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 E & BJ Capper Nagold 2008/2009

 

4. - 5.5.2008

Muskauer Park
Park Mużakowski

An der deutsch-polnischen Grenze

On the German-Polish border

Einführung:

Unsere Rundreisen durch Tschechien und Rumänien haben uns zu Osteuropa verführt. Deshalb haben wir uns für dieses Frühjahr Polen vorgenommen, auch wenn diese Wahl bei unseren Freunden häufig auf Erstaunen stößt. Man glaubt nicht, dass es da viel zu sehen gibt. Vorbehalte Polen gegenüber ("flach, langweilig, kriminell, extrem katholisch") scheinen fast 20 Jahre nach Fall des Eisernen Vorhangs noch lebendig zu sein; wir finden sie auch in uns selbst.

Introduction:

Our round trips in the Czech Republic and in Romania have awoken our interest in Eastern Europe, so this spring we decide to visit Poland. This surprises some of our friends, who don’t think there is much to see there. Prejudices against Poland (‘flat, boring, criminal, Catholic to the extreme’) are still much alive almost 20 years after the fall of the Iron Curtain - to some extent in ourselves as well.

Doch wir werden sie einer Realitätsprüfung aussetzen: Wir besorgen uns eine Polen-Landkarte und verzeichnen auf ihr die auf der Unesco-Welterbeliste eingetragenen Orte. Dreizehn sind es insgesamt, davon zwölf Weltkulturstätten (rote Punkte) und eine Weltnaturstätte (grüner Punkt). Hinzu nehmen wir noch die Anwärter (Kultur: gelbe Punkte, Natur: blauer Punkt), und schon zeichnet sich eine mögliche Route vor uns ab. Bei Bad Muskau wollen wir die Grenze passieren und dann einen Bogen durch den Süden schlagen. Hier häufen sich die Welterbestätten. Dann soll es durch den gering besiedelten Osten des Landes gehen (unter Einbeziehung Warschaus) und schließlich entlang der masurischen Seenplatte Richtung Ostsee.

Bis auf die Stadt Torun haben wir tatsächlich alle Stellen besucht, oder - bei Stätten mit mehreren Vertretern, z.B. den Holzkirchen - eine repräsentative Auswahl.
Doch die Welterbestätten sind nur erste Anhaltspunkte. Weitere Reiseführer und Broschüren verweisen auf zahlreiche "ungelistete", aber dennoch hochinteressante Orte wie eine riesige mittelalterliche Teichlandschaft, eine Stadt, die den 2. Weltkrieg nachspielt (Przemysl), oder, inmitten eines Sumpfgebiets, Hitlers Wolfsschanze. Wir benötigen für diese Rundfahrt 5 Wochen und legen dabei in Polen ca. 5000km zurück.

But we want to go and see what it is really like for ourselves. As a way to start we look for the UNESCO World Heritage sites on a map of Poland. There are 13 listed items, (some at multiple locations), of which 12 are World Cultural Heritage (red dots) and one is World Natural Heritage (green). For good measure we add the candidates (Cultural: yellow dots, Nature: blue dot), and a possible outline route emerges. We decide to cross the Germans-Polish border near Bad Muskau, then make a curve through south Poland where the sites are concentrated, then northwards through the thinner populated east of the country, including of course Warsaw, and finally through the Masurian lake district and on to the Baltic Sea area.

Apart from the town of Torun we did visit all the sites, or - where multiple locations are involved, e.g .the Wooden Churches, - a representative selection of them.
But World Heritage sites are only a starting point. Thanks to a brochure from the Polish tourist authority, other guides and also just chance we find other interesting places as well - for example huge fishponds dating from mediaeval times, a town re-enacting 2nd World War events (Przemysl), or , in the middle of a swampy area, Hitler’s hidden headquarters ‘Wolfsschanze’ (= wolf’s lair). We take 5 weeks for the round trip and cover about 5000 km in Poland.

