Betonklotzes zu tragen.
Es ist erlaubt, durch diesen Bunker hindurch zu gehen.

In the far corner of Security Area 1 stand the remains of Reichsmarschall (“Marshal of the Empire”) Göring’s bunker. The concrete walls of the bunker were 4 - 6m thick, the roof 6 - 8m. It looks as if a deformed tree is supporting the weight of the blown-up wall.
Here visitors are allowed to go through the bunker. 

 

 

 

Im Innern durchquert ein langer, schmaler Flur das gesamte Gebäude. John ist mutig und geht in den finsteren Gang hinein, während ich ihn auf gut Glück mit Hilfe des Blitzlichts knipse (re).
Eine Leiter führt durch einen engen Schacht zu den Flak- und Maschinengewehrstellungen auf dem Dach (li).

Inside a long passage way leads right through the bunker. I ‘bravely’ go into one of the dark side-passages and get caught in the dark by Elli’s flash picture (r).
A ladder leads up a shaft to the flak and machine-gun post on the roof (l), but my bravery stops at this point. 

 

 

 

Von dem schmalen Korridor aus führt ein Gang, der drei Stahltüren und sechs Luftschleusen gegen Giftgas besaß, ins Innere des Bunkers, zum 92m² großen Luftschutzraum. Da die hintere Wand des Bunkers zerstört ist, kann man durch diesen Raum ins Freie gelangen.

From the narrow corridor a passageway, which formerly had three steel doors and six airlocks for protection against poisonous gas, leads into the inside of the bunker, to the 92m² air-raid shelter. As the back wall of the bunker is destroyed, one can get outside again through this room.

 

 

 

Im linken Bild kommt John durch die zerstörte hintere Wand aus Görings Bunker heraus. Rechts erhält man einen Eindruck von der Massivität und den Maßen des Bunkers.

In the left picture I am coming out of Göring’s bunker through the damaged back wall.
The right-hand picture gives an impression of the massiveness and dimensions of the bunker.

 

 

 

Das Gebäude von General Jodl, das sich in einem erstaunlich guten Zustand befindet. Von Jodl und seinen Mitarbeitern stammten maßgeblich die Pläne für einen Angriff auf die Sowjetunion ("Fall Barbarossa") und die Anweisungen für die Gräueltaten an der dortigen Bevölkerung. Jodl gehörte zu den 24 Personen, die im Nürnberger Prozess als Hauptkriegsverbrecher angeklagt wurden. Er wurde zum Tod durch den Strang verurteilt.

General Jodl’s building is in remarkably good condition. Jodl and his staff were principally responsible for the plans to invade the Soviet Union (“Operation Barbarossa”) and for the instructions about atrocities to the population there. Jodl was one of the 24 people charged as major war criminals at the Nuremberg Trials and was condemned to death by hanging.

 

 

 

In der Nähe befindet sich der Kamin des unterirdischen Heizkraftwerks (li), an dem man gut die Wirkung des speziellen Tarnmörtels erkennen kann (re). Der Mörtelmischung wurden Seegras und Holzspäne beigemischt. Nach dem Verputzen wurde mit einer Tarnfarbe gestrichen.

Nearby is the chimney of the underground combined heat and power plant (l), which shows the effect of the special camouflage plastering (r). Seaweed and wood chippings were mixed into the plaster. After application it was painted over with a camouflage colour.

 

 

 

Hinter dem großräumigen Kasino und einem Kino befinden sich die Toiletten (li). Es sieht aus, als habe man erst kürzlich die Becken aus den Wänden gerissen.
An einer Wand in der Garage hat jemand in riesigen Buchstaben das Wort "Warszawa", Warschau, geschrieben, wie als Mahnung an die unglaublichen Verbrechen, die die Nazis in dieser Stadt begangen haben.
An anderer Stelle steht die lakonische Aussage "Hitler kaput" - der Wirklichkeit gewordene Albtraum ist zu Ende.

Behind the spacious casino and a cinema are the toilets (l). It looks as if the washbasins have only recently been torn from the walls.
On the wall of a garage someone has written the word “Warszawa”, Warsaw, maybe as a reminder of the unbelievable crimes committed by the Nazis in that city.
On another wall is the laconic and unmistakable statement “Hitler kaput” - the nightmare that became reality came to an end. Either intentionally or not, the swastika sign below reverses the direction of the Nazi emblem.

 

 

 

Wieder am Parkplatz angekommen, suchen wir im Restaurant die Toiletten auf. Ein beklemmendes Gefühl macht sich breit, als wir feststellen, dass dieses gut in Schuss gehaltene Gebäude das ehemalige Hotel der SS-Offiziere ist.

Back at the parking area we look for the toilets in the restaurant. With a rather oppressive feeling we realize that this normal-looking building in good condition was the former SS officers’ hotel.

 

 

 

 

 

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