 

 

 

Am ersten Tag schaffen wir es bis nach Bautzen. Wir finden einen leeren Stellplatz direkt unterhalb der alten Stadtmauern mit der früher ins Verteidigungsnetz der Stadt integrierten St. Michaeliskirche (li).
Das 1000-jährige Bautzen besticht mit einer Vielzahl alter Türme und Bastionen, die sich über dem steilen Felsufer der die Stadt umfließenden Spree erheben. Die Altstadt steht komplett unter Denkmalschutz.
Die "Alte Wasserkunst", ein Rundturm von 1558 (re), war Verteidigungsanlage und Wasserturm zugleich.
Traurige Berühmtheit erlangte die Stadt durch die zwei in ihr beheimateten Stasi-Hochsicherheitsgefängnisse, in denen zahllose DDR-Regimekritiker und gescheiterte Republikflüchtlinge einsaßen. Die Glücklicheren unter ihnen wurden von der BRD freigekauft.

On the first day from Nagold in South Germany we get as far as Bautzen. We find an empty camper parking area directly beneath the old town walls. St. Michael’s Church (l) is integrated into the town walls.
The 1000 year old town is marked by numerous old towers and bastions rising above the steep rocky shore of the River Spree, which flows around the town. The whole of the old town centre consists of listed buildings.
The “Alte Wasserkunst” (r), a round tower dating to 1558, served both for defence and as a water tower.
During the East German (DDR) regime the town was notorious for its two secret police high security prisons, in which innumerable dissidents and unsuccessful attempted fugitives were held captive. Luckier ones among them were ransomed by West Germany (BRD) and set free.   

 

 

 

Wir sind in Polen! In Bad Muskau haben wir die Neiße überquert, um einem deutsch/polnischen UNESCO-Gemeinschaftswelterbe, dem Muskauer Park, die Aufwartung zu machen - und zwar vom östlicher gelegenen polnischen Parkeingang aus, schließlich soll das hier ein Polen-Bericht werden.
Der Eingang ist nicht ganz einfach zu finden, erst müssen wir uns durch einen riesigen polnischen Grenzmarkt beim Ort Leknica hindurchwühlen. Doch da stehen wir nun vor den ersten beeindruckenden Bäumen des Parks, der rund um die Uhr und rund ums Jahr jedermann kostenlos offen steht.

Now we are in Poland! In Bad Muskau we have crossed the River Neisse and want to visit the cross-border German-Polish UNESCO World Heritage site, the Muskau Park, and - as this is supposed to be a travel report about Poland - start from the Polish entrance on the east side.
The entrance is not very easy to find. We traverse the large Polish market in Leknica directly after the border and then find a small signpost.
Now we are parked near the first impressive trees of the park, which is open all day every day through the year free of charge.

Wer von unseren Lesern ältere Berichte von uns kennt, mag sich wundern, dass unser Gespann so geschrumpft ist. Eine Woche vor dem geplanten Beginn unserer Polen-Reise wollten wir bei unserem Wohnwagenhändler eine leere Gasflasche eintauschen - und kamen mit diesem VW-Bus zurück (zeitlich leicht geraffte Version). Er ist 4 Jahre alt, aber in gutem Zustand.
So viel zu unserer ausgeklügelten Lebensplanung. Bei monatelangem Nachdenken hätten wir uns wahrscheinlich nie von unserem komfortablen Reisewohnwagen Eriba Future trennen können. Doch der Zuschnitt und die Einsatzfähigkeit des VW California kamen einem heimlich genährten Wunsch entgegen, uns unkomplizierter und Campingplatz-unabhängiger bewegen zu können. Er hat sich auch aufs Beste bewährt.

Auf diesem Parkplatz kommen uns jedoch Bedenken: Ob man den Bus unbeaufsichtigt auf diesem leeren Parkplatz stehen lassen kann? Betrachtet man Reisemobile hier nicht als rollende Tresore? In dem Informationszentrum hinter dem Wagen beruhigt uns eine freundliche Dame und meint, der Bus sei hier sicher. Wir glauben ihr und widmen uns ausgiebig dem Studium des Park-Plans, der sich auf einem Schild hinter dem Eingang befindet.

Readers of our previous reports may be surprised that our travel modus has changed. A week before setting off as planned for Poland with car and caravan we visited our caravan dealer to pick up a full gas cylinder. We came away with this camper-van (a slightly abbreviated version of events). It is 4 years old but in good condition.
So much for our carefully planned lives! If we had considered for months we would never thought of parting from our comfortable Eriba Future caravan. But the compact layout and extreme practicability of this VW California matched our desire for less complexity and for increased independence from camping sites without paying for these with the dimensions of a full-size mobile home. So far it has fulfilled our wishes excellently.

Our first doubts come on this parking place after very few minutes in Poland: can we leave the camping-van unguarded on this empty parking place? Aren’t mobile homes regarded by thieves as travelling treasure chests?
The friendly lady at the information centre behind the camper-van assures us we will be safe here, so we believe her and start to study the park map near the entrance.

 

 

 

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Der Plan der Parkanlage. Er entstammt dem Hirn eines lebenslustigen, mit Lust provozierenden, weitgereisten Lebemannes, des Grafen, später Fürsten Hermann von Pückler-Muskau (1785-1871).
Dass der Park jahrzehntelang entlang der blauen Linie zerschnitten war, ja überhaupt nicht mehr in seiner großartigen Gesamtheit betrachtet werden konnte, lag wahrlich nicht in des Erschaffers Absicht: Es war das Ergebnis der Verhandlungen der Besatzungsmächte, die 1945 das Land östlich der Neiße (eben jenes blaue Band in Bildmitte) Polen zuschlugen.
Während der deutsche Teil zu DDR-Zeiten einigermaßen gepflegt wurde, verwilderte der wesentlich größere polnische. Erst die Wende bewirkte, dass beide Seiten sich zusammensetzten und einen gemeinsamen Rettungsplan erarbeiteten, der schließlich so erfolgreich war, dass er  2004 zur Aufnahme des Parks in die Welterbeliste der Unesco führte. Und seit Dezember 2007 ist es möglich, ungehindert und ohne Grenzkontrolle von einer Seite des Parks in die andere zu spazieren.

Das wollen wir jetzt tun. Unser Standort, d.h. der polnische Eingang, befindet sich knapp rechts der Neiße bei Ziffer 30 (nur zu sehen nach Vergrößerung, also Anklicken des Plans). Wir begeben uns jedoch zielstrebig zur nun barrierefreien Doppelbrücke über den Fluß (6, etwas verwischt), da sich jenseits der Neiße auf deutschem Boden eine Vielzahl höchst interessanter Objekte zu tummeln scheinen: Brücken, Teiche, Schlösser und Ruinen. Wir werden bei unserer nun folgenden kleinen Wanderung durch diesen Teil des Parks für besonders Interessierte die jeweiligen Ziffern auf der Karte nennen, soweit wir uns noch an unsere verschiedenen Standpunkte erinnern können.

The park was designed by a fun-loving, well-travelled playboy, who delighted in causing provocation, Earl - later Prince - Hermann von Pückler-Muskau (1785-1871).
It was certainly not the designer’s intention that the park be divided along the blue line or for years could not be admired as a glorious entity. That was the result of the negotiations of the occupying powers after the 2nd WW, which allocated the land to the east of the River Neisse, (the blue line down the middle mentioned before), to Poland.
During the East German (DDR) regime the western part was fairly well looked after, but the much larger eastern and Polish part became a wilderness. After the reunification of German both countries got together to set up a combined rescue plan. Finally this was so successful that it led in 2004 to the inclusion of the park in the UNESCO world heritage list. But it is only since December 2007 that it is possible to wander from one side of the park to the other without any border controls.

That is what we now want to do. Where we are standing, the Polish entrance, is just to the right of the Neisse by the number 30 on the map, (click on map to enlarge it). We aim for the river bridge (6, rather blurred), as many of the interesting buildings are on the German side. Where possible we will include the reference numbers from this plan to the description of our meanderings around the park.

 

 

 

Am Rande der Neiße-Auen entdecken wir ein scheues Reh, oder besser: Es entdeckt uns und zieht sich rasch in den Wald zurück.

Nach dem Plan des Fürsten sollte der Park keine Grenze erhalten, sondern nahtlos in die ihn umgebende Landschaft übergehen. Besonders auf der östlichen, heute polnischen Seite ragen Felder und Wälder als Teil des Gesamtkonzepts tief in den Park hinein, so dass man hier wild lebende Tiere zu sehen bekommen kann.

On the edge of the Neisse riverbank we spot a shy deer. It soon notices us and retreats back into the cover of the woods.

According to the Prince’s plan the park was not supposed to have borders, but to merge seamlessly into the surrounding countryside. Especially on the eastern, today Polish side, as part of the total concept the fields and woods reach far into the park so that wild animals can be observed here.

 

 

 

Durch ein kurzes Waldstück wandern wir hinunter zu den Neißeauen. Inmitten einer ausgedehnten Wiese steht eine alte Linde, unter deren weit ausladender Krone ein Paar Zeitung liest.
Im Hintergrund steigt das Gelände terrassenförmig an, eine natürliche Gegebenheit, die sich der Fürst zu Nutze machte, um den Park so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten.
1811 hatte Pückler die Standesherrschaft Muskau von seiner Mutter geerbt, die Verwaltung jedoch erstmals in andere Hände übergeben, da er eine militärische Laufbahn eingeschlagen hatte. Er begann jedoch frühzeitig mit dem Reisen, was ihn 1812 nach England führte. Die dortigen Parks weckten in ihm das starke Bedürfnis, selbst Gartengestalter zu werden, eine Leidenschaft, die ihn sein langes Leben lang nicht mehr losließ. 1815 beschloss er, das Gebiet um Muskau unter Einbeziehung der Neißeschleife in einen riesigen, fast 800 Hektar großen Park umzuwandeln. Dazu wurde ein ganzes Dorf umgesiedelt, das sich darin befand, und da der Boden am Fluss sandig und lehmig war, ließ er von weither riesige Mengen an Mutterboden mit Ochsenkarren heranschaffen. (Siehe als Vergleich die tschechische Parkanlagen Lednice und Valtice).

We walk down through a small section of woods towards the bridge over the Neisse river. In the middle of an extensive meadow stands an old lime tree. In the relaxed shelter of its spreading branches a couple is sitting reading the newspaper. Beyond the land rises in natural terraces that the prince incorporated into his design to make the park as varied as possible.
In 1811 Pückler inherited the lordship of the manor of Muskau from his mother. Initially he had it administered by others as he had chosen a military career. Soon he began to travel, which in 1812 took him to England. There the parks inspired his ambition to become a garden architect himself, a passion which stayed with him for the rest of his life. In 1815 he decided to transform the area around Muskau, including a long curve of the Neisse, into a park of almost 800 hectare (1950 acres). To achieve this a whole village was relocated outside the park and, as the ground near the river was mostly sand and clay, huge quantities of top soil had to be brought in using ox carts. (For comparison see the Lednice and Valtice parks in the Czech republic.)

 

 

 

Ein Teil der Neiße-Doppelbrücke, die im zweiten Weltkrieg zerstört, aber 2004 wiederaufgebaut wurde. Erst von diesem Jahr an konnte man innerhalb des Parks wieder von der einen Seite zur anderen gelangen, auch wenn man sich an dem Gittertor (links der Bildmitte) ausweisen musste. Diese letzte Hürde fiel während einer offiziellen Feier im Dezember 2007.
Heute erinnern nur noch die buntgestrichenen Grenzpfosten (rechts derjenige mit den polnischen Farben) daran, dass man von einem Land in ein anderes wechselt.
Wir empfanden diese neue Freiheit und das Gefühl der Zusammengehörigkeit in einem grenzenlosen Europa als beglückend und tief berührend -  und die offene Brücke als ein wunderbares Symbol dafür.

Part of the Double Bridge over the two arms of the Neisse at this point. It was destroyed in the 2nd WW and rebuilt in 2004, when it again became possible to cross within the park from one side to the other, although identity papers had to be shown at the metal border gate (left of centre). This last barrier was removed during an official celebration in December 2007.
Today only the brightly painted border posts - here in the colours of Poland (Polska) - remind us that we are going from one country to another.
We much enjoy this freedom and the feeling of belonging together across the previously closed borders of Europe and see the open bridge as a wonderful symbol of this.

 

 

 

Nach Pücklers Ansicht braucht ein Landschaftspark viel Raum, um zu wirken. Er führte deshalb das Konzept der Sichtachsen ein, d.h. langgezogene freie Flächen, an denen der Blick entlangläuft, bis er in der Ferne auf ein interessantes Gebäude oder sonstige gestalterische Elemente stößt. Viele solcher Sichtachsen kreuzen seinen Park und wurden in den letzten Jahren wieder grenzübergreifend hergestellt. Der Besucher wird auf gewundenen Wegen oft überraschend von einer zur anderen geführt. Hier fällt der Blick über eine weite Wiese hinweg auf das ehemalige Vorwerk des alten Schlosses (Ziffer 4).
Um den aufgeschütteten Mutterboden zu bepflanzen, ließ Fürst Pückler 800.000 Bäume und 42.000 Sträucher einsetzen. Dabei erfand er eine Methode, um auch große Bäume umzusetzen.

In Pückler’s opinion a country park needs a lot of space to have the right effect and he introduced the concept of lines of view or view-shafts i.e. lengthy free areas leading straight into the distance to some interesting building or other element of garden architecture. Many of such lines of view criss-cross the park and some have been recreated across the border in recent years. A visitor walking along the curved paths often finds himself led surprisingly from one to another. Here the view is across a broad meadow to the previous outbuildings (4) of the old palace.
Prince Pückler had an astonishing 800 000 trees and 42 000 shrubs planted in the imported top soil. In the process he also developed a method of replanting large trees.

 

 

 


Im alten Vorwerk oder Marstall sind heute ein schöner Souvenirladen, eine Information und ein Eiscafe untergebracht.

Die "Fürst-Pückler-Eiscreme", eine Schnitte aus Erdbeer-, Schokolade- und Makroneneis mit hohem Fettanteil, hat Pückler übrigens nicht erfunden, sie wurde ihm von einem Brandenburgischen Eishersteller gewidmet. Man hätte es ihm aber zutrauen können, da sein unkonventioneller, verschwenderischer, aber auch großzügiger Lebensstil manch Staunenswertes zustande brachte. So fuhr er einmal mit einem Hirschgespann auf dem Kurfürstendamm in Berlin vor, ein andermal stieg er mit einem Heißluftballon in die Lüfte und landete in einer Fichte.  Er war selbst auch ein eifriger Schriftsteller, der von Goethe gelobt und von Heinrich Heine geschätzt wurde, allerdings veröffentlichte er normalerweise unter einem Pseudonym ("Der Verstorbene" oder "Semilasso"). Als einziges Werk unter seinem Namen erschienen 1834 die "Andeutungen über Landschaftsgärtnerei".

In the old outbuildings or stables there are a good souvenir shop, an information centre and an ice cream parlour.

You may have heard of Prince Pückler ice cream, which is a mixture of strawberry, chocolate and macaroon ice with high fat content. He did not invent it himself, but instead it was dedicated to him by a Brandenburg ice manufacturer. However it is something he could have done, as his unconventional, wasteful but also generous style of life produced some amazing results. Once he drove a harnessed team of stags along the Kurfürstendamm, a main highway in Berlin. On another occasion he ascended with a hot air balloon and landed in a fir tree. He was also a celebrated author, who was praised by Goethe and highly valued by Heinrich Heine, but published mostly under a pseudonym, either ‘The Deceased’ or ‘Semilasso’. The only book published under his own name appeared in 1834 under the title ‘Andeutungen über Landschaftsgärtnerei’ (‘Suggestions about Garden Architecture’).

 

 

 

Auf einem Findling beim Schlossteich befindet sich die Erinnerungstafel an Fürst Pückler (Mitte). Links sieht man ein Bildnis von Lucie, Pücklers neun Jahre älteren Ehefrau, die er, wie er selbst sagte, 1917 nicht aus Liebe, sondern der Zweckdienlichkeit (sprich ihrer Mitgift) wegen heiratete. Trotzdem hielt die Beziehung ein Leben lang, obwohl sich Pükler 9 Jahre später, nachdem er ihr und sein Vermögen im Park verbuddelt hatte, im Einvernehmen von ihr scheiden ließ, um in England erneut auf Mitgiftjagd zu gehen.
Eine größere Prüfung für die Beziehung war wohl sein Mitbringsel aus Ägypten (re), die schöne Äthiopierin Machbuba, die er als 14-Jährige auf dem Kairoer Sklavenmarkt erwarb. Er nahm sie auf seine Reisen mit, lehrte sie mehrere Sprachen und wollte sie auch nach Berlin bringen, was Lucie sich jedoch verbat. So blieb Machbuba in Muskau, erwarb sich dort die Sympathien der Muskauer, verstarb aber schon wenig später. Ihr Grab in Bad Muskau wird auch heute noch von vielen geschmückt, und 2004 besuchte es sogar der äthiopische Botschafter.

On a rock near the palace pond is a plaque in memory of Prince Pückler (m). On the left is a picture of Pückler’s wife Lucie, who was 9 years older than him. He said himself that he married her in 1917 not out of love but for the practical reason of her dowry. Nevertheless the relationship lasted a lifetime, although she and Pückler agreed to divorce 9 years later after he had buried her dowry in the earth of the park, so that he could go dowry-hunting again in England.
 What probably tested their relationship more was the souvenir he brought back from Egypt, the beautiful 14-year old Ethiopian girl slave Machbuba he bought at the slave market in Cairo. He took her with him on his travels, taught her several languages and wanted to bring her to Berlin, but that was forbidden by Lucie. So Machbuba remained in Muskau where she gained the sympathy of the inhabitants, but she unfortunately died soon afterwards. In Bad Muskau many people still place flowers on her grave and in 2004 it was even visited by the Ethiopian ambassador. 

 

 

 

Über Blumenwiesen hinweg schweift der Blick zum Neuen Schloss (1), einem Neorenaissancebau, der am Ort des alten Herrensitzes in den Jahren 1864-66 errichtet wurde, allerdings nicht von Pückler selbst, sondern seinem zweiten Nachfolger, dem Prinz Friedrich der Niederlande - nach den Plänen von Karl Friedrich Schinkel, die dieser 1822 für Pückler entworfen hatte.
Im Innenhof wird im Mai 2008 noch schwer renoviert, da der Südflügel des Schlosses bereits im Herbst eröffnet werden soll. Er erhält eine Dauerausstellung mit dem Titel: "Pückler! Pückler? Einfach nicht zu fassen!".

Our gaze drifts across flower-covered meadows to the New Castle (1). This is a neo-Renaissance building which was built 1864-66 to replace the old manor house, not by Pückler himself but by his 2nd successor, Prince Friedrich of the Netherlands following the plans made for Pückler by Karl Friedrich Schinkel in 1822.
In May 2008 the inner court is still in the middle of restoration work as  the south wing is to be opened in the autumn. It houses a permanent exhibition with the title: ‘Pückler! Pückler? Simply unbelievable!’

 

 

 

Ganz in der Nähe (li) befindet sich das "Alte Schloss" (2), das Fürst Pückler etwas hochstaplerisch so nannte, obwohl es wohl eher das Torhaus der alten, jetzt verschwundenen Burg war.
Rechts sieht man vergoldete Wappen über dem Eingangsbereich des Gebäudes, das heute als Museum und Standesamt dient. Sie gehörten den Grafen Dohna-Callenberg. Pücklers Mutter war eine geborene Callenberg, die 16-jährig den schroffen Graf Pückler ehelichte, gemeinsam mit ihm unglücklich wurde und Pückler eine leidvolle Kindheit bereitete. Die Mutter steckte ihn in eine streng pietistische Schule der "Herrnhuter Brüdergemeine" (vgl. Christiansfeld), in die "herrenhutische Heuchelanstalt", wie Pückler selbst sie  nannte, die wohl Pücklers spätere Abneigung gegen den Protestantismus begründete. Pückler verstand sich als bekennender und dadurch viele seiner Zeitgenossen irritierender Pantheist.

Quite close (left) is the ‘Old Castle’ (2) as Prince Pückler rather pretentiously called it. It was really more the gatehouse of the old castle which has now disappeared.
On the right is the gilt coat of arms above the entrance of the building which now serves as both museum and civil register office. It belonged to the Earls of Dohna-Callenberg. Pückler’s mother was born a Callenberg. At 16 she married the brusque Earl Pückler. They became unhappy together and gave Pückler a rather joyless childhood. His mother sent him to a strictly pious boarding school run by the Moravian Church, (Herrnhuter Brüdergemeine, cf. Christiansfeld). Pückler himself referred to it later as the ‘Herrnhuter Hypocrites School’. It was presumably the reason for Pückler’s aversion to Protestantism. He was a professing pantheist, which was a source of irritation to many of his contemporaries.

 

 

 

Am Schlossteich steht eine wunderschöne alte Gurkenmagnolie, die ihre ausladenden Äste am Boden abstützen muss.

This beautiful old Cucumber Magnolia standing by the castle lake rests its deep hanging branches on the ground.

 

 

 

Nun stehen wir zusammen mit einer weiteren Touristin auf der Karpfenbrücke (15) am Schlossteich und versenken uns in den berühmten Anblick des sich spiegelnden Schlosses. Links lugt hinter Bäumen ein Teil des Alten Schlosses hervor.

Now we are standing with another tourist on the Carp Bridge (15) and immersing ourselves in the famous view of the castle reflected in the castle lake. On the left the Old Castle is partly hidden by the trees.

 

 

 

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Alte Eiche am Schlossteich, links im Hintergrund eine Blutbuche.

1826 sind die Vermögen von Fürst Pückler und seiner Frau vergraben, der Park jedoch noch nicht fertig gestellt. Da beide mit gleicher Leidenschaft der Gärtnerei frönen, entsteht gemeinsam die Idee von einer Scheidung und Wiederverheiratung Fürst Pücklers. Drei Jahre treibt er sich auf den englischen Herrensitzen herum, beobachtet süffisant das Geschehen dort und berichtet als "der Verstorbene" in ausführlichen Briefen an seine geschiedene Frau. Er kommt ohne reiche Gemahlin zurück, ist allerdings unvermutet zum berühmten Autor aufgestiegen, da Lucie seine Berichte noch während seiner Abwesenheit als "Briefe eines Verstorbenen" veröffentlicht hat.
Die Zeitgenossen amüsieren sich köstlich über seine Auslassungen, von denen allerdings die kompromittierendsten (auch von Pücklers eigener Person) vom Verleger weggelassen werden. Das soll Pückler später geärgert haben. Trotzdem werden seine Schilderungen zu den meistgelesenen Reiseberichten seiner Zeit.

An oak next to the castle lake. A Copper Beech on the left forms the background to the fresh oak leaves.

By 1826 Prince Pückler and his wife’s wealth has all been dug into the ground, but the park is not finished. Both share the passion for garden architecture and they develop the idea of getting divorced and of Prince Pückler then remarrying. For three years he goes from one English stately home to another, complacently observing events and reporting back under the name ‘The Deceased’ in long letters to his divorced wife. He returns without the hoped-for wealthy wife, but unexpectedly finds himself a famous author. In his absence Lucie has published his letters under the title ‘Letters of a Departed One’.
His contemporaries are highly amused by his disparaging remarks. However, the publisher understandably omits the most compromising comments (also about Pückler himself). Later Pückler is annoyed by that, but nevertheless his descriptions become some of the widest read travel reports of his time.   

 

 

 

Geht man um das Neue Schloss herum, erkennt man, dass die Renovierungsarbeiten noch nicht abgeschlossen sind.
Während der schweren Kämpfe gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, die 80% der Stadt zerstörten, blieben auch das Neue und das Alte Schloss nicht verschont. Als ausgebrannte Kriegsruinen überdauerten sie das DDR-Regime. 1995 begann man mit dem Wiederaufbau des Neuen Schlosses.

Going round the New Castle we see that the renovation work is not yet completed.
Towards the end of the 2nd WW there was heavy fighting here  in which 80% of the town was destroyed and neither the New nor the Old Castle escaped. They survive the DDR regime as burned out war ruins and in 1995 rebuilding of the New Castle was commenced.

 

 

 

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Den Park zieren eine Vielzahl hübscher Brücken. Diese hier, Fuchsienbrücke genannt (13), schmücken im Sommer blutrote Fuchsiengewächse. Jetzt, Anfang Mai, blühen in den Trögen noch zartrosa Tulpen.

The park is adorned with numerous pretty bridges. This one, called the Fuchsia Bridge (13), is decorated in summer with blood-red fuchsias. Now at the beginning of May its flower boxes are filled with delicate pink tulips.

 

 

 

Lange verweilen wir an diesem traumhaften Gewässer, dem Eichsee. Pückler zweigte einen Teil der Neiße ab, um diese verwunschene Fluss- und Seenlandschaft zu erschaffen.

We spend some time at the gorgeous Oak Lake. Pückler diverted part of the River Neisse to create a magical watery landscape.

 

 

 

Die Wetterlage ist labil, vor einem strahlend blauen Himmel häufen sich seit einiger Zeit düstere Wolken. Nun beginnt es zu regnen. Unter den ausladenden Ästen einer alten Eiche, der historischen Herthaeiche, stehend, folgt unser Blick dem mäandernden Bach bis zur Schäferbrücke (10) im Hintergrund.

The weather is rather unstable; for some time dark clouds have started to pile up in the otherwise clear blue sky. Now it starts to rain. Standing under the spreading branches of the old historic Hertha Oak we look along the meandering stream towards the Shepherd’s Bridge (10).

 

 

 

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Meisterhaft ist es Pückler gelungen, gestaltete Landschaft natürlich erscheinen zu lassen. Nichts erschien ihm dabei so schwierig wie künstliche Inseln zu erschaffen, die "echt" wirken sollten. Er lästerte über einen Versuch im Garten des Buckingham-Palasts. Hier, in den Windungen des Eichsees, fügen sich auch kleine Inseln sehr harmonisch ins Gesamtbild.

Pückler has expertly achieved the feat of creating a landscape that looks natural. Nothing seemed more difficult to him than making artificial islands look ‘real’. In his writings he mocked an attempt at this in the garden of Buckingham Palace. Here in the windings of the Oak Lake small islands fit harmoniously into the complete picture.

 

 

 

Nach dem kurzen Regenguss leuchten die Grüntöne in zahllosen frischen Varianten.

After the short shower shades of green gleam in numerous fresh variations.

 

 

 

Schließlich stoßen wir wieder auf die "alte" Neiße und entdecken einen polnischen Grenzposten am entfernteren Flußufer. Wie abgenagte Backenzähne ragen die Stümpfe der ehemaligen englischen Brücke (7) aus dem Fluss. Auch sie wurde 1945 zerstört. Doch es sollte uns wundern, wenn nicht auch sie in wenigen Jahren aus Ruinen wiederauferstehen sollte.

Finally we reach the ‘old’ River Neisse again and see a Polish border post on the other side. The piers of the English Bridge (7), which was destroyed in 1945, stand up in the river rather like worn molars. We would not be surprised if the bridge is resurrected from the ruins in coming years.

 

 

 

Insgesamt soll ein Wegenetz von 50km Länge den Park durchziehen, was zum Radfahren wunderbar geeignet erscheint. Auch dieses ungewöhnliche Trio ist wohl dieser Meinung.

There are a total of about 50km of paths in the park - ideal for cycling, as this unusual trio would probably agree.

 

 

 

Wir befinden uns wieder auf der Doppelbrücke und blicken die Neiße entlang zum Fürst-Pückler-Gedenkstein auf der polnischen Seite. Den weiten Blick von der erhöhten Stelle aus soll der Erschaffer des Parks sehr geliebt haben.

Die Einnahmen von seinen Reiseberichten konnten das Loch in Pücklers Geldbeutel auf Dauer nicht stopfen. 1845 musste er den Park endgültig verkaufen. Dieser geriet in die guten Hände des Prinzen Wilhelm der Niederlande. Vom Erlös kaufte er sich das Schloss Branitz - und legte einen weiteren berühmten Park (Fürst-Pückler-Park) an.
Von unermüdlichem Schaffensdrang - oder Abenteuerlust - bis ins hohe Alter erfüllt, nahm er als 81-Jähriger in Generaluniform als Freiwilliger am Krieg teil, verschlief allerdings die Schlacht von Königgrätz. Sein Körper, so verfügte er, solle nach seinem Ableben in Säure aufgelöst und in der Seepyramide im Branitzer Park beigesetzt werden. So geschah es.

Now we are back on the Double Bridge and look along the River Neisse towards the Prince Pückler memorial on the Polish side. The view from this raised point was a favourite of the park’s creator.

The income from Pückler’s travel reports was not enough to fill his pockets lastingly. Finally in 1845 he had to sell the park. It came into the hands of Prince Wilhelm of the Netherlands. From the proceeds Pückler bought Branitz Castle, where he started to lay out another famous park (the Prince Pückler Park).
His untiring creative energy and his wish for adventure continued into old age. As an 81-year-old he took part in a war as a volunteer in general’s uniform, but by oversleeping missed the Battle of Königgrätz. He directed that his body be dissolved in acid and put into the pyramid in the lake at the Branitzer Park, and so it was done.

 

 

 

Wer jetzt immer noch nicht genug hat, der erblickt nach Anklicken des Links unten ein paar weitere Impressionen von unserem Parkbesuch.

Link: Zusätzliche Bilder

If anyone still has not had enough, then click the link below to see some more impressions of our visit to the park.

Link: Additional pictures

